Resilienz. Grundlagen und Methoden zur Förderung


Seminararbeit, 2014

12 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Was bedeutet Resilienz?
2.2 Die Kauai-Studie von Emmy E. Werner

3. Methoden zur Förderung der Resilienz
3.1 Die sieben Resilienzfaktoren
3.2 Wirkung von Stress

4. Die persönliche Stressbewältigung

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Veränderungen im Berufsalltag haben sich mittlerweile selbst zu einem Regelpro- zess entwickelt. Die Herausforderungen liegen zum Einen in der zeitkritischen und komplexen Umsetzung von Anforderungen, die dazu führen, dass sich der Mitar- beiter schnell und flexibel auf neue Situationen einstellen muss. Zum Anderen er- höht sich vielfach der Kostendruck. Restrukturierungsmaßnahmen führen dazu, mit weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen mehr leisten und verantworten zu müssen. Die Kommunikationsschnittstellen haben sich deutlich erhöht, die Informa- tionsflut nimmt immer mehr zu und das Wissen hat nur noch eine begrenzte Gültig- keit. Verbunden mit der Sorge eines jeden Einzelnen, sowohl existenzieller Natur als auch den Anforderungen nicht mehr gerecht werden zu können, führt dies in Summe dazu, dass viele Menschen unter diesen erhöhten Belastungen körperliche und seelische Stressreaktionen zeigen, die mitunter bis hin zum Burnout führen.1 Dem entgegenzuwirken, erfordert eine höhere Widerstandsfähigkeit, Belastbarkeit und mehr Flexibilität, die oftmals unter dem Begriff „Resilienz“ zusammengefasst werden.2 Das Prinzip der Resilienz und wie man diese entwickeln und fördern kann, wird im weiteren Verlauf näher erläutert.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Was bedeutet Resilienz?

Der Begriff Resilienz (resilire, lat. = abprallen, zurückspringen), stammt ursprüng- lich aus der Physik und bezeichnet in der Materialforschung hochelastische Werk- stoffe, die nach einer Zustandsänderung wieder in ihre Ursprungsform zurückkeh- ren. Dieser Begriff wurde schließlich durch die Verhaltensforscher auf die Men- schen adaptiert und beschreibt die seelische Widerstandskraft und Fähigkeit, wie man aus Stress-, Druck- und Krisensituationen, Misserfolgen und belastenden Er- eignissen Kraft schöpft und sich wieder aufrichtet, ohne daran zu zerbrechen. Man wächst folglich aufgrund seiner gemachten Erfahrungen und entwickelt sich dabei persönlich weiter.3 Visualisiert wird der Begriff der Resilienz oftmals in Form eines „Stehaufmännchens“.

2.2 Die Kauai-Studie von Emmy E. Werner

Die Entwicklung dieser Fähigkeit hat die Amerikanerin und Entwicklungspsycholo- gin Emmy E. Werner mit der bekannten Kauai-Studie belegt. In dieser Längs- schnittstudie, wurden 698 Kinder, welche im Jahr 1955 auf Hawaii geboren und im Wesentlichen aus schwierigen Verhältnissen stammten, wiederholt über einen Zeit- raum von 40 Jahren beobachtet, interviewt und analysiert. Ziel war es dabei her- auszufinden, wie sich die Persönlichkeit von Kindern, die seit der Geburt diversen Risikofaktoren ausgesetzt waren, langfristig entwickelt. Bei einem Drittel der Kin- der, welche mindestens vier Hochrisikofaktoren ausgesetzt waren (z. B. Armut, Misshandlung, Scheidung der Eltern), konnte man feststellen, dass diese, trotz ih- rer widrigen Lebensumstände, beziehungsfähig waren, eine optimistische Grund- haltung und emotionale Intelligenz aufwiesen. Wichtig für die Entwicklung sind die Interaktion und Einwirkung von äußeren Schutzfaktoren (z. B. eine enge Bezugs- person, Lernerfolge) sowie die eigene Persönlichkeit (innere Schutzfaktoren) wie z. B. ein positives Temperament, Ausgeglichenheit oder Werteorientierung.4 Das bedeutet, dass die Fähigkeit zur Resilienz sich aus einem Zusammenspiel von verschiedenen Risiko- und Schutzfaktoren ergibt.

