Frank Millers "Sin City" als Comicverfilmung und Film Noir. Farbliche Vorhölle oder "diegetic limbo"


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soundtrack

3. Technik

4. diegetic limbo

5. Farbliche Vorhölle
5.1. DieFarbeRot
5.2. DieFarbeBlau
5.3. DieFarbeGelb

6. Schlussfolgerung

7. Einstellungsprotokoll

8. Bibliographie

9. Filmographie

1. Einleitung

Der Film Sin City kam am 01. April 2005 in die amerikanischen Kinos. Er basiert auf drei Teilen der gleichnamigen Graphic Novel von Frank Miller. Das sind The Hard Goodbye, The Big Fat Kill und That Yellow Bastard. Handlung von Intro und Outro stammen aus der Kurzgeschichte The Costumer is Always Right. Die ursprünglich dreizehn bändige Comicreihe erschien bei Dark Horse Comics von April 1991 bis Juni 1992. Für dieses Werk hat Frank Miller insgesamt 11 Mal den renommierten „Eisner Award“ gewonnen.

Frank Miller soll die ersten Ideen für diese Comicreihe im Alter von 12 Jahren gehabt haben. Die Comics zeichnen sich durch einen ganz besonderen Stil ab. Sie sind sehr düster. Licht und Schatten spielen eine bedeutende Rolle. Seine Inspirationen soll der US-Amerikaner aus den Film Noir der Vierziger Jahren bekommen haben. Bei der Verfilmung seines Werkes hat er zusammen mit Robert Rodriguez Regie geführt. Als Gastregisseur Quentin Tarantino. Der Film wurde von Elizabeth Avallan, Frank Miller und Robert Rodriguez produziert.

Sin City ist in dem Genre des Film Noir einzuordnen. Eine treffende Beschreibung dazu gibt Norbert Grob :

Film Noir - das impliziert unabwendbar Stil und Stimmung, aber zuallererst eine besondere Sichtweise auf die Welt, eine pessimistische, zynische oder nihilistische Sichtweise. Die Filme entwerfen ein Universum der Verdammnis, das durchdrungen ist von einer Aura der Vergeblichkeit.

Alles Tun - wie auch das Fühlen und Denken - mündet in Katastrophen, in Fehltritten oder Niederlagen. Das Vertrauteste wird fremd, das Lichte düster und schwarz. Die schönsten Träume verwandeln sich in Albträume.

Und nirgends ein Ausweg.[1]

(Ba)sin City ist so ein Ort. Die Handlungen des Films spielen in der Stadt Basin City.

Durch Kugeln auf dem Ortsschild liest es sich wie Sin City.[2] Die Bewohner leben in völliger Dunkelheit. Selbst bei Tageslicht sind die Räume abgedunkelt. Sonne ist nicht zu sehen. Es fällt oft Regen. Zwischen Verrat und Mord findet man tiefe Liebe und aufrichtige Freundschaft. Eine enge Verbindung zwischen Sex und Gewalt herrscht vor. Männer und Frauen bedienen gängige Stereotype. Er groß und stark, sie verführerisch und schutzbedürftig. Doch selbst der kühnste Held, oder besser gesagt Anti-Held schafft es nicht, dass sich die Welt zum Guten wendet. Frank Miller sagte mal in einem Interview, dass sich seine berufliche Laufbahn mit der Frage nach Heldtum und Männlichkeit beschäftige.[3] Zwischen all der Brutalität und dem Verbrechen ist es auch schwer in dieser Geschichte die Guten von den Schlechten zu unterscheiden. Sin City erfüllt die „vier zentralen Charakteristika“ des Film Noir: „1. Die Stadt 2. Die Nacht 3. Off-Erzählungen/Rückblenden 4. Licht/Schatten.“[4]

Soundtrack

Komponiert wurde der Soundtrack zum Film, bis auf wenige Ausnahmen, von Robert Rodriguez, John Debney und Graeme Revell. Die düster klingenden Werke wurden vom Hollywood Studio Symphony eingespielt. Dadurch, dass die Verfilmung auf drei Teilen des Comics basiert wurde jederm Komponisten genau ein Teil der Geschichte zugeordnet. Revall war für die musikalische Untermalung in The Hard Goodbye verantwortlich, Debney bei The Big Fat Kill und Rodriguez untermalte The Yellow Bastard, sowie Intro und Outro.

Die Musik fügt sich in die dunklen Geschehnisse der Stadt ein und fängt das Gefühl der Beklemmung, Angst und Brutalität Note für Note ein.

