Gregor Straßer und die NSDAP. Hintergründe, Politisches und Entwicklung bis 1932


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrund der NSDAP

3. Hintergrund Gregor Straßers

4. Gregor Straßer und die NSDAP bis zur Neugründung

5. Die Arbeitsgemeinschaft der nord- und westdeutschen Gaue der NSDAP

6. Die Nationalsozialistische Linke

7. Straßer in der Reichsleitung und Parteireformen

8. Die Reform der Reichsparteileitung

9. Die Entwicklung bis 1932

11. Resümee

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 8. Dezember 1932 verkündete mit Gregor Straßer einer der bekanntesten und geachtetsten Politiker des nationalen Lagers jener relativ sang- und klanglos seinen Rücktritt von allen Parteiämtern der NSDAP und verließ für immer die politische Bühne. Als Reichsorganisationsleiter der NSDAP hatte er die vergangen Jahre entschlossen und erfolgreich die Struktur und Organisation der Partei aufgebaut. Die NSDAP hatte nach ihrer Wiederzulassung 1925 einen beispiellosen Siegeszug beschritten und befand sich Ende 1932 als stärkste Partei des Reichstages im Begriff die höchste Macht in der Weimarer Republik zu übernehmen. In verschiedenen Funktionen, als Gauleiter, Reichspropagandaleiter und Reichsorganisationsleiter hatte Straßer erheblichen Anteil an diesem Aufstieg. Es stellt sich also zwangsläufig die Frage, was zu diesem unvermitteltem und abrupten Rückzug geführt hat.

Um diese Frage zu erörtern, wird zunächst ein grober Überblick über die Entstehung der NSDAP und Hitlers Rolle bis zu den Ereignissen des 9. November 1923 gegeben. Daran Anschließend wird kurz der Hintergrund der Person Gregor Straßer dargestellt. Darauf werden Straßers erste Schritte in der NSDAP nach dem gescheiterten Putschversuch von 1923 erläutert. Er übernahm die Aufgabe, die Partei in Nord- und Westdeutschland aufzubauen. Hierzu gründete er die „Arbeitsgemeinschaft der Nord- und Westdeutschen Gaue der NSDAP“. Da sich hier erste Probleme mit der Art und Weise Hitlers Parteiführung und der politischen Richtung der Partei ergaben, wird im anschließenden Kapitel die oppositionelle Bewegung innerhalb der Partei dargestellt.

Mit der Übernahme des Amtes als Reichspropagandaleiter übernahm Straßer ein Amt in der Reichsleitung der Partei. Da die NSDAP nunmehr in immer mehr Landtagen vertreten war und einen erheblichen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen hatte, entfaltete Straßer in diesem Amt und später als Reichsorganisationsleiter eine besondere organisatorische Tatkraft. Daher wird es in diesem Kapitel um seine ersten Reformen in der Partei gehen. Auch hierbei kam es zu ersten entscheidenden Auseinandersetzungen mit Hitler.

Im nächsten Abschnitt werden die wesentlichen Ergebnisse der Reform der Reichsparteileitung wiedergegeben, da diese erhebliche Änderungen im Machtgefüge der NSDAP mit sich brachten. Daraufhin werden Entwicklung bis zum Jahre 1932 behandelt.

Nach den starken Ergebnissen in den Landtagswahlen, stehen hier besonders die Reichspräsidentenwahl und die beiden Wahlen zum Reichstag im Vordergrund, da diese permanente grundsätzliche Diskussionen in der Partei wieder aufwarfen und dem Bruch zwischen Hitler und Straßer unmittelbar vorausgingen. Zu guter Letzt werden die Entwicklungen noch einmal zusammengefasst und ein Fazit gezogen.

