Einführung in die Englische Fachdidaktik

Zusammenfassung


Prüfungsvorbereitung, 2015

43 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung - Konstruktivismus und Instruktivismus

II. Expliziter und impliziter FS-Erwerb

III. Geschichtlicher Überblick

IV. Lehrende und Lernende

V. Die Rolle der Sprache

VI. Sprachvermittlungsmethoden

VII. Lernstrategien und Lerntechniken

VIII. Landeskunde und interkulturelles Lernen

IX. Literaturdidaktik

X. Ziele des Englischunterrichts

XI. Planung und Durchführung des Englischunterrichts I

XII. Planung und Durchführung des Englischunterrichts II

I. Einführung - Konstruktivismus und Instruktivismus

Zwei Paradigmen zur Beschreibung von Lehren und Lernen in der FS:
- Instruktivismus: behavioristische Lernpsychologie - Lernen erfolgt durch Instruktion und Unterweisung
- Konstruktivismus: die Lernenden konstruieren ihr Wissen in effektiven Lernumgebungen
selbst. Unterrichtsformen wie handlungsorientierter Unterricht, autonomes Lernen oder
Projektunterricht werden durch ihn begründet

Vlg. Tabelle Weskamp, S. 20-21

Radikaler Konstruktivismus (nach Glasersfeld): Wissen kann nicht passiv durch Sinnesorgane oder Kommunikation aufgenommen werden;Wissen wird durch das denkende Subjekt aktiv aufgebaut; Kognition funktioniert (im biologischen Sinne) adaptiv und zielt auf Passung oder Viabilität; Kognition organisiert die Erfahrungswelt und kann keine sog. Erkenntnis einer objektiven ontologischen Realität liefern

Folge der Bedeutungszunahme von Konstruktivismus und Instruktivismus:Perspektivenwechsel von einer Außensicht des Unterrichts zu einer Innensicht (= von einer externalistischen zu einer internalistischen Sichtweise)
- Außensicht: EU ist planbar und direkt nachvollziehbar, wird begründet durch den Lehrenden, der Ziele, Materialien, Abfolge der Lernschritte und Interaktionsformen vorgibt
- Innensicht: Tradition von Plato bis Piaget, Chomsky und aktuellen Konstruktivismus; zentrale Frage: Was geht im Kopf des Lernenden vor? => Lerner als selbstständiges Individuum, das mit Hilfe des Lehrenden sein Lernen reflektieren und die Lernumgebung aktiv gestalten kann; wichtiger als die Vermittlung wird die Reflektion, wie und warum gelernt wird und wie die Lerner ihre Lernprozesse beurteilen und ihre kognitiven Fähigkeiten besser einsetzen können

Warum ist der Konstruktivismus bedeutsam für die FS-Didaktik? Verweist auf Lerner, Lehrer und auf die Kommunikation, die zwischen allen Beteiligten stattfindet

II. Expliziter und impliziter FS-Erwerb

Fremdspracherwerb bedeutet Aufbau einer interlanguage, d.h. einer mentalen Konstruktion aus Regeln, auf die die Lerner zurückgreifen, um sich zu verständigen

Zwei Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die interlanguage der Lernenden:

- implizites FS-Lernen / implicit language learning: Spracherwerb als natürlicher, unbewusster, assoziativer Vorgang wie beim Erwerb der Muttersprache

- explizites FS-Lernen / explicit language learning: Spracherwerb als bewusst ablaufender Prozess, der auf Regeln aufbaut, die vorgegeben werden oder vom Lerner selbst durch

II. Expliziter und impliziter FS-Erwerb

Hypothesenaufstellung und Überprüfen der Hypothesen durch Ausprobieren gefunden
werden

Die methodischen Konzepte im Laufe der Geschichte des EU befinden sich im Rahmen dieser beiden Möglichkeiten, etwa

