Josaphat und Barlaam - Heidnische Theologie und ihre Widerlegung: Die Alten Ägypter


Seminararbeit, 2004

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltszusammenfassung „Barlaam und Josaphat“, vers 10395 - 10677

3. Das Alte Ägypten - Geschichte

4. Die ägyptischen Götter
4.1. Isis
4.2. Osiris
4.3. Horus
4.4. Seth - Typhon

5. Der Mythos von Isis und Osiris

6. Kritik Nachors an den ägyptischen Göttern

7. Fazit/ Stellungnahme

8. Quellenangabe

1. Einleitung

Literatur ist ein Spiegel der Zeit, in der sie verfasst wird, so kann man aus ihr Überzeugungen und Konflikte erarbeiten, sowie u. U. auch die Lebensumstände und Weltanschauungen des Autors reflektieren. Ein signifikantes Thema innerhalb der Literatur des Mittelalters ist die Religion. So auch in Rudolfs von Ems „Barlaam und Josaphat“. Dieses Buch gehört zu den beliebtesten des Mittelalters. Das liegt weniger an der Empfehlung des Eremitenlebens, dargestellt durch den christlichen Einsiedler Barlaam, als vielmehr am Sieg der christlichen Religion über das Heidentum, vermittelt durch den Religionsdisput zwischen Nachor und verschiedenen heidnischen Religionen, u. a. der der Alten Ägypter.

Dieser Diskurs über den Sieg des Christentums, spiegelt die Überzeugung des Autors wider, dass gerade das Christentum die einzig wahre Religion ist. Der universelle Anspruch wird also zur zentralen Aussage des Werkes.

Um dies aufzuzeigen werde ich als erstes die Handlung des Abschnitts kurz wiedergeben. Zum weiteren Verständnis ist es notwendig, einen Abriss über die Geschichte Altägyptens zu liefern, sowie kurz auf die Götter Iris, Osiris, Horus und Typhon (Seth) einzugehen. Da die mythologische Geschichte von „Isis und Osiris“ einen zentralen Punkt der Kritik Nachors ausmacht, werde ich diese in einem weiteren Abschnitt veranschaulichen. Abschließend werde ich die Kritik Nachors an den altägyptischen Gottheiten erläutern und in einem abschließenden Fazit meine These belegen.

2. Inhaltszusammenfassung „Barlaam und Josaphat“, vers 10395 - 10677

Der heidnische Zauberer Nachor führt also nun den Disput mit den Ägyptern, nachdem er diesen bereits mit den Chaldäern und Griechen geführt hat. Auch die Ägypter und ihren törichten Glauben erklärt er vor dem König Avenier für dumm. Rudolf von Ems schreibt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

Die Ägypter müssen sich jetzt folglich auch vor Nachor und allen anderen Anwesenden verteidigen und rechtfertigen und sich dem Religionsdisput stellen. Und so antworten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2

Die Ägypter erzählen weiter von dem Heer der Ägypter, das im Roten Meer umkam. Nur diejenigen, die in der Gunst der (ägyptischen) Götter standen, überlebten dieses Ereignis. Seitdem dienen sie diesen Göttern und huldigen sie.

Doch auch die Ägypter bezeichnen Nachor als dumm, weil dieser wider die Macht und Kraft dieser Götter redet, denn schlieûlich sind diese doch sehr wahrhaftig, gerecht und untadelhaft.3

Doch Nachor geht erneut dazwischen und erklärt dem König, dass diese Götter im Prinzip genauso lebten wie ihre Anhänger und dann erzählt er die Geschichte von Isis und Osiris.4

Dann erzählt Nachor ebenfalls die Geschichte vom Roten Meer, aber natürlich in seiner Version: In Ägypten lebte das israelische Volk ± das von Gott auserwählte ± in der Gefangenschaft der Ägypter und seines Pharaos. Gott sandte dem israelischen Volk einen Meister ± Moses ±, um es aus Ägypten herauszuführen. Gott lieû Moses das Rote Meer teilen, damit das israelische Volk ungehindert Ägypten verlassen konnte. Und die ungläubigen Ägypter mussten im Roten Meer elend ertrinken. Und auch Nachor berichtet davon, dass diejenigen, die das überlebten, dieses Glück ihren (heidnischen) Göttern zuschrieben…

Und so richteten sie schlieûlich ihr Leben nach diesen Göttern aus.

Es gab vielerlei Götter, die zumeist Tiergestalten hatten: Schweine, Schafe, Kälber, Habichte (u. a. andere Vögel), Katzen, Wölfe, Hunde, Geier, Raben, Affen…5. Sie schufen Götzenbilder ihrer ¹falschenª Götter. Nachor schiebt diesen Irrglauben auf das Machwerk des Teufels und beschreibt weiterhin, dass diese ägyptischen Götter sterblich waren und erklärt dann, wie (der einzig wahre) Gott zu sein hat: gerecht, gut, wahrhaft, beständig, geschützt vor Wandelbarkeit und Treulosigkeit, er soll eine Natur und eine Gewalt sein, ein Wissen, ein Name, ein Reich,¼ dann also soll er den Namen ¹Gottª tragen.6 Und Nachor fragt die Ägypter, ob so ein Gott sein soll¼ Dies e beantworteten die Frage natürlich mit ¹Jaª. Daraufhin mei nt aber Nachor, dass die ägyptischen Götter eben genau diese Eigenschaften nicht aufweisen, denn schlieûlich erschlugen sie sich gegenseitig, beraubten sich und brandschatzten¼

Also, wie kann derjenige Gott genannt werden, der diese Sünden begangen hat: Diebstahl, Raub, Brand, Magie und Zauberei, Krieg, Mord und Totschlag (dies alles ist der gröûte Sündenhort überhaupt¼)7 Dass diese sündigen Götter bestraft werden, ist demnach nur gerecht und so sollten diese Götter auch nicht länger Götter genannt werden dürfen.8

Nachor schlieût seinen Vortrag mit den Worten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten9

Soviel zum Inhalt des Abschnitts. Aber bevor ich jetzt zu den einzelnen ägyptischen Göttern und dem Mythos von Isis und Osiris komme, möchte ich noch ganz kurz auf die Geschichte des Alten Ägyptens eingehen.

3. Das Alte Ägypten - Geschichte

Das so genannte Alte Ä gypten bezeichnet die Zivilisation im unteren Niltal im Zeitraum von 3.100 v. Chr. bis 30 v. Chr., also die Zeit, in der die Römer Ägypten einnahmen. Die o. g. Zeitspanne teilt sich in drei Zeitperioden: das ¹ Alte Reichª (von ca. 2.700 v. Chr. bis ca. 2.200 v. Chr.)10, das ¹ Mittlere Reichª (von ca. 2.000 v. Chr. bis 1.800 v. Chr.), sowie das ¹Neue Reichª (von ca. 1.500 v. Chr. bis 1.225 v. Chr.). Dies sind die entwicklungsstarken Perioden Ägyptens, dennoch war bereits das ¹Neue Reichª von einzelnen desolaten Herrschaftsperioden und vom Zerfall geprägt, so dass es Fremdmächten bald gelang, die Herrschaft zu übernehmen.

Nichts desto Trotz gilt das ¹Neue Reichª als eine der schillerndsten Zeiten der Pharaonen11. In dieser Epoche begegnen uns die Namen der Pharaonen Echnaton12, Tutanchamun oder Ramses II.

Obwohl dieses Auf und Ab der politischen und wirtschaftlichen Stärke innerhalb von knapp 3.000 Jahren zu einem ständigen religiösen und philosophischen Wandel geführt hat, kann man dennoch von einer gemeinsamen ägyptischen Religion schlechthin sprechen. Aber da es von den Alten Ägyptern keine (oder nur ganz wenige) Schriften über die Theologie gibt, wissen wir eigentlich nur sehr wenig über deren Glauben. Um die Hintergründe zu klären, ist es wichtig, einige der bedeutendsten Götter zu erläutern. Natürlich kann ich hier nicht auf sämtliche Gottheiten Altägyptens eingehen, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Daher widme ich mich an dieser Stelle nur den vier Göttern, die auch in Rudolfs von Ems ¹Barlaam und Josaphatª Erwähnung finden.

[...]


1 Rudolf von Ems: ¹Barlaam und Josaphatª, S. 261, vers 10415 ± 10418

2 Ebd., S. 262, vers 10421 ± 10428

3 vgl. Rudolf von Ems: ¹Barlaam und Josaphatª, S. 262, vers 10449 ± 10453

4 siehe Kapitel 5 dieser Arbeit

5 vgl. Rudolf von Ems: ¹Barlaam und Josaphatª, S. 265, vers 10545 ± 10554

6 vgl. Rudolf von Ems: ¹Barlaam und Josaphatª, S. 266, vers 10593 ± 10602

7 vgl. ebd., S. 267, vers 10622 ± 10625

8 vgl. ebd., S. 267, vers 10632 ± 10634

9 Rudolf von Ems: ¹Barlaam und Josaphatª, S. 267/ 268, vers 10657 ± 10674

10 aus dieser Zeit stammen die Pyramiden

11 bedingt z.B. durch die Bauwerke Ramses’ II.

12 Mann der Nofretete

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Josaphat und Barlaam - Heidnische Theologie und ihre Widerlegung: Die Alten Ägypter
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
GK C Rudolf von Ems "Barlaam und Josaphat"
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V30160
ISBN (eBook)
9783638314862
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Josaphat, Barlaam, Heidnische, Theologie, Widerlegung, Alten, Rudolf, Barlaam, Josaphat
Arbeit zitieren
Vivien Rößler (Autor:in), 2004, Josaphat und Barlaam - Heidnische Theologie und ihre Widerlegung: Die Alten Ägypter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30160

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