2. Hintergrund der NSDAP

Im Januar 1919 gründeten Karl Harrer und Anton Drexler in München die "Deutsche Arbeiterpartei" (DAP). Diese war zunächst keine Partei im eigentlichen Sinne, sondern kann eher als Stammtischverein bezeichnet werden. Schon die grundsätzlichen Interessen der beiden Gründer gingen weit auseinander. Während der Schlosser Drexler tatsächlich eine politische Partei oder Verein gründen wollte, strebte der Journalist Harrer eher nach einer Geheimgesellschaft ähnlich dem Thule-Orden. Die politische Konzeption dieser jungen Organisation war insgesamt sehr unklar. Zwar waren die Themen "national" und "sozialistisch" zu dieser Zeit schon zentral, aber weitgehend inhaltlos. In diesem Sinne meinte "national" nur das Gegenteil von "international". Der Begriff "sozialistisch" sollte an sich erst einmal nur als ein grundlegendes Interesse an der Verbesserung der Situation der Arbeiter verstanden werden. Ein wichtiges Thema allerdings war die Frage nach einer Führerfigur. Dies stellt eine Gemeinsamkeit mit den meisten Verbänden, Vereinen, Parteien und Organisationen des nationalistischen Lagers jener Zeit dar.[1] In dieser Situation trat Hitler im September 1919 der DAP als 55. Mitglied bei. Mit seinem Parteieintritt wurde er auch Mitglied des "Parteiausschusses". Dieses Gremium bildete das Führungsorgan der DAP. Hierin wurde Hitler siebentes Mitglied, zuständig für Werbung und Propaganda.[2]

Sofort begann Hitler, die Führung über die Partei zu übernehmen. Besonders gegenüber dem passiven Harrer übernahm er die Rolle des Zugpferdes und geriet mit diesem immer wieder in Konflikt. Wie schon erwähnt, schwebte Harrer eher ein im Hintergrund agierender, geradezu mythischer Zirkel vor. Hitler verfolgte von Beginn an das Ziel, die Partei massiv in die Öffentlichkeit zu tragen. Hitler konnte sich sehr erfolgreich als Redner profilieren und wurde zunehmend mehr das Aushängeschild der Partei.

Auf sein Betreiben hin wurde der Ausschuss zunächst auf zehn, dann auf zwölf Mitglieder erweitert, welche Freunde und Bekannte Hitlers waren. Noch vor dem Jahresende erklärte Karl Harrer seinen Austritt aus der Partei.

Nun konnte sich Hitler ungehindert weiter seinem Ziel widmen, die Partei noch stärker publik zu machen. So kündigte er für den 24. Februar 1920 die erste Großveranstaltung im Hofbräuhaus in München an. Erster Sprecher des Abends war der im nationalen Milieu renommierte Arzt Dr. Dingfelder. Daraufhin sprach Hitler und verkündete das neue 25-Punkte-Programm der Partei. Dies war die erste programmatische Erfassung der Richtung und Ziele der Partei überhaupt. Zudem wurde hiermit die DAP in NSDAP umbenannt. Wer konkret in welchem Maße an der Ausformulierung dieses Programmes feilte, ist heute nicht mehr eindeutig feststellbar, vermutlich waren Drexler und der Ingenieur Gottfried Feder entscheidend daran beteiligt.[3]

Wahrscheinlich war Hitler einer der Triebfedern, generell ein Programm zu entwickeln, um der Partei nach außen ein Gesicht zu geben.

Auch wenn die einzelnen Punkte dieses Programmes eher unkonkret gehalten waren, so enthalten sie doch die bis zum Ende des Dritten Reiches gültigen Kernthesen wieder. Besonders die Lebensraumthese, der grundlegende Antisemitismus, der Totalitätsanspruch und die Idee und Definition der "Volksgemeinschaft" finden sich hier wieder.[4] Besonders bemerkenswert allerdings ist die Synthese der beiden Begriffe "national" und "Sozialismus". Hiermit wurden die beiden prägenden Gedanken jener Zeit miteinander verbunden. Die Hitlerpartei hatte den Begriff des "Nationalsozialismus" nicht erfunden, vielmehr wurde bereits im Mai 1918 Aussig die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei gegründet, von der nicht nur der Name sondern auch das Hakenkreuz als Symbol übernommen wurde. In den nächsten Monaten konnte Hitler seine Stellung in der Partei weiterhin ausbauen und sich eine Hausmacht aufbauen. Auch die NSDAP wuchs kontinuierlich und konnte erste Ortsgruppen außerhalb Münchens gründen.[5]