- Grammatik-Übersetzungsmethode (explizit, 19. Jhdt.)
- Direkte Methode (implizit, 1882)
- Audiolinguale Methode (implizit, 1960er und 70er) - Kognitive Methode (explizit)
- Kommunikativer FS-Unterricht (implizit)
- Focus-on-Form -Bewegung und language awareness (explizit)
=> Pendelbewegung zwischen expiziten und impliziten Methoden

Wichtige Impulse dazu lieferte die Spracherwerbsforschung / second language acquisition research: z.B. Stephen D. Krashen (1989), Principles and Practice in Second Language Acquisition; unterscheidet zwischen
- language acquisition: geschieht nur implizit durch comprehensible input. Im Unterricht
kann dieser input verständlich gemacht werden durch das Stellen in einen Kontext,
vereinfachte Lehrersprache (langsames Sprechtempo, beschränktes Vokabular, syntaktische Einfachheit) oder Einsatz von Realien
- language learning: ist dagegen das bewusste Erarbeiten von Regeln einer Sprache, trägt
allerdings nicht direkt zum Spracherwerb bei, kann aber als Monitor fungieren, um
Sprachäußerungen zu kontrollieren

Krashen erklärt damit den Erfolg des bilingualen Unterrichts (TCFL, teaching content in a foreign language). Allerdings wird seine Trennung auch kritisiert:
- der Vokabelerwerb findet nicht unbewusst statt
- es gibt einen Zusammenhang zwischen explizitem und implizitem Wissen, etwa, dass
explizites in implizites Wissen transformiert werden kann

III. Geschichtlicher Überblick

III.1 Sprachdidaktik

Basis der Entwicklung des Schulfaches Englisch
- kultur- und machtpolitische Einflüsse
- politische und ökonomische Rahmenbedingungen

Von den Anfängen bis Vietor (1850-1918)
- Renaissance, Reformation und nationaler Absolutismus => Abstieg von Latein als lingua
franca

- Einführung von Wissenschaften der Nationalsprachen und -literaturen an den Universitäten
des 19. Jahrhunderts
- Verstärkt im 18. Jahrhundert Englischunterricht an den Schulen; Mittelpunkt: englische
Literatur, gesellschaftliches Prestige durch Beherrschen einer FS, Unterricht aber bereits
kommunikativ durch Praxisorientierung
19. Jahrhundert: Unterbrechung der praxisorientierten Entwicklung durch Ideal des Neuhumanismus - an Gymnasien hat praxisorientierter Unterricht keinen Platz mehr, nur mehr an den (verpönten) Realschulen (später Realgymnasien)
19. Jahrhundert: Kampf Englisch/Französisch um Gleichberechtigung mit
Latein/Griechisch; oft erteilen klassische Philologen Englischunterricht - entsprechende Inhalte; keine nützliche Sprache sollte gelehrt werden, sondern formalbildender Unterricht => Inhalte: Übersetzung, Grammatik, Literatur (z.B. Shakespeare)

Von Vietor bis 1945

1882: Vietors Streitschrift „Der Sprachunterricht muß umkehren! Ein Beitrag zur Überbürdungsfrage”; Forderung eines modernen FS-Unterrichts: keine Übersetzungen mehr; Einsprachigkeit / „direkte Methode” => Anknüpfen an Traditionen des 17. und 18. Jahrhunderts; die Reformbewegung etabliert sich allerdings nicht „Vermittelnde Methode” etabliert bis zur Zeit nach dem 2. WK; Minimalreform: Lautkurs und gelegentliche Sprechübungen, es dominiert weiter das Hin- und Herüberübersetzen wie im 19. Jhdt.; erst später wird das Prinzip der Einsprachigkeit beachtet

