Guo Moruo ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der neueren chinesischen Geschichte. Er war nicht nur literarisch, sondern auch politisch sehr aktiv, wobei seine politische Tätigkeit nicht unumstritten ist. Die Tatsache, dass er sich - im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen - so lange auf dem politischen Parkett halten konnte, wirft heutzutage Fragen auf und bringt ihm von Seiten seiner Kritiker den Vorwurf des Opportunismus ein. Seinen literarischen Ruhm erlangte er in erster Linie als Dichter, am bekanntesten ist bis heute sein Lyrikband Nüshen 《女神》. Bekannt ist er aber auch für weitere Gedichte, Theaterstücke und seine Forschungen im Bereich der chinesischen Geschichte und Philosophie.
Seine Erzählungen, die für seine frühe literarische Phase charakteristisch sind, weisen einen geringeren Bekanntheitsgrad auf. In der Forschung fanden sie bisher weniger Beachtung als die erstgenannten Werke, jedoch sind sie für das Verständnis des Dichters und Politikers Guo Moruo unumgänglich, da sie innerhalb seiner Entwicklung den Umbruch seiner Weltanschauung zum Ausdruck bringen.
Die Zeit, in der die meisten Erzählungen von Guo Moruo entstanden sind, fällt in die Phase nach der 4. Mai Bewegung Wusi yundong 五四运动 und ist durch einen gesellschaftlichen Umbruch und grundlegende literarische Neuerungen gekennzeichnet. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf den Erzählungen, die im Kontext der Zeit dieser Neuerung entstanden sind. Den Hauptteil dieser Arbeit bildet die Analyse einer dieser frühen Erzählungen Qiyuanshi you Liang《漆园吏游梁》 (Zhuangzi wandert nach Liang).
Zum besseren Verständnis der behandelten Erzählung soll hier zunächst eine kurze Übersicht über den literaturhistorischen Hintergrund (Kapitel 1.1), Guo Moruos Biografie (Kapitel 2.1) und seine satirischen Erzählungen (Kapitel 2.2) gegeben werden. Da die Erzählung Qiyuanshi you Liang《漆园吏游梁》 (Zhuangzi wandert nach Liang) eine kritische Auseinandersetzung mit der daoistischen Philosophie darstellt, soll in Kapitel 3.1 auf Guos Verständnis von Zhuangzi eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Literaturhistorischer Hintergrund
2 Guo Moruo: Leben und Werk
2.1 Biografie
2.2 Guo Moruo als Prosaschriftsteller: die frühen satirischen Erzählungen
2.2.1 Satire
3 Die Erzählung Zhuangzi wandert nach Liang
3.1 Guo Moruo und Zhuangzi
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Interpretation
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Guo Moruos Prosaschriftstellerei am Beispiel seiner Erzählung "Zhuangzi wandert nach Liang" (《漆园吏游梁》), um aufzuzeigen, wie er durch satirische Auseinandersetzung mit daoistischen Philosophien den Wandel seiner eigenen Weltanschauung sowie die Kritik an traditionellen Werten im Kontext der Zeit nach der 4. Mai-Bewegung verarbeitet.
- Analyse der literarischen und historischen Bedeutung von Guo Moruos frühen satirischen Erzählungen.
- Untersuchung des daoistischen Prinzips des Nicht-Handelns (wuwei) im Kontrast zu den alltäglichen materiellen Bedürfnissen.
- Interpretation der Erzählung "Zhuangzi wandert nach Liang" als satirische Abrechnung mit überlieferten philosophischen Idealen.
- Einordnung von Guo Moruos persönlicher Entwicklung vom Literaten zum Marxisten und Kommunisten.
Auszug aus dem Buch
Die Erzählung Zhuangzi wandert nach Liang
Die Erzählung Zhuangzi wandert nach Liang besteht aus zwei Teilen. Die Hauptfigur der Erzählung ist Zhuang Zi auch Zhuang Zhou. Nach dem Tod seiner Frau gibt Zhuang Zhou seine Stellung auf und versucht seinen Unterhalt mit dem Flechten von Schuhen aus Grasleinen zu verdienen. Er arbeitet langsam und unkonzentriert, weil er die meiste Zeit grübelt, zudem ist diese Art von Schuhen schon nicht mehr in Mode, was zu Folge hat, dass Zhuang Zhou zu wenig Geld verdient und hungert. Er beschließt einen wohlhabenden alten Freund um Hilfe zu bitten, wird von diesem jedoch abgewiesen. Daraufhin läuft Zhuang Zhou davon. Aus den Ereignissen zieht der von Hunger getriebene Zhuang Zhou eine in seinen Augen wichtige Lehre, wenn er die Schuhe nicht verkaufen kann, so kann er doch zumindest auf den Grasleinen kauen, um das Hungergefühl zu dämpfen. „草鞋卖不了的时候, 他便把麻屑乱嚼.“ („Konnte er die Schuhe nicht an den Mann bringen, kaute er auf den Gräsern herum.“)
Da Zhuang Zhou vom Gräserkauen nun jedoch nicht satt wird, beschließt er angeln zu gehen. Auf der Suche nach Würmern findet er einen alten Totenschädel. Er erinnert sich plötzlich an seine verstorbene Frau, die er zu Lebzeiten wegen ihrer weltlichen Sicht der Dinge eher gering geschätzt hatte, und vergießt einige Tränen. Beim Anblick der sich im Wasser tummelnden Fische wird er schließlich so sentimental, dass er sogar den Totenschädel küsst und immerzu ruft: „啊啊, 我是饥渴着人的鲜味, 我是饥渴着人的鲜味呀!“ („Ach, ich vergehe nach der Wärme eines Menschen, verzehre mich nach diesem köstlichen Genuss!“), womit der erste Teil endet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt Guo Moruo als bedeutende Persönlichkeit vor, erläutert den literarischen Kontext der 4. Mai-Bewegung und umreißt die Analyse der Erzählung "Zhuangzi wandert nach Liang".
