Digitale Demenz. Eine neue Volkskrankheit?

Leben ohne Geist. Darstellung der Demenz


Essay, 2015

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demenz – Begriffsklärung - Definition

3. Medizinische Grundlagen

4. Die funktionelle Anatomie der Demenzen

5. Therapeutische Intervention der Alzheimer Demenz – Präventionsmöglichkeiten
5.1 Primärprävention
5.2 Sekundärprävention
5.3 Tertiärprävention

6. Digitale Demenz – Begriffsklärung

7. Diskussion digitale Demenz

8. Zusammenfassung

9. Literaturquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zielstellung der Arbeit ist die Darstellung der Erkrankung Demenz sowie die Auseinandersetzung mit der These über „Digitale Demenz“ von Manfred Spitzer.

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit sind heute in Deutschland bis zu 1,4 Millionen Menschen an Demenz erkrankt (BMG, 2013). Statistisch steigt die Zahl der Demenzerkrankungen, so dass bis 2050 drei Millionen Demenzerkrankte prognostiziert werden (BZgA, 2013). Vor dem Hintergrund der zu erwartenden demenziellen Neuerkrankungen ist die demografische Entwicklung eine ernstzunehmende Herausforderung im Gesundheits- und Sozialwesen (BMG, 2013). Für die Gesellschaft ist die Demenzerkrankung die teuerste Alterskrankheit (Füsgen, 2004). Die Beteiligung „Älterer“ an Weiterbildung ist für die individuelle Entwicklung von besonderer Bedeutung und zugleich ein wesentlicher Einflussfaktor im soziodemografischen Wandel der Gesellschaft (Iller, 2008). Weiterbildung fokussiert nicht eine bestimmte Altersgruppe, sondern muss als Bestandteil des Lebenslaufes stattfinden. Aus epidemiologischen Daten lässt sich ableiten, dass bereits 15 bis 30 Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome der Krankheitsprozess beginnt, demzufolge ist Prävention vor allem für die Altersgruppe ab dem 40. Lebensjahr besonders relevant. Geistige Aktivität, körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und soziale Integration reduzieren das Risiko im späteren Leben an Demenz zu erkranken (BMG, 2013a).

Im Punkt 2 erfolgt die Begriffsbestimmung der Demenz. Der Punkt 3 befasst sich mit den medizinischen Grundlagen der Demenzerkrankungen. Punkt 4 beschreibt die funktionelle Anatomie der Demenzen. Die Präventionsansätze werden im Punkt 5 aufgezeigt. Abschließend erfolgt im Punkt 6 eine Begriffsklärung zur digitalen Demenz und im Punkt 7 eine Diskussion inwieweit digitale Demenz eine Krankheit im Sinne der klinischen Demenz darstellt oder ausschließlich als populärwissenschaftliche Metapher verwendet wird.

Spitzer (2012) behauptet in seinem Buch zur digitalen Demenz – „wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen, wir klicken uns das Gehirn weg, Computer und Smartphones machen uns dumm“. Des Weiteren behauptet Spitzer, dass bei intensiver Nutzung digitaler Medien unser Gehirn abbaut.

2. Demenz – Begriffsklärung - Definition

Der Begriff "Demenz" leitet sich aus dem Lateinischen (de = "weg vom", mens = "geist") ab und bedeutet sinngemäß "weg vom Geist" bzw. “ohne Geist“ (BMG, 2013a).

Die Demenz bezeichnet ein klinisches Syndrom und wird laut ICD-10-GM Version 2013 (Dimdi, 2013), Definition (Code F00-F03), in der Kategorie psychischer Störungen und Verhaltensstörungen sowie die Gruppe organische, einschließlich symptomatische Störungen klassifiziert. Ätiologische Kategorien der S3-Leitlinie “Demenzen“ sind:

Demenz bei Alzheimer-Krankheit,

Vaskuläre Demenz,

Gemischte Demenz,

Frontotemporale Demenz,

Demenz bei Morbus Parkinson,

Lewy-Körperchen-Demenz (DGPPN & DGN, 2009).

Zusätzlich zu der S3-Leitlinie existieren Kriterien, die sich aus dem aktuellen Stand der Forschung ableiten und eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Syndrome ermöglichen. Eine nähere Betrachtung dieser ätiologischen Kategorien und Kriterien erfolgt unter Berücksichtigung der Seitenvorgabe in dieser Hausarbeit nicht.

