Die Bedeutung von Diskursen in den Cultural Studies


Hausarbeit, 2013
14 Seiten, Note: 1
Raphaela Grewal (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Machtverhältnisse

3) Philosophie der Cultural Studies

4) Diskurse

5) Rolle der Populärkultur

6) Schluss: Welche Bedeutung haben Diskurse in den Cultural Studies

7) Quellen

1) Einleitung

In dieser Arbeit soll die Bedeutung von Diskursen in den Cultural Studies herausgearbeitet werden. Dazu werden die philosophischen Strömungen des Radikalen Konstruktivismus von Glasersfeld sowie des Relativismus von Feyerabend zum Vergleich herangezogen und anschließend auf einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen und den Cultural Studies eingegangen: die Bedeutung von Populärkultur. Zusätzlich werden Beispiele aus der „South Park“-Folge „Viel Frottee um nichts“ verwendet und bedeutende Begriffe wie „Machtverhältnisse“, „Kultur“, „Konstruktion der Realität“ und „Diskurse“ erläutert.

2) Machtverhältnisse

In den Cultural Studies sind die Begriffe „Macht“, „Wissen“, „Identität“ und „Kultur“ von besonderer Relevanz. Sie alle entstehen durch soziale Interaktion innerhalb einer bestimmten Gesellschaft mit bestimmten Vorstellungen von Normalität zu einer bestimmten Zeit – sie stehen in einem bestimmten Kontext. Jede Handlung und jede Aussage jeden Subjekts einer Gesellschaft trägt dazu bei, was aktuell als „normal“ gilt und welche Meinungen stärker vertreten sind als andere – was „Macht“ genannt wird1.

„Kritische Cultural Studies sind verbunden mit einem rebellischen Multikulturalismus [...], der die Kämpfe der Unterdrückten gegen Herrschaft und Unterwerfung unterstützt, und sich auf die Seite derjenigen stellt, die gegen Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Unterdrückung kämpfen. Ein rebellischer Multikulturalismus [...] nimmt Unterschiede nicht einfach nur wahr [...], sondern analysiert die Beziehungen zwischen Ungleichheit und Unterdrückung, die diese Kämpfe auslösen. Darüber hinaus wertschätzt ein solcher Multikulturalismus Repräsentationen, die dabei helfen, den Kampf der Unterdrückten gegen die Herrschaft voranzutreiben, während er jene Repräsentationen angreift, die die Herrschaft legitimieren, naturalisieren oder verdecken.“2

Die Cultural Studies gehen davon aus, dass alle – also auch mediale – Texte Aussagen, Handlungen und Botschaften enthalten, in denen sich die Machtverhältnisse ihres Kontexts widerspiegeln. Texte, die eine breitere Öffentlichkeit erreichen wollen, können sich nicht auf einen einzigen ideologischen Standpunkt festlegen. So kann in der „South Park“ – Folge „Viel Frottee um nichts“ die Ausgrenzung des kiffenden Handtuchs Towelie – seine Memoiren gelten nur so lange als interessant und hilfreich wie es als Mensch akzeptiert wird - unterschiedlich interpretiert werden: Diskriminierte Menschen können sich mit ihm identifizieren, während Menschen auf der unterdrückenden Seite darin moralische Aussagen erkennen könnten: „Kiffe nicht, sonst verlierst du deinen Job und wirst zum/zu einer VerliererIn.“ Diskriminierte können sich aus verschiedenen Gründen mit Towelie identifizieren: Da Towelie in erster Linie als Handtuch, nicht als Hanfkonsument, diskriminiert wird, kann er alle Minderheiten symbolisieren, die wegen ihrem Äußeren ausgegrenzt werden (z.B. Frauen, AusländerInnen etc.).

So wenig eindeutig wie die Interpretationen von „South Park“ sind die Machtkämpfe im Allgemeinen. Gramscis Hegemonie-Modell erklärt die Sichtweise von Macht, die in den Cultural Studies verbreitet ist, folgendermaßen: Es gibt unterschiedliche Machtverhältnisse und Interessen innerhalb einer Gesellschaft. Diese lassen sich selten auf ein Zentrum festlegen. Allerdings gelten viele Dinge als „normal“, wodurch das Machtverhältnis deutlich wird. Gilt es beispielsweise als „normal“, dass Frauen die Hausarbeit erledigen, so weist dies auf patriarchale Machtverhältnisse hin. Diese ungleichen Verhältnisse funktionieren nur so lange, bis sich die Frau unterdrückt fühlt und zu rebellieren beginnt.3

3) Philosophie der Cultural Studies

Viele Ansätze der Cultural Studies erinnern an den „Radikalen Konstruktivismus“, wie ihn unter anderen Ernst von Glasersfeld beschrieb. Dieser geht davon aus, dass es keine „objektive Realität“ im Sinne neutraler, allgemein gültiger Aussagen geben könne. Menschen konstruieren Wissen und das, was als Realität akzeptiert wird, selbst beziehungsweise intersubjektiv. Von Geburt an werden aus Erfahrungen Ordnungsketten hergestellt, die in Summe das Wissen eines einzelnen Menschen darstellen. Dieses erleichtert spätere Entscheidungen zu bestimmten Handlungen. Bereits in der alltäglichen Kommunikation erweist sich eine „objektive“ Darstellung als unmöglich: unterschiedliche Erfahrungs- und Verstehenswelten können erfolgreiche Kommunikation sogar verhindern.

