Folgendes wird in diesem Aufsatz beantwortet: Warum wird laut Hegel die Einbildungskraft zur ‚Zeichen machenden Phantasie‘ (Enz. § 457)? In diesem Zusammenhang wird auch Hegels Unterscheidung zwischen Symbol und Zeichen erklärt.
Inhaltsverzeichnis
Phantasie
Einbildungskraft
„Zeichen machende Phantasie“ als dritte Stufe der Einbildungskraft
Warum wird die Einbildungskraft zur „Zeichen machenden Phantasie“?
Zeichen und Symbol
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Einbildungskraft zur „Zeichen machenden Phantasie“ nach Hegel, wobei insbesondere die funktionale Entwicklung vom Sinnlich-Bildlichen zum Gedächtnis sowie die philosophische Differenzierung zwischen Symbol und Zeichen im Zentrum der Analyse stehen.
- Phänomenologie der Phantasie und Einbildungskraft bei Hegel
- Stufenmodell der Einbildungskraft bis zur „Zeichen machenden Phantasie“
- Die Rolle der Assoziation und der aktiven Intelligenz
- Hegels Unterscheidung zwischen Symbol und Zeichen
- Die Problematik der Gleichgültigkeit von Bedeutung und Bezeichnung
Auszug aus dem Buch
Zeichen und Symbol
Versteht man das Symbol als Zeichen, dann ist der Zusammenhang zwischen Bedeutung und Ausdruck eine willkürliche Verknüpfung, also keine vom Subjekt bewusst gewählte Verknüpfung, sondern von rein zufälliger Natur. Hierbei stellt sich das Sinnlich-Bildliche nicht selbst bewusst vor. In anderen Worten: das Zeichen ist eine Anschauung. Diese Anschauung ist ein Bild, eine selbständige Vorstellung, die der Intelligenz entspringt, die Bedeutung des Bildes. Bei Zeichen wird der Zusammenhang erst durch die Arbeit der Intelligenz hergestellt. Beim Zeichen hängen also Inhalt der Anschauung und Inhalt des Bildes nicht zusammen. Man könnte sagen, dass dieses so verstandene Zeichen sich vor die Vorstellung stellt.
So ist beispielsweise in unseren Sprachen und deren Tönen kein bewusster Zusammenhang der Inhalte zu erkennen. Hier gibt Hegel aber auch zu, dass bei genauer geschichtlicher Analyse möglicherweise ein Zusammenhang von anderer Natur erkennen und erklären ließe. Auf der anderen Seite jedoch, zeigt sich in anderen Sprachen, dass gleiche Vorstellungen in anderen Tönen ausgedrückt werden, was die zufällige Beschaffenheit der Sprache als Zeichen bestätigen würde und dass die Symbole als Zeichen verstanden, vor der Vorstellung kommen. Hegel bringt ein weiteres Beispiel zur Klärung der Symbole als Zeichen, nämlich die Farben und Ihre Verwendung bei Flaggen: bei einer Flagge trägt die einzelne Farbe keine Qualität in sich, der eine Bedeutung gemeinsam wäre. Es gibt also keinen Zusammenhang zwischen Eigenschaft und Bedeutung bzw. Bezeichnung. Als Beispiel steht „blau“ nicht für „griechisch“, auch wenn diese Farbe in der griechischen Flagge vorkommt. Hegel spricht hier von der „Gleichgültigkeit von Bedeutung und Bezeichnung“.
Zusammenfassung der Kapitel
Phantasie: Hegel definiert die Phantasie als eine aktive, schöpferische Einbildungskraft, die als Sinn für die Wirklichkeit sowohl innere als auch äußere Eindrücke verarbeitet.
Einbildungskraft: Dieses Kapitel erläutert die stufenweise Entwicklung von der reproduktiven Einbildungskraft hin zur assoziierenden Intelligenz, die Bilder vernetzt und allgemeine Vorstellungen bildet.
„Zeichen machende Phantasie“ als dritte Stufe der Einbildungskraft: Die dritte Stufe markiert den Übergang, in dem allgemeine Vorstellungen mit Bildlichem gleichgesetzt werden, wodurch die Intelligenz durch das Erschaffen von Symbolen und Zeichen ihre Vollendung findet.
Warum wird die Einbildungskraft zur „Zeichen machenden Phantasie“?: Der Prozess wird als Veräußerung der Vernunft beschrieben, bei dem Anschauungen objektiviert werden, um den Übergang ins Gedächtnis zu ermöglichen.
Zeichen und Symbol: Die Analyse unterscheidet zwischen dem willkürlichen Zeichen (Gleichgültigkeit von Bedeutung und Bezeichnung) und dem Symbol (in dem Bedeutung und Ausdruck in sich geeint sind).
Schlüsselwörter
Hegel, Einbildungskraft, Phantasie, Zeichen, Symbol, Intelligenz, Assoziation, Anschauung, Gedächtnis, Veräußerung, Vernunft, Vorstellungen, Subjektivität, Bedeutung, Bezeichnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Einbildungskraft bei Hegel, insbesondere mit ihrer Transformation zur „Zeichen machenden Phantasie“ und der systematischen Differenzierung zwischen Zeichen und Symbol.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die erkenntnistheoretische Funktion der Phantasie, der Prozess der Assoziation innerhalb der Intelligenz und die philosophische Klärung von Repräsentationsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, warum Hegel die Einbildungskraft auf ihrer dritten Stufe als „Zeichen machende Phantasie“ bezeichnet und wie in diesem Kontext Symbole und Zeichen zu unterscheiden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse basierend auf Hegels Schriften, insbesondere der Enzyklopädie und den Vorlesungen über die Ästhetik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Stufen der Einbildungskraft, den Prozess der Seinswerdung durch Veräußerung der Vernunft und eine detaillierte Gegenüberstellung von Zeichen und Symbol.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Hegel, Einbildungskraft, Phantasie, Zeichen, Symbol und Intelligenz charakterisieren.
Was meint Hegel mit der „Gleichgültigkeit von Bedeutung und Bezeichnung“?
Dies bezieht sich auf das Zeichen, bei dem zwischen dem Ausdruck (z.B. einem Wort oder einer Farbe) und dem Inhalt (der Bedeutung) kein notwendiger, sondern ein zufälliger Zusammenhang besteht.
Warum sind laut Text Symbole den Zeichen unterlegen?
Die Arbeit deutet an, dass Symbole zwar subjektiver und gehaltvoller sind, aber durch ihre Vieldeutigkeit und die notwendige subjektive Interpretation eine andere Form der intellektuellen Auseinandersetzung erfordern als die abstrakteren, zusammenhangslosen Zeichen.
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- M.A. Tom Helman (Author), 2015, Hegel: Einbildungskraft, Symbol, Zeichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301957