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Reizüberflutung in expressionistischen Stadtgedichten

Title: Reizüberflutung in expressionistischen Stadtgedichten

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 26 Pages , Grade: 2

Autor:in: Britta Sonnenberg (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die expressionistische Bewegung in der Kunst und Literatur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts ist ein weites, vielbeforschtes Feld von verschiedenen formal-gestalterischen sowie inhaltlich-thematischen und ideologischen Ansätzen. Die expressionistische Literatur verhandelt wegbereitend das neue Lebensgefühl des modernisierten, urbanisierten zwanzigsten Jahrhunderts, dessen charakteristische Merkmale der Individualisierung, Entfremdung, Flüchtigkeit, Orientierungslosigkeit, Medien- und Reizüberflutung auch noch unser gegenwärtiges Leben im einundzwanzigsten Jahrhundert bestimmen. Diese Literatur ist eine urbane Literatur, die sich aus dem Leben und Erleben in der Großstadt speist. Ihr Zentrum ist die Hauptstadt des Wilhelminischen Kaiserreichs, die Kultur- und Medienmetropole Berlin. Ihre VertreterInnen sind vor allem Mitglieder der jungen Generation, die die neue Lebenswelt auf unterschiedlichste Weise künstlerisch verarbeiten. Ihre Arbeiten sind so mannigfaltig und komplex wie die Großstadt selbst. Sie beinhalten Form-, Stil- und Sprachexperimente auf der gestalterischen Ebene, auf der inhaltlichen Ebene finden sich unter anderem Aufbruchstimmung, Faszination, Skepsis, Identitäts- und Orientierungskrise, Angst und apokalyptische Visionen, Generationskonflikte und neue Themenbereiche aus der Alltagserfahrung, zum Beispiel die Großstadt selbst, Häuserzeilen, Ladenzeilen, Vekehrsmittel, Maschinen, Kino, Freudenhäuser, dazu Hässlichkeit, Krankheit, Verwesung, Ekel, Tod und Sex. Um mit dem Tempo der technisierten Umwelt und der neuen Medien mitzuhalten, bevorzugen die expressionisistischen LiteratInnen knappe Formen, darunter besonders das Gedicht. Die expressionistische Lyrik ist reich an literarischen Innovationen auf der gestalterischen wie der inhaltlichen Ebene, Konventionen und Tabus werden systematisch gebrochen. In dieser Arbeit möchte ich mich auf die Umsetzung der großstädtischen Reizüberflutung in der expressionistischen Lyrik konzentrieren. Ich werde zunächst einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der deutschen Großstadt geben, um dann im zweiten Teil über die kulturelle Bedeutung der Großstadt zu ihrer literarischen Bearbeitung zu gelangen. Im dritten Teil der Arbeit stelle ich einige Beispielanalysen vor.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.2. Industrialisierung und Urbanisierung

2. Die Großstadt und ihre Literatur

2.1. Erste Großstadterfahrungen im Naturalismus

2.2. Großstadt Forschung

2.2. Der Expressionismus

3. Reizüberflutung in expressionistischen Stadtgedichten: Beispielanalyse

3.1. Abend in der Großstadt

3.2. Alltag in der Großstadt

3.3. Charakteristische Elemente der Großstadt

3.3.1. Öffentliche Verkehrsmittel

3.3.2. Neue Medien: Reklame, Presse, Film

3.3.3. Huren

3.4. Auswirkungen der Reizüberflutung

3.4.1. Nervosität

3.4.2. Apokalyptische Visionen

4. Schlusswort

5. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Darstellung der großstädtischen Reizüberflutung in der expressionistischen Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts. Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der technisierten, urbanen Lebenswelt und den ästhetischen sowie inhaltlichen Innovationen in den Gedichten dieser Epoche zu analysieren und deren Auswirkungen auf die Wahrnehmung zu verdeutlichen.

