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Die Relativität des Normalen. Eine Debatte auf Grundlage des Films "King George. Ein Königreich für mehr Verstand"

Title: Die Relativität des Normalen. Eine Debatte  auf Grundlage des Films "King George. Ein Königreich für mehr Verstand"

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Fabian Fitz (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit soll auf Grundlage des Films „King George – Ein Königreich für mehr Verstand“ (Englischer Originaltitel: The madness of King George) Fragen zur Philosophie und Psychologie und deren Grenzgebiete aufwerfen, Probleme erkennen und Möglichkeiten entwickeln. Dabei gehe ich von der These aus, dass der Film sein Hauptaugenmerk auf zwei Dinge legt: den Begriff der Normalität und die Behandlung einer psychischen Krankheit mit Fokus auf dem Verhältnis von Therapeut und Klient. Ausgehend davon soll eine kritische Sichtweise auf die Relativität des Normalen entwickelt und Probleme wie gesellschaftlicher Anpassungsdruck und Etikettierung beleuchtet werden.

Meine These ist es, dass die Philosophie und die Psychologie gerade in Fragen der Psychiatrie enger zusammen arbeiten und sich nicht gegenseitig als Spekulationswissenschaft beziehungsweise als begriffslose Empirie abtun sollten. Aufgrund der Schwierigkeiten, die der Begriff des „Normalen“ und der „Abweichung“ oder auch die Begriffe „gesund“ und „krank“ aufwerfen, ist es für die Psychologie unumgänglich sich des kritischen Potentials der Philosophie zu bedienen und wenn die Philosophie den Anspruch haben will, auch für die psychologische und psychotherapeutische Praxis relevant zu sein, darf auch sie die empirischen Erkenntnisse der Psychologie nicht außen vor lassen.

Für das Gelingen des Unterfangens soll in dieser Arbeit zu Beginn die Geschichte der Psychiatrie dargestellt werden. Diese ist insofern relevant, als dass dadurch deutlich wird, inwieweit die Betrachtung psychischer Krankheiten und psychischer Normalität sich über die Jahre verändert hat. Damit einher gehen gesellschaftliche Moralvorgaben, sich verändernde Menschenbilder, unterschiedliche Auffassungen des Zusammenhangs von Körper und Geist und ganz allgemein Mechanismen des Umbruchs einer Gesellschaft. Dabei sollen schon einige Fragen entwickelt werden, welche auch im Film angesprochen werden. Die Darstellung der Entwicklung des Krankheitsverlaufs von King George und die Filmadaption des historischen Stoffes soll zeigen, welche Möglichkeiten das Medium Film bietet, philosophische und psychologische Schwierigkeiten zumindest anzusprechen. Dabei soll sowohl der Krankheitsverlauf, als auch die filmische Umsetzung nicht nur deskriptiv gezeigt werden, sondern immer schon normative Elemente mit einfließen , um diese im weiteren Verlauf der Arbeit wieder aufzunehmen und genauer zu betrachten. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Psychiatrie

2.1 Die Relativität des Normalen

2.2 Wahnsinn im gesellschaftlichen Umbruch

2.3 Wahnsinn zwischen Anerkennung und Ausschluss

2.4 Moralische Kontrolle

2.5 Kritik der Psychologie

3. Die Entwicklung der Krankheit bei King George

3.1 Wahnsinn als psychische Störung

3.2 Behandlungsmethoden und Menschenbild

4. Die Filmadaption des historischen Stoffes

4.1 King George – gesund oder krank?

4.2 Der Gesundheitsbegriff in Abhängigkeit des sozialen Status

5. Philosophie und Psychologie

5.1 Bezugspunkt psychischer Krankheiten

5.2 Person und Persönlichkeit

5.3 Anthropologie

5.4 Das Verhältnis von Therapeut und Klient

5.5 Normalität und Abweichung

5.6 Normalitätsdefinitionen

6. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht auf Grundlage des Films „King George – Ein Königreich für mehr Verstand“ das Wechselspiel zwischen Philosophie und Psychologie im Kontext psychischer Störungen. Im Zentrum steht dabei die kritische Analyse des Normalitätsbegriffs sowie die Frage, wie gesellschaftlicher Anpassungsdruck und Etikettierung die Behandlung psychisch Kranker beeinflussen.

  • Die historische Entwicklung der Psychiatrie und des gesellschaftlichen Umgangs mit Wahnsinn.
  • Die Analyse von King Georges Krankheitsverlauf im Spiegel zeitgenössischer Therapiemethoden.
  • Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Ich-Begriff, der Person und der Persönlichkeit.
  • Das dialogische Verhältnis zwischen Therapeut und Klient im therapeutischen Prozess.
  • Die kritische Dekonstruktion medizinischer Normalitätsdefinitionen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Wahnsinn als psychische Störung

Der Begriff Wahn bezeichnet nicht eine bestimmte Krankheit, sondern ein Symptom, eine Erlebnisweise. Dabei unterscheidet die Psychiatrie zwischen Wahnwahrnehmung und Wahnvorstellung, wobei die meisten Wahnphänomene Wahnvorstellungen sind, was bedeutet, dass sich der Wahn in der Vorstellungswelt der Patienten abspielt. Hiervon unterscheidet man die Wahnwahrnehmung folgendermaßen: Einer „richtigen“ Wahrnehmung wird eine ungewöhnliche, schwer verständliche „abnorme“ Bedeutung unterlegt, oft eine Eigenbeziehung. Ein Gegenstand oder Vorgang wird zwar als das gesehen, wofür ihn auch andere Menschen übereinstimmend halten; er gewinnt aber eine besondere, nur für diese Kranken gültige, also wahnhafte Bedeutung.