Die Zeit nach 1945

USA: audiolingual method: Notwendigkeit, FS schnell und zielgericht zu lernen; Verknüpfung von Lernpsychologie und FS-Didaktik => Verbindung von Behaviorismus mit der linguistischen Strömung des Strukturalismus; in der BRD von Gutschow und Freudenstein rezipiert und propagiert Kritik an der audiolingual method: parrot learning => eingedrillte Strukturmuster (pattern drill) können nicht auf neue Situationen und normale Sprachsituationen vom Lerner transferiert werden situational teaching: Versuch der Verbesserung => Strukturen und angemessene Situationen werden vorgegeben; gemeinsam mit sinnvollem pattern drill findet diese Methode immer noch Verwendung; behavioristischer Unterricht genügt nicht, ohne ihn geht es allerdings auch nicht "Englischunterricht für alle" - Bildungspolitik der 1960er Jahre; Aufbau von sprachlicher Kompetenz zur Emanzipation und Beseitigung von (sozialen) Ungleichheiten; Piepho greift die Thesen des Soziologen Habermas auf ("Frankfurter Schule"), Anwendung auf den Englischunterricht => neue Ziele und Methoden: herrschaftsfreier Diskurs, Emanzipation des Individuums, Vorrang des Methodenbewusstseins vor den Inhalten => „Kommunikative Kompetenz”. Aus der Pragmalinguistik wird von der FS-Didaktik die Sprechakttheorie übernommen => ausführliche Kataloge von Zielgruppen, Situationen und Themen (z.B. eine Unterhaltung über das Wetter), general notions (time, place, quantity usw.) und functions (suggesting, requesting, complaining usw.) noch in den 1980ern unter dem Einfluss der Pragmalinguistik neue Gestaltung der Lehrwerke: authentische notion - und function -Kataloge (z.B. "Communication Practice", "Useful Phrases in Class"), die allerdings nicht die systemlinguistische Progression bestimmen => Lehrwerke werden dennoch deutlich authentischer Aber:

- eine an Sprechakten orientierte Progression ist wegen der Unüberschaubarkeit der sprachlichen Mittel undurchfürbar: die FS würde unlehrbar und -lernbar
- Vorstellung von pragmalinguistischen Konzepten sind bereits in der Muttersprache vorhanden, z.B. verschiedene Arten, einen Befehl auszudrücken (z.B: Frage, Bedingungssatz, verschiedene Mitteilungsabsichten)
- FS zu lehren und lernen heißt, die Unterschiede von einer Sprache zur anderen zu lehren und lernen. Englisch und Deutsch sind geistig miteinander verwandt, deshalb liegen die Unterschiede primär in der Phonetik, Lexik/Orthgraphie, Idiomatik, Grammatik, und nicht in den sprachlichen Funktionen, Notionen und Intentionen!
- Aktueller bayerische Lehrplan: linguistische Progression; zu Recht, da Lernen ein Prozess; gleichzeitig drückt der Lehrplan pragmatische Anliegen aus - Schüler sollen situativ wie kommunikativ die angemessene Verwendung der FS erlernen

Ausblick

weiterhin übergeordnetes Ziel: cross-cultural competence => Kommunikationsfähigkeit unter Einbezug von landeskundlicher Dimension = landeskundlichem Wissen und angemessenem Handeln „kommunikative Zielsetzung” des Sprachunterrichts => Lernziel Verständigung, Orientierung an benötigtem, verwertbarem und anwendbarem sprachlichen Material weitere Notwendigkeiten