Insbesondere von Seiten Drexlers wurden immer wieder Versuche unternommen, mit anderen Gruppen des völkischen Lagers, vor allem mit der Deutschsozialistischen Partei, zu kooperieren. Solche Bestrebungen wurden von Hitler jedoch vehement abgelehnt. Er verlangte von den anderen nationalistischen Organisationen die Auflösung und den Eintritt deren Mitglieder in die NSDAP. Hierüber geriet er besonders mit Drexler in Konflikt.[6] Als Hitler im Sommer 1921 nach Berlin reiste (hier lernte er wichtige Leute wie Ludendorff oder Reventlow kennen), ließ er seine Vertrauten Esser und Eckart als "Aufpasser" und Beobachter zurück. Als Anton Drexler nun versuchte, die Gunst der Stunde zu nutzen und die vorher abgebrochenen Verhandlungen mit der Deutschsozialistischen Partei wieder aufzunehmen, wurde Hitler dies sofort zugetragen. Am 11. Juli 1921 erklärte er seinen sofortigen Austritt aus der Partei. Drei Tage später übermittelte er in einem Brief die Bedingungen, zu welchen er zu einem Wiedereintritt bereit wäre. Er verlangte den sofortigen Rücktritt des Ausschusses, den Posten des ersten Vorsitzenden mit diktatorischer Machtbefugnis und, dass weder Name noch Programm der Partei geändert werden dürfte. Außerdem bestimmte er, dass es einen Zusammenschluss mit anderen Gruppen nicht geben könne, sondern nur deren Anschluss. Einen Tag später antwortete der Ausschuss mit folgenden Worten: "Der Ausschuss ist bereit in Anerkennung Ihres ungeheuren Wissens, Ihrer, mit seltener Aufopferung und nur ehrenamtlich geleisteten Verdienste für das Gedeihen der Bewegung, Ihrer seltenen Rednergabe, Ihnen diktatorische Machtbefugnisse einzuräumen und begrüßt es auf das freudigste, wenn Sie [...] die Stelle des ersten Vorsitzenden übernehmen. Drexler bleibt dann als Beisitzer im Ausschuss [...]. Sollten Sie sein vollständiges Ausscheiden aus der Bewegung als nützlich erachten, so müsste die nächste Jahresversammlung darüber gehört werden."[7] Am 25. Juli versuchte Drexler, Hitler anzuzeigen, da er zur Revolution und Gewalt aufrief. Die Münchner Polizei erklärte sich für nicht zuständig. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 29. Juli erhielt Hitler 553 Stimmen der 554 Anwesenden und wurde das erste Mal von Hermann Esser als Führer bezeichnet.

In den nun neu zu benennenden Ausschuss kamen ausschließlich Vertraute Hitlers. Am dritten August 1921 wurde die SA gegründet.[8]