Symptomatisch äußert sich die wahnhafte Störung vor allem in einer verfälschten Urteilsbildung und befremdlichen Überzeugung, womit auch ein Ausschluss der Wahnerkrankung seitens des Patienten einhergeht. Als wichtigstes Merkmal unterscheidet den Wahnkranken vom Gesunden, dass er nicht umschalten kann. Er kann aus seiner Nebenrealität nicht zurück in die Hauptrealität gelangen. Mit anderen Worten: er kann sich nicht auf eine andere Perspektive einlassen und vom eigenen Standpunkt absehen.

Auch in der Klassifizierung des ICD-10 kommt zur Sprache, dass es bei wahnhaften Störungen immer auf den betreffenden Kulturkreis ankomme, was impliziert, dass die Begriffe von Normalität und Wahnsinn kultur- und gesellschaftsabhängig sind. Darauf soll im weiteren Verlauf der Arbeit noch explizit eingegangen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Relativität von Normalität ein und stellt die zentrale These einer notwendigen engeren Zusammenarbeit von Philosophie und Psychologie auf.

2. Geschichte der Psychiatrie: Das Kapitel zeichnet den historischen Wandel im Umgang mit dem Wahnsinn nach, von der Hexenverfolgung bis hin zur Herausbildung einer medizinisch-psychologischen Kontrolle.

3. Die Entwicklung der Krankheit bei King George: Hier wird der Krankheitsverlauf des historischen Königs analysiert, wobei besonders die Diskrepanz zwischen den damaligen Behandlungsmethoden und der heutigen medizinischen Einordnung der Porphyrie hervorgehoben wird.

4. Die Filmadaption des historischen Stoffes: Dieses Kapitel verknüpft die filmische Darstellung von King George mit psychoanalytischen Normalitätskonzepten und der soziologischen Bedeutung des sozialen Status für die Diagnose.

5. Philosophie und Psychologie: Der Hauptteil beleuchtet grundlegende philosophische Fragestellungen zu Person, Identität und dem therapeutischen Dialog als notwendige Ergänzung zur klinischen Psychologie.

6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass Normalität kein absoluter Wert, sondern ein stets neu auszuhandelnder gesellschaftlicher Begriff ist, dessen kritische Reflexion für ein menschenwürdiges psychiatrisches Verständnis unerlässlich bleibt.

Schlüsselwörter

Normalität, Wahnsinn, Psychiatrie, Psychologie, Philosophie, Porphyrie, Persönlichkeit, Identität, Diskurs, Foucault, therapeutische Beziehung, soziale Etikettierung, Medizinisierung, Subjektivierung, Krankheitsbegriff.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis von Normalität und psychischer Krankheit, wobei sie den Film „King George“ als primäre Fallstudie nutzt, um die Interdisziplinarität zwischen Philosophie und Psychologie zu verdeutlichen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen sind die historische Geschichte der Psychiatrie, der Einfluss gesellschaftlicher Normen auf die Diagnose sowie die philosophische Bestimmung von Person und Ich im therapeutischen Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass psychische Krankheit nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern immer eine gesellschaftliche und philosophische Komponente besitzt, die eine engere Zusammenarbeit der Disziplinen erfordert.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die historische Analysen (Foucault), filmwissenschaftliche Beobachtungen und philosophische sowie psychologische Konzepte kombiniert.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Dekonstruktion von Normalitätsdefinitionen, die Analyse der therapeutischen Beziehung und die philosophische Anthropologie im Kontext psychischer Störungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Normalität, Wahnsinn, Identität, Diskurs, soziale Etikettierung und das interdisziplinäre Spannungsfeld zwischen Psychiatrie und Philosophie beschreiben.

Welche Rolle spielt die Porphyrie im Kontext der Arbeit?

Die Porphyrie dient als medizinisches Fallbeispiel für King George, um aufzuzeigen, dass eine rein physische Krankheit psychische Symptome auslösen kann und die historische Diagnose oft mit der heutigen rückblickenden Einschätzung korreliert.

Wie bewertet der Autor die psychiatrische Praxis der damaligen Zeit?

Der Autor bewertet die Methoden, wie das Schröpfen oder das Fesseln in Zwangsjacken, als zwar für die Zeit teils progressiv, aber kritisch im Sinne einer Objektivierung des Menschen, der als Subjekt entmündigt wurde.

Warum betont der Autor die Notwendigkeit des philosophischen Potentials in der Psychologie?

Die Philosophie wird als notwendig erachtet, um die blinden Flecken der empirischen Psychologie, insbesondere die Hinterfragung von Normen und die Sinnfrage, kritisch aufzudecken.

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Details

Title
Die Relativität des Normalen. Eine Debatte auf Grundlage des Films "King George. Ein Königreich für mehr Verstand"
College
University of Stuttgart  (Institut für Philosophie)
Course
Normalität und Normativität
Grade
1,0
Author
Fabian Fitz (Author)
Publication Year
2013
Pages
30
Catalog Number
V301159
ISBN (eBook)
9783656975311
ISBN (Book)
9783656975328
Language
German
Tags
Normalität Normativität The madness of King George Film Philosophie Foucault Wahnsinn Psychologie Alterität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Fitz (Author), 2013, Die Relativität des Normalen. Eine Debatte auf Grundlage des Films "King George. Ein Königreich für mehr Verstand", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301159
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