- kognitive Fähigkeiten der Schüler verstärkt einbeziehen => sonst ungenutztes Potential, Ökonomisierung des Unterrichts, neuer Lehrplan des Gymnasiums bspw. verstärkt Leistungsorientierung (aber: wie „kranke” Kinder einer „kranken” Gesellschaft erziehen und sozialisieren, und gleichzeitig „hohe Qualität” der Ausbildung garantieren ohne Sozialarbeiter, Psychologen und Zeit?)
- Methodenfindung zur Integration der gelernten sprachlichen Einzelelemente in Situationen, die die Schüler intellektuell fordern und zu persönlichen Reaktionen anhalten, sie aber nicht überfordern und damit demotivieren; dazu müssen vorher die sprachlichen Strukturen konsequent geübt werden
- Vermittlung von Lern- und Arbeitsstrategien (Methodenkompetenz)
- Verlagerung des Unterrichtsschwerpunktes auf Anwenden des Erarbeiteten in kommunikativen Situationen
- Integration von Elementen des "offenen, handlungsorientierten Unterrichts", d.h., Partner-, Gruppen- und Projektarbeit, kreative Elemente, learning by doing usw. => höhere Motivation durch wohl dosierte „offene” Elemente
- Schüler können (oder wollen) aber nicht im echten Sinn autonom lernen => immer noch allgemeinverbindliche Unterrichtsziele zur Orientierung notwendig wie auch die Steuerung durch den Lehrer - ist der einzige, der in der Unterrichtssituation kompetent in der FS ist! Der vermeintlich autonome Schüler läuft sonst Gefahr, in seinem eigenen begrenzten Horizont zu verharren!

III.2 Landeskunde

Positivistischer Beginn

- Ende 19. Jahrhundert: Bildungspolitik geprägt durch Streit zwischen Positivismus und Neuhumanismus; Schulfach Englisch nur durch sprachgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Bezüge "gymnasiumsreif", wegen großem Praxisbezug an die Realschulen verwiesen; Frage der Priorität der drei Funktionen: stofflich-utilitaristische Fkt, formalbildende Fkt und idealbildende Fkt - auch heute noch Anlass für bildungspolitische Diskussionen
- Politisch bedingt war im Deutschen Reich die Auseinandersetzung mit dem Nachbarn und Konkurrenten England von Bedeutung => Realienkunde: umfangreiches Detailwissen vermittelt, Ziel: Vorteil in der wirtschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit dem Konkurrenten; Gegner: Neuhumanisten => betonen Ziel der internationalen Verständigung, exemplarische Einsichten anstatt positivistischem Sammeleifer gefordert; Realienkunde dominierte aber den Unterricht für einige Zeit
- Haltung gegenüber England zunächst positiv - Wende: 1. WK. 1917: neuer Ansatz - durch Kontrast mit dem Ausland sollen dem Deutschen seine vaterländischen Kultur und Werte bewusster gemacht werden Sprache und Volkscharakter, das kulturkundliche Jahrzehnt

1925: in Preußen durch Richtersche Richtlinien erneute Proklamierung des Zieles der Einsicht in die Bedingungen des Deutschtums durch den Kontrast. Das Wesen und der Charakter des Volkes sollten durch Gesamtschau sichtbar gemacht werden - Abkehr vom enzyklopädischen Einzelwissen, Reduzierung auf wenige "klare Triebe" in der Gesamtschau => durch Reduzierung der Komplexität leichter Missbrauch der Kulturkunde möglich; Grundlagen: v.a. Dilthey und Spranger, aufgrund dessen Strukturbegriffes auch Völker ihre eigene Prägung und Mitte haben
- Rasche Konstruktion eines Nationalcharakters mit angeblich typischen Wesenszügen; Ziel: Bewertung dieses Charakters durch Projektion auf das „deutsche Wesen”; bereits zeitgenössische Kritik: Missachtung der Eigenständigkeit anderer Nationen, Selbsterkenntnis kann zur Selbstherrlichkeit degenerieren, aber missachtet
- Einführung kulturkundlicher Lesebücher, Kulturkunde dominiert über Sprach- und Literaturunterricht; auch aus der Sprache wird der Nationalcharakter begründet und umgekehrt (nach Humboldts Schrift „Über den Nationalcharakter der Sprachen”)
- Auch heute hat die Kulturkunde noch ihren Einfluss: positive Bedeutung von Auto- und Heterostereotypen, Wertediskussion