Für den Januar 1923 setzte Hitler einen Parteitag in München an, wo vor mittlerweile 5.000 SA-Männern eine sogenannte Standartenweihe auf dem Münchener Marsfeld als Machtdemonstration stattfinden sollte. Um der wachsenden Bedrohung durch die NSDAP Herr zu werden, beschlossen die bayerischen Behörden ein Verbot der Standartenweihe sowie der Hälfte der von der NSDAP angesetzten Veranstaltungen. Nachdem Hitler versucht hatte, den bayerischen Polizeipräsidenten Nortz dazu zu bewegen, dieses Verbot aufzuheben, verhängte der bayerische Ministerrat den Ausnahmezustand, womit alle Veranstaltungen verboten waren. Erst nach einer durch Ritter von Epp vermittelten Aussprache mit General von Lossow konnte die Hälfte der geplanten Veranstaltungen statt finden. Hitler jedoch führte alle Veranstaltungen, sogar die Standartenweihe auf dem Marsfeld durch. Die Staatsmacht blieb passiv. Hitler hatte bis zu diesem Zeitpunkt die alleinige Macht in der Partei errungen und war zu einer der wichtigsten Figuren des völkischen Lagers geworden.[9]

Sein Verhalten gegenüber den staatlichen Autoritäten sowie das Wachstum der Partei - im November 1923 verfügte sie bereits über 35.000 Mitglieder, wovon 15.000 bei der SA waren - verstärkten den Eindruck, dass Hitler und die NSDAP möglicherweise einen Staatsstreich durchführen wollten.[10] Am 9. November 1923 erfolgte dann auch tatsächlich ein Putschversuch. Dieser "Marsch auf Berlin" endete jedoch schon ziemlich bald an der Feldherrenhalle im Kugelhagel der bayerischen Polizei.

3. Hintergrund Gregor Straßers

Gregor Straßer wurde am 31. Mai 1892 als ältestes von 5 Kindern in Geisenfeld bei Plattenhofen an der Ilm geboren. Am 10. September 1897 folgte sein Bruder Otto. Deren Vater Peter Straßer war Kanzleirat an den Amtsgerichten Windsheim und Deggendorf. Gregor begann 1914 zunächst ein Studium der Pharmazie an der Universität München, meldete sich aber bei Ausbruch des ersten Weltkrieges sofort als Freiwilliger. Er diente als Leutnant an der Westfront und erwarb das EK I. Nach Kriegsende nahm er sein unterbrochenes Studium wieder auf und legte 1919 sein Staatsexamen mit der Note "sehr gut" in Erlangen ab. Nach seiner Hochzeit mit Else Vollmuth übernahm er Anfang 1920 die Niederlassung in einer Medizinaldrogerie in Landshut.[11]

Sein politisches "Erwachen" hatte Gregor Straßer im Frühjahr 1919. Nach der Ermordung Kurt Eisners am 21. Februar 1919 und der anschließenden Eskalation der Lage schlossen Gregor und Otto Straßer sich dem "Freikorps Epp" an. Nach dessen Einmarsch in München im Mai desselben Jahres und der Beendigung der dortigen Räteherrschaft war Gregor Straßer an der Gründung des "Nationalverbandes deutscher Soldaten" beteiligt. Aus diesem Verband ging das von Straßer geführte "Sturmbataillon Niederbayern" hervor. Dieses hatte zu seinen besten Zeiten eine Stärke von etwa 2.000 Mann und verfügte über eine gute Bewaffnung wie Geschütze und Maschinengewehre.

Die Grundsätze seiner Ideologie gingen auf seine Erfahrungen im ersten Weltkrieg zurück. Straßer vertrat entschieden die Idee eines sogenannten "deutschen Sozialismus". Im Mittelpunkt steht wiederum der Gedanke der Volksgemeinschaft. Der "soziale Kampf der deutschen Arbeiterschaft" sei "der Befreiungskampf der deutschen Nation". Der deutsche Sozialismus sollte zur Freiheit der Nation und diese nationale Freiheit zur sozialen Befreiung des Arbeiters führen. Nach seiner Meinung war "der Staat dieser Nation die Verkörperung völkischen Willens, [...] die Wirtschaft dieser Nation die Verkörperung der sozialen Gerechtigkeit."[12] Scharf wandte er sich gegen den "jüdisch-internationalen" Liberalismus und Marxismus und ein "ausbeuterisches kapitalistisches Wirtschaftssystem"[13]. Er vertrat eine Nationalisierung der Wirtschaft unter Beteiligung der Arbeitnehmerschaft, was durch ein hierarchisches ständestaatliches Modell realisiert werden sollte. Außenpolitisch sah er die Zukunft Deutschlands in einer wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenarbeit mit der Sowjetunion. Er sagte dazu "im Osten liegen unsere politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten", im Gegensatz sei "von dem längst zu festen Formen erstarrten, verkalkten kapitalistischen Westen nichts zu erwarten".

