Die Entwicklung der Wirtschaft ging im Laufe der vergangenen Jahre oder auch Jahrzehnte immer mehr in Richtung Globalisierung. So haben viele Unternehmen Teile ihrer Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlagert. Gerade vor der EU - Osterweiterung zum 1. Mai 2004 ist diese Problematik wieder sehr aktuell geworden. Und sie wird in Zukunft auch immer an Aktualität gewinnen. Oftmals gründen Unternehmen, die in Deutschland produzieren, aus verkaufstaktischen Gründen sowie steuerlichen und rechtlichen Aspekten Tochterunternehmen im Ausland, die allein für den Vertrieb zuständig sind.
So kann es sein, dass ein deutsches Unternehmen in Ungarn und Polen produzieren lässt und in drei seiner Hauptabnehmerländer Tochtergesellschaften zum Vertrieb aufbaut. So ist ein deutscher Konzern mit fünf Tochtergesellschaften entstanden. Jede der fünf Niederlassungen berichtet nun nach ihren nationalen Rechnungslegungsstandards an die Muttergesellschaft in Deutschland, die selber nach dem deutschen Recht bilanziert. Somit wird das Konzernreporting schnell unübersichtlich, ineffizient und teuer. Darüber hinaus benötigt das Unternehmen mehr Zeit, um auf eventuelle Fehlentwicklungen reagieren zu können. Mit dieser Entwicklung der Globalisierung hat sich auch die internationale Rechnungslegung entwickelt. In den letzten Jahren ist dieser Prozess als regelrecht rasant zu bezeichnen. Den bisherigen Höhepunkt erlebten die International Financial Reporting Standards (IFRS) mit der EG Verordnung im Jahre 2002, in der festgelegt wurde, dass kapitalmarktorientierte Unternehmen in der EU ab 2005 Konzernabschlüsse nur noch nach IFRS aufstellen müssen.
Die folgende Arbeit stellt die Bilanzierung nach IFRS der bisherigen deutschen Bilanzierung entsprechend dem deutschen Rechnungslegungsstandard nach dem HGB gegenüber.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ZUSAMMENSETZUNG DES IASC UND VERBREITUNG DER IFRS
2.1. ORGANISATION DES IASC
2.1.1. IASB
2.1.2. TRUSTEES
2.1.3. IFRIC
2.1.4. ADVISORY COMMITTEES
2.2. VERBREITUNG UND ANWENDUNG DER IFRS
3. SYSTEMATIK DER IFRS
3.1. VORWORT (PREFACE)
3.2. RAHMENKONZEPT (FRAMEWORK)
3.3. STANDARDS
3.4. INTERPRETATIONEN DES IFRIC
4. ANSATZ UND BEWERTUNG EINZELNER BILANZPOSITIONEN
4.1. BEWERTUNGSGRUNDLAGEN
4.1.1. ANSCHAFFUNGSKOSTEN
4.1.1.1. HGB
4.1.1.2. IFRS
4.1.1.3. ZUSAMMENFASSUNG
4.1.2. HERSTELLUNGSKOSTEN
4.1.2.1. HGB
4.1.2.2. IFRS
4.1.2.3. ZUSAMMENFASSUNG
4.2. BILANZGLIEDERUNG
4.2.1. HGB
4.2.2. IFRS
4.2.3. ZUSAMMENFASSUNG
4.3. ANLAGEVERMÖGEN
4.3.1. SACHANLAGEN
4.3.1.1. HGB
4.3.1.1.1. Ansatz und grundsätzliche Bewertung
4.3.1.1.2. Folgebewertung
4.3.1.2. IFRS
4.3.1.2.1. Ansatz und grundsätzliche Bewertung
4.3.1.2.2. Folgebewertung
4.3.1.3. Zusammenfassung
4.3.2. IMMATERIELLE VERMÖGENSGEGENSTÄNDE
4.3.2.1. HGB
4.3.2.2. IFRS