Rasse und Nation, die Volkstumskunde des 3. Reiches

1933: Erziehung voll in der politischen Pflicht; Kultur ist völkertrennend, es zählt der Vergleich, der die fremde Kultur abwertet - „Überlegenheit der deutschen Rasse”; Zunächst positive Bewertung des englischen Imperialismus und des Briten als nordischer Held; Kriegsausbruch: radikaler Wandel - „Wertminderung der Gesamterbmasse infolge jüdischen Einflusses”, Verkörperung aller negativen Eigenschaften

Landeskunde nach 1945

- liberal-kosmopolitische Ansätze der Kulturkunde werden nach dem 2. WK wieder aufgenommen; Schwerpunkt der Völkerverständigung; Erziehung durch demokratische Traditionen der anglo-amerikanischen Welt; Idealisierungen von England und Amerika

„68er-Revolution”: soziologische und politwissenschaftliche Erkenntnisse durchdringen den Schulunterricht; Bildung eines Kryptokanons: entweder Betonung der Schattenseiten in der Landeskunde (racial problems, minorities, Watergate, Vietnam), oder allgemeine

Fragestellungen der Instrustieländer des Westens (pollution, crime, drugs, generation gap, women's lib); In der Theorie verdrängt die „Kommunikative Kompetenz” die Landeskunde - zweite Hälfte der 1970er: theoretische Neubesinnung auf england- und amerikakundliche Aspekte; neue Wertschätzung der Landeskunde: Pendelbewegung von textimmanenter Literaturbetrachtung und Linguistik hin zu neuem Bedürfnis nach Landeskunde & Globalisierung