Technik

Sin City wurde in High Definition und bis auf die Szenen in der Bar vor einem Greenscreen gedreht. Somit entstand die fiktive Stadt in der Postproduktion am Computer. Zumal es in dem Studio nicht viel Platz gab und die Schauspieler um eine Szene zu drehen in der sie rennen auf ein Laufband steigen mussten. Oft wurden einzelne Szenen auch zusammengeschnitten. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, dass die Akteure zum Zeitpunkt des Dreharbeiten in unmittelbarer Nähe zueinander befunden haben müssen, wie bei einer Kampfszene zum Beispiel. Doch in der Realität sah es anders aus. Die Schauspieler wurden Stück für Stück ins Bild montiert. Gedreht wurde in Farbe und anschließend wurde diese bis auf wenige Details entfernt. Somit ist der Film fast ausschließlich in schwarz-weiß zu sehen. Dies gibt im eine besondere Ästhetik. Oft werden Gedanken und Gefühle in einem Voice-over erzählt. Während der Zuschauer die Stimme des Sprechers hört ist meisten keine tragende Handlung zu sehen. Der Zuschauer fühlt sich an die Comicsprechblasen erinnert. Auch gibt es wenig Kamerafahrten, Zooms oder Schwenks. Dass ist auf den Dreh vor dem Greenscreen zurückzuführen. Aber auch auf die Absicht den Charme des Comics so genau wie möglich wiederzugeben. Gespräche wurden oft im Schuss-Gegenschuss-Verfahren geschnitten.

Vergleicht man den Comic mit der Verfilmung so sind viele Panels eins zu eins übernommen worden. Das liegt daran, dass auf ein klassisches Drehbuch verzichtet wurde und stattdessen Frank Millers Comics als Storyboard dienten. Beim Dreh wurde darauf geachtet Szenen möglichst detailgetreu wiederzugeben. Dies ist auch gelungen. Es wurde dadurch erreicht, dass man die filmischen Aufnahmen im Rahmen der Postproduktion direkt über die gezeichnete Originalversion gelegt hat. Dies geschah mit einer speziellen Kamera. Anschließend wurde diese Überblendung digital nachbearbeitet.

Doch bevor dies alles geschehen konnte musste in der Previsualisierung viel vorbereitet werden. Dafür wurde eigens die Firma Troublemaker Digital engagiert. Während dieser Phase wurde nicht nur Skizzen angefertigt und einzelne Szenen geplant, sondern auch digitale Modelle und Masken angefertigt.

Überhaupt scheint der komplette Film ein Spiel mit innovativer Technik zu sein. Rodriguez zeigt dem Zuschauer wie weit man mit technischen Mitteln im Film gehen kann. Die damit erzeugte Künstlichkeit wird demonstrativ zur Schau gestellt.

Es wird mit dem Blick des Zuschauers gespielt. Erscheint ein farbiges Element im Bild, so verlagert sich das komplette Gewicht des Gesehenen auf diesen Fleck. Der Effekt wird bei Blut besonders deutlich.

diegetic limbo

Ausgangspunkt meiner Betrachtung ist John Beltons Painting by the number. In diesem Artikel geht es um das digitale Zwischenprodukt, the Digital Intermediate (DI). Über die Farbe im Film Sin City schreibt Belton: „They are hallucinatory fragments of color that exist in a diegetic limbo - neither quite inside the story space nor outside of it.“[5] Bei Überlegungen über diese Aussage stellt sich die Frage nach der Bedeutung von „diegetic limbo“. Sicherlich kann man das englische Wort limbo mit Vergessenheit übersetzen. Doch bei meinen Überlegungen habe ich mich mehr mit dem Begriff limbo beschäftigt und mich nicht bloß mit einer direkten Übersetzung zufrieden gegeben. Relevant für meine Arbeit ist daher der Fakt, dass es bis vor Kurzem in der katholischen Glaubenslehre die Vorstellung über eine Existenz der Vorhölle, des sogenannten Limbus (engl. limbo), gab. Die Vorhölle bezeichnet den äußersten Kreis der Hölle, in der all die Menschenseelen ihre Ewigkeit verbringen, welche nicht durch Selbstverschulden aus dem Himmelsreich ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel ungetaufte Kinder oder Menschen die vor der Geburt Christi gelebt haben.[6] Es ist sozusagen der Ort zwischen Himmel und Hölle. Daher auch die englische Redewendung to be in limbo, in der Schwebe sein. „Diegetic limbo“ kann somit für das Erzählen einer subtilen Geschichte stehen. Gelb, Grün oder Blau sind nicht nur Bestandteile der filmischen Ästhetik. Es geht auch nicht um das Spielt mit neuer digitaler Technik. Die farblichen Akzente haben eine narrative Funktion.