4.3.2.2.1. Ansatz und grundsätzliche Bewertung
4.3.2.2.2. Folgebewertung
4.3.2.3. Zusammenfassung
4.4. VORRÄTE
4.4.1. HGB
4.4.1.1. Ansatz und grundsätzliche Bewertung
4.4.1.2. Folgebewertung
4.4.2. IFRS
4.4.2.1. Ansatz und grundsätzliche Bewertung
4.4.2.2. Folgebewertung
4.4.3. ZUSAMMENFASSUNG
4.5. RÜCKSTELLUNGEN
4.5.1. ÜBERBLICK
4.5.1.1. HGB
4.5.1.2. IFRS
4.5.1.3. Zusammenfassung
4.5.2. RÜCKSTELLUNGEN FÜR PENSIONEN UND ÄHNLICHE VERPFLICHTUNGEN
4.5.2.1. HGB
4.5.2.2. IFRS
4.5.2.3. Zusammenfassung
4.5.3. STEUERRÜCKSTELLUNGEN
4.5.3.1. HGB
4.5.3.2. IFRS
4.5.3.3. Zusammenfassung
4.5.4. SONSTIGE RÜCKSTELLUNGEN
4.5.4.1. HGB
4.5.4.2. IFRS
4.5.4.3. Zusammenfassung
5. SPEZIALTHEMEN
5.1. LEASING
5.1.1. HGB
5.1.1.1. Formen des Leasings und deren Zuordnung
5.1.1.2. Bilanzierung bei Zuordnung zum Leasinggeber
5.1.1.3. Bilanzierung bei Zuordnung zum Leasingnehmer
5.1.1.4. Sale and lease back
5.1.2. IFRS
5.1.2.1. Formen des Leasings und deren Zuordnung
5.1.2.2. Bilanzierung bei Zuordnung zum Leasinggeber (operating lease)
5.1.2.3. Bilanzierung bei Zuordnung zum Leasingnehmer (finance lease)
5.1.2.4. Sale and lease back
5.1.3. ZUSAMMENFASSUNG
5.2. LATENTE STEUERN
5.2.1. HGB
5.2.2. IFRS
5.2.3. ZUSAMMENFASSUNG
6. ERGEBNIS DER GEGENÜBERSTELLUNG UND AUSBLICK
ANHANG 1: ERGÄNZUNGEN ZUR BILANZGLIEDERUNG NACH HGB
ANHANG 2: ERGÄNZUNGEN ZU LEASING NACH HGB
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Abschlussarbeit hat zum Ziel, die Bilanzierungsvorschriften nach International Financial Reporting Standards (IFRS) dem deutschen Rechnungslegungsstandard nach Handelsgesetzbuch (HGB) gegenüberzustellen. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse wesentlicher Unterschiede bei Bilanzansatz und Bewertung, um die Auswirkungen der Globalisierung und der kapitalmarktorientierten Rechnungslegung auf die Unternehmensberichterstattung aufzuzeigen.
- Grundlagen des organisatorischen Aufbaus des IASC und Systematik der IFRS
- Vergleichende Analyse der Bilanzierung von Sachanlagen, immateriellen Vermögensgegenständen und Vorräten
- Untersuchung der Behandlung von Rückstellungen und Pensionsverpflichtungen im internationalen Kontext
- Spezialthemen: Bilanzierung von Leasingverhältnissen und latente Steuern nach HGB und IFRS
Auszug aus dem Buch
4.1.1.1. HGB
Unter Anschaffungskosten versteht das HGB gemäß § 255 I Satz 1 HGB „Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können.“ Das bedeutet, dass zur Erhebung der Anschaffungskosten der Anschaffungspreis zuzüglich der nicht abziehbaren Vorsteuer um die Nebenkosten, die anfallen, um den Gegenstand in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen (z.B. Transportkosten, Montagekosten etc.) erhöht wird. Des Weiteren müssen die Anschaffungskosten nach § 255 I Satz 3 HGB um die Anschaffungspreisminderungen gekürzt werden.
