Positiver und negativer Affekt. Konstrukte des subjektiven Wohlbefindens


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund und Hypothesen
2.1 Definition: Subjektives Wohlbefinden
2.2 Stand der Forschung
2.3 Hypothesen

3 Daten und Operationalisierung
3.1 Abhängige Variable: Positives emotionales Wohlbefinden
3.2 Unabhängige Variablen

4 Analyse
4.1 Deskriptive Statistik
4.2 Regressionsanalyse

5 Ergebnisse

6 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.1 Diskussion
6.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Seit vielen Jahrzehnten beschäftigen sich unterschiedliche Disziplinen mit den Konzepten des subjektiven Wohlbefindens und der Lebenszufriedenheit von Personen. Psychologen, Soziologen sowie auch Ökonomen kommen jedoch zu ähnlichen Ergebnissen. Das subjektive Wohlbefinden und auch die Lebenszufriedenheit korrelieren miteinander und werden nicht nur von demographischen Elementen beeinflusst (vgl. Diener 1994: 145; Diener, Suh, Lucas & Smith 1999: 277f.).

Ein Problem an vielen Analysen stellt die Tatsache dar, dass vor allem aus der Sicht der Soziologie und der Ökonomie eher die allgemeine Lebenszufriedenheit untersucht wird. Es wird zumeist nur mittels eines Items der Versuch angestellt Rückschlüsse zu ziehen, wieso einige Personen zufriedener sind als andere. Problematisch hieran ist, dass das subjektive Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit gemeinsam untersucht werden müssen um die Frage zu beantworten und ein Single-Item hierfür nicht ausreicht.

Doch wieso stellt sich überhaupt die Frage wer glücklich oder unglücklich ist?

Aus verschiedenen Studien wird ersichtlich, dass glückliche Menschen ihr Leben als deutlich positiver empfinden und dies in unterschiedlichen Lebenslagen zum Ausdruck kommt (vgl. Diener, Suh, Lucas & Smith 1999: 277f.).

So lässt sich beispielsweise mit passenden Indikatoren überprüfen, welche Einflüsse das subjektive Wohlbefinden auf die Qualität der eigenen Arbeitsleistung oder die Zufriedenheit mit anderen nicht-individuellen Dimensionen hat, beispielsweise Zufriedenheit mit der Politik, dem Gesundheitssystem, der Schulbildung usw. Weiterhin hilft das Wissen über das subjektive Wohlbefinden dabei globale Indikatoren zu bilden, um die Lebensqualität oder die Arbeitsqualität messbar zu machen (vgl. Schumacher, Klaiberg & Brähler 2003). Möchte man nämlich die Qualität der Arbeit verbessern, lohnt es sich das subjektive Wohlbefinden von Personen in schlechten und guten Arbeitsverhältnissen zu vergleichen und hieraus Informationen zu ziehen, die bei der Indexbildung helfen.

Durch die unterschiedlichen Operationalisierungsstrategien, die über die Jahrzehnte vor allem in der Psychologie herausgearbeitet wurden, wird in dieser Arbeit vor allem auf einen Vorschlag eingegangen: Nach Diener et al. (1999) müsse untersucht werden welche Formen des Wohlbefindens es überhaupt gibt, bevor ein globaler Lebenszufriedenheitsindex erstellt wird. Denn nur mit dem Wissen über die Dimensionen des subjektiven Wohlbefindens könne auf eine allgemeine Lebenszufriedenheit geschlossen werden. Diener et al. (1999) haben hierfür eine theoretische Grundlage geschaffen, die davon ausgeht, dass das subjektive Wohlbefinden in zwei Dimensionen aufgespalten werden kann, nämlich in eine positive Affektkomponente und eine negative Affektkomponente, die unabhängig voneinander auf das Wohlbefinden von Personen wirken (Diener 1994: 117). Mit Affekt wird hier die Stimmung beziehungsweise die Emotion einer Person gemeint.

In dieser Hausarbeit wird geprüft, wodurch der positive Affekt beeinflusst wird und ob die Konstrukte positiver und negativer Affekt voneinander unabhängig sind.

Dies geschieht mittels unabhängiger Regressionsanalysen. Das erste Modell prüft einige die Einflüsse auf den positiven Affekt ohne den negativen zu berücksichtigen. Im zweiten Modell wird zusätzlich der Prädiktor negativer Affekt hinzugenommen und auf seinen empirischen Einfluss getestet.

