Der Reisende, der mit dem Flugzeug auf Island ankommt und sich dann auf eine fast einstündige Fahrt durch eine karge Lavalandschaft Richtung Reykjavík begibt, ist oft etwas enttäuscht von der scheinbaren Eintönigkeit, die ihm hier geboten wird. Doch es dauert nicht lange, bis er ahnt, daß ihm ab jetzt hinter jeder Kurve ein anderes Landschaftsbild und neue, überraschende Formen begegnen werden, die tiefe Eindrücke hinterlassen.
Diese Formenvielfalt macht für viele die Faszination Islands aus. Das „Land aus Feuer und Eis“ wie es in fast jedem Reiseführer genannt wird, besticht in seiner Rauhheit durch die gegensätzlichen Naturkräfte, die hier am Werk sind und die eine Fülle besonderer Phänomene und Formen schaffen. Die Insel ist in ihrem „jugendlichen Alter“ noch mitten in der Entstehung begriffen, was der aufmerksame Betrachter an jeder Ecke selbst miterleben kann. Vor seinen Augen wird durch endogene und exogene Prozesse Landoberfläche geschaffen und überformt. Die Prozesse der Geomorphogenese laufen auf Island mit einer Intensität ab, wie man sie nur in wenigen anderen Gebieten der Erde findet.
In dieser Arbeit werden nach einer allgemeinen Einführung in die naturräumlichen Grundlagen Islands die rezenten Prozesse der Morphodynamik und die dadurch geschaffenen Formen erläutert. Hierbei wird zunächst der Vulkanismus betrachtet, der in weiten Teilen des Landes noch aktiv ist und das Landschaftsbild prägt. Vor allem bei dem für Island typischen Kontakt von Vulkanismus mit Gletschereis oder Grundwasser entstehen vielfältige Formen.
Auch bei den Gletschern existieren auf Island einige besondere Phänomene, die sich in spezieller Weise auf die Oberflächenformung auswirken. In dieser Arbeit wird hauptsächlich auf diese islandtypischen Erscheinungen eingegangen. Dazu gehören vor allem Gletscherläufe, sogenannte „surges“ und die weitreichenden Sanderflächen Südislands, bei denen durch die Sedimentation an der Küste stetig Neuland dazugewonnen wird.
Den Prozessen und Formen, die an den isländischen Küsten ablaufen, ist ein weiteres Kapitel dieser Arbeit gewidmet. Hierbei wird als regionales Beispiel die Halbinsel Snæfellsnes genauer betrachtet, auf der fast alle auf Island existierenden und rezent in Bildung oder Weiterbildung begriffenen Küstenformen auf kleinem Raum anzutreffen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Grundlagen
2.1 Lage und Größe
2.2 Relief
2.3 Oberflächenbedeckung
2.4 Klima
2.5 Geologischer Bau und oberflächennaher Untergrund
3. Vulkanismus
3.1 Die aktive Vulkanzone
3.2 Vulkansysteme
3.3 Ausbruchsarten
3.4 Förderprodukte
3.4.1 Lavaarten
3.4.2 Lockermaterial – Tephra
3.5 Vulkanformen
4. Glaziale Formung
4.1 Die Gletscher Islands
4.2 „Jökulhlaup“ (Gletscherläufe)
4.3 „Surges“
4.4 Sander
5. Marine Formung
5.1 Beispielgebiet Snæfellsnes
5.2 Die Nordküste
5.3 Die Westküste
5.4 Die Südküste
5.5 Hebungs- und Senkungsküsten
6. Periglaziale Formung
6.1 Allgemeine Bedingungen der periglazialen Formung
6.1.1 Klimatische Bedingungen
6.1.2 Pedologisch-lithologische Bedingungen
6.2 Grundlegende physikalische Prozesse der Frostdynamik
6.3 Periglaziale Mikroformung
6.3.1 Formen der Frostverwitterung
6.3.2 Formen der Bodenmusterung
6.3.2.1 Frosthub und Frostschub
6.3.2.2 Bodenmusterung mit Materialsortierung
6.3.2.3 Bodenmusterung ohne Materialsortierung
6.3.2.4 Massenbewegungen
6.3.2.5 Äolische Formung
6.4 Periglaziale Makroformung
6.4.1 Nivation und Kryoplanation
6.4.2 Talformung
6.4.3 Hangformung
6.4.4 Flächenformung
7. Schlußbetrachtung
8. Bibliographie
9. Anhang
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rezenten morphodynamischen Prozesse auf Island sowie die daraus resultierenden Oberflächenformen. Ziel ist es, die vielfältigen geomorphologischen Kräfte – von vulkanischer Aktivität über glaziale und marine Prozesse bis hin zu periglazialen Formungsmechanismen – zu analysieren und deren Auswirkungen auf das Landschaftsbild aufzuzeigen.
- Vulkanismus und seine vielfältigen Erscheinungsformen auf Island.
- Glaziale Prozesse, insbesondere Gletscherläufe (Jökulhlaup) und Sander.
- Marine Formungsprozesse am Beispiel der Halbinsel Snæfellsnes.
- Periglaziale Formdynamik und die Rolle von Frost- und Tauprozessen.