In diesen ideologischen Grundlagen zeigen sich bereits erste Unterschiede zu Hitler, der außenpolitisch besonders in Großbritannien und Italien natürliche Bündnispartner sah und sich für wirtschaftspolitische Belange gar nicht interessierte. Grundsätzlich versuchte Hitler in seinen Reden und Schriften klare und eindeutige politische Inhalte zu vermitteln. [14]

4. Gregor Straßer und die NSDAP bis zur Neugründung

Aufgrund seiner Führungsrolle im "Sturmbataillon Niederbayern" kam Gregor Straßer in Kontakt mit General Ludendorff. So kam es im Frühjahr des Jahres 1921[15] zu einem Treffen zwischen Gregor Straßer, seinem Bruder Otto, Hitler und Ludendorff, in dessen Verlauf sich Straßer Hitler anschloss. Daraufhin wurde er zum Gauleiter der NSDAP von Niederbayern ernannt. Darüberhinaus konnte er bis zum 9. November 1923 keine größere Bedeutung in der Partei erlangen. Im Zuge des Putschversuchs jenes 9. November konnte er sich jedoch auszeichnen. Zunächst hatte sein "Sturmbataillon", die ihm zugewiesene Aufgabe, die Sicherung der Wittelsbacher Brücke, voll erfüllt. Darüberhinaus floh Straßer nicht, sondern brachte seine Anhänger in voller militärischer Ordnung wieder nach Landshut zurück, wo er dann auch verhaftet wurde. Im weiteren Verlauf wurde die NSDAP reichsweit verboten und bis auf Ludendorff die führenden Köpfe zu Haft- oder Bewährungsstrafen verurteilt.[16]

Die Inhaftierung Hitlers und das reichsweite Verbot der NSDAP hinterließen die ursprünglichen Parteikader zunächst in völliger Orientierungslosigkeit. Für die Dauer seiner Haft legte Hitler Parteivorsitz und Führung der nationalsozialistischen Bewegung nieder. In Folge dessen entstand unter der Führung von Rosenberg, Streicher und Esser die "Großdeutsche Volksgemeinschaft" als Nachfolgeorganisation der NSDAP. Davon abgesehen war schon 1922 die "Deutschvölkische Freiheitspartei" von Albrecht von Graefe gegründet worden. Diese beiden Organisationen bildeten nun zur bayerischen Landtagswahl im Mai und zur Reichstagswahl im Dezember 1924 eine gemeinsame Liste. Bei der Wahl am 4.Mai 1924 wurde Straßer, obwohl in Untersuchungshaft sitzend, in den bayerischen Landtag gewählt. Angetreten war er für den "völkischen Block", einer Nachfolgeorganisation der verbotenen NSDAP. [17]

Der "völkische Block" stellte mit 23 Mandaten die zweitgrößte Fraktion und wählte nun Gregor Straßer zum Fraktionsvorsitzenden. Wichtig ist außerdem, dass er als Inhaber eines Landtagsmandats persönliche Immunität genoss. Die Fraktion des "völkischen Blockes" war die zweitgrößte des bayerischen Landtags und die größte aller völkischen in den deutschen Parlamenten. Somit stieg Straßer zu einer der wichtigsten Figuren im völkischen Lager auf.