Im weiteren Verlauf meiner Arbeit werde ich die Zusammenhänge zwischen Handlung und Farbe aufzeigen.

Für meine Betrachtung habe ich die englische Kinofassung verwendet. Abbildungen und Filmausschnitte befindet sich auf der CD-ROM.

Die Farbe Rot.

Rot steht in unserer westlichen Gesellschaft als Symbol für Liebe, Leidenschaft und Erotik. Aber auch für Zorn und Aggression. Es ist eine sehr auffällige Farbe und deutet auf eine Warnung oder ein Verbot hin. Rot ist die Farbe des Blutes und steht somit für das Leben, aber auch für das Nehmen von Leben. Im Film stellt sie einen starken Kontrast zur düsteren Welt von Sin City dar. Es scheint niemals Tag zu werden in dieser Stadt. Schwarz und Weiß herrschen vor.

In Verbindung mit Marv tritt Farbe gehäuft auf. Es scheint fasst als würde diese an ihm „haften“. Um den Zusammenhang besser zu verstehen ist es sinnvoll mehr über Marv und seine Person zu wissen.

Sein Gesicht ist übersät mit Narben. Ihm ist anzumerken, dass er eine sehr lebhafte Vergangenheit voller Verbrechen erlebt hat. Durch seine Erscheinung ist es ihm nicht mal möglich eine Frau zu kaufen („I wasn't ever able to buy a women.“ 00:35:47). Marv ist sehr muskulös und stellt mehrmals seine Kräfte unter Beweis. Die Statur ist imposant. Seine Stimme tief. Er erscheint sehr groß. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass Marv oft aus der Untersicht und in Slow-Motion gezeigt wird. Seine Geschichte beginnt mit einer Sexszene zwischen ihm und Goldie. Er spricht sehr zärtlich über sie („She smells how angels ought to smell.“ 00:13:29, „The perfect women.“ 00:13:38) und in der Art und Weise wie er sie berührt ist keine Brutalität oder Gewalt zu erkennen, welche man vielleicht bei seinem Anblick vermuten würde. Marv sagt, sie sei eine Göttin. Nachdem er neben dem Leichnam Goldies aufwacht, stellt Marv sich viele Fragen und möchte wissen wer sie war und wer ihren Tod gewollt haben könnte. Es die Nacht seines Lebens war („Who were you besides an angel of mercy giving a two-time loser like me the night of his life?“ 00:14:35). Doch zeitgleich wundert er sich warum sie mit ihm in dieser Nacht zusammen war („I'm sure as hell it wasn't my look.“ 00:14:40). In diesem Augenblick konnte er sein Glück nicht fassen. Marv hat seine ganz eigenen Regeln, nach denen er lebt und Leben nimmt („No reason to play it any way but my way.“ 00:15:06, „This is blood for blood [...]“ 00:15:05). Er nimmt es sich zur Aufgabe diesen Mord aufzuklären, obwohl er Goldie vor dieser Nacht nicht kannte. Dessen ungeachtet bringt sie ihm eine Wärme entgegen, mit welcher er vorher nicht vertraut war („ [...] you were a friend and more when I needed one.“

[...]


[1] GROB, 2008, Seite 9

[2] Abb. 1

[3] Spiegel-Onlinelnterviewvom 13.08.2008

[4] GROB, 2008, Seite 27ff.

[5] BELTON, 2008, Seite 62

[6] Online-Artikel, Katholische Nachrichten, 04. Dezember 2004

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Frank Millers "Sin City" als Comicverfilmung und Film Noir. Farbliche Vorhölle oder "diegetic limbo"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kunst- und Bildgeschichte)
Veranstaltung
Superman und das Malteserkreuz – Einführung in die Filmanalyse für KunsthistorikerInnen am Beispiel von Comicverfilmungen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V301919
ISBN (eBook)
9783956876042
ISBN (Buch)
9783668005587
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Comic, graphic novel, sin city, frank miller, kunstgeschichte, farben
Arbeit zitieren
Lilia Becker (Autor:in), 2014, Frank Millers "Sin City" als Comicverfilmung und Film Noir. Farbliche Vorhölle oder "diegetic limbo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301919

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