Landeskunde Heute

Begründung der Landeskunde: politisch: Verständigung unter den Völkern, wirtschaftlich: Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg durch angemessenen Umgang mit den Zielländern, pädagogisch: Landeskunde als Erweiterung des Horizontes, Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung Landeskunde und Lehrplan (Gymnasium als Bsp. für Sekundarstufe)
- Fachprofil der 2. Lehrplanebene: Einblick „in die Vielfalt und Bedeutung der englischsprachigen Welt”, „differentiertes und ausgewogenes Bild vor allem des UK und der USA” als Ziel, durch Förderung von „Offenheit, Selbstkritik und Toleranz” Vorbereitung auf eine Welt, „in der internationale Beziehungen und Völkerverständigung eine wachsende Rolle spielen”
- Der Fachlehrplan nennt als Ziele der Landeskunde: Förderung der sprachlichen Fähigkeiten, Entwicklung des kulturellen Verständnisses, Befähigung der Schüler zum Leben im anderen Land
- Landeskundliche Arbeit auf drei Ebenen
-sprachlich: landeskundliche Informationen durch Sprachmaterial; landeskundliches Wissen erforderlich, um Ausdrücke vollends zu verstehen (z.B. AE prom oder BE tea)
-inhaltlich: Kontakt erfordert landeskundliches Wissen; Wissen erweitert den Horizont der Schüler und befähigt sie, Neues zu erkennen
-Haltungen und Einstellung: Förderung der „interkulturellen Kommunikation”, Abbau von Vorurteilen durch Verständnis für die andere Kultur; Aufgabe der „tertiären Sozialisation” durch Landeskunde (= Sozialisation nach Familie und Gesellschaft) bzw. der „tertiären Bildung”: cross-cultural competence als Leitziel, könnte die Kommunikationsfähigkeit als einheisstiftende Formel des FS-Unterrichts ablösen Methodische und didaktische Grundsätze: Besonderheiten der Kultur in englischsprachigen Ländern durch exemplarisches Vorgehen und Veranschaulichung aufzeigen; Einsatz verschiedener Textsorten => Verbindung zwischen Landeskunde-, Literatur- und Sprachunterricht; Einsatz authentischer landeskundlicher Materialien; Umgang und Auseinandersetzung mit landeskundlichen Materialien und Informationen durch Schüler - beispielsweise durch „offenen Unterricht” und handlungsorientiertem Vorgehen, Brieffreundschaften, Schüleraustausch => unmittelbarer und persönlicher Zugang Inhaltliche Progression: am Gymnasium langer Unterrichts- und Erziehungszeitraum - Anpassung des Unterrichts an Altersstufe:
- Unterstufe: Schwerpunkt ist der eigene Erfahrungsbereich der Schüler, Landeskunde dem Sprachunterricht untergeordnet und in ihn integriert - sprachliche Arbeit am sozial angemessenen Handeln ist immer auch landeskundliches Arbeiten; in der neuen Lehrwerksgeneration auch eindeutig landeskundliche Teile; Grundlagen für den Aufbau von Haltungen, die den sozial angemessenen Umgang ermöglichen, sollen gelegt werden; methodisch wird Personalisierung und Anschaulichkeit betont (z.B. landeskundliche Realien wie Geldstücke, Briefmarken, Bilder; persönlicher Umgang mit landeskundlichem Material, z.B. Collagen aus Materialien; Lehrer erzählt von seinen Auslandserfahrungen) Mittelstufe: verstärktes Eingehen auf historische, wirtschaftliche und geographische Aspekte und unterschiedliche Ausprägungen des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens im Vergleich zum eigenen Land durch aktuelle Anlässe (z.B. Wahlen); persönlicher Zugang zur anderer Kultur als Ziel - Anhäufung von reproduzierbarem Faktenwissen wird den Zielen des landeskundlichen Unterrichts nicht gerecht! Problem: geringe Stundenzahl in der Mittelstufe, Vorgaben des Lehrplans (politisches System; Entwicklung der Demokratie; vom Empire zum Commonwealth) kollidieren mit den Interessen der Schüler (Ichfindung), allerdings muss ein solider Grundstock für die Oberstufe aufgebaut werden! => das Material möglichst bedeutsam für die Schüler adaptieren Oberstufe: die früher notwendigen Vereinfachungen sollen relativiert und die Kenntnisse verbreitert und vertieft werden; die Schüler sollen zur intensiven Auseinandersetzung mit der fremden Kultur und Zivilisation und deren Werten und Grundbedingungen angehalten werden, auch in der historischen bzw. ideengeschichtlichen Dimension. Ziel soll ein differenziertes Gesamtbild zumindest eines Teiles der englischsprachigen Länder sein; Vermittlung durch authentisches auditives, audiovisuelles und geschriebenes Material => hoher Anspruch an den Lehrer, erfordert gründliche Vorbereitung und stetige Ergänzung und Aktualisierung seines Unterrichtsmateriales

