Die Methode der Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Denn durch Oral History kann der Zeitgeist einer Epoche von den Schülern erfasst werden und Geschichte lebendig vermittelt werden.
Da immer mehr die Sozialgeschichte, also die Geschichte der kleinen Leute, in den Mittelpunkt rückt, ist es notwendig sich den Geschichten dieser Menschen zu widmen und ihre Darstellung und Erinnerungen von Geschichte zu berücksichtigen.
Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt Oral History, die Produktion und auch die Bearbeitung mündlich überlieferter Quellen zusehends an Bedeutung, auch im Geschichtsunterricht.
Des Weiteren hat die Zeitzeugengeschichte auch geschichtskulturell an Bedeutung gewonnnen, was durch zahlreiche Produktionen von Guido Knopp und unzählige Angebote im Internet deutlich wird. Durch das gesteigerte Interesse an „erinnerter Geschichte“ ist es notwendig, in der Schule die Schüler und Schülerinnen zum Umgang mit diesem Medium zu erziehen, damit sie kritisch daran teilnehmen können.
Diese Hausarbeit soll erläutern, wie Oral History in den Geschichtsunterricht eingebunden werden kann, speziell um die DDR-Geschichte zu vermitteln. Des Weiteren sollen die Chancen aber auch Einwände gegen den Einsatz von Oral History aufgezeigt werden.
Anhand von didaktisch-methodischen Überlegungen soll aufgezeigt werden, wie Zeitzeugenbefragungen eingesetzt werden und Schüler auf Zeitzeugeninterviews vorbereitet werden können.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Was ist Oral History?
2.1 Didaktisch-methodische Vorteile von Oral History
2.2 Einwände gegen Oral History
3. Praxis der Oral History
3.1 Auswahl der Zeitzeugen
3.2 Methoden der Gesprächsführung
3.3 Frage- und Dokumentationstechniken
4. Das Oral History zur Vermittlung der DDR- Geschichte
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz der Oral-History-Methode im Geschichtsunterricht, insbesondere im Hinblick auf die Vermittlung der DDR-Geschichte. Ziel ist es, Möglichkeiten und methodische Herausforderungen der Zeitzeugenbefragung aufzuzeigen sowie deren Potenzial zur Förderung des Fremdverstehens und des Abbaus von Vorurteilen bei Schülern zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen und Definition der Oral History
- Didaktischer Nutzen und Herausforderungen der Zeitzeugenbefragung
- Methodik der Gesprächsführung und Dokumentation im Unterrichtskontext
- Spezifische Anwendung zur DDR-Geschichte und zum interkulturellen Vergleich
- Quellenkritischer Umgang mit mündlich überlieferten Lebensgeschichten
Auszug aus dem Buch
3.2 Methoden der Gesprächsführung
Nachdem die Zeitzeugen ausgewählt wurden, ist es wichtig die Schüler auf die Interviewsituation vorzubereiten. Den Schülern muss klar sein, dass von der erinnerten Geschichte des Interviewten nicht auf die historische Wirklichkeit geschlossen werden kann.13
Gesprächsführungstechniken können helfen, zum Gelingen des Interviews beizutragen, denn für Schüler stellt die Interviewsituation meist eine Überforderung ihrer Kompetenzen dar, und sie reagieren nicht flexibel auf unerwartete Antworten. Gesprächsführungstechniken, die zum erfolgreichen Interview verhelfen können sind: Aktives Zuhören bedeutet, dass der Interviewer durch seine Körperhaltung, Gestik und Mimik seinem Gegenüber Interesse und Aufmerksamkeit signalisiert.
Mit der Technik des Verbalisierens zeigt der Interviewer, dass er versucht, das Gesagte des Zeitzeugen zu verstehen. Er wiederholt das Gesagte in eigenen Worten und verbindet es mit einer indirekten Frage, die zu weiteren Ausführung anregen soll.
Der Lehrer sollte mit den Schülern auch nicht adäquate Verhaltensweisen erarbeiten, die das Interview behindern könnten. Zu nicht angemessenen Verhaltensweisen zählen Bagatellisieren, Diagnostizieren, Examinieren, Interpretieren und Moralisieren. 14
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung der Zeitzeugenbefragung ein und legt dar, wie Oral History den Geschichtsunterricht lebendiger gestalten kann.
2. Was ist Oral History?: Hier wird die wissenschaftliche Definition von Oral History erläutert sowie deren didaktischer Nutzen und die kritischen Einwände gegen diese Methode diskutiert.
3. Praxis der Oral History: Dieses Kapitel befasst sich mit der praktischen Umsetzung, von der Auswahl der Zeitzeugen bis hin zu konkreten Gesprächs- und Dokumentationstechniken für Schüler.
4. Das Oral History zur Vermittlung der DDR- Geschichte: Hier wird der spezifische Nutzen von Zeitzeugeninterviews für das Verständnis der DDR-Geschichte und den Abbau von Vorurteilen zwischen Ost und West analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst das Potenzial der Methode zusammen, betont jedoch die Notwendigkeit intensiver Vorbereitung und Quellenkritik.
Schlüsselwörter
Oral History, Zeitzeugenbefragung, DDR-Geschichte, Geschichtsunterricht, Zeitgeschichte, Quellenkritik, Methodik, Gesprächsführung, Erinnerungskultur, Sozialgeschichte, Schüleraktivierung, Vermittlungskompetenz, DDR, Zeitzeugen, Unterrichtsprojekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Einsatz der Oral-History-Methode als Instrument im Geschichtsunterricht zur Vermittlung zeitgeschichtlicher Themen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Themenfeldern gehören die theoretische Fundierung der Oral History, die methodische Vorbereitung von Interviews und die spezifische Anwendung zur DDR-Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zeitzeugenbefragungen in den Unterricht eingebunden werden können und welche Chancen sowie Risiken dabei bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen didaktischen Analyse und der Auswertung fachwissenschaftlicher Literatur zur Oral-History-Methodik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung der Oral History, die praktische Vorbereitung von Interviews und die Anwendung auf das konkrete Beispiel der DDR-Geschichte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Oral History, Zeitzeugenbefragung, Quellenkritik, DDR-Geschichte und didaktische Vermittlung.
Warum sollte man laut Autorin keine Eltern oder Lehrer als Zeitzeugen einsetzen?
Die Autorin argumentiert, dass dies Schüler in einen Loyalitätskonflikt bringen könnte und die notwendige kritische Distanz zur Befragung erschwert.
Welche Rolle spielt die „Teiltranskription“ in der schulischen Praxis?
Da eine vollständige Transkription zu zeitintensiv und aufwendig für den Schulalltag ist, empfiehlt die Autorin die Teiltranskription als praktikable Lösung zur Quellensicherung.
Was ist laut Autorin das größte didaktische Potenzial der Methode?
Das Potenzial liegt in der Einsicht der Schüler, dass es keine „einzig wahre“ Geschichte gibt, sondern dass historische Erzählungen immer subjektiv und perspektivisch geprägt sind.
- Quote paper
- Hanna Heun (Author), 2007, „Oral History" im Geschichtsunterricht. Wie kann sie zur Vermittlung der DDR-Geschichte eingesetzt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301578