2 Theoretischer Hintergrund und Hypothesen

2.1 Definition: Subjektives Wohlbefinden

Die Literatur zum subjektiven Wohlbefinden vermeidet es häufig eine einheitliche Definition ihres Gegenstandes vorzustellen (vgl. Schumacher, Klaiberg & Brähler 2003). Lediglich Diener und Kollegen (1985) liefern eine kurze Übersicht über Eigenschaften, die das Konstrukt mit sich bringt: Zunächst ist das subjektive Wohlbefinden eine subjektive Einschätzung, die individuell von Person zu Person verschieden ist.

Das Konstrukt umfasst zwei Facetten: Erstens aus der kognitiv-evaluierenden Facette, welche eine Einschätzung der eigenen globalen Lebenszufriedenheit gibt und zweitens aus der emotionalen Facette, welche nicht nur positive sondern vor allem auch negative Elemente umfasst, die jedoch nicht interdependent miteinander zusammenhängen. Vielmehr handelt es sich um zwei emotionale Komponenten (negativer und positiver Affekt), die unabhängig voneinander auf das Wohlbefinden einwirken (vgl. hierzu auch Schumacher, Klaiberg & Brähler 2003: 4; Diener, Emmons, Larsen & Griffin 1985; hierzu auch Diener 1994: 125; Diener 2000: 35).

Aus diesem Grund lässt sich auch herausstellen, wieso es problematisch ist nur die allgemeine Lebenszufriedenheit als einzige Komponente abzufragen und nicht auf die emotionale Komponente einzugehen. Denn die allgemeine, globale Lebenszufriedenheit wird davon beeinflusst, wie Individuen ihr eigenes Wohlbefinden einschätzen und hierbei sind einzelne positive und negative Affekte zu berücksichtigen.

Überdies haben Studien zeigen können, dass das subjektive Wohlbefinden über die Zeit ein relativ stabiles Konstrukt darstellt, wohingegen Einzelindikatoren wie „Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben?“ von aktuellen Problemen oder jüngst negativen Lebenseinflüssen verzerrt sein können (vgl. Diener 1994: 113). Weiterhin können mittels eines Einzelitems die unterschiedlichen Emotionen, welche die Lebenszufriedenheit beeinflussen, nicht in ihrer Gänze abgedeckt werden (Diener 1994: 127; Schumacher, Klaiberg & Brähler 2003: 6). Insofern sind sowohl negative als auch positive Emotionen wichtig – nur stellt sich die Frage: Sind sie voneinander unabhängige Konstrukte oder hängen sie zusammen?

2.2 Stand der Forschung

Vor allem aus der Psychologie lassen sich viele Studien finden, die einen Versuch angestellt haben, um das Wohlbefinden von Personen zu messen (vgl. Diener 1994; Diener 2000; für eine Metaanalyse siehe Diener, Suh, Lucas & Smith 1999). Sie alle kommen zu dem Entschluss, dass es verschiedene Einflüsse auf das subjektive Wohlbefinden gibt: In einer Metaanalyse zeigt Diener (1994) auf, dass Korrelationen gefunden wurden zwischen vielen demographischen Variablen und dem subjektiven Wohlbefinden. So weisen Personen aus höheren Einkommensschichten höhere Zufriedenheiten und ein höheres Wohlbefinden auf. Der Zusammenhang zwischen dem Geschlecht und dem Wohlbefinden ist ungeklärt, einige Funde lassen den Entschluss zu, dass Männer im Vorteil sind, obwohl Frauen bei Befragungen eher emotional stärkere Antworten geben (vgl. Diener 1994: 115; Diener, Suh, Lucas & Smith 1999: 292).

Stärkere Prädiktoren für das Wohlbefinden kommen aus der psychologischen Forschung und sind Persönlichkeitsmerkmale: Mit steigendem Selbstwertgefühl und steigendem Optimismus nimmt die positive Facette des Wohlbefindens zu, wohingegen Pessimismus und Neurotizismus eher das negative Wohlbefinden beeinflussen (vgl. Diener 1994: 117). Problematisch an Persönlichkeitsmerkmalen ist jedoch, dass diese nicht zur Gänze in international vergleichbaren Querschnittsumfragen erhoben werden. Denn sie werden über verschiedene Indizes mit mehreren 100 Items erhoben. Außerdem stammen die meisten Funde der Persönlichkeitsmerkmale auf das subjektive Wohlbefinden aus Paneluntersuchungen.

Das subjektive Wohlbefinden wird überdies nicht nur von Persönlichkeitsmerkmalen oder demographischen Merkmalen beeinflusst. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein Konstrukt, welches emotionale Empfindungen, Lebensbereichszufriedenheiten und globale Zufriedenheiten vereint. Aus diesem Grund muss berücksichtigt werden, dass die Zufriedenheit mit unterschiedlichen Lebensbereichen mit dem subjektiven Empfinden (positiver, negativer Affekt) korreliert (vgl. Diener, Suh, Lucas & Smith 1999: 277).