Das Jahr 1924 stand unter dem Zeichen eines möglichen Zusammenschlusses der völkischen Parteien. Wichtigster Gegner einer solchen Einigung, Adolf Hitler, war am 1. April zu Festungshaft in Landsberg verurteilt worden.

Am 7. Dezember des Jahres wurde Straßer in den Reichstag gewählt und legte daraufhin sein Landtagsmandat nieder. Straßer hatte somit in der völkischen Bewegung eine Stellung erreicht, die Hitler nach seiner vorzeitigen Haftentlassung am 20. Dezember nicht ignorieren konnte. Nach einer Absprache mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Held und dem Versprechen nun nur noch auf legalem Wege zu handeln, war der Weg zur Neugründung der NSDAP frei. Diese erfolgte auf einer Versammlung im Münchner Bürgerbräukeller am 25. Februar 1925. Straßer selbst war bei dieser Veranstaltung nicht anwesend. Schon vorher kam es zu einer Absprache zwischen Straßer und Hitler, bei der festgelegt wurde, dass Straßer nun für den Aufbau der Partei in Nord- und Westdeutschland zuständig sein sollte. Dies war aus mehreren Gründen sinnvoll, da Hitler in vielen deutschen Ländern einem Einreise- und Redeverbot unterlag. Außerdem verfügte Gregor Straße als Reichstagsabgeordneter über eine reichsweite Freifahrtkarte der Bahn. Um eben diesen Aufbau der Partei vorantreiben zu können, erhielt Straßer eine von Hitler unterzeichnete Vollmacht.[18]

[...]


[1] Vgl. Maser, Werner: Die Frühgeschichte der NSDAP, Frankfurt am Main 1965, S. 165ff.

[2] Vgl. Fest, Joachim C.: Hitler, Frankfurt am Main 1995, S. 170ff.

[3] Vgl. Maser, Frühgeschichte 1965, S.85ff.

[4] Nach Kühnl, Reinhard: Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten, Köln 2000, S.96ff.

[5] Vgl. Maser, Frühgeschichte 1965, S. 143ff.

[6] Vgl. Horn, Wolfgangn: Der Marsch zur Machtergreifung. Die NSDAP bis 1933, Düsseldorf 1972., 46ff.

[7] Zitat nach: Fest, Hitler 1995, S. 206.

[8] Vgl. Maser, Frühgeschichte 1965, S166ff.

[9] Vgl. Fest, Hitler 1995, S. 207ff.

[10] Vgl. Maser, Frühgeschichte 1965, S. 265ff.

[11] Vgl. Stachura, Peter D.: Gregor Strasser and the rice of nazism , London 1983, S. 11ff.

[12] Zitat nach: Kissenkoetter, Udo: Gregor Straßer und die NSDAP, Stuttgart 1978, S. 24.

[13] Zitat nach: ebd. S. 25.

[14] Vgl. Kissenkoetter: Straßer und die NSDAP 1978, S. 22ff.

[15] Der genaue Zeitpunkt dieses Treffens kann nicht festgestellt werden und Angaben beruhen auf Aussagen Otto Straßers. Hierzu: Kissenkoetter, Straßer und die NSDAP 1978, S15/Anmerkung 12.

[16] Vgl. Strachura, Strasser and the rice of Nazism 1983, S. 16ff.

[17] Vgl. Horn, Marsch zur Machtergreifung 1972, S. 135ff.

[18] Vgl. Kissenkoetter, Straßer und die NSDAP 1978, S. 16ff.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Gregor Straßer und die NSDAP. Hintergründe, Politisches und Entwicklung bis 1932
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Der frühe Hitler
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
31
Katalognummer
V301547
ISBN (eBook)
9783668001848
ISBN (Buch)
9783668001855
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gregor, straßer, nsdap, hintergründe, politisches, entwicklung
Arbeit zitieren
Sidney Sauer (Autor), 2015, Gregor Straßer und die NSDAP. Hintergründe, Politisches und Entwicklung bis 1932, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301547

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