1.1 Literaturhistorischer Hintergrund: Dieser Abschnitt beschreibt den gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch in China nach dem Sturz der Qing-Dynastie und die Entstehung der "Literarischen Revolution".
2 Guo Moruo: Leben und Werk: Hier wird der Lebenslauf des Autors skizziert, insbesondere seine Ausbildung, seine frühen literarischen Erfolge und seine zunehmende Hinwendung zum Marxismus.
2.1 Biografie: Dieser Unterpunkt detailliert die Stationen von Guo Moruos Leben von seiner Kindheit in Sichuan über sein Studium in Japan bis hin zu seiner späteren Rolle in der VR China.
2.2 Guo Moruo als Prosaschriftsteller: die frühen satirischen Erzählungen: Dieser Teil beleuchtet Guo Moruos Bedeutung als Erzähler und analysiert die Funktion seiner satirischen Texte, die historische Persönlichkeiten thematisieren.
2.2.1 Satire: Hier wird der literaturwissenschaftliche Begriff der Satire definiert und seine spezielle Anwendung in der modernen chinesischen Literatur erläutert.
3 Die Erzählung Zhuangzi wandert nach Liang: Dieses Kapitel bildet den Kern der Arbeit und konzentriert sich auf die Analyse der Erzählung im Kontext des daoistischen Denkens.
3.1 Guo Moruo und Zhuangzi: Diese Unterkapitel untersucht Guo Moruos persönliches Verständnis der Philosophie Zhuang Zis und wie er diese kritisch in seine Erzählung integriert.
3.2 Inhaltsangabe: Hier erfolgt eine prägnante Zusammenfassung der Handlung der Erzählung "Zhuangzi wandert nach Liang".
3.3 Interpretation: Dieser Teil interpretiert die Erzählung als satirische Auseinandersetzung mit dem daoistischen Prinzip des Nicht-Handelns und stellt sie in den Kontext von Guo Moruos Weltanschauung.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Guo Moruos Erzählungen eine wesentliche, aber oft unterschätzte Facette seines Werkes darstellen, die den Wandel seiner Weltanschauung verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Guo Moruo, Zhuangzi, Daoismus, Satire, 4. Mai-Bewegung, Moderne chinesische Literatur, wuwei, Nicht-Handeln, Marxismus, Kulturgeschichte, Gesellschaftskritik, chinesische Intellektuelle, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Guo Moruos Prosawerk "Zhuangzi wandert nach Liang" und untersucht, wie der Autor durch Satire daoistische Philosophie und traditionelle Werte im Kontext der 4. Mai-Bewegung kritisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel der Weltanschauung von Guo Moruo, die Auseinandersetzung mit westlichen Ideen versus traditioneller chinesischer Philosophie sowie die soziale Funktion von Literatur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Guo Moruo in seiner frühen Erzählung das daoistische Prinzip des Nicht-Handelns (wuwei) als realitätsfern entlarvt und damit den Bruch mit der Tradition einleitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, kombiniert mit biografischen und historisch-kontextuellen Einordnungen des Werkes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Guo Moruos Biografie, die Grundlagen der chinesischen Moderne, die Definition von Satire und eine detaillierte inhaltliche und interpretative Analyse der Erzählung "Zhuangzi wandert nach Liang" behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Guo Moruo, Zhuangzi, Daoismus, Satire, 4. Mai-Bewegung, Moderne chinesische Literatur und gesellschaftlicher Umbruch.
Warum kritisierte Guo Moruo ausgerechnet das daoistische Prinzip des "Nicht-Handelns"?
Guo Moruo empfand das Prinzip des wuwei als eine Haltung, die in einer Zeit nationaler Unterlegenheit und wirtschaftlicher Not das Land politisch und ökonomisch lähmte.
Welche Rolle spielt die 4. Mai-Bewegung für die Entstehung der Erzählung?
Die Bewegung markierte den Höhepunkt einer kulturellen Neuerung; sie befreite Intellektuelle wie Guo Moruo von alten konfuzianischen Fesseln und öffnete den Geist für kritische, moderne und westliche Einflüsse.
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- Elena Kassoukhina (Author), 2009, Der Prosaschriftsteller Guo Moruo und seine Erzählung "Zhuangzi wandert nach Liang", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301866