In den letzten Jahren sind verstärkt Veränderungen in der gesellschaftlichen Entwicklung hinsichtlich Familienstrukturen, Mediatisierung, Urbanisierung und des demografischen Wandels zu beobachten. Diese Veränderungen tragen unter anderem auch zu einer wachsenden Nachfrage nach Ganztagsbetreuung bei.
In der Wissenschaft bereits vielfach thematisiert und belegt wurden die vielen positiven Effekte von Bewegung, Spiel und Sport auf die physische, psychische und soziale Entwicklung im Kindesalter. Der verstärkte Ausbau von Ganztagsschulen in Deutschland bietet die Möglichkeit, regelmäßige bewegungsorientierte Ganztagsangebote ins Leben zu rufen und dadurch Kinder und Jugendliche gezielt von diesen positiven Effekten profitieren zu lassen. Bemerkenswert ist, dass durch Ganztagsangebote – anders als beispielsweise bei gewöhnlichen Sportvereinsangeboten – alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Ganztagsschule erreicht werden und zu Bewegung motiviert werden, unabhängig von körperlicher Konstitution sowie sportlichen Fähigkeiten und Interessen.
Der Idealverein für Sportkommunikation und Bildung greift diesen Aspekt auf und setzt ihn in seinem Modellprojekt „Bewegte Ganztagsschule“ um. An den Standorten der „Bewegten Ganztagsschule“ finden täglich sportartungebundene, niedrigschwellige Bewegungsangebote statt.
Grundlegendes pädagogisches Projektziel ist neben der Förderung physischer, psychischer und sozialer Kompetenzen die Begünstigung eines Zuganges aller am Projekt teilnehmenden Ganztagsschülerinnen und Ganztagsschüler zum sozialen System Sport.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insgesamt mit der Frage, inwieweit ein Bewegungsprogramm an Ganztagsschulen ein wirksames Setting darstellt, um gezielt physische und psychische Kompetenzen, sowie Verhaltens- und Verhältniswirkungen, beispielsweise ausgedrückt durch die Häufigkeit von Vereinsmitgliedschaften, zu fördern.
Untersucht wird dies anhand der Study of Active Full Time School Quality (SAFTSQ), eine durch Mitarbeiter des ISB entwickelte Evaluation, um die Ergebnis-, Struktur-, und Prozessqualität des Projekts der Bewegten Ganztagsschule zu messen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
1.1 Hinführung
1.2 Abgrenzung
1.3 Bewegte Ganztagsschule - Idealverein für Sportkommunikation und Bildung
1.4 Wissenschaftliche Fragestellung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Sport in Schule und Verein
2.2 Ganztagsschulentwicklung
2.3 Bildungs- und Gesundheitsaspekte von Sport
2.3.1 Physische Aspekte
2.3.2 Psychische Ressourcen
2.3.3 Verhaltens- und Verhältniswirkungen
2.4 Sekundäranalyse
2.5 Das ISB-Programm „Bewegte Ganztagsschule“
2.6 Hypothesen
3. Methodik
3.1 Die SAFTSQ - Studie
3.2 Erhebungsmethoden
3.3. Zusammenfassung
4. Auswertung der Ergebnisse
4.1 Dateneingabe
4.2 Datenverarbeitung
4.2.1 Zum Untersuchungsgegenstand der physischen Aspekte
4.2.2 Zum Untersuchungsgegenstand der psychischen Ressourcen
4.2.3 Zum Untersuchungsgegenstand der Verhaltens- und Verhältniswirkungen
4.2.4 Cluster
4.3 Demografie der exklusionsbereinigten Stichprobe
4.4 Ergebnisse und Interpretation
4.4.1 Physische Aspekte
4.4.1.1 Untersuchungsgegenstand 1: BMI
4.4.1.2 Untersuchungsgegenstand 2: aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit (scp7)
4.4.2 Psychische Ressourcen
4.4.2.1 Untersuchungsgegenstand 3: Selbstwirksamkeitserwartung
4.4.2.2 Untersuchungsgegenstand 4: Selbstkonzept
4.4.3 Verhaltens- und Verhältniswirkung
4.4.3.1 Untersuchungsgegenstand 5: Habituelles Bewegungsverhalten - Aktivität
4.4.3.2 Untersuchungsgegenstand 6: Teilhabe am sozialen System Sport
4.4.3.3 Untersuchungsgegenstand 7: vielseitige Ernährung
4.4.3.4 Untersuchungsgegenstand 8: Hygieneverhalten
5. Gesamtergebnis & Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effektivität des Bewegungsprogramms „Bewegte Ganztagsschule“ als Setting zur Förderung physischer und psychischer Kompetenzen sowie von Verhaltens- und Verhältnismustern bei Kindern. Ziel ist es, auf Basis der SAFTSQ-Daten zu analysieren, ob ein solches Angebot zu einer gesünderen Entwicklung und einer aktiveren Teilhabe am sozialen System Sport führt.