Im Radikalen Konstruktivismus wie auch in den Cultural Studies bedeutet die Annahme, die Welt und das darin enthaltene Wissen seien konstruiert, dass es keinem Lebewesen möglich ist, die Welt unabhängig von Sinnestäuschungen, konstruierten Bedeutungen und Interpretationen zu erkennen, weshalb unser gesamtes Wissen kontextabhängig und subjektiv ist. Dies leugnet nicht die Existenz einer objektiven Welt sondern deren Wahrnehmbarkeit.4

Da die Welt subjektiv wahrgenommen wird und der Austausch mit anderen nötig ist, um Formen des Wissens und der Machtverhältnisse einer bestimmten Epoche, einer bestimmten Gesellschaftsschicht an einem bestimmten Ort zu erfassen und dies nötig ist, um Alternativen zu entwickeln, müssen die Cultural Studies multiperspektivisch betrachtet werden. Das heißt, es sollten mehrere Bedeutungen gefunden und wenn möglich, verschiedene Ansätze miteinander verknüpft werden (wissenschaftliche Disziplinen, aber auch Alltagswissen). Dies entspricht nicht dem Relativismus von Paul Feyerabend, der unter dem Motto „Anything goes“ alle Methoden und Sichtweisen gleichberechtigt nebeneinander stellen will.5 Obwohl die Grundannahme der subjektiven Konstruktion der Welt sowie die Methode des „Anything Goes“ aus meiner Sicht mit den Cultural Studies übereinstimmen, sehe ich in der Zielsetzung einen markanten Unterschied zwischen diesen philosophischen Strömungen.

Im Relativismus heißt es:

„Traditionen sind weder gut noch schlecht; sie existieren einfach. >Objektiv<, das heißt unabhängig von Traditionen, gibt es keine Wahl zwischen einer humanitären Einstellung und dem Antisemitismus.“6

„Eine freie Gesellschaft trennt Staat und Wissenschaft (und sie trennt auch den Staat von jeder anderen Tradition).“7

Während der Relativismus sämtliche Sichtweisen gleichberechtigt nebeneinander existieren lassen will, erkennen es die Cultural Studies als ihre Pflicht, die vielfältigen Bedeutungskonstruktionen der Welt zu analysieren, um Möglichkeiten für Veränderungen aufzuzeigen. Dementsprechend ist ihr Ziel politisch – anstatt sich vom Staat abzugrenzen wie der Relativismus das postuliert. Die Cultural Studies sympathisieren mit unterdrückten Minderheiten einer Gesellschaft und üben Widerstand gegen den unterdrückenden Machtblock aus. Welche Positionen eingenommen werden, hängt von den Forschenden ab8.

Hinsichtlich der Methode ähneln sich die beiden philosophischen Strömungen. Feyerabend argumentiert für ein „Anything Goes“:

„>Anything goes< ist nicht das eine und einzige >Prinzip< einer neuen von mir empfohlenen Methodologie. Ich empfehle keine >Methodologie<, ganz im Gegenteil, ich betone, daß die Erfindung, Überprüfung, Anwendung methodologischer Regeln und Maßstäbe die Sache der konkreten wissenschaftlichen Forschung und nicht des philosophischen Träumens ist.“9

Demnach ist die Methode subjektiv und vom Interesse des/der Forschenden abhängig – dafür sprechen sich auch die Cultural Studies aus. Der/die Forschende entscheidet, welche Vorgehensweise er/sie zur Erreichung seines/ihres Ziels für besonders geeignet hält. Dabei können neue Wege entdeckt werden, wenn die alten nicht mehr ausreichen. Entscheidend für die Qualität der Methoden ist, ob die Forschungsfrage nachvollziehbar beantwortet werden kann.10

[...]


1 Vgl.Grossberg 1999, S.43-83

2 Winter 2005, S.17

3 Vgl.Giroux/Simon 1989, S.8

4 Vgl.Glasersfeld 1996

5 Vgl.Winter 2005, S.60-68

6 Feyerabend 1980, S.68

7 Ebd., S.75

8 Vgl.Ryan 2007, S.XiV-XViii

9 Feyerabend 1980, S.97

10 Vgl. Chambers/Johnson 2004, S.44-61

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Diskursen in den Cultural Studies
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
PS: Medienpädagogik und Cultural Studies
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V301455
ISBN (eBook)
9783956872099
ISBN (Buch)
9783668003477
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, diskursen, cultural, studies
Arbeit zitieren
Raphaela Grewal (Autor), 2013, Die Bedeutung von Diskursen in den Cultural Studies, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301455

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