Stimmbildung und Singen in der Grundschule unter dem Aspekt der Wirkung auf die Persönlichkeit und auf soziale Kompetenzen von Kindern


Masterarbeit, 2015

60 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kinderstimme
2.1 Entwicklung und Physiologie des Stimmapparates
2.2 Besonderheiten
2.3 Umfang
2.4 Stimmfehler

3. Stimmbildung mit Kindern
3.1 Haltung und Atmung
3.2 Resonanzräume
3.3 Artikulation und Lockerheit.
3.4 Vokalbildung und Vokalausgleich
3.5 Registertraining.

4. Wirkung des Singens auf das Kind
4.1 Persönlichkeit, soziale Kompetenzen und weitere Wirkungen
4.2 Empirische Studien

5. Stimmbildung und Liederarbeitung im Unterricht
5.1 Rolle der Lehrkraft
5.2 Liedauswahl
5.3 Einsingen
5.4 Methoden Liederarbeitung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ So ist also die Erziehung durch Musik darum die vorz ü glichste, weil Rhythmus und Harmonie am tiefsten ins Innere der Seele eindringen und ihr Anstand und Anmut verleihen. “ (Sokrates)

Die menschliche Stimme entsteht durch den Schall, der durch die Stimmlippen erzeugt und in Mund-, Rachen- und Nasenhöhlen moduliert wird. Der Mensch nutzt sie zur Übermittlung von Informationen in Form von Sprache und anderen Lauten wie Lachen, Weinen oder Schreien. Dabei drückt sie Wesentliches über den aktuellen Gemütszustand einer Person aus. Außerdem kann die Stimme wie ein Musikinstrument zur Erzeugung von Tönen, Klängen und Melodien eingesetzt werden. Die Singstimme wird jedoch nur von wenigen Menschen regelmäßig genutzt und trainiert, viele von ihnen sind der Meinung, nicht singen zu können. Umso wichtiger ist es, bereits Kindern ihre Singstimme bewusst zu machen und ihnen zu zeigen, wie man sie korrekt nutzt. „Jeder Mensch kann singen, ebenso wie er sprechen kann, denn das Singen gehört zu seinen natürlichen Veranlagungen“ (Fuchs 2010, S. 48). Kindern soll die Möglichkeit geboten werden, den Bezug zur eigenen Stimme zu finden und sich mit ihrem Körper auszudrücken.

Stimmbildung und Atemschulung finden heute an Grundschulen kaum statt. Wenn Lieder gesungen werden, dann passiert dies nicht selten ohne vorherige Einsing- oder Stimmbildungsübungen. Die Freude am Singen wird spätestens dann getrübt, wenn die Stimme durch mangelnde Technik nach kurzer Zeit bereits ermüdet oder gar Halsschmerzen oder Verspannungen auftreten (vgl. Göstl 1996, S. 49). Aufgrund des Mangels an ausgebildeten Musiklehrern wird das Fach häufig von sogenannten „Neigungslehrern“ unterrichtet, denen fachliche Hintergründe fehlen und die nicht in der Lage sind, Stimmdefizite zu erkennen. Das Feststellen von Stimmfehlern und der Umgang mit diesen Defiziten bedarf einer eigenen Gesangsausbildung oder einer langjährigen Erfahrung im Umgang mit Kinderstimmen. Außerdem sind Kinder selbst vor allem daran interessiert Lieder zu singen. Ihnen fehlt die Motivation für den Aufwand, den sie betreiben müssen, um klangliche Verbesserungen zu erreichen (vgl. ebd.). Denn anders als beim Instrumentalspiel sind Erfolge hier nicht so offensichtlich zu erkennen. Singen kann aus Kindersicht jeder, das Spielen des Klaviers muss erst erlernt werden.