Grundsätzlich geht aus der Definition der Anschaffungskosten nach § 255 I Satz 1 HGB hervor, dass nur dem Produkt direkt zurechenbare Einzelkosten und keine Gemeinkosten aktiviert werden dürfen.
Nachträgliche Anschaffungskosten gehören gemäß § 255 I Satz 2 HGB ebenfalls zu den Anschaffungskosten und können nachträglich aktiviert werden. Subventionen und Zuschüsse müssen von den Anschaffungskosten abgezogen oder durch einen Passivposten neutralisiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert den Globalisierungstrend und die Notwendigkeit internationaler Rechnungslegungsstandards vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung und der IFRS-Pflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen.
2. ZUSAMMENSETZUNG DES IASC UND VERBREITUNG DER IFRS: Dieses Kapitel behandelt die Organisationsstruktur des IASC nach der Neukonstituierung im Jahr 2001 sowie die weltweite Anwendungsweise der IFRS.
3. SYSTEMATIK DER IFRS: Das dritte Kapitel führt in die vier Teile der IFRS ein, wobei die zentrale Bedeutung von Vorwort, Rahmenkonzept, Standards und Interpretationen hervorgehoben wird.
4. ANSATZ UND BEWERTUNG EINZELNER BILANZPOSITIONEN: Der Hauptteil vergleicht Ansatz- und Bewertungsvorschriften nach HGB und IFRS für zentrale Bilanzposten wie Vorräte, Sachanlagen und Rückstellungen.
5. SPEZIALTHEMEN: Dieses Kapitel vertieft die komplexen bilanziellen Anforderungen an Leasinggeschäfte und die Behandlung latenter Steuern nach beiden Rechnungslegungssystemen.
6. ERGEBNIS DER GEGENÜBERSTELLUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen der Umstellung sowie die Perspektiven für eine weltweite Standardisierung.
Schlüsselwörter
IFRS, HGB, Rechnungslegung, Bilanzierung, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Leasing, Sachanlagen, Rückstellungen, Latente Steuern, IASB, Kapitalmarktorientierung, Bewertung, Globalisierung, Niederstwertprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Bilanzierungsvorschriften nach IFRS mit dem deutschen Rechnungslegungsstandard HGB, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei Ansatz und Bewertung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Bewertungsgrundlagen, der Bilanzgliederung, der Bilanzierung von Anlage- und Umlaufvermögen sowie spezifischen Regelungen für Leasing und latente Steuern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Herausarbeitung der methodischen Unterschiede zwischen HGB und IFRS, um Transparenz über die Auswirkungen der internationalen Harmonisierung auf Abschlüsse zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse von Rechnungslegungsvorschriften, die durch Literaturrecherche und praktische Anwendungsbeispiele untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detailliert dem Ansatz und der Bewertung von Bilanzpositionen wie Anschaffungs- und Herstellungskosten, Vorräten, Pensionsrückstellungen und Spezialfällen wie Leasing.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind IFRS, HGB, Bewertung, Abschreibungen, Rückstellungen, Leasing, latente Steuern und Kapitalmarktorientierung.
Wie unterscheidet sich die Behandlung von Leasing nach HGB und IFRS?
Das HGB orientiert sich primär am wirtschaftlichen Eigentum und stützt sich auf Verwaltungserlasse, während die IFRS (IAS 17) nach Risiken- und Chancenverteilung unterscheiden und eine strengere Trennung in Finanzierungs- und Operating-Leasing vornehmen.
Warum spielt die Interpretation von „Wahrscheinlichkeit“ bei Rückstellungen eine Rolle?
Während das IFRS für die Bildung von Rückstellungen eine Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50 % fordert, ist im HGB die Schwelle für den Ansatz niedriger, was zu einer unterschiedlichen Bilanzierung von Aufwandsrückstellungen führt.
- Quote paper
- Stefanie Demske (Author), 2004, Bilanzierung nach IFRS. Unterschiede zur bisherigen Rechnungslegung nach HGB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30139