IV. Lehrende und Lernende

Eigenschaften des Lernenden

- Fremdsprachenlerneignung - modern language aptitude (Carrol/Sapon): linguistische Kompetenz des Lerners (grammatische Sensitivität, Fähigkeit zur Lautdiskriminierung) - kommunikative Fähigkeiten
- Alter: irrelevant, Geschlecht: angebliche Überlegenheit des weiblichen Geschlechts
- affektive Einstellung zur Sprache, zum Unterricht, Angst, Intro- oder Extrovertiertheit - Motivation
- Dörney/Williams/Burden: Motivation ist ein zeitlich begrenzter, zielgerichteter Prozess, der nach Auslösung einer sowohl kognitiv als auch emotional determinierten Bereitschaft zu handeln durch Anstrengung so lange aufrechterhalten wird, bis das angestrebte Ziel erreicht ist. Die zielgerichtete Handlung kann auch vorher durch andere Kräfte in ihrer Intention abgeschwächt oder vor der Zielerreichung abgebrochen werden => kein automatischer Ablauf, sondern offener, möglicherweise nicht-linearer Prozessverlauf
- Motivation im Fremdsprachenunterricht: Entstehung der Motivation? Zusammenspiel von Motiven des Lerners und äußeren Faktoren => Neugiermotiv, Leistungsmotiv, Nützlichkeitsmotiv, Klang der Sprache (ästhetische Dimension), interlinguale motivationale Interferenz beim gleichzeitigen Erlernen mehrerer Fremdsprachen
-Kursspezifische Motivationskomponenten (Lehrplan, Material, Methoden, Aufgaben)
-Lehrerspezifische Komponenten (Lehrerpersönlichkeit, Unterrichtsstil, Rückmeldungen des Lehrers, Lehrer-Schüler Beziehung)
-Gruppenspezifische Komponenten (Klassenzusammenhalt und -beziehung, Ziele, gemeinsame Rituale, Wettbewerb)
- Möglichkeiten und Ebenen der Motivation durch den Lehrer nach Dörnyei siehe Weskamp 2001: Lernersprache (interlanguage o. Interimsprache): individuelle fremdsprachliche Zustand, den der Lerner zu einem bestimmten Zeitpunkt im Lernprozess hat Lernstrategien: vom Lerner bewusst eingesetzte Operationen, um das Lernen und den Gebrauch der Fremdsprache angenehmer und wirksamer zu gestalten vs. Lernstile: allgemeine Lerngewohnheiten des Lerners
- Kognitive Strategien - bearbeiten der eingehenden Information: resourcing, grouping, note taking, deduction, imagery, auditory representation, elaboration, transfer, inferencing
- Sozial-affektive Strategien - Interaktion mit anderen: questioning for clarification, cooperation, selftalk
- Metakognitive Strategien - Planung, Kontrolle und Evaluation der Lernaktivität: advance organisation/preparation, selective attention, self-evaluation,... (Zu den einzelnen Begriffe vgl. Weskamp 2001: 50-51.)
- umfeldunabhängiger vs. umfeldabhängiger Lernstil: analytische Zerlegung in wesentliche Aspekte, Vertrauen in eigene Interpretation bei Entscheidungen vs. holistische Wahrnehmung der Aufgabe, Angewiesenheit auf Meinungen und Entscheidungen anderer Personen
- pers. Lernstil abhängig von Teilintelligenz: linguistische Intelligenz, logisch- mathematische Intelligenz, räumliche Intelligenz, Körperintelligenz, musische Intelligenz, personelle Intelligenz (vgl. Weskamp 2001: 54) subjektive Theorien oder BAK Network: persönliche Annahmen und Wertungen hinsichtlich des Lernens von Fremdsprachen; Gefahr bei „festgefahrenen” subjektiven Theorien: Lerner entwickelt sich nicht mehr weiter der "gute" (ideale) Fremdsprachenlerner (nach Naiman) nutzt jede Gelegenheit zum Lernen der Sprache, setzt sich intensiv und kontrastiv mit dem System der Fremdsprache auseinander, sucht jede Gelegenheit zur realen Kommunikation in der Fremdsprache, kontrolliert eigenen Entwicklungsstand; verwendet daher verschiedene Kommunikationsstrategien:
- formale Reduktion: Verwenden bestimmter grammatischer Regeln oder Strukturen zur Steigerung der Sprechgeschwindigkeit
- funktionale Reduktion: Verändern des kommunikativen Ziels, da ein bestimmter Sprechakt nicht verwirklicht werden kann
- aktive Problemlösung: Kommunikationsproblem wird durch die Erweiterung der kommunikativen Mittel behoben, und zwar durch Kompensation, Paraphrase oder Abrufung von eigenem Wissen Lernschwierigkeiten: sog. Leistungsschwäche, Lernstörungen u.ä.; normale, kurzfristige Lernkrise des Lerners oder in der ausgeprägten Form sog. „Normabweichungen” im Verhalten des Lerners; potentielle Ursachen: außerschulische Faktoren/soziales Umfeld, schulische Lehr- und Lernbedingungen, im Schüler (z.B. Konzentrationsschwäche)
- Lernerorientierung des FS-Unterrichts: kommunikativer Ansatz der 1970er => Lerner rückt als Subjekt in den Mittelpunkt des Unterrichts, das in seinen Verstehens- und Mitteilungsbedürfnissen gefordert werden soll; 1980er und 90er => Individualisierung, Förderung des einzelnen Fremdsprachenlerners mit dem Ziel des autonomen Lernens
- Fremdsprachen-Frühbeginn: Grundschule, frühe Sensibilisierung des Lerners für das Fremde i. S. v. fremder Kultur und Sprache, frühe Förderung von (sozial) benachteiligten Lernern, Methoden: Aktivität, Unmittelbarkeit, Anschauung, imitatives Lernen
- Erwachsenenbildung: heterogene Lerner- und Lehrergruppe bez. der Motive (Erweiterung der Kenntnisse, Kenntnisse für Beruf und Reisen, ...); Teilnehmerorientierung = kooperatives Aushandeln von Lernzielen, Methoden und Inhalten