Im Folgenden werden die in der Arbeit behandelten Themen kurz zusammengefasst, um dem Leser einen Überblick zu verschaffen. Grundlage der stimmbildnerischen Arbeit mit Kindern ist fundiertes Hintergrundwissen zur Entwicklung und zu den Besonderheiten junger Stimmen. Nach der Darstellung dieser Aspekte werden verschiedene Theorien der Kinderstimmbildung vorgestellt. Anschließend beschäftigt sich die Arbeit mit der Frage, welche Wirkung die stimmbildnerische Arbeit und das Singen vor allem auf Persönlichkeitsentwicklung sowie soziale Kompetenzen der Kinder haben kann. Die darauf folgende Ausführung zu Stimmbildung und Liederarbeitung im Unterricht bietet konkrete Überlegungen zur praktischen Umsetzung. Es werden Möglichkeiten dargestellt, wie sich die theoretischen Vorüberlegungen mit der Unterrichtspraxis verbinden lassen. Mit dem Fazit, in dem die einzelnen Aspekte noch einmal zusammengefasst und gewertet werden, findet die Arbeit ihren Abschluss.

2. Die Kinderstimme

2.1 Entwicklung und Physiologie des Stimmapparates

Die Stimme eines Menschen drückt grundlegende Bedürfnisse und Emotionen aus. Schon ein Säugling erprobt seine Stimme durch verschiedene Lautäußerungen. „Erste Stimmäußerungen des kleinen Kindes sind das Lallen, als Ausdruck der Zufriedenheit, sowie das Schreien, als Ausdruck der Aggression“ (Chilla 2009, S. 145). Aus dem Schmatzen und Schnalzen entwickelt sich die Artikulation, aus dem Jauchzen, Lachen und Weinen bildet sich der Stimmklang heraus. Unbewusst werden bereits im ersten Lebensjahr viele Klangmöglichkeiten der Stimme ausprobiert und erfahren.

Das Singen entwickelt sich im Alter von circa zwei Jahren mit Eintongesang und fallender kleiner Terz als „Urzelle“ der Melodiebildung. Diese „Melodien“ beziehen ihren Tonvorrat aus dem pentatonischen Raum und kommen in vielen Kinderliedern vor, zum Beispiel „Backe, backe Kuchen“, „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“, oder „Dreh dich nicht um, der Plumpsack geht herum“. Melodische Konturen werden von den Kindern in verschiedenen Tonlagen wiederholt, tonartliche Bezüge sind jedoch noch nicht zu erkennen (vgl. Gembris 2002, S. 306). Im Alter zwischen drei und vier Jahren kann das Kind Lieder, die ihm vorgesungen werden, ähnlich nachsingen. Gesänge des kleinen Kindes sollten in diesem Alter nicht korrigiert werden, da das Kind noch nicht in der Lage ist, exakte Tonabstände zu erfassen und wiederzugeben. Mit etwa acht Jahren hört die Entwicklung der Singfähigkeit auf, in der Regel beherrschen Kinder dann die Fähigkeit, ein Lied korrekt zu singen. Ohne Übung und Unterricht würde die Singfähigkeit allerdings auf diesem Stand stehen bleiben oder sich sogar zurückentwickeln. „Mit dem Älterwerden geht bei den meisten Kindern die Balance zwischen Atmung und Stimmgebung verloren“ (Chilla 2009, S. 145), vor allem dann, wenn im Umfeld des Kindes kaum gesungen wird. Singen setzt voraus, dass man zuhören kann. Wenn Kinder Gesang nur vom Plattenspieler kennen, kommt es zwangsläufig zu Stimmdefiziten. Die Verantwortung liegt also bei der Familie und bei ErzieherInnen, mit Kindern zu singen und ihnen ein Gefühl für den richtigen Umgang mit der Stimme zu vermitteln. Junge Stimmen sollten in ihrer Entwicklung nicht alleine gelassen werden. Die Stimme soll geformt und gesichert werden und wenn daraus eine besonders schöne Stimme oder ein guter Klang resultiert, hat sich die Anstrengung umso mehr gelohnt (vgl. ebd.). Einen Überblick über die Entwicklung der Singfähigkeit eines Kindes gibt folgende Tabelle:

(vgl. Gembris 2002, S. 308 f.)

„Die primäre Fähigkeit zum Gebrauch, zum Ausdruck und zur Kommunikation mit der Stimme ist dem Menschen angeboren“ (Gembris 2002, S. 300). Doch wie genau funktioniert die Tonerzeugung in unserem Körper? Der Stimmapparat bezeichnet die Gesamtheit aller Organe, die an der Hervorbringung der Stimme beteiligt sind. Er lässt sich in drei Teile gliedern: das Atemsystem, das Tonerzeugungssystem und das Tonverstärkungssystem.

Zum Atemsystem gehören neben den Lungenflügeln und dem Atemgewebe auch alle am Atmungsprozess beteiligten Muskeln, beispielsweise das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskulatur. Bei der Einatmung spannt sich das Zwerchfell an, dadurch verkürzt es sich und senkt sich ab. Im Brustkorb wird folglich mehr Raum frei und in der Lunge entsteht ein Unterdruck, der die Luft ansaugt. Die äußere Zwischenrippenmuskulatur kann diesen Prozess unterstützen, indem sie die Rippen dehnt und so den Unterdruck verstärkt. Bei der Ausatmung entspannt sich die Atemhilfsmuskulatur, der freie Raum im Brustkorb verringert sich und die Luft wird aus dem Körper gepresst. Dies kann durch die innere Zwischenrippenmuskulatur und die Bauchmuskulatur ebenfalls verstärkt werden. Das Singen erfordert, entgegen der natürlichen Ruheatmung, ein aktives, kontrolliertes Ausatmen. Die Einatmungsmuskulatur muss beim Ausatmen die Spannung halten, so kann die Atemluft langsam entweichen. Dies ist eine große Umstellung für den Körper, der die Abfallprodukte der Atmung normalerweise möglichst schnell ausstoßen möchte. Damit die Muskulatur sich nicht verkrampft, sollte sie nach jedem Ausatmen kurz entspannen. Die nächste Einatmung wird somit automatisch ausgelöst. (Vgl. Mohr 1997, S. 11 ff.)

(vgl. Mohr 1997, S. 12)

Das Tonerzeugungssystem besteht aus Knorpeln, Sehnen und Muskeln, die sich in der Nähe des Kehlkopfes befinden. Der Kehlkopf gewährleistet den Schutz der Atemwege. Anatomisch betrachtet besteht er aus den beiden obersten Knorpelringen der Luftröhre. Der obere Teil des Kehlkopfes ist der Schildknorpel, der sich bei Männern als Adamsapfel durch die Haut abzeichnet. Er ist mit dem darunter liegenden Schildknorpel so verbunden, dass sie sich gegenseitig kippen lassen.

(vgl. Mohr 1997, S. 14)

Am oberen Rand des Schildknorpels befindet sich das Zungenbein, hier entspringen auch Zungenmuskel und Kehldeckel. Der Kehldeckel senkt sich beim Schlucken und verschließt die Luftröhre. Der Kehlkopf ist mit zahlreichen Muskeln im Hals eingehängt. Alle Knochen, Muskeln und Sehnen sind mit einer Schleimhaut überzogen, die ständig feucht gehalten wird. Innerhalb des Kehlkopfes befinden sich zwei kräftige Muskelsysteme, die rechts und links vom Rand her wulstig in die Mitte ragen: die Stimmfalten. Die Stimmfaltenränder (Stimmbänder) sind frei verschiebbar an den Muskelkörpern befestigt, sie sind mit einer sehr belastbaren Schleimhaut überzogen. Die Öffnung zwischen den Stimmbändern bildet die Stimmritze. Zur Tonerzeugung wird diese nach der Einatmung geschlossen, unter den Stimmlippen baut sich ein Druck auf; dieser entsteht durch Atemluft, die dann die Stimmlippen auseinanderdrängt. Der Druck verringert sich schlagartig und die Stimmlippen schließen sofort. Beim Nachfließen der Atemluft kann der Druck erneut zunehmen, sodass der Stimmfaltenverschluss wieder aufgesprengt wird. Bei einem gesungenen Ton wiederholt sich dieser Vorgang streng periodisch mit der Schwingungszahl der eingestellten Tonhöhe. Um die Tonhöhe zu variieren müssen die Stimmlippen geringer oder stärker gedehnt werden. Geringe Dehnung erzeugt tiefere, starke Dehnung höhere Töne. Durch die umliegende Muskulatur und gezielte Bewegung im Kehlkopf lassen sich auch Klangfarbe und Lautstärke verändern. (Vgl. Mohr 1997, S. 133 ff.)

