Terrains of Resistance und Geographische Konfliktforschung

Theorien zur Untersuchung regionaler Protestbewegungen


Hausarbeit, 2011
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen und wissenschaftliche Einordnung
2.1 Aktuelle Konzepte
2.2 Handlungsorientierte Geographische Konfliktforschung - neue Themen auf allen Maßstabsebenen

3 Forschungsgegenstand: Regionale Protestbewegungen

4 Besonderheiten des Konzeptes „Terrains of Resistance“

5 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
5.1 Postmoderne - Globalisierung und Vernetzung
5.2 Environmental entitlements
5.3 Zusammenfassung Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

6 Bedeutung des Raumes
6.1 Concept of Place

7 Themen, Ziele, Mittel der Bewegungen
7.1 Themen und Ziele
7.2 Konstruktiver Widerstand
7.3 Konkrete Themenfelder (nach Reuber)
7.4 Neue Mittel des Widerstandes

8 Fallbeispiel: Pak Mun Staudamm in Thailand
8.1 Der Pak Mun Staudamm
8.2 Die Stammbefürworter: Regierung und EGAT (Electricity Generating Authority of Thailand)
8.3 Die Stammgegner: Lokale Bevölkerung, NGO’s, Aktivisten, Wissenschaftler

9 Kritik

10 Fazit

11 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildungen

Abb. 1: Die „Dreifache Subjektivierung“: akteursspezifische subjektive Raumkonstrukte im Rahmen raumbezogener Konflikte (Quelle: Reuber 1999a, S. 32)

Abb. 2: Der handlungsorienterte Ansatz in der Geographischen Konfliktforschung

Abb. 3: Die Macht von Akteuren in raumbezogenen Konflikten (Quelle: Reuber 2001, S. 85)

Bilder

Bild 1: Der Pak Mun Damm nach seiner Fertigstellung (Quelle: KLOEPPER 2008, S. 199)

Bild 2: Das „Village of the Poor“ in Bangkok (Quelle: [Privatarchiv der Duang Prateep Foundation (1997)], Kloepper 2008, S. 203)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ein aus dem 21. Jahrhundert nicht mehr weg zu denkendes Thema ist die Ressourcenverknappung und die daraus entstehenden Ressourcenkonflikt. Es ist daher zu einem zentralen Forschungsfeld der politischen Geographie geworden. Im Fokus stehen vor allem regionale und lokale Konflikte um raumbezogene Ressourcen. Dabei wird auch die Rolle „neuer“ sozialer Bewegungen untersucht: Welche Widerstandsstrategien verwenden sie? Welche Handlungsmöglichkeiten haben sie? Welche Rahmenbedingungen beeinflussen den Konflikt und die sozialen Bewegungen? Die Auseinandersetzung innerhalb des Dreiecks Gesellschaft - Raum - Macht bildet die Grundlage für die Klärung solcher Fragen.

“Neither theory, however, has attempted to analyze social movement agency from the perspective of place, i.e. why particular movements emerge where they do“ (ROUTLEDGE 1997a, S. 219).

In dieser Arbeit geht es um ROUTLEDGES Konzept Terrains of Resistance, mit dem die regionale Spezifik von (Nutzungs-)Konflikten unter besonderer Einbeziehung der eigenständigen regionalen Identität und Kultur der Widerstandsbewegungen untersucht wird. Da dieses Konzept sich vorrangig mit den räumlichen Besonderheiten befasst, halte ich es für nötig, es mit einem passenden Konzept zu erweitern, damit eine angemessene Konfliktbiographie erstellt werden kann. In diesem Fall habe ich mich für den handlungsorientierten Ansatz der Geographischen Konfliktforschung entschieden.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf diesen beiden theoretischen Konzepten. Zunächst findet eine Einordung in das „Haus der Geographie“ statt, um eine Orientierung über die Vielzahl der Forschungsrichtungen und -konzepte zu geben. Dabei wird auch auf die Anfänge der politischen Geographie zurückgegangen, da es meines Erachtens wichtig ist, die neuen Forschungsperspektiven klar von den alten, vergangen abzugrenzen. Als erstes wird auf die Geographische Konfliktforschung eingegangen, die ein wesentlich breiteres Theoriefundament hat als der Terrains-of-Resistance- Ansatz, der sich teilweise aus der Geographischen Konfliktforschung ableiten lässt. Ferner werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die wesentlichen Einfluss auf Protestbewegungen haben, thematisiert und anschließend auf die Ziele, Themen und Mittel der „neuen“ Widerstandsbewegungen eingegangen.

Am Ende der Arbeit steht ein Fallbeispiel, ein Raumkonflikt in Thailand, an dem einige Aspekte der Theorien aufgezeigt werden können. Dabei findet aber keine klare Abgrenzung zwischen den Teiltheorien statt, sondern vielmehr sollen sie miteinander verschmelzen und sich ergänzen. An dieser Stelle soll schon einmal gesagt werden, dass der Raumkonflikt im Fallbeispiel stark vereinfacht dargestellt wird und viele Aspekte vernachlässigt werden, aber dies für das Aufzeigen der theoretischen Aspekte und der Anwendbarkeit zur Untersuchung von Protestbewegungen bei Konflikten um natürliche Ressourcen genügen soll.