3. Methoden zur Förderung der Resilienz

3.1 Die sieben Resilienzfaktoren

Nachdem die Forschung rund um die Kauai-Studie sich verstärkt der Wirkung und von Risiko- und Belastungsfaktoren gewidmet hat, befasst sich im Gegenzug die Wissenschaft der Salutogenese um die Entstehung und Erhaltung der Gesundheit. Sie fokussiert sich daher primär auf die Forschung nach den Schutzfaktoren und der Kompetenzentwicklung und nicht der Fragestellung was den Menschen krank macht. Das Resilienzmodell nach Monika Gruhl und Hugo Körbächer (Resilienztrainer), zielt auf diese vorgenannte Methodik ab.5

Hierin werden sieben wesentliche Komponenten für die erforderliche seelische Wi- derstandskraft beschrieben, mit der sowohl persönliche als auch berufliche Belas- tungen gemeistert werden können. Dieses Resilienzkonzept basiert auf den drei Grundhaltungen Optimismus, Akzeptanz sowie Lösungsorientierung die durch vier unterstützende Faktoren ergänzt werden (Selbstverantwortung, Selbstregulation, Netzwerkorientierung und die Fähigkeit seine Zukunft eigeninitativ zu gestalten). Die drei Grundhaltungen sind hierbei essentiell und bilden das Fundament der persönlichen Widerstandskraft.6

Diese sieben Resilienzfaktoren sollen nun etwas genauer beschrieben werden. Jeder dieser Faktoren besitzt sowohl eine innere, als auch eine äußere Dimension. Während sich die innere Dimension auf die persönliche Einstellung, das Denken und Fühlen bezieht, bezeichnet die äußere Dimension, die Wirkung durch das Um- feld. Diese beiden Dimensionen werden jeweils direkt im Anschluss an jeden Resilienzfaktor anhand eines Beispiels veranschaulicht, um die Übertragbarkeit auf die persönliche Alltagssituation zu erleichtern. Auch kann hier bereits eine erste persönliche Reflexion der eigenen Berufswelt bezogen auf die Faktoren erfolgen.

1. Optimismus:

Resiliente Menschen blicken positiv in die Zukunft und sehen jede Krise als Herausforderung, auch wenn ihnen bewusst ist, dass zum Zeitpunkt der Krise diese erst einmal mit Anstrengungen verbunden sind. Da optimistische Menschen grundsätzlich davon ausgehen, dass jede Krise immer einem Ende und somit auch einem positiven Ausgang unterliegt, hilft diese Einstellung im Umgang zur Überwindung der Krise.7

Innere Dimension: Bin ich optimistisch, dass die Krise wieder vorbei geht oder lasse ich mich von negativen Gedanken beherrschen?

Äußere Dimension: Wird mit den Mitarbeitern wertschätzend umgegangen? Bekommen diese bei Umorganisationen eine Perspektive aufgezeigt?

2. Akzeptanz:

Die eingetretene Situation/das negative Erlebnis, die oftmals plötzlich einen Menschen in eine Krisensituation versetzt, versuchen viele Menschen zu ver- drängen, um mit dem Schmerz besser umgehen zu können. Es gibt allerdings auch Situationen, die unveränderlich sind und es nicht hilfreich ist zu resignie- ren, sich einzuschließen oder sich in eine Endlosschleife zu begeben. Resiliente Menschen akzeptieren ihre Situation und überlegen etwaige Ein- flussmöglichkeiten. Ist ein Einfluss aufgrund einer gegebenen, unveränderli- chen Situation nicht möglich, dann wird der Fokus auf die nächsten Schritte ge- lenkt, welche in der Regel viele neue Perspektiven bieten.8 Akzeptanz bedeutet aber auch, sich selbst als Mensch, mit seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Resiliente Menschen fokussieren sich dabei auf ihre positiven Eigenschaften und benötigen nicht ausschließlich die Bestätigung Dritter, um Wertschätzung zu erlangen.9

Innere Dimension: Ich bewerte und akzeptiere die eingetretene Situation (unveränderliche oder veränderliche Welt). Ich akzeptiere meine Leistungsgrenzen bewusst und setze mich aktiv auseinander.