3. Medizinische Grundlagen

Ein wesentliches Merkmal von Demenzerkrankungen, die bis zu 100 verschiedene Ursachen haben können, ist der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit (BMG, 2013a). Eine Abgrenzung der Formen erfolgt durch primäre und sekundäre Demenz (ebd.). Für die Diagnosestellung Demenz müssen die Symptome nach ICD-10 mindestens über einen Zeitraum von 6 Monaten bestehen, meist als Folge einer chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns (ICD-10, 2013). Die Demenz ist eine erworbene Störung bzw. Minderung kortikaler Funktionen, einschließlich Orientierung, Lernfähigkeit, Gedächtnis, Denken, Auffassung, Rechnen, Sprache und Urteilsvermögen (DGPPN & DGN, 2009). Die Folge dieser Störungen und Leistungsminderungen ist eine Beeinträchtigung der erfolgreichen Bewältigung der alltäglichen Anforderungen (Seeley & Miller, 2012). Im Rahmen der Demenz ist die Gedächtnisleistung die am häufigsten betroffene kognitive Funktion. Ein klinisch erfassbarer Verlust der Gedächtnisleistung besteht bei 10 % der über 70 jährigen und 20 - 40 % der über 85 jährigen. Der Verlauf der Demenz ist in der Regel progredient, kann aber auch reversibler Natur sein, die Schwere der Symptomatik weißt innerhalb weniger Tage erhebliche Schwankungen auf. Beobachtbare demenzielle Syndrome sind soziale und neuropsychische Defizite, die zu sozialem Rückzug, Depression, Halluzination, Wahnvorstellung, Agitation, Schlafstörung und Enthemmung führen (ebd.).

4. Die funktionelle Anatomie der Demenzen

Demenzsyndrome entstehen durch Störungen der neuralen Schaltkreise, bei denen ein quantitativer Verlust von Neuronen besteht (Seeley & Miller, 2012). Demenzen haben verschiedene Neurotransmitter-Defektprofile, die eine unterschiedliche Pharmakotherapie sowie Diagnose voraussetzt. Noradrenerg, serotonerg und dopaminerg beeinflussen Verhalten und Stimmung, während Acetylcholin für die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis von Bedeutung ist. Die Demenz vom Typ Alzheimer hat ihren Ursprung im entorhinalen Kortex, breitet sich dann über den Hippocampus weiter zum posterioren temporalen und parietalen Neokortex aus bis zur diffusen Degeneration des gesamten zerebralen Kortex. Eine Multiinfarktdemenz ist durch fokale Läsionen gekennzeichnet, die scheinbar nach dem Zufallsprinzip kortikale und subkortikale Bereiche oder Nervenbahnen der intrazerebralen Verbindung stören. Entsprechend der befallenen anatomischen Strukturen kann bei der Alzheimer Demenz zunächst ein Gedächtnisverlust beobachtet werden und im weiteren Verlauf eine Aphasie und Orientierungsstörung. Patienten mit einer frontotemporalen Demenz (FTD) und der Demenz bei Chorea Huntington (HD) weisen im Gegensatz dazu zunächst seltener Gedächtnisstörungen auf. Erste Symptome sind Störungen von Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen, Bewusstsein und Verhalten. Läsionen der kortiko-subkortikalen Bahnen haben Verhaltensänderungen zur Folge. Eine Verschlechterung der geistigen Flexibilität sowie die Fähigkeit zum Organisieren und Planen ist bei einer Läsion des dorsolateralen präfrontalen Kortex zu beobachten. Schäden am Kortex laterale orbitofrontale führen zu einer gesteigerten Impulsivität, erhöhten Ablenkbarkeit und Enthemmung. Im Nucleus accumbens projiziert sich der anteriore cinguläre Kortex, eine Unterbrechung dieser Bahnen kann zu Mutismus, Sprachverarmung und Apathie führen (Seeley & Miller, 2012).

5. Therapeutische Intervention der Alzheimer Demenz – Präventionsmöglichkeiten

Der Begriff Prävention (lat. praevenire = zuvorkommen, verhüten) bezeichnet Maßnahmen zur Vermeidung und Vorbeugung von Krankheiten durch die Beeinflussung bzw. Reduktion von krankheitsspezifischen Risikofaktoren (Waller & Blättner, 2011).

Steinbach (2011) klassifiziert Präventionsmaßnahmen nach Zeitpunkt, Zielgröße und angewandter Methode. Präventiven Maßnahmen werden in den nächsten Jahrzehnten angesichts der zu erwartenden Zunahme demenzieller Erkrankungen und bisher eingeschränkter therapeutischen Möglichkeiten, eine bedeutende Rolle für das Gesundheitssystem erhalten (Laske, Morawetz, Buchkremer & Wormstall, 2005). Laske et al. (2005) führen an, das die Art des Lebensstils das Krankheitsrisiko beeinflusst, die Aussichten zur Senkung der demenziellen Prävalenzrate beziehungsweise die Verschiebung der Krankheitsmanifestation (Inzidenzrate) groß ist. Wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Demenzerkrankungen, wie Adipositas und die arterielle Hypertonie, lassen sich durch Primär- oder Sekundärprävention effektiv beeinflussen (ebd.).

5.1 Primärprävention

Die Primärprävention bezeichnet alle Maßnahmen die vor der Erstmanifestation einer Erkrankung durchgeführt werden (Steinbach, 2011). Empfehlungen für die Prävention lassen sich aus den modifizierten Risikofaktoren ableiten (DGPPN, 2009). Aktuell laufen prospektive Studien zur Primärprävention. Die Ergebnisse, die bisher auf der Basis prospektiver randomisierter Studien publiziert wurden, lassen noch keine Präventionsempfehlungen zu. Eine mögliche Ursache dafür könnte ein zu kurz gewählter Analysezeitraum sein. Demgegenüber wurden in epidemiologischen Longitudinalstudien die besondere Gefahr des Rauchens sowie kardiovaskulärer Risikofaktoren für die spätere Entwicklung einer Demenz ab dem mittleren Lebensalter identifiziert (Kivipelto & Solomon, 2008; Alonso, Jacobs & Menotti, 2009). Protektive Wirkung bezüglich des Auftretens einer Demenz hat ein aktiver Lebensstil mit körperlicher Bewegung, sportlicher, sozialer und geistiger Aktivität (Liu-Ambrose & Donaldson, 2009).

5.2 Sekundärprävention

Im Mittelpunkt der Sekundärprävention stehen die Früherfassung und Frühbehandlung kognitiver Defizite (Füsgen, 2004). Spezielle Instrumente, sogenannte „Screeningprogramme“ wurden entwickelt, um Krankheiten bereits im Frühstadium zu erkennen (Steinbach, 2011). Gesundheitspolitisches Ziel der Sekundärprävention ist die Früherkennung der Demenz und die Verhinderung ihres Fortschreitens (Walter & Schwarz, 2002). Bei allen präventiven, diagnostischen und therapeutischen Überlegungen zur Beherrschung der demenziellen Prozesse sind Mild Cognitive Impairment (MCI) von besonderer Bedeutung (Füsgen, 2004). Untersuchungsergebnisse zeigen, dass mit zunehmendem Alter eine große Gruppe von Patienten kognitive isolierte Defizite aufweisen, aber noch nicht an Demenz leiden. Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass MCI eine Vorform des Einstiegs in die Demenz darstellt. Somit besteht bereits für die isolierte kognitive Handlungsstörung Handlungsbedarf (ebd.). Vor diesem Hintergrund wird die Notwendigkeit einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit mit Ziel der Enttabuisierung des Themas Demenz deutlich (BMG, 2013).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Digitale Demenz. Eine neue Volkskrankheit?
Untertitel
Leben ohne Geist. Darstellung der Demenz
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Humanwissenschaften)
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V301256
ISBN (eBook)
9783956872518
ISBN (Buch)
9783668003682
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Literaturverzeichnis: 31 Einträge
Schlagworte
Demenz, Digitale Demenz, Alzheimer, Pävention
Arbeit zitieren
Heiko Schumann (Autor), 2015, Digitale Demenz. Eine neue Volkskrankheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301256

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Digitale Demenz. Eine neue Volkskrankheit?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden