Die Neugestaltung des Rundfunks in Westdeutschland nach 1945


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

11 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ausgangsbedingungen in Deutschland

3. Aufbau des Rundfunks unter Alliierter Besatzung
3.1 Rundfunk in der britischen Besatzungszone
3.2 Rundfunk in der amerikanischen Besatzungszone
3.3 Rundfunk in der französischen Besatzungszone

4. Rundfunkorganisation nach Ermessen deutscher Politiker
4.1 Ansprüche deutscher Politiker
4.2 Deutsches und Alliiertes Konzept - Zwei Modelle für die Strukturierung der Aufsichtsgremien

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Neuordnung des Rundfunks in Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter alliierter Besatzung. Da der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland noch immer besteht (nun im dualen Rundfunksystem) ist es wichtig, zu beleuchten, wie und vor welchem Hintergrund er entstanden ist, und was im Allgemeinen historische Voraussetzungen für die Durchführung von Rundfunk in Deutschland sind. In diesem Rahmen soll die vorliegende Arbeit insbesondere konkretisieren, wie und warum es in Deutschland zur Entstehung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gekommen ist.

Dafür sollen zunächst die Modelle der Alliierten für den Wiederaufbau des Rundfunksystems dargestellt und anschließend den Konzepten der deutschen Politiker gegenübergestellt werden. Es sollen dabei nicht nur Unterschiede zwischen den Ansichten deutscher und alliierter Politiker, sondern auch Unterschiede zwischen der Rundfunkpolitik der verschiedenen Besatzungszonen herausgearbeitet werden.

Die Hausarbeit konzentriert sich dabei auf die Rundfunkpolitik der Westmächte, da die Rundfunkpolitik der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) sich grundlegend von dieser unterschied (vgl. Benz, 2009, S. 136), und somit einer separaten Gegenüberstellung bedürfte.

2. Ausgangsbedingungen in Deutschland

Zunächst ist es wichtig, die Rahmenbedingungen in Deutschland darzulegen, um die Überlegungen und Entscheidungen der Alliierten sowie der deutschen Politiker besser nachvollziehen zu können. Aus diesem Grund soll erst kurz das Rundfunksystem der Weimarer Republik erläutert werden sowie anschließend ein Überblick über die Ausgangsbedingungen unmittelbar nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 gegeben werden.

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg sicherten Reichsverfassung sowie Reichstelegrafengesetz dem Staat die Hoheitsrechte über den Rundfunk zu. Ausgeübt wurden diese durch das Reichspostamt. 1922 stellten die privatwirtschaftlichen Elektrohersteller Telefunken und Lorenz einen Antrag für Errichtung und Betrieb kommerzieller Sende- und Empfangsanlagen. Gleichzeitig trat der ehemalige Eildienst des Auswärtigen Amtes mit einem Konzessionierungsantrag an Reichsregierung heran, bei dem der Reichspost 50% der Anteile zugesichert wurden. Mit der Bewilligung der „Deutschen Stunde“, einer Tochtergesellschaft des ehemaligen Eildienstes, entschied sich die Regierung 1922 erneut für den staatlichen und gegen den kommerziellen Rundfunk (vgl. Donsbach/ Wilke, 2009, S. 596).

Gemeinsam mit der sogenannten Aktiengesellschaft für Buch und Presse veranstaltete auch das Reichsinnenministerium Rundfunksendungen. Im Oktober 1923 ging daraus die DRADAG (Drahtlose Dienst AG) hervor, die das Monopol für Nachrichtensendungen innehatte, während die Deutsche Stunde für musische und literarische Inhalte verantwortlich war. Somit war es dem Reichsinnenministerium möglich, die politische Berichterstattung maßgeblich zu beeinflussen (vgl. ebd., S.596f.).

Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde der Rundfunk durch Gebühren finanziert, die von der Reichspost eingezogen wurden. Ein weiteres frühes Kennzeichen des Rundfunks war die Regionalisierung, die sowohl aus technischen Gründen (Reichweiten der Sender) als auch aus politischen Gründen (Kompetenzen der Länder) notwendig war. Durch Zusammenschluss dieser neun regionalen Rundfunkgesellschaften wurde 1925 die Reichsrundfunkgesellschaft gegründet, an der die Post die Aktienmehrheit besaß.

Die Rundfunkreform des Jahres 1932 führte schließlich dazu, dass auch privates Aktienkapital aus Sendegesellschaften von der Reichsregierung übernommen wurde (vgl. ebd., S.597). Diese Verstaatlichung des Rundfunks erleichterte den Nationalsozialisten später die Übernahme des Rundfunks. Durch das neu gegründete Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda wurde der Rundfunk im dritten Reich systematisch zur Gleichschaltung und Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien genutzt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten Funkhäuser in Deutschland zerstört (Bremen, Frankfurt am Main) oder beschädigt (München, Stuttgart, Köln). Lediglich die Funkhäuser in Berlin und Hamburg waren intakt geblieben, sodass die erste Meldung der Alliierten am 4. Mai 1945, noch vor der Kapitulation Deutschlands, aus dem Sender in Hamburg ausgestrahlt wurde („This is Radio Hamburg, a Station of the Allied Military Government“, zitiert nach: Bausch, 1980, S. 13f.). Mit der Wiederaufnahme des Sendens folgten zunächst München und Berlin (Mai 1945), dann Stuttgart, Frankfurt (Juni 1945) und Köln (September 1945). Ab dem 14. Oktober sendete auch das neu gegründete Radio Koblenz. Zuletzt nahm Radio Bremen Ende Dezember seinen Dienst unter Kontrolle der Alliierten wieder auf (vgl. Schätzlein, 2008, S. 2).

3. Aufbau des Rundfunks unter alliierter Besatzung

Noch vor dem Ende des Krieges versuchten die Alliierten zunächst, ein gemeinsames Rundfunkkonzept zu erarbeiten. Sie legten den deutschen Rundfunkstationen ein Betriebsverbot auf und beschlagnahmten diese als deutsches Reichsvermögen. In diesem Rahmen erließen sie auch Gesetze zur Anmeldepflicht deutscher Rundfunkempfänger und zur Lizensierungspflicht publizistischer Tätigkeiten (vgl. Bausch, 1980, S. 15ff.). Damit sollte vorerst jede deutsche publizistische Tätigkeit unterbunden werden, bevor das Mediensystem im nächsten Schritt nach Vorstellungen der Alliierten neu strukturiert werden konnte. Abschließend sollte im Rahmen dieses „Drei-Stufen - Plans“ (Kutsch, 1999, S. 61) das Mediensystem in deutsche Hände zurückzugeben werden (vgl. ebd., S. 16).

Im Endeffekt scheiterte eine gemeinsame Alliierte Rundfunkpolitik jedoch an der Uneinigkeit der Siegermächte (vgl. Bausch, 1980, S. 15), sodass die Funkhoheit zunächst den jeweiligen Militärgouverneuren der einzelnen Besatzungszonen oblag (vgl. Benz, 2009, S. 135). Jede der Besatzungsmächte intendierte zwar ursprünglich, das jeweilige Rundfunkmodell des eigenen Landes auf Deutschland zu übertragen, dies war jedoch auf Grund der Ausgangsbedingungen in Deutschland meist nicht umsetzbar (vgl. Donsbach/ Wilke, 2009, S. 601). Im folgenden Teil soll dies genauer erläutert und die konkrete Ausgestaltung des Rundfunks in den verschiedenen Besatzungszonen dargelegt werden.

3.1 Rundfunk in der britischen Besatzungszone

Als einziger Sender der britischen Besatzungszone war der Sender in Hamburg intakt geblieben. Daher wurde Rundfunk in der britischen Besatzungszone zunächst aus praktischen Gründen von Hamburg aus zentralistisch organisiert. Das neu gegründete „Radio Hamburg“ wurde jedoch noch im September 1945 umbenannt und damit der „Nordwestdeutsche Rundfunk“ (NWDR) gegründet (vgl. Schätzlein, 2008, S. 3). Die weiteren in der britischen Besatzungszone liegenden Funkhäuser sollten, nachdem sie wieder in Betrieb genommen waren, als unabhängige, regionale Stationen eigene Programmbeiträge innerhalb des NWDR senden.

Organisatorisch sollte der NWDR nach Vorbild der britischen BBC strukturiert werden (vgl. Frei, 1983, S. 321). Diese war 1922 gegründet worden und sendete zunächst lediglich aus London, mit dem Ziel, unabhängig von Einflüssen durch Regierung oder Firmen zu informieren und zu unterhalten. Finanziert wurde dies mittels Rundfunkgebühren (vgl. www.bbc.co.uk, History of the BBC).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Neugestaltung des Rundfunks in Westdeutschland nach 1945
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Publizistik)
Veranstaltung
Medienpolitik - Rundfunkpolitik
Note
1,7
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V301620
ISBN (eBook)
9783956871818
ISBN (Buch)
9783668003330
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neugestaltung, rundfunks, westdeutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die Neugestaltung des Rundfunks in Westdeutschland nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301620

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