- Gesundheitsförderung im schulischen Ganztag
- Entwicklung physischer und psychischer Ressourcen
- Kooperation zwischen Schule und Sportverein
- Einfluss von Bewegungsangeboten auf das Ernährungs- und Hygieneverhalten
- Wirkungsanalyse der Ganztagsbeschulung auf die Vereinsmitgliedschaft
Auszug aus dem Buch
1.1 Hinführung
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigen sich Autoren mit alternativen Sinndimensionen des Sports.
„Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
Kürzt die öde Zeit,
Und er schützt uns durch Vereine
Vor der Einsamkeit.“
JOACHIM RINGELNATZ (1883-1934)
Bötticher liefert damit bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts „konkrete Hinweise darauf, dass dem organisierten Sport nicht nur die bloße Zielsetzung einer Verbesserung physischer Kompetenzen beizumessen ist“ […] sondern sich Aspekten zuwendet, die sich „heutzutage als Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen als besondere Chance für Sportvereine“ interpretieren lassen.
Weitaus frühzeitiger, bereits im 17. Jahrhundert, schrieb John Locke in seinen „Gedanken über Erziehung“ erste Aspekte der Erziehung durch Bewegung nieder. Er betont den Sinn der Gesunderhaltung und Ausbildung von Tugend und Moral durch Körper- und Bewegungserziehung. Durch Jean-Jaques Rousseau erhalten die Menschen im 18. Jahrhundert eine grundlegend neue Idee über Erziehung und die Rolle des Körpers. Er sieht erstmals das Kind als solches an, das durch vielfältige Formen von Bewegung, Spiel und Körpertraining entscheidende körperliche und sinnliche Erfahrungen macht. Erst durch diese Erfahrungen würde nach Rosseau das Kind zum „wahren Menschen“, es trainiere die Sinne, lerne den Körper zu beherrschen und sein Selbstbewusstsein auszubilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Stellenwert von Bewegung im Kindesalter und führt in die Thematik der Ganztagsschule als Setting der Gesundheitsförderung ein.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erarbeitet das theoretische Fundament zu Sport, Schulentwicklung und Gesundheitsaspekten, inklusive einer Sekundäranalyse.
3. Methodik: Hier wird das Forschungsdesign der SAFTSQ-Studie vorgestellt, inklusive der Erhebungsmethoden und der Datenauswahl.
4. Auswertung der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Datenanalyse der verschiedenen Untersuchungsgegenstände wie BMI, Ausdauerfähigkeit und psychische Ressourcen.
5. Gesamtergebnis & Handlungsempfehlungen: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und leitet Empfehlungen für die Praxis sowie zukünftige Forschung ab.
Schlüsselwörter
Bewegte Ganztagsschule, Gesundheitsförderung, Ganztagsschulentwicklung, Sportverein, SAFTSQ, physische Aspekte, psychische Ressourcen, Selbstwirksamkeit, Selbstkonzept, Verhaltenswirkung, Verhältniswirkung, Körperliche Aktivität, Sportpädagogik, Setting-Ansatz, Gesundheitskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das Projekt „Bewegte Ganztagsschule“ des ISB einen wirksamen Beitrag zur Gesundheitsförderung von Kindern leistet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die gesundheitliche Bedeutung von Sport, die Integration von Sport in den Schulalltag und die Auswirkungen auf die psychosoziale Entwicklung von Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Überprüfung, ob ein strukturiertes Bewegungsprogramm physische Kompetenzen und ein gesundheitsförderliches Verhalten der teilnehmenden Kinder stärkt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine quantitative Auswertung von Daten der SAFTSQ-Studie unter Verwendung eines ex-post-facto-Forschungsdesigns.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen und wertet die empirischen Daten zur Entwicklung physischer Merkmale, psychischer Ressourcen und Verhaltensweisen aus.
Welche Keywords charakterisieren diese Arbeit?
Kernbegriffe sind Bewegte Ganztagsschule, Gesundheitsförderung, psychische Ressourcen, physische Aspekte und der Setting-Ansatz in der Schule.
Welche Rolle spielen Sportvereine in diesem Konzept?
Sportvereine fungieren als Kooperationspartner, die über den regulären Sportunterricht hinaus professionelle Bewegungsangebote im schulischen Ganztag bereitstellen.
Wie lässt sich der Erfolg der „Bewegten Ganztagsschule“ messen?
Der Erfolg wird durch die Analyse von Veränderungen in anthropometrischen Daten (z.B. BMI), Shuttle-Run-Tests sowie Skalen zur Selbstwirksamkeit und zum Selbstkonzept gemessen.
Was ist die zentrale Erkenntnis zu den Ernährungsgewohnheiten?
Die Hypothese, dass das Programm automatisch zu einer vielseitigeren Ernährung führt, konnte durch die erhobenen Daten in der vorliegenden Form nicht bestätigt werden.
Warum ist die Veridikalisierung des Selbstkonzepts relevant?
Ein realistisches Selbstkonzept ist eine wichtige psychische Ressource, die Kindern hilft, Anforderungen besser einzuschätzen und Belastungen erfolgreich zu bewältigen.
- Arbeit zitieren
- Idealverein für Sportkommunikation und Bildung (Hrsg.) (Autor:in), Karin Eberle (Autor:in), 2013, „Bewegte Ganztagsschule“ – wirksame Gesundheitsförderung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301583