Eigenschaften des Lehrenden

Neuphilologen (wissenschaftliche, primär philologische Ausbildung zum Anglisten) vs. "professioneller" Fremdsprachenlehrer (praxisorientierte Ausbildung, Fremdsprachendidaktik als spezifische Berufswissenschaft) der "gute" (ideale) Fremdsprachenlehrer
- Übergang zwischen philologischem und "professionellem" Konzept - Forderungen: Sprachbeherrschung, Sprachdidaktik, linguistische und literaturwissenschaftliche Grundlagen
- neuere Konzepte: Forderung der Lernerorientierung => Lernerautonomie in Bezug auf Spracherwerbstheorien, europäische Dimension, methodische Fertigkeiten zur Erteilung eines lernerorientierten FS-Unterrichts
- Lehrerpersönlichkeit (erziehungswissenschaftliche und psychologische Komponente): Lehrer muss sich in Schüler versetzen können, weiterentwickel können; Edge: authority (Autorschaft) = Fähigkeit, sein eigenes Leben bedeutungsvoll zu gestalten, ability / self- awareness = Fähigkeit, Erfahrungen und das eigene Handeln zu reflektieren, responsibility = Verantwortlichkeit insbesondere für die Autonomie des Lernenden ○ kann die Lerner motivieren, d.h. für die Fremdsprache begeistern Schüler machen Lernerfolg am Lehrer fest, bewerten Lehrer "gut", die ein gutes Klassenklima schaffen, ein flexibles Unterrichts- und Übungsprogramm haben, die Lerner aktivieren, die Fremdsprache gut beherrschen und ein professionelles Selbstbewusstsein haben kein bestimmtes Lehrerverhalten ist "gut" oder "schlecht", sondern es zählt die Angemessenheit des Lehrerverhaltens in der konkreten Unterrichtssituation; modernes Lehrertraining ziehlt auf Sensibilität gegenüber den Lernenden und Flexibilität "Lehrertheorien" = Annahmen des Lehrers /subjektive Theorien = Überzeugungen, Meinungen und verallgemeinertes Erfahrungswissen (beliefs oder BAK networks);
- subjektive Theorien sind stark von der eigenen Fremdsprachlern-Biographie und den gemachten Erfahrungen des Lehrers abhängig
- z.B. Werten von guter schriftlicher Arbeit als Merkmal von Begabung, gutes Lautbildungsvermögen als Merkmal von Fleiß usw. Positive Einschätzungen führen dazu, dass der Lerner vom Lehrer verstärkt gefordert wird und der Erfolg des Schülers zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird

[...]

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Englische Fachdidaktik
Untertitel
Zusammenfassung
Autor
Jahr
2015
Seiten
43
Katalognummer
V301708
ISBN (eBook)
9783956875601
ISBN (Buch)
9783668005136
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einführung, englische, fachdidaktik, zusammenfassung
Arbeit zitieren
Martin Eder (Autor), 2015, Einführung in die Englische Fachdidaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301708

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