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Mensch und Metropole - Die Rolle der Großstadt im Roman der Neuen Sachlichkeit

Title: Mensch und Metropole - Die Rolle der Großstadt im Roman der Neuen Sachlichkeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 21 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Magistra Artium Katharina Kirsch (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In seiner „deutschen Philosophie“2, der Utopie vom „Untergang des Abendlandes“ spiegelt sich bei Oswald Spengler eine als allgegenwärtig empfundene Unsicherheit und Sinnleere wider, die er in der mechanischen, „seelenlosen“ Zivilisation der Gegenwart begründet sieht3. Zentrum dieser "Seelenlosigkeit" ist die Weltstadt, die der „organisch gewachsenen Provinz“ das Leben aussaugt. „Der Untergang des Abendlandes“, erstmals erschienen 1918, spiegelt in vielen Bereichen eine Unsicherheit wider, die für die Menschen der Weimarer Republik allgegenwärtig war.
Das schon um die Jahrhundertwende mit der zunehmenden Entmythisierung der Welt durch die Naturwissenschaften von Vertretern der jungen Avantgarde als Aufbruch in die Moderne empfundene veränderte Menschen- und Weltbild4 ruft unter Zeitgenossen große Verunsicherung und Skepsis hervor. Die u.a. von Bloch proklamierte „Krise des Ich“5 scheint sich weiter fortzusetzen, insbesondere auf die Großstadt mit ihren vielfältigen Umweltreizen und -forderungen kann das „Individuum“ scheinbar nur noch reagieren, auch in der – nicht mehr nur industriellen – Arbeitswelt stellt der Einzelne nichts als eine Funktion dar. Dem klassischen Ideal der selbstbestimmten Persönlichkeit scheint kein Raum mehr gelassen in einer Massenkultur.6
[...]
2 Spengler: Der Untergang des Abendlandes, S.IX
3 Spengler: Der Untergang des Abendlandes, ab Kap. VI
4 Leiß/Stadler: Deutsche Literaturgeschichte, S.5
5 Ebd., S.28
6 Ebd., S.29

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Provinz versus Metropole – Anti-Moderne und Anti-Urbanismus

3. Mensch und Metropole im Programm der Neuen Sachlichkeit

3.1 Urbane Ästhetik

3.2 Roman-Typen und die Metropole

3.2.1 Das „Girl“ und die „Neue Frau“ am Beispiel Irmgard Keuns

3.2.2 Urbane Kinderliteratur am Beispiel Erich Kästners

3.2.3 Der Angestellte im Roman am Beispiel Hans Falladas

3.2.4 Hauptrolle: Großstadt am Beispiel Alfred Döblins

4. Ergebnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der literarischen Reflexion des urbanisierten Lebensraumes und der Gegenüberstellung von Provinz und Metropole in ausgewählten Romanen der Neuen Sachlichkeit der späten Weimarer Republik. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Bedeutung des Phänomens Metropole, insbesondere Berlin, für die Literatur dieser Epoche und wie sie zur Identitätsbildung oder -krise der Figuren beiträgt.

  • Die literarische Verarbeitung des Großstadt-Mythos Berlin im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Realität.
  • Analyse der ästhetischen Grundsätze der Neuen Sachlichkeit in Bezug auf den urbanen Lebensraum.
  • Untersuchung verschiedener Roman-Typen wie das „Girl“, urbane Kinderliteratur und der Angestelltenroman.
  • Die Rolle der Großstadt als aktiver Mitgestalter literarischer Handlungen und politischer sowie sozialer Diskurse.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Anti-Moderne und Anti-Urbanismus im zeitgenössischen Diskurs.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Urbane Kinderliteratur – am Beispiel Erich Kästners

Während die Großstadt als Handlungsort in der Kinderliteratur bis zur Jahrhundertwende eher ausgespart oder allenfalls negativ dargestellt wurde, wird sie nun als positiver Erlebnisraum von Kindheit entdeckt. Die Schauplätze von Kinderliteratur waren noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschränkt auf einsame Inseln oder idyllische Orte in der Provinz. Wie etwa in Johanna Spyris „Heidi“ wurde die Stadt meist als Moloch dargestellt, in dem sich ein Kind nicht wohl fühlen kann. Die heile Welt der Kinder fand auf dem Land statt, Großstadtidylle schien unvorstellbar. Im Zuge der Neuen Sachlichkeit ersetzt die Metropole Berlin nun zusehends die einsame Insel. Die Zunahme des Großstadtmotivs in der „Erwachsenenliteratur“ hinterlässt ganz offensichtlich ihre Spuren in den Kinderbüchern, der neue Realitätsanspruch überträgt sich auf die Kinderliteratur. Auch die Anzahl der kindlichen und jugendlichen Lesern in den Städten hatte zugenommen, auf deren Lebenssituation sich die Autoren einstellen mussten bzw. wollten, um gelesen zu werden.

Eines der bekanntesten Kinder- bzw. Jugendbücher der Weimarer Republik ist Emil und die Detektive von Erich Kästner. Obwohl es sich bei diesem Roman um ein Kinderbuch handelt, lässt er sich leicht als Werk aus der Zeit der Weimarer Republik identifizieren. Behandelt werden Themen wie Emanzipation der Frau, Geld, Gruppe und Kollektiv, Arbeit und Wirtschaft. Die Geschichte platziert sich im Spannungsfeld Metropole versus Provinz.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Wahrnehmung der Großstadt als „Seelenlosigkeit“ ein und erläutert, wie Berlin zum zentralen Ort der Moderne und literarischen Reflexion wurde.

2. Provinz versus Metropole – Anti-Moderne und Anti-Urbanismus: Hier wird der zeitgenössische Kulturpessimismus beleuchtet, der die Großstadt als Gegenpol zur „organisch gewachsenen“ Provinz und als Ursprung gesellschaftlicher Instabilität betrachtete.

3. Mensch und Metropole im Programm der Neuen Sachlichkeit: Dieses Kapitel analysiert, wie die Neue Sachlichkeit den urbanen Lebensraum als Grundlage ihrer Ästhetik und als neues Sujet in der Literatur etablierte.

3.1 Urbane Ästhetik: Erläutert die Hinwendung der Literatur zu journalistischen Darstellungsformen und Techniken wie Montage, um der modernen Industriegesellschaft gerecht zu werden.

3.2 Roman-Typen und die Metropole: Untersucht anhand spezifischer Beispiele, wie unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und Rollenbilder in der Großstadtliteratur dargestellt wurden.

3.2.1 Das „Girl“ und die „Neue Frau“ – am Beispiel Irmgard Keuns: Analysiert den Typus der modernen, emanzipierten Frau, die in Berlin ihr Glück sucht und dabei soziale Chancen wie auch Anonymität erfährt.

3.2.2 Urbane Kinderliteratur – am Beispiel Erich Kästners: Zeigt den Wandel der Kinderliteratur auf, die nun die Großstadt als spannenden Abenteuerspielort statt als bloßen Moloch begreift.

3.2.3 Der Angestellte im Roman – am Beispiel Hans Falladas: Behandelt die Proletarisierung und Existenzunsicherheit der neuen Mittelschicht im urbanen Kontext.

3.2.4 Hauptrolle: Großstadt – am Beispiel Alfred Döblins: Betrachtet den Großstadtroman als Gesamtkunstwerk, das durch filmische Montagetechniken versucht, die Geschwindigkeit und das Lebensgefühl der Metropole einzufangen.

4. Ergebnis: Fasst zusammen, dass die Metropole zur kulturtheoretischen Kategorie avancierte, durch die die Moderne ihre eigene Wahrnehmung und ästhetische Praxis reflektierte.

Schlüsselwörter

Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit, Großstadtliteratur, Berlin, Metropole, Anti-Urbanismus, Moderne, Montageform, Angestelltenroman, Emanzipation, Identitätskrise, Industrialisierung, Kulturpessimismus, Erich Kästner, Irmgard Keun.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung der Großstadt (insbesondere Berlins) in der Literatur der Weimarer Republik und analysiert, wie Autoren der „Neuen Sachlichkeit“ das Leben in der Metropole reflektierten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Spannung zwischen Provinz und Metropole, der Aufbruch in die Moderne, die Rolle der „Neuen Frau“, die Lebenswelt von Angestellten sowie die Entwicklung einer urbanen Ästhetik in der Literatur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Bedeutung das Phänomen Berlin für die Literatur der ausgehenden Weimarer Republik hatte und wie die Großstadt als literarischer Schauplatz zur Sinnstiftung oder Entfremdung der Romanfiguren beitrug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Romantypen und die ästhetischen Merkmale der Neuen Sachlichkeit (wie Montage und dokumentarische Schreibstile) im Kontext der zeitgenössischen Kulturkritik untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über den urbanen Lebensraum sowie in eine detaillierte Analyse spezifischer Roman-Typen, darunter Werke von Irmgard Keun, Erich Kästner, Hans Fallada und Alfred Döblin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Neue Sachlichkeit, Großstadtroman, Metropole, Urbanisierung, Identität, Entfremdung und die spezifischen Autoren und Werke der Zeit charakterisiert.

Warum wird Berlin in der Arbeit oft als "synonym für Großstadt" verwendet?

Da Berlin in der Weimarer Republik das kulturelle und politische Zentrum und die mit Abstand größte Metropole Deutschlands war, fungierte es in der Literatur dieser Zeit oft als der prototypische Ort für die Erfahrungen der Moderne.

Welche Rolle spielt der "Angestelltenroman" laut der Analyse?

Der Angestelltenroman thematisiert die soziale Prekarität und die sogenannte Proletarisierung der neuen kleinbürgerlichen Schicht, die einerseits die Anonymität der Großstadt erlebte und andererseits versuchte, ihre Identität durch Massenkultur zu wahren.

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Details

Title
Mensch und Metropole - Die Rolle der Großstadt im Roman der Neuen Sachlichkeit
College
University of Bamberg  (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Literatur der Weimarer Republik
Grade
1,5
Author
Magistra Artium Katharina Kirsch (Author)
Publication Year
2004
Pages
21
Catalog Number
V30186
ISBN (eBook)
9783638315050
ISBN (Book)
9783640676170
Language
German
Tags
Mensch Metropole Rolle Großstadt Roman Neuen Sachlichkeit Literatur Weimarer Republik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Katharina Kirsch (Author), 2004, Mensch und Metropole - Die Rolle der Großstadt im Roman der Neuen Sachlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30186
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