- Wechselwirkung zwischen endogenen und exogenen Faktoren der Geomorphogenese.
Auszug aus dem Buch
3.3 Ausbruchsarten
Bei Lavaausbrüchen wird lediglich dünnflüssige Lava gefördert, die ruhig ausfließt. Solche Ausbrüche können sehr lange andauern und große Materialmengen fördern. So entstehen z.B. Schildvulkane oder bei kleineren Ausbrüchen Lavaringwälle, die einzeln oder als Kraterreihen auftreten.
Gemischte Ausbrüche sind die häufigste Ausbruchsart in Island. Die geförderte Lava ist kühler, zähflüssiger und gasreicher als bei reinen Lavaausbrüchen und es kommt sowohl zu Lavaausfluß, als auch zu Tephrabildung.
Explosivausbrüche auf eisfreiem Festland haben mehrere Möglichkeiten der Genese. Zum einen kommen sie bei sauren Laven vor, die sehr zähflüssig und gasreich sind, was ein heftiges Entgasen nach sich zieht. Des weiteren kommt es zu Explosivausbrüchen, wenn Lava auf Grundwasser trifft, schnell abkühlt und dadurch zu plötzlichem starken Entgasen veranlaßt wird.
Der Kontakt mit Wasser verursacht auch die Explosivität der submarinen und subglazialen Ausbrüche, wenn der Wasserdruck nicht zu hoch ist. Tephra wird ausgeworfen, die sich später wieder zu Hyaloklastit verfestigt. Diese Art der Ausbrüche findet sich z.B. bei den subglazialen Vulkanen wie den Grímsvötn und der Katla.
Die Art des Ausbruchs bestimmt auch die Förderprodukte des Vulkans.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die faszinierende Geomorphologie Islands ein und stellt die zentralen Prozessgefüge sowie die Forschungsfrage der Arbeit vor.
2. Allgemeine Grundlagen: Dieses Kapitel behandelt die naturräumliche Ausstattung Islands, einschließlich Lage, Relief, Klima und geologischem Untergrund.
3. Vulkanismus: Hier werden die verschiedenen Vulkantypen, Ausbruchsarten und Förderprodukte des aktiven isländischen Vulkanismus analysiert.
4. Glaziale Formung: Das Kapitel befasst sich mit den Gletschern Islands sowie speziellen Phänomenen wie Gletscherläufen (Jökulhlaup), Surges und der Bildung von Sanderflächen.
5. Marine Formung: Die marine Geomorphologie wird anhand des Beispielgebiets Snæfellsnes illustriert, wobei Küstenformen und die Auswirkungen von Hebungs- und Senkungsprozessen erläutert werden.
6. Periglaziale Formung: Den Hauptteil der Arbeit bildet die detaillierte Analyse der periglazialen Prozesse und Formen, die nahezu die gesamte eisfreie Insel überprägen.
7. Schlußbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der dargestellten morphodynamischen Prozesse und betont die Vielfalt der auf Island wirkenden Naturkräfte.
8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
9. Anhang: Enthält eine chronologische Dokumentation eruptiver Ereignisse unter dem Vatnajökull.
Schlüsselwörter
Island, Geomorphologie, Vulkanismus, Glaziale Formung, Periglaziale Prozesse, Küstenformung, Bodenmusterung, Jökulhlaup, Thúfur, Permafrost, Deflation, Erosion, Basalt, Tephra, Morphodynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die rezenten morphodynamischen Prozesse auf Island, die durch die gegensätzliche Wirkung endogener und exogener Kräfte das heutige Landschaftsbild formen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Vulkanismus, glazialen Erscheinungen wie Gletscherläufen, der Küstenmorphologie und insbesondere der periglazialen Formungsdynamik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Prozesse der isländischen Geomorphogenese zu erläutern und aufzuzeigen, wie diese auf unterschiedlichen räumlichen Skalen (Mikro- bis Makroformen) wirken.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung geomorphologischer Fachliteratur und geographischer Fallstudien zur isländischen Naturraumausstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Vulkanformen, glazialen und marinen Formungsprozessen sowie einer tiefgehenden Betrachtung der periglazialen Formungsbedingungen und -erscheinungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem periglaziale Formung, Frostmusterböden (Thúfur), Jökulhlaup, glaziale Sedimentation und die äolische Deflation als Umweltproblem.
Was macht den Vulkanausbruch unter dem Vatnajökull so besonders?
Der Ausbruch im Jahr 1996 unter dem Vatnajökull ist ein Beispiel für einen subglazialen Vulkanismus, der durch das Schmelzen des Gletschereises zu massiven Gletscherläufen und der Bildung spezifischer Reliefstrukturen führt.
Warum spielt die periglaziale Formung auf Island eine so große Rolle?
Obwohl vulkanische und glaziale Ereignisse spektakulärer sind, wirkt die periglaziale Dynamik nahezu flächendeckend und formt das gesamte eisfreie Gelände durch Frostwechselprozesse dauerhaft um.
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- Karen Bastian (Author), 2003, Rezente morphodynamische Prozesse und daraus resultierende Oberflächenformen auf Island, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30192