Äußere Dimension: Wird mit realistischen Zielvorgaben gearbeitet? Welche Leistungsperformance wird von den Mitarbeitern erwartet? Wird der Mitarbeiter entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt?

3. Lösungsorientierung:

Wenn die Krise akzeptiert wird und der Blick vorausschauend in die Zukunft gerichtet wird, dann ergibt sich automatisch als Folge die Entwicklung neuer Lösungen. Resiliente Menschen sind sehr lösungsorientiert. Auch wenn im ersten Blick für sie eine Lösung nicht direkt erkennbar ist, lassen sie sich dennoch nicht beirren und arbeiten durchweg an der Problemlösung.10 Innere Dimension: Ich suche nicht den Schuldigen der das Problem verursacht hat, sondern akzeptiere, dass das Problem nun existent ist und versuche die Ressourcen lieber in die Problemlösung zu stecken.

Äußere Dimension: Erhalten die Mitarbeiter genug Spielraum um ihre eigenen Ideen einzubringen und dadurch kreative Lösungsvorschläge zu erarbeiten?

4. Verantwortung übernehmen:

Analog zu der Akzeptanz, ziehen sich nicht-resiliente Menschen eher zurück und begeben sich in eine Opferrolle. Das schwächt jedoch auf Dauer das eige- ne Selbstbewusstsein. Auch wenn in der Regel starke Persönlichkeiten weni- ger einem Angriff (z. B. Mobbing) ausgesetzt sind, sind sie nicht vor einer Op- ferrolle gefeit. Insbesondere resiliente Menschen versuchen sich mit der Situa- tion auseinander zu setzen, um einen neuen Denkansatz zu erzielen und schnell die Steuerung über sich selbst wieder zu übernehmen. In dem Zusam- menhang reflektieren sie gleichzeitig das eigene Vorgehen, die gegebenenfalls zu diesem Umstand mit geführt haben und übernehmen dabei die Verantwor- tung für das eigene Tun und stehen für die Konsequenzen ein.11 Innere Dimension: Nicht abwarten, sondern Selbstverantwortung übernehmen. Äußere Dimension: Wird den Mitarbeitern genug Entscheidungsfreiheit zuge- standen? Wird dem Mitarbeiter ausreichend Unterstützung geboten?

5. Selbstregulation:

Im Wesentlichen spielt die Ausgewogenheit bei der Selbstregulation eine große Rolle. Zu der Belastung muss immer eine Entlastung als Ausgleich (WorkLive-Balance) folgen. Resiliente Menschen regulieren sich dabei mit eigener Kraft selbst und fokussieren sich ganz auf ihre Wahrnehmung. Den eigenen Gefühlen mit Achtsamkeit zu begegnen und Einfluss darauf zu nehmen (sich selbst nicht zu vernachlässigen) halten resiliente Menschen in Balance und können im Fall von Belastungen bestehen.12

Innere Dimension: Ich sorge gut für mich und nehme mir meine Auszeiten.

Äußere Dimension: Bietet das Unternehmen ausreichend Möglichkeiten für Pausen und Phasen zur Regeneration?

6. Netzwerkorientierung und Beziehungen gestalten:

In Krisensituationen ist ein stabiles und soziales Umfeld wichtig. Ob im privaten Umfeld oder auch bei schwierigen Problemstellungen im Beruf ist ein Netzwerk wesentlich. Dies gilt entsprechend aufzubauen und zu pflegen. Man erhält Un- terstützung, was wiederum das Selbstwertgefühl steigert, als wenn man sich allein mit dem Problem auseinandersetzen muss und dabei keine Hilfe erfährt. Oftmals werden zusätzlich wertvolle Hinweise für eine mögliche Lösung der Problemstellung übermittelt.13

Innere Dimension: Ich pflege meine Beziehungen zu Freunde, Familie und hole mir auch Unterstützung von Kollegen.

Äußere Dimension: Wird durch den Vorgesetzten ein positives Arbeitsumfeld für gute kollegiale Beziehungen geschaffen?