Auch die Gesundheit wird als relevanter Prädiktor für das Wohlbefinden angesehen. In einer Längsschnittanalyse wurde herausgefunden, dass es starke Korrelationen zwischen dem subjektiv eingeschätzten Gesundheitszustand und den emotionalen Komponenten des subjektiven Wohlbefindens gibt – diese korrelieren wiederum mit der globalen Lebenszufriedenheit, welche die kognitive Komponente des subjektiven Wohlbefindens darstellt: „Perceptions of health rather appear to be more important than objective health in their effects on [subjective well-being]“ (Diener, Suh, Lucas & Smith 1999: 287, 277).

Ebenfalls als relevanter Prädiktor anzusehen ist die soziale Unterstützung der Familie oder von Freunden:

„other social factors, such as a low level of social support […] are associated with negative well-being and have a smaller effect on positive well-being. Findings such as these clearly demonstrate the need to examine both positive and negative well-being” (Diener & Suh 1997: 119)

Wenig Sozialkontakt zu haben hat einen negativen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden. Der Effekt auf das positive Wohlbefinden ist zwar auch signifikant, allerdings laut den Autoren nicht so stark wie auf das negative Wohlbefinden.

Relevant sind solche Untersuchungen vor allem deshalb um zu klären, welche Personen eher glücklich sind und welche Eigenschaften sie haben. Diener (2000) fand heraus: „happy individuals seem on average to be more productive and sociable. Thus, high levels of [subjective well-being] might be beneficial for a society, and no evidence indicates they would be harmful.” (ebd.: 41) Für die gesellschaftliche Entwicklung ist es daher von Vorteil zu wissen, welche Personengruppen glücklicher sind, um ein positives Wohlbefinden zu stärken um nachhaltig die Produktivität von Individuen (beispielsweise am Arbeitsplatz) zu erhöhen.

2.3 Hypothesen

Auf Basis der Funde aus anderen Studien lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

H1: Mit subjektiv steigender Gesundheit steigt der positive Affekt des Wohlbefindens.

H2: Mit steigendem Sozialkontakt steigt der positive Affekt.

H3: Mit steigender subjektiv eingeschätzter allgemeinen Lebenszufriedenheit steigt der positive Affekt des Wohlbefindens.

H4: Mit zunehmendem Glücksempfinden steigt die positive Einschätzung des Wohlbefindens.

H5: Positiver und negativer Affekt sind zwei voneinander unabhängige Konstrukte, die sich nicht gegenseitig beeinflussen.

3 Daten und Operationalisierung

Bei den für die Analyse verwendeten Daten handelt es sich um Sekundärdaten des European Social Survey. Der ESS erhebt seit 2002 in einem Jahresrhythmus von zwei Jahren auf internationaler Ebene Daten aus inzwischen über 30 verschiedenen Ländern.

Für diese Arbeit wurde auf den Datensatz für Deutschland aus dem Jahr 2012 zurückgegriffen (Welle sechs), da in diesem Modul mehr persönliche Fragen zu Einstellungen und dem subjektiven Wohlbefinden gestellt wurden.

Aus dem Datensatz wurden lediglich wenige Personen ausgeschlossen – nur diejenigen, die auf die Fragen zum subjektiven Wohlbefinden keine Angaben gemacht haben. Das Sample umfasst somit 2849 Personen.

3.1 Abhängige Variable: Positives emotionales Wohlbefinden

Die Konstrukte positiver Affekt und negativer Affekt werden als zwei voneinander unabhängige Messkonzepte operationalisiert. Die Literatur verweist darauf, dass die beiden Konzepte genügend unterschiedliche Variation aufweisen und von unterschiedlichen Variablen unterschiedlich stark beeinflusst werden. Aus diesem Grund wird dazu geraten unabhängige Analysen durchzuführen: „positive and negative affect were clearly separable […], thus suggesting that they should be measured separately“ (Diener 1994: 126; auch147).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Positiver und negativer Affekt. Konstrukte des subjektiven Wohlbefindens
Hochschule
Universität Hamburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Analysen zur Lebensqualität
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V301212
ISBN (eBook)
9783956871993
ISBN (Buch)
9783668003422
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analysen;, Lebensqualität;, Wissenschaftliche Studie;, Wohlbefinden;, Positiver Affekt;, Negativer Affekt;, Regressionsanalyse;
Arbeit zitieren
Stephanie Kroll (Autor), 2015, Positiver und negativer Affekt. Konstrukte des subjektiven Wohlbefindens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301212

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Positiver und negativer Affekt. Konstrukte des subjektiven Wohlbefindens


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden