Ärzte, Psychologen und andere im Gesundheitswesen Tätige stehen immer wieder vor der Aufgabe, eine exakte Diagnose oder Prognose zu erstellen, aber auch Symptome und Störungsbilder unmissverständlich und differenziert darzustellen.
Dazu wurden in den 90er Jahren zwei wesentliche Instrumente entwickelt, zum einen das DSM-IV (Diagnostical and Statistical Manual of Mental Disorders ) und zum anderen das ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems). Beide sind standardisierte Verfahren und bieten einen symptomorientierten Zugangsweg zu psychischen Störungen sowie deren Diagnose.
Im Folgenden möchte ich beide Differentialdiagnostik-Verfahren einzeln vorstellen und einen Einblick in die Arbeit mit diesen Systemen geben. Abschließend werde ich die ICD-10 dem DSM-IV gegenüberstellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede noch einmal deutlich hervor zu heben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Diagnostik
2.1 Diagnostik und ihre Prinzipien
2.2 Klassifikation
3. IDC-10
3.1 Geschichte und Hintergründe der ICD-10
3.2 Die Achsen der ICD-10
3.3 Kategorisierung
4. DSM-IV
4.1 Geschichte und Hintergründe des DSM-IV
4.2 Vorgehen bei der Differentialdiagnostik
4.3 Die Achsen des DSM-IV
5. Vergleich der ICD-10 und des DSM-IV
6. Anhang
7. Bibliographie
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der systematischen Erfassung und Einordnung psychischer Störungen durch standardisierte Diagnoseinstrumente. Das primäre Ziel besteht darin, die Funktionsweise sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des ICD-10 und des DSM-IV gegenüberzustellen, um einen praxisorientierten Einblick in die moderne klinische Diagnostik zu ermöglichen.
- Grundlagen der klinisch-psychologischen Diagnostik und Klassifikationsprinzipien
- Struktur, Geschichte und methodischer Aufbau des ICD-10
- Geschichte, Differentialdiagnostik und multiaxiale Beurteilung gemäß DSM-IV
- Vergleichende Analyse der Konkordanz und Anwendungsschwerpunkte beider Systeme
Auszug aus dem Buch
4.2 Vorgehen bei der Differentialdiagnostik
Um mit dem DSM-IV System zu einer Diagnosestellung zu gelangen müssen Symptome aus 3 Clustern zu finden sein. Zum einen gehören dazu Intrusionen, d.h. entweder Albträume, sich immer wieder aufdrängende, intensive traumabezogene Vorstellungen oder Emotionen oder allgemeine physiologische Reagibilität bei Erinnerung an ein bestimmtes Trauma.
Zum anderen muss eine Form des Vermeidungsverhaltens auftreten. Das kann entweder die Vermeidung trauma-bezogener Gefühle oder bewusster Erinnerungen an das Trauma sein, Verdrängen (psychogene Amnesie), "emotionale Betäubung" oder aber auch eine Absonderung, Entfremdung oder gar sozialer Rückzug.
Das dritte Cluster beinhaltet Hyperarousal, dieses kann aus übermäßiger Erregtheit, Konzentrationsstörungen, allgemeiner Reizbarkeit bzw. Wutausbrüchen bestehen, aber auch aus vermehrter Wachsamkeit (Vigilanz) und überstarken Schreckreaktionen.
Bei einer Diagnose anhand des DSM-IV gibt es ein sehr hilfreiches Vorgehen, das aus sechs Einzelschritten besteht. Eine Orientierung hieran kann vorschnelle Diagnosen verhindern und für eine höhere Reliabilität der Diagnose sorgen.
Gleich zu Beginn soll eine Simulation bzw. eine vorgetäuschter Störung ausgeschlossen werden. Dabei wird zwischen bewusster und unbewusster Vortäuschung differenziert. Die erstgenannte kann entweder eine Simulation sein, d.h. der Patient sucht seinen eigenen Vorteil (Schadensersatz, Wehrdienstverweigerung etc.), oder aber die Störung wird ohne einen offensichtlichen Gewinn vorgetäuscht. Bei einer unbewussten Vortäuschung, einer so genannten Konversionsstörung, kann die ‚Störung’ als Lösung der Konflikte des Patienten dienen, zum Beispiel als Grund für eine eingeschränkte Funktionsfähigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Notwendigkeit standardisierter Diagnoseinstrumente wie DSM-IV und ICD-10 für Fachkräfte im Gesundheitswesen.
2. Grundlagen der Diagnostik: Erläuterung der klinisch-psychologischen Diagnostikmethoden und der Prinzipien moderner Klassifikationssysteme.
3. IDC-10: Darstellung der historischen Entwicklung, des multiaxialen Aufbaus und der systematischen Kategorisierung des ICD-10.
4. DSM-IV: Analyse der Entstehungsgeschichte des DSM-Systems sowie des spezifischen Vorgehens bei der Differentialdiagnostik und der multiaxialen Beurteilung.
5. Vergleich der ICD-10 und des DSM-IV: Gegenüberstellung beider Systeme unter Berücksichtigung von Gemeinsamkeiten, Konkordanzraten und praktischer Anwendungskritik.
6. Anhang: Visualisierung von Differentialdiagnose-Entscheidungsbäumen am Beispiel der Hypersomnie.
7. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Fachliteratur und diagnostischen Manuale.
Schlüsselwörter
Diagnostik, Klinische Psychologie, ICD-10, DSM-IV, Klassifikation, Differentialdiagnostik, Multiaxialität, Symptomatik, Psychiatrie, Psychische Störungen, Operationalisierte Diagnostik, Komorbidität, Anamnese, Störungsbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische diagnostische Erfassung psychischer Störungen durch die international führenden Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den methodischen Grundlagen der Diagnostik, der strukturellen Differenzierung der beiden Manuale und ihrer praktischen Anwendung im klinischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser einen detaillierten Einblick in die Anwendung von DSM-IV und ICD-10 zu geben und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der klinischen Praxis aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den systematischen Vergleich diagnostischer Standards sowie deren theoretischer Hintergründe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Grundlagen der Diagnostik, eine detaillierte Analyse der Struktur von ICD-10 und DSM-IV sowie einen direkten Vergleich beider Systeme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Diagnostik, ICD-10, DSM-IV, Klassifikation, Differentialdiagnostik, Multiaxialität und Störungsbilder.
Wie unterscheidet sich das DSM-IV in seiner Struktur vom ICD-10?
Das DSM-IV zeichnet sich durch ein sehr markantes, starreres Vorgehen mit einer festen Reihenfolge bei der Beschreibung von Störungen und expliziteren Diagnosekriterien aus.
Welche Bedeutung kommt der Multiaxialität in diesen Systemen zu?
Die Multiaxialität ermöglicht es, einen Patienten nicht nur über die rein psychische Störung zu erfassen, sondern auch psychosoziale, somatische und funktionale Aspekte in die Beurteilung einzubeziehen.
- Quote paper
- A. Dörpinghaus (Author), 2003, Diagnostik in der klinischen Psychologie. DSM IV und ICD 10, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30129