7. Zukunft gestalten und planen:

Auch wenn in der Zukunft nicht alles planbar und vorhersehbar ist, so können dennoch eigene Ziele und realistische Visionen entwickelt werden. Diese hel- fen dabei, im Fall von unerwarteten Ereignissen, mit einem größeren Hand- lungsspielraum darauf zu reagieren und Misserfolge besser zu verarbeiten.14 Innere Dimension: Ich bilde mich weiter und gestalte aktiv meine Zukunft. Äußere Dimension: Werden den Mitarbeitern Entwicklungsmöglichkeiten an- geboten?

Um die vorgenannten Haltungen und Fähigkeiten entwickeln zu können, bedarf es einer guten Wahrnehmung und Selbsteinschätzung über die einzelnen Faktoren.15

3.2 Wirkung von Stress

Die Stressreaktion eines Menschen ist primär eine natürliche Reaktion auf belastend empfundene oder unbekannte Situationen. Der Körper wird dabei in eine Art Alarmzustand versetzt, wobei ihm zusätzliche Energie zur Verfügung gestellt und wodurch erst einmal eine schnelle und intuitive Reaktion ermöglicht wird. Wird dieser Stress jedoch chronisch, so wird er zu einer Belastung und kann verschiedene Arten von Stressreaktionen hervorrufen:

- Körperlich, z. B. Verspannungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen
- Vegetativ, z. B. Herzklopfen, Verdauungsprobleme, Über-/Untergewicht
- Emotional, z. B. Angst, Nervosität, Unzufriedenheit
- Kognitiv, z. B. Konzentrationsstörungen, nicht abschalten können
- Verhalten z. B. Aggressivität/Gereiztheit, Konsum von Alkohol oder Medi- kamenten um runter zu kommen, Fast-Food um Zeit zu sparen

Der Umgang mit Stress auslösenden Stressoren (wie z. B. Lärm, Arbeitsbelastung, Ärger mit dem Vorgesetzten, Verkehrsstau, Informationsüberflutung, Perfektionis- mus) ist dabei unter anderem von Einstellung, aktueller Stimmung, gemachten Er- fahrungen abhängig. Die Stressoren selbst lassen sich zu einem großen Teil nicht unmittelbar und kurzfristig beeinflussen, so dass ein derartiger Ansatz zwangsläufig zu einer Verstärkung des Stresses, zu Ärger und Frustration führen muss.

Dies soll jedoch keineswegs bedeuten, dass wir diesen Einflüssen hilflos ausge- setzt sind. Eine Lösung bietet hierfür die Theorie der Resilienz mit den Bestandtei- len der inneren und äußeren Schutzfaktoren. Während die äußeren Schutzfakto- ren, analog den Risikofaktoren, wiederum nur begrenzt unserem Einfluss unterlie- gen, ist es hier wichtig, diese zu erkennen, zu reflektieren und ggf. langfristige Ver- besserungen anzustreben. Von besonderer Bedeutung sind jedoch die inneren Schutzfaktoren, da wir auf diese direkten Zugriff haben und aktiv Einfluss nehmen können.16

Wesentliche Grundlage des Resilienzkonzepts ist es, dass nicht die äußeren Ein- flussfaktoren an sich Stress und Überlastung verursachen (Stressoren), sondern die Wirkung im Wesentlichen durch den persönlichen Umgang mit diesen Stresso- ren bestimmt ist. Dies bedeutet, dass jeder selbst die Werkzeuge in sich trägt, sei- ne Resilienzfähigkeit zu stärken und gelassen bzw. stressfrei im Leben zu beste- hen. Betrachtet man typische Stresssituationen, dann ist dies zunächst überra- schend. Unsere Erfahrung lehrt uns, dass gewisse Situationen nun einmal ihrer Natur nach Stress hervorrufen und die belastende Wirkung eine direkte Folge der Situation an sich ist.

Die Theorie der Resilienz führt hier zu einem Perspektivwechsel und stellt die Fra- ge nach dem Umgang mit der jeweiligen Situation. Demnach ist eine Erfahrung nie per se gut oder schlecht, sondern sie ist zunächst einmal einfach da und neutral zu bewerten. Demnach wird eine Situation erst durch die persönliche Wahrnehmung und den Umgang der betroffenen Person zu einer Belastung; oder nach der Theo- rie der Achtsamkeit (siehe auch Abschnitt 4) auch nicht. Kern ist somit der zuvor benannte Perspektivwechsel verbunden mit einer neutralen Wahrnehmung jedwe- den Geschehens.