2 Theoretische Grundlagen und wissenschaftliche Einordnung

Die Untersuchung von Konflikten um ökologische Ressourcen ist klar ein Forschungsfeld der politischen Geographie. Daher ist es sinnvoll die politische Geographie und ihre aktuellen Forschungsfelder, aber auch ihre Entwicklungen näher zu beleuchten. Zunächst soll nach einem kurzen Rückblick eine kurze Übersicht über den aktuellen Forschungsstand gegeben werden.

Die Anfänge der politischen Geographie gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Die historischen Rahmenbedingungen der damaligen Zeit prägten die politische Geographie, die von Friedrich RATZEL als Geopolitik gegründet wurde, wobei drei gesellschaftliche Strömungen sich wesentlich absetzten: erstens der Naturdeterminismus und Geodeterminismus, zweitens der Darwinismus mit seiner Übertragung auf die soziale Welt (Sozialdarwinismus) und drittens der Imperialismus und Kolonialismus. Der Wissenschaftler RATZEL stellte einen Zusammenhang zwischen Staat und Boden in dem Grundprinzip des Staatsorganizismus (vgl. REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 753) her und leitete daraus die Gleichsetzung von Volk und Raum ab. Dieses Gedankengut übernahmen die Nationalsozialisten, was in Nachkriegsjahren dazu führte, dass die deutschsprachige politische Geographie jahrezehntelang wenig Beachtung fand und eher gemieden wurde (vgl. REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 753). REUBER stellt heraus, dass dieser Wissenschaftsabschnitt aber mehr als historische Reminiszenz sei, denn er weise auf die Verantwortung des Wissenschaftlers hin (vgl. ebd).

Neue Entwicklungen der politischen Geographie fanden zunächst verstärkt im angelsächsischen Sprachraum statt, erst seit Mitte der 1990er-Jahre haben sich auch wieder neue Ansätze der politischen Geographie in Deutschland durchgesetzt.

Um was für neue Ansätze und Forschungsthemen es sich handelt, soll im Folgenden thematisiert werden.

2.1 Aktuelle Konzepte

Innerhalb der politischen Geographie haben sich besonders drei aktuelle Konzepte entwickelt. Zum einen die in den 1970er entstandene neomarxistisch orientierte Radical Geography, die vor allem von DAVID HARVEY geprägt wurde, zum anderen die Critical Geopolitics (Kritische Geopolitik), die die internationale Geopolitik aus einer konstruktivistischen Perspektive analysiert und geopolitische Leitbilder zu dekonstruieren versucht, GERAÓID Ò TUATHAIL sei hier als Vertreter genannt. Das dritte Konzept stellt die Geographische Konfliktforschung dar, die sich mit den Handlungen von Akteuren im Kontext von Auseinandersetzungen um „Macht und Raum“ in den sich neu formierenden, lokal-globalen Konfliktfeldern des 21. Jahrhunderts, die oft mit einer regionalen Spezifik versehen sind, auseinandersetzt (vgl. REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 756). Die Geographische Konfliktforschung bildet mit dem Konzept der Terrains of Resistance das theoretische Fundament dieser Arbeit.

Allerdings haben alle obengenannten Konzepte eine gemeinsame Grundlage - den Konstruktivismus. Während die früheren Ansätze in Bezug auf den Raum hauptsächlich deskriptiv und naturdeterministisch waren, lautet die Maxime der konstruktivistischen Sichtweise, dass nicht der reale Raum verantwortlich für das menschliche Handeln ist, sondern die Wahrnehmung vom Raum. Er stellt nämlich eine soziale Konstruktion dar, ist somit Träger kollektiver Bedeutungen und gleichzeitig Kodierung politischer Ordnung und Macht (vgl. REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 752). So wird eine Region nicht als bloße physisch-materielle Umwelt betrachtet, sondern als Symbol der Eigenständigkeit der politischen Kultur. Im Raum spiegeln sich (politische) Machtverhältnisse durch Repräsentationen und Symbolen wieder. Die physisch-materiellen Aspekte dagegen bilden die Arena der sozialen Auseinandersetzungen um Raum und Macht (vgl. REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 760). Diesem konstruktivistischen Raumverständnis liegen drei Ebenen der Konstruktion von räumlichen Strukturen zugrunde, die REUBER folgendermaßen einteilt (vgl. Abb. 1):

1. Wahrnehmungsebene: Die Wahrnehmung der Ausgangssituation ist bei jedem Akteur subjektiv unterschiedlich.
2. Zielebene: Diese Ebene meint die „akteursspezifische raum- und konfliktbezogenene[n] Zielvorstellungen“ (REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 761), die für die Handlungsstrategien der Akteure von Bedeutung sind. Auf Grundlage der subjektiven Raumwahrnehmung entwickeln die Akteure ihr Zielvorstellungen.
3. Handlungsebene: Der Raum wird als Mittel zur Durchsetzung der Ziele benutzt. REUBER spricht von „strategischen Raumbildern“, die „als bewusste und taktisch motivierte Repräsentationen der konfliktrelevanten räumlichen Strukturen angesehen werden müssen“ (REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 761).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die „Dreifache Subjektivierung“: akteursspezifische subjektive Raumkonstrukte im Rahmen raumbezogener Konflikte (Quelle: Reuber 1999a, S. 32)

Die „dreifache Subjektivierung“ des Raumes ist grundlegend für das Konzept der handlungsgeographsichen Konfliktforschung, die im Folgenden erläutert wird. Zunächst sind aber die neuen Themen zu nennen, die eine solche Konfliktforschung überhaupt notwendig machen.