(vgl. Mohr 1997, S. 17)

Zum Tonverstärkungssystem gehören sämtliche Hohlräume im Körper, die mit Luft gefüllt und an die Atmung angeschlossen sind (Brustraum, Kehlkopf, Schlundraum, Rachenraum, Mundhöhle, Nasenraum, Nasenrachenraum und Nasennebenhöhlen), sowie alle Knochen, die mit Schwingung in Berührung kommen. Der Brustraum gibt dem Ton ein Fundament. Mundhöhle, Rachen- und Schlundraum sorgen für zusätzliche Fülle. Nasen- und Nasenrachenraum erzielen Helligkeit und Glanz im Ton und Nasennebenhöhlen verleihen dem Ton Tragfähigkeit. Der Mundraum ist der einzige Resonanzraum, der verformbar ist. Unterkiefer, Zunge, Lippen und Gaumensegel können genutzt werden, um Vokale und Konsonanten zu bilden und tragen die Funktion der Artikulation. (Vgl. Mohr 1997, S. 20)

(vgl. Mohr 1997, S. 21)

2.2 Besonderheiten

Grundsätzlich bestehen im Hinblick auf Bau und Funktion des Stimmapparates keine Unterschiede zwischen Kinder- und Erwachsenenstimmen. Im Laufe der körperlichen Entwicklung verändern sich allerdings die Größenverhältnisse aller den Stimmvorgang betreffenden Organe, und die steuernden Mechanismen können vorübergehend aus dem Gleichgewicht geraten (vgl. Ernst 2008, S. 13). Vor allem das Größenverhältnis von Kopf und Rumpf unterscheidet den Stimmapparat eines Kindes von dem eines Erwachsenen. Das Verhältnis beträgt bei Neugeborenen 1:1, bei Erwachsenen zwischen 1:5 und 1:7 (vgl. Mohr 1997, S. 23), dies hat einen großen Einfluss auf die Klangfarbe der Stimme. Die Stimmfalten von Kindern sind kurz und schlank. Außerdem ist ihr Kehlkopf kleiner als bei Erwachsenen, dadurch klingen ihre Stimmen deutlich heller, körperloser und schwebender. „Kinder schwingen im Kopf leichter und auch stärker als Erwachsene. Das kann man spüren, wenn man einem singenden Kind die Hand auf den Kopf legt“ (Hefele/YemenDzakis 2006, S. 27). Die kindliche Registerstruktur gleicht der der weiblichen Erwachsenenstimme. Wenn Kinder im Mittelregister singen, klingt dies häufig wie reine Kopftöne einer Frau. Singen Kinder mit kräftiger Bruststimme, schwingen die Stimmlippen ohne Mitwirkung der Stimmfaltenränder, dies kann bei häufigem Vorkommen zu Schädigungen, beispielsweise zu einer Verdickung der Stimmlippen, führen.

Die im vorherigen Abschnitt geschilderten Veränderungen des Gesamtstimmenumfangs erfolgen normalerweise zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr und stellen die letzte Phase der kindlichen Stimmentwicklung dar. „Diese Phase wird abgeschlossen durch die Mutation, in deren Verlauf Knaben- und Mädchenstimmen ihrer endgültigen, erwachsenen Form zugeführt werden“ (Nitsche 2001, S. 15). Die eigentliche Mutation wird in der Pubertät dadurch ausgelöst, dass der Körper beginnt, Geschlechtshormone zu produzieren. Dadurch verändern sich primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, die Stimme gehört zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Von Mädchen wird die Mutation kaum wahrgenommen. Die Stimmfalten wachsen nur um circa 1-2 mm. Es kann zu Heiserkeitsphasen kommen, in dieser Zeit sollte die Stimme geschont werden, stimmbildnerische Maßnahmen sind nicht erforderlich. Bei Knaben wachsen die Stimmfalten um circa 10 mm, zusätzlich wächst der Kehlkopf. Die Knabenmutation lässt sich in drei Phasen unterteilen: Prämutation, Mutation und Postmutation. Während der Prämutation, die circa ein halbes Jahr andauert, beginnen die obersten Töne des Stimmumfangs brüchig zu werden. Der Klang der Stimme wird dunkler und voller. Danach folgt die Mutation, der eigentliche „Stimmbruch“; die Dauer kann zwischen sechs Wochen bis über zwei Jahre variieren. Es kommt zu einem Tonausfall oder einem Überschlagen der Stimme, die neue Stimme klingt rau und belegt. Während der zwei- bis vierjährigen Postmutation stabilisiert sich die neue Stimmlage langsam und gewinnt an Umfang. Die Stimme klingt immer weniger rau und verhaucht.

Die Ansichten, ob Jungen während der Mutation überhaupt singen sollen, gehen stark auseinander:

Nitsche sieht keinen Grund zur Unterlassung der Singaktivität. „Da die Mutation keine Krankheit ist, besteht keine Veranlassung, die Mutanten schweigen zu lassen“ (Nitsche 2001, S. 18). Die Singfähigkeit bleibt seiner Meinung nach in dieser Übergangszeit erhalten.

Ernst ist der Ansicht, „dass auch während des Stimmwechsels gesungen werden kann und soll, in der relativ kurzen Hauptphase der Mutation allerdings mit der gebotenen Zurückhaltung (kein Singen im Forte, Vermeiden von Extremlagen)“ (Ernst 2008, S. 14).

Mohr vertritt einen anderen Standpunkt. „Während der eigentlichen Muationsphase […] ist eine Beanspruchung des Organs durch Singen […] nicht anzuraten“ (Mohr 1997, S. 32). Stimmbildnerische Maßnahmen sollten sich auf einige wenige Maßnahmen wie Atemübungen und Piano- und Pianissimo-Singen in eingeschränkter Lage beschränken.

Chilla sieht die Situation aus den Augen eines Chorleiters: Kinder sollen während der Mutation weiter im Chor singen, da sie sonst den Kontakt zur Gruppe verlieren. „In der (normalerweise) wöchentlichen Probe und bei verringerter Leistungsanforderung kann die mutierende Stimme keinen Schaden nehmen“ (Chilla 2009, S. 196).

Mutation heißt „Verwandlung“, es ist der „Übergang von einem Wachstumsstadium der jugendlichen Stimme in ein anderes, von dem bisherigen sehr verschieden“ (Nitsche 2001, S. 15). Das neue Stadium ist dabei noch nicht das fertige Endprodukt der Erwachsenenstimme, es führt aber zu dieser hin. Der Begriff „Stimmbruch“ sollte vermieden werden, da er wörtlich genommen das Auseinanderbrechen der Registereinheit bezeichnet, besser geeignet ist der Begriff „Stimmwechsel“ (vgl. Chilla 2009, S. 196). Die Mutation ist „kein Ereignis, sondern ein Wachstumsstadium, das, besonders bei der Knabenstimme, in irgendeinem zeitlich meist nicht vorauszusehenden oder festzulegenden Abschnitt, einen einschneidenden klanglichen Umbau bewirkt“ (Nitsche 2001, S. 16). Das Vorstadium der neuen Männerstimme liegt normalerweise zwischen B und c', allerdings bleibt der Raum bei der gesunden Männerstimme bis zur zweigestrichenen Oktave als „Falsettregister“ erhalten. Dieser hohe Raum wird von jungen Männern zwar nicht gerne genutzt, es empfiehlt sich allerdings, dieses Register nicht verkümmern zu lassen. Wird es immer wieder versucht, hohe Töne mit Gewalt ohne Falsett zu erreichen, führt dies in viele Fällen zu einer Verengung der Kehle und erzeugt eine Reibung an den Stimmfalten (vgl. Nitsche 2001, S. 15 f.).

Als Stimmbildner hat man die Aufgabe, behutsam abzuwägen und die Anforderungen an die junge Männerstimme sorgfältig abzustimmen. „Eine Mischung aus Schonung und Forderung, Entspannung und Training sowie das Vermitteln eines sicheren Gefühls für das richtige Verhalten wird [...] eine wesentliche stimmbildnerische Aufgabe in dieser Entwicklungszeit sein“ (Mohr 1997, S. 32).

[...]

Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Stimmbildung und Singen in der Grundschule unter dem Aspekt der Wirkung auf die Persönlichkeit und auf soziale Kompetenzen von Kindern
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Musikwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
60
Katalognummer
V301661
ISBN (eBook)
9783668000568
ISBN (Buch)
9783668000575
Dateigröße
1638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Masterarbeit, Musik, Stimmbildung, Grundschule, Persönlichkeitsentwicklung, Kinder, Soziale Kompetenzen, Wirkung
Arbeit zitieren
Eva Zilles (Autor), 2015, Stimmbildung und Singen in der Grundschule unter dem Aspekt der Wirkung auf die Persönlichkeit und auf soziale Kompetenzen von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301661

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