Nimmt man Situationen bewusst wahr, lernt seine Stressoren kennen und erkennen und verinnerlicht einen positiven Umgang mit diesen lässt sich die Resilienzfähigkeit steigern und entwickeln.

4. Die persönliche Stressbewältigung

Den oben beschriebenen Gedanken folgend existieren diverse Methoden, zur Stei- gerung der individuellen Resilienzfähigkeit im Berufsleben (aber natürlich auch im alltäglichen privaten Umfeld) um so die Stressanfälligkeit zu senken. Grundlagen dieser Methoden sind stets eine bewusstere Wahrnehmung (d.h. ein Erkennen) der Situation verbunden mit einer nachhaltigen Einstellungsänderung (innere Schutz- faktoren).17

Als Beispiel soll der nachfolgende strukturierte Ansatz dienen:

1) Wahrnehmen und Erkenntnis der belastenden Situation
a. Neutrale Charakterisierung der Situation
b. Beschreibung der ausgelösten Gefühle
c. Belastendes Element in Worte fassen

2) Hinterfragen dieser Selbsteinschätzung
a. Ist ein Realitätsbezug gegeben?
b. Kritische Prüfung der aus meiner Einstellung resultierenden Konse- quenzen (Vor- und Nachteile)

3) Neujustierung der inneren Einstellung (Handeln und Fühlen)
a. Neubewertung der Einstellung
b. Formulierung einer angepassten Einstellung

4) Neujustierung des Handelns
a. Welche alternativen Handlungsoptionen existieren
b. Anpassung des zukünftigen Verhaltensmusters

5) Kontrolle
a. Hat sich die Wirkung der Situation auf mich geändert
b. Bin ich mit meiner Neubewertung zufrieden?

Der schwierigste Aspekt eines derart angepassten, in neue Handlungswege mündenden Denkmusters ist die tatsächliche Wahrnehmung der belastenden Situation bzw. der Stressoren. Häufig ist man, insbesondere im Berufsalltag getrieben durch Erwartungen, Zeitdruck und Kontrolle durch Vorgesetzte so im Hamsterrad gefangen, dass bestimmte Gefühle, Handlungsmuster und Reaktionen nicht hinterfragt, sondern als gegeben hingenommen werden. Somit beraubt man sich selbst der Chance aktiv eine Verbesserung der Situation herbeizuführen.

Eine der wesentlichen und vor allem einfach umzusetzenden Trainings, sich jeder Situation zunächst neutral bewusst zu werden ist die Methode der Achtsamkeit.18 Diese basiert auf einem bewussten Verweilen in der Gegenwart, wobei man be- wusst die Gefühle, Situationen, Gedanken so wahrnimmt wie sie sind, ohne diese zunächst zu bewerten. Man konzentriert sich also unabgelenkt auf den Augenblick ohne diesen zu interpretieren und zu verfälschen. Dies kann beispielsweise in Form einer Meditation geschehen, oder aber auch in ganz alltäglichen kleinen Handlungen, die sich perfekt in den Tagesablauf integrieren lassen. Nachfolgend soll anhand einiger Beispiele erläutert werden, wie die Umsetzung, vor allem auch im Berufsumfeld, in dem die Akzeptanz für lange Meditationen oft nicht gegeben ist, erfolgen kann.

- Achtsamkeit bei gewöhnlichen Verrichtungen des Alltags
Jeder gewöhnliche Handlung im Alltag achtsam verrichten: Duschen, Zäh- neputzen, Mitmenschen begegnen, Anziehen, Kaffee kochen, E-Mails- Schreiben, Türen öffnen und -schließen, Essen kochen, Gartenarbeit etc.
- „Glocken der Achtsamkeit" nutzen
Geräusche als Hinweis auf Achtsamkeit nutzen, z. B. Telefonklingeln, Kirchenglocken, Sirenen, Autohupen.
- Innehalten
Zwischendurch im Alltag immer wieder einmal innehalten und den gegen- wärtigen Moment bewusst wahrnehmen und innerlich in Worte fassen.
- Körper als Anker nutzen

Im Laufe des Tages immer wieder einmal in den Körper hinein spüren (Verspannungen, Wohlsein, Unwohlsein, Wärme, Kälte). Jeden Wechsel der Körperhaltung wahrnehmen.