  • Historische Entwicklung von Industrialisierung und Urbanisierung
  • Wissenschaftliche Perspektiven auf das moderne Großstadtleben
  • Literarische Verarbeitung urbaner Reize und Schockerlebnisse
  • Analyse spezifischer expressionistischer Stadtgedichte
  • Die Großstadt als Katalysator für künstlerische Ausdrucksformen

Auszug aus dem Buch

3.1. Abend in der Großstadt

Die Nachtbeleuchtung der Stadt wird mit einer Explosion verglichen. Signifikant ist hierbei, dass nicht die Stadt explodiert, sondern die Nacht. Mit dem Begriff „Explosion“ ist nicht nur Zerstörung verbunden, sondern auch eine gewaltige Energie. Wenn also die Nacht explodiert, so handelt es sich nicht nur um die Vernichtung ihrer Dunkelheit, sondern auch um die Entfaltung ihrer Energie. Diese wird vor allem durch „wildes, heißes Licht“ freigesetzt. Natürlich ist Licht physikalisch gesehen eine Wärmequelle, aber die Hitze, die vom Licht ausgeht ist auch eine subjektiv erlebte innere Hitze als Folge der visuellen Reizüberforderung. Dies wird deutlich am Nervenflattern in der nächsten Zeile.

„Wild“ ist das Licht, weil es von allen Seiten kommt, nicht nur von Straßenlaternen und Schaufenstern, sondern auch von fahrenden Autos und Straßenbahnen, die wild durcheinander fahren, wobei man weniger die Transportmittel selbst als eben ihre Scheinwerfer durch die Gegend rasen sieht, die dann wie „irre Fäden im Pflasterwind“ wirken. Die Wahl des Adjektivs „irre“ zeugt wieder von der Überforderung der Wahrnehmung durch diesen intensiven visuellen Reiz. Neben der Dynamik des Lichts, das durch die Straßen rast und die Nacht zum Explodieren bringt, enthält die Strophe weiter die Dynamik des „Pflasterwind[s], der aus den Rädern bricht“. Es entsteht das Bild von rasenden Automobilen, die man aufgrund ihres Tempos nicht visuell erfassen kann, sondern die man nur als die Symptome ihrer Dynamik, als Lichtfetzen und Fahrtwind erlebt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die expressionistische Bewegung als urbane Literatur, die das neue Lebensgefühl der Reizüberflutung in der Großstadt verhandelt.

1.2. Industrialisierung und Urbanisierung: Historischer Abriss über das rasante Wachstum der Großstädte und die sozialen Folgen der Mechanisierung und Entfremdung.

2. Die Großstadt und ihre Literatur: Darstellung der Entwicklung von der sozialkritischen Perspektive des Naturalismus bis hin zur intellektuellen Großstadtforschung.

2.1. Erste Großstadterfahrungen im Naturalismus: Analyse der stadtfeindlichen und realistischen Literatur, die soziale Missstände thematisiert.

2.2. Großstadt Forschung: Überblick über theoretische Ansätze, insbesondere Georg Simmels Analyse des Nervenlebens in der modernen Metropole.

2.2. Der Expressionismus: Charakterisierung der expressionistischen Subkultur und ihres Bruchs mit traditionellen Ausdrucksformen.

3. Reizüberflutung in expressionistischen Stadtgedichten: Beispielanalyse: Untersuchung der Technisierung und des Warenangebots als Faktoren, die die menschliche Wahrnehmung überfordern.

3.1. Abend in der Großstadt: Interpretation der nächtlichen Lichtphänomene und deren Wirkung auf die Nerven der Stadtbewohner.

3.2. Alltag in der Großstadt: Analyse der Simultantechnik in Gedichten, um das ungeordnete und intensive Erleben des städtischen Alltags abzubilden.

3.3. Charakteristische Elemente der Großstadt: Untersuchung zentraler urbaner Motive und Symbole in der Lyrik.

3.3.1. Öffentliche Verkehrsmittel: Darstellung der Straßenbahnfahrt als Erlebnis von Tempo, Anonymität und technischer Energie.

3.3.2. Neue Medien: Reklame, Presse, Film: Analyse der Rolle medialer Eindrücke bei der Steigerung der städtischen Reizflut.

3.3.3. Huren: Untersuchung der Prostitution als Tabuthema und Reizfaktor innerhalb der großstädtischen Umgebung.

3.4. Auswirkungen der Reizüberflutung: Diskussion der psychischen Folgen wie Nervosität und apokalyptischer Ängste.

3.4.1. Nervosität: Analyse des Phänomens der Neurasthenie als Zivilisationskrankheit der modernen Zeit.

3.4.2. Apokalyptische Visionen: Deutung von Texten, in denen die Großstadt als drohendes Symbol des Weltuntergangs erscheint.

4. Schlusswort: Fazit über die bleibende Relevanz der expressionistischen Ästhetik und ihre Parallelen zu heutigen Problematiken.

5. Literatur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Quellen und Texte.

Schlüsselwörter

Expressionismus, Großstadt, Reizüberflutung, Stadtlyrik, Urbanität, Nervosität, Industrialisierung, Moderne, Simultanstil, Entfremdung, Medien, Wahrnehmung, Apokalypse, Neurasthenie, Großstadterfahrung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die expressionistische Lyrik zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die moderne Großstadt und die damit verbundene Reizüberflutung reagiert hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Auswirkungen der Industrialisierung, die Rolle moderner Medien, technische Verkehrsmittel sowie psychologische Effekte auf das Individuum wie Nervosität und Entfremdung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dichter die neue, überfordernde städtische Wirklichkeit durch innovative sprachliche und formale Mittel künstlerisch verarbeitet haben.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit kombiniert einen historischen Überblick mit einer textnahen Beispielanalyse expressionistischer Gedichte, um ästhetische Strategien der Reizdarstellung freizulegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Großstadt und spezifische Beispielanalysen, die Elemente wie Nachtbeleuchtung, Kino, Verkehrsmittel und Prostitution untersuchen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Urbanität, Neurasthenie, Simultanstil, Apokalypse und die spezifische "Reizüberflutung" als Zivilisationsphänomen.

Wie unterscheidet sich die Großstadtwahrnehmung im Naturalismus von jener im Expressionismus?

Während der Naturalismus die Stadt oft realistisch und kritisch aus einer distanzierten, sozialen Perspektive betrachtet, nähert sich der Expressionismus dem Thema durch eine subjektive, oft schockartige und formal revolutionäre Ästhetik.

Welche Rolle spielen moderne Verkehrsmittel wie die Straßenbahn in den analysierten Gedichten?

Verkehrsmittel werden als Symbole für Tempo und technische Kraft dargestellt, die das lyrische Ich elektrisieren und gleichzeitig die Wahrnehmung durch den rasanten Wechsel der Sinneseindrücke überfordern.

Warum wird im Kontext des "Gott der Stadt" von einer Prophezeiung gesprochen?

Die aggressive und katastrophische Bildsprache des Gedichts wird in der Retrospektive als Vorbote des kommenden Ersten Weltkriegs gedeutet, der durch den überforderten Zeitgeist heraufbeschworen wurde.

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Details

Title
Reizüberflutung in expressionistischen Stadtgedichten
College
University of Cologne  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Course
HS Expressionistische Lyrik
Grade
2
Author
Britta Sonnenberg (Author)
Publication Year
2004
Pages
26
Catalog Number
V30184
ISBN (eBook)
9783638315036
ISBN (Book)
9783638729925
Language
German
Tags
Reizüberflutung Stadtgedichten Expressionistische Lyrik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Britta Sonnenberg (Author), 2004, Reizüberflutung in expressionistischen Stadtgedichten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30184
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