2.2 Handlungsorientierte Geographische Konfliktforschung - neue Themen auf allen Maßstabsebenen

Die Entwicklung der politischen Geographie steht im engen Zusammenhang mit den globalen Veränderungen der letzten 20 Jahre. So haben sich neue Forschungs-themen auf allen Maßstabsebenen herausgebildet. Vor allem lokale Standort- und Nutzungskonflikte und die dabei entstandene neue Rolle sozialer Bewegungen in regionalen Kontexten stehen im Vordergrund, aber anderseits geht es auch um die zunehmende Transnationalisierung und Netzwerkorientierung der Gesellschaft und damit verbunden um transnationale Unternehmensnetzwerke , sowie globale Umwelt-/ Hilfsorganisationen. Im Fokus liegen hier die Nutzung und Kontrolle ökologischer Ressourcen, da sie den Anstoß für regionale Konflikte und neuen sozialen Bewegungen geben. Raumbezogene Konflikte, sind Konflikte um „Raum und Macht“ (REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 760) und verstärken sich mit der weltweit zunehmenden Ressourcenverknappung. Auf allen Ebenen nehmen Nutzungs- und Verfügungskonflikte zu und gleichzeitig bilden sich immer komplexere Akteursnetzwerke aus, was die Machtkonstellationen unübersichtlich werden lässt (vgl. ebd). Ziel der Geographischen Konfliktforschung ist es, diese Konstellationen aufzudecken. Sie fragt danach, welche Akteure sich an raumbezogenen Konflikten beteiligen, was ihre Ziele sind und über welche Machtpotentiale sie verfügen, die sie zur Durchsetzung ihrer Interessen haben. REUBER hat hierzu Leitfragen formuliert, die die individuelle, gesellschaftliche und räumliche Komponente der Akteure einbezieht:

Es geht also darum, die Handlungsmotive und Handlungsstrategien der Akteure offen zu legen, um zu verstehen nach welchen Mustern die Auseinandersetzungen um räumlich lokalisierte Ressourcen ablaufen. Man bewegt man sich bei der Rekonstruktion lokaler und regionaler Konflikte also innerhalb des Dreiecks Gesellschaft, Macht und Raum. Demnach bedürfe es eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Spielregeln, Akteuren und Rahmenbedingungen raumbezogenen politischen Handelns (vgl. REUBER u. WOLKERSDORFER 2007, S. 761) (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Der handlungsorienterte Ansatz in der Geographischen Konfliktforschung

(Quelle: Reuber u. Wolkersdorfer 2007, S. 760)

Die Akteure handeln nicht frei, sondern sie sind in die Gesellschaftschaft eingebunden: Die „Spielregeln“ beeinflussen sowohl die Handlungsspielräume des Akteurs, als auch die Verteilung und Verfügung über (natürliche) Ressourcen. Wer sich bei Raumnutzungskonflikten um die Nutzung ökologischer Ressourcen durchsetzt, ist abhängig von den jeweiligen Machtpotenzialen, über die Akteure auf unterschiedliche Weise verfügen (vgl. REUBER 2005, S.7). Die Machtpotenziale ergeben sich nach GIDDENS (1988) aus der Menge der allokativen und autoritativen Ressourcen (Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die Macht von Akteuren in raumbezogenen Konflikten (Quelle: Reuber 2001, S. 85)

Auf diese Weise lassen sich Raumnutzungskonflikte handlungsorientiert erforschen.

Zusammenfassend beeinflussen die autoritativen und allokativen Ressourcen, die Ziele und Motive, sowie die Raumbilder (Abb.1) vor dem Hintergrund der Regeln, Normen, soziokulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen die Handlungsstrategien der Akteure.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Terrains of Resistance und Geographische Konfliktforschung
Untertitel
Theorien zur Untersuchung regionaler Protestbewegungen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V301738
ISBN (eBook)
9783956873706
ISBN (Buch)
9783668004863
Dateigröße
1602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geographische Konfliktforschung, Terrains of Resistance, Ressourcen, Ressourcenkonflikte, Humangeographie, Bevölkerungsgeographie, Sozialgeographie, Südostasien, Thailand, Protestbewegungen, Staudammprojekte, Politische Geographie
Arbeit zitieren
Marit Wefer (Autor), 2011, Terrains of Resistance und Geographische Konfliktforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301738

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