5. Zusammenfassung

Ausgehend von einer Studie durchgeführt von Emmy E. Werner wurde gezeigt, dass die persönliche Widerstandsfähigkeit (Resilienz), mit schwierigen Situationen umzugehen und so das Leben positiv zu gestalten, entwickelt werden kann. Dies betrifft insbesondere die sieben Resilienzfaktoren, die im Wesentlichen die innere Einstellung eines Einzelnen gegenüber der jeweiligen Situation beschreiben. Nur wenn es gelingt, Situationen und ihre Stressoren zunächst zu erkennen und neutral wahrzunehmen, kann man sich bewusst für eine angemessene Reaktion entschei- den. Man wechselt somit die Rolle von der passiven Betroffenheit hin zur aktiven Gestaltung. Dieses Erkennen der Situation erfordert Übung und Aufmerksamkeit, welche durch Praktiken wie Achtsamkeit oder Meditation gestärkt und in den Alltag integriert werden können. Insbesondere für das Berufsleben, welches von vielen als Hauptauslöser von Stress empfunden wird, lassen sich so Wege zur Gelassen- heit und Ruhe finden.

Literaturverzeichnis

Berndt, C. (2013): RESILIENZ - Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft, München 2013

Borgert, S. (2013): Resilienz im Projektmanagement, Bitte anschnallen, Turbulenzen!, Erfolgskonzepte adaptiver Projekte, Wiesbaden (2013)

Gruhl, M. (2010): Die Strategie der Stehauf-Menschen - Krisen meistern mit Resilienz, Freiburg (2013)

Hettl, M. (2013): Mitarbeiterführung mit dem LEAD-Navigator® - Erfolgreich und wirksam führen, Wiesbaden 2013

Kabatt-Zinn, J. (2007): Im Alltag Ruhe finden - Meditationen für ein gelassenes Leben, 2. Aufl., Frankfurt am Main 2007

Kabatt-Zinn, J., Kesper-Grossman, U. (2010): Die heilende Kraft der Achtsamkeit,

2. Aufl., Freiamt 2010

Maehrlein, K. (2013): Die Bambusstrategie - Den täglichen Druck mit Resilienz meistern, 2. Aufl., Offenbach 2013

Horn, S., Seth, M. (2013): Stressfrei, gerne und erfolgreich arbeiten - Resilienz im Beruf, Freiburg im Breisgau 2013

Wellensiek, S. (2012): Resilienz-Training für Führende, Weinheim 2012

[...]


1 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 7

2 Vgl. Wellensiek, S. (2012), S. 16

3 Vgl. Maehrlein, K. (2013), S. 19

4 Vgl. Berndt, C. (2013), S. 66

5 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 32

6 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 32

7 Vgl. Borgert, S. (2013), S. 14

8 Vgl. Borgert, S. (2013), S. 14

9 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 49

10 Vgl. Borgert, S. (2013), S. 15

11 Vgl. Hettl, M. (2013), S. 14

12 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 77-80

13 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 89-90

14 Vgl. Borgert, S. (2013), S. 15

15 Vgl. Borgert, S. (2013), S. 16

16 Vgl. Horn, S., Seth, M. (2013), S. 21-25

17 Vgl. Kabatt-Zinn, J. (2007), S. 153-176

18 Vgl. Kabatt-Zinn, J., Kesper-Grossman, U. (2010), S. 10-14

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Resilienz. Grundlagen und Methoden zur Förderung
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Schlüsselqualifikationen
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V301860
ISBN (eBook)
9783956875366
ISBN (Buch)
9783668010291
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
resilienz, grundlagen, methoden, förderung
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Resilienz. Grundlagen und Methoden zur Förderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301860

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Resilienz. Grundlagen und Methoden zur Förderung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden