Die Entwicklungsgeschichte der Arbeits- und Sozialstrukturen im Betrieb und der gesellschaftlichen Interessenvertretung


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Geschichte der vorindustriellen Gesellschaft
2.1 Arbeit in der alten Welt und der Antike
2.2 Die Entstehung bezahlter Arbeit
2.3 Die mittelalterliche Arbeitswelt
2.4 Das Arbeitsleben im 17. und 18. Jahrhundert

3 Die Arbeitswelt nach der industriellen Revolution
3.1 Das Arbeitsleben zu Beginn der Industrialisierung
3.2 Die Arbeit in den Fabriken

4 Kontroverse Meinungen über das „neue“ Arbeitsleben
4.1 Adam Smith
4.2 Frederick Winslow Taylor

5 Der Höhepunkt der betrieblichen Arbeitsteilung
5.1 Die Entstehung des Fordismus
5.2 Vom Austauschbau zur Massenproduktion
5.3 Die Chancen und Grenzen der Massenproduktion

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Bei meiner Hausarbeit über die Entwicklungsgeschichte der betrieblichen Arbeitsteilung möchte ich zunächst auf die Veränderung der Arbeitswelt vor der Entstehung der industriellen Gesellschaft eingehen. Bereits dort finden sich nämlich die Wurzeln des Systems der betrieblichen Arbeitsteilung. Geklärt werden soll unter anderem welche geschichtlichen Entwicklungen dieser Organisationsform zu Grunde liegen und welche Merkmale der frühen Gesellschaften sich auch später, in der Zeit der der betrieblichen Arbeitsteilung, noch wieder finden.

Im nächsten Teil der Hausarbeit werde ich dann auf das Arbeitsleben der industriellen Gesellschaft eingehen. Insbesondere wird dabei thematisiert, weshalb die Arbeiter sich den Entwicklungen der Arbeitswelt anpassen mussten und mit welchen Mitteln die Einhaltung der neuen Regeln durchgesetzt wurde. Dass die neue Form der Arbeitsorganisation von den Zeitgenossen auch widersprüchliche Meinungen hervorrief, soll anschließend anhand der Überlegungen von Adam Smith und Frederick Winslow Taylor deutlich gemacht werden .

Der letzte Teil dieser Hausarbeit ist dann der Zeit gewidmet, in der die betriebliche Arbeitsteilung die stärkste Ausprägung erreicht hat. Dabei soll insbesondere die Entwicklung vom Austauschbau bis hin zur Massenproduktion am Beispiel der Ford Motor Company betrachtet werden. Ferner soll anhand der dargestellten Zusammenhänge erläutert werden, welche Vor- beziehungsweise Nachteile diese Form der Arbeitsorganisation mit sich brachte.

Abschließend erfolgt dann ein kurzes Resümee, in dem die wichtigsten Erkenntnisse und Verknüpfungen herausgearbeitet werden.

2 Die Geschichte der vorindustriellen Gesellschaft

Über die menschliche Geschichte hinweg lässt sich eine enge Verknüpfung von Produktionsweise und sozialer Organisation erkennen, die sich unter anderem auch in den Formen der Arbeit widerspiegelt. Die auf Verwandtschaftsbeziehungen aufbauenden Kulturen, von der alten Welt bis hin zur Renaissance, kamen beispielsweise mit einem geringeren Arbeitsaufwand und wenig Arbeitsteilung aus.1

2.1 Arbeit in der alten Welt und der Antike

Bereits vor der Entwicklung einer nennenswerten Arbeiterschicht in Europa, waren in den außereuropäischen Kulturen, vorrangig in Ägypten und China, viele Arbeiter mit sehr großen Bauvorhaben beschäftigt. Schon damals war daher in der alten Welt, beispielsweise für die Errichtung der Pyramiden, eine straffe Organisation erforderlich, die auch später bei der betrieblichen Arbeitsteilung eine wesentliche Rolle spielen sollte. Die Besonderheit der frühen Hochkulturen ist aber, dass jeder zur Arbeit an Bauvorhaben, Feldbestellung oder Steinbrucharbeiten verpflichtet war. Darüber hinaus gab es, neben den einfachen Arbeiten, auch bereits spezialisierter Handwerker und Facharbeiter, die meist in den staatlichen Werkstätten beschäftigt waren. Dass diese jedoch im Rahmen der Entwicklung der betrieblichen Arbeitsteilung immer mehr an Bedeutung verlieren würden, war damals sicherlich noch nicht absehbar. Ein weiteres Kennzeichen der Organisation der damaligen Arbeitergesellschaft war die starke soziale Differenzierung und Hierarchisierung, die sich ebenfalls im System der betrieblichen Arbeitsteilung wieder finden lässt. Dennoch existierte keine Arbeiterschaft im heutigen Sinne, denn die Arbeit selber war unfrei.2

Die Arbeitsorganisation der europäischen Antike wiederum war durch eine geringe staatlich-bürokratische Organisation der Arbeit gekennzeichnet. In Griechenland beispielsweise existierte stattdessen eine starke Trennung von städtischer und ländlicher Kultur, wobei letztere vorrangig mit manueller Arbeit und einer geringen Wertschätzung verbunden war. So wurde in der griechischen Klassik der Arbeit, im Sinne von mühevoller körperlicher Arbeit, die niedrigste gesellschaftliche Stufe zugewiesen, während der planenden Arbeit eine große Bedeutung zugestanden wurde.3 Schon damals fand also eine Trennung von planender und ausführender Arbeit statt, was auch später noch ein charakteristisches Organisationsmerkmal der betrieblichen Arbeitsteilung bleiben sollte. Doch welchen Stellenwert hat die Arbeit selber im Laufe der geschichtlichen Entwicklung eingenommen?

2.2 Die Entstehung bezahlter Arbeit

In der Zeit der Antike diente die Arbeit vornehmlich der Selbstversorgung. Die Marktregeln der vorhandenen lokale Märkte und Wirtschaften, wie zum Beispiel das Prinzip der Wechselseitigkeit und das Prinzip der Umverteilung, dienten dabei vornehmlich der Sicherstellung der Versorgung, wobei der Austausch von Gleichwertigem im Mittelpunkt stand.4 Neben dem Tauschhandel war damals jedoch gerade die Selbstversorgung von entscheidender Bedeutung, da so die Unabhängigkeit von Anderen gewährleistet werden sollte. Immerhin gab es zu dieser Zeit nur lokale Märkte und somit konnten auch gar nicht alle Güter des täglichen Bedarfs einfach vor Ort beschafft werden. Allerdings verkaufte man bereits damals eventuell vorhandene Überschüsse der eigenen Produktion auf den lokalen Märkten. Das Ziel dabei war aber nicht nur die Erwirtschaftung eines Profits, sondern vor allem die volle Ausschöpfung der natürlichen Ressourcen.5 Insbesondere die Produktion und der Verkauf, der über den eigenen Bedarf hinaus produzierten Güter, ist wiederum ein Ziel des späteren Systems der betrieblichen Arbeitsteilung.

Das System der Selbstversorgung erwies sich sowieso bereits in dieser Zeit als problematisch. Gerade im antiken Griechenland war die Versorgung nur über die lokalen Märkte nicht möglich, da die Getreideernten des kargen Bodens für die Bevölkerung unzureichend waren. Auf Grund des notwendigen Getreideimports entstand daher dort der erste Seehandel, der Ursprung der Weltwirtschaft.6 Die lokalen Märkte wurden also erweitert, so dass nun viele Produkte am Markt erwerblich waren und eine Selbstversorgung nicht mehr zwingend nötig war.

Für die damalige Gesellschaft äußerste sich die Tatsache, dass nun nicht mehr jedes Gut des täglichen Lebens eigenständig produziert werden musste, zunächst aber vor allem darin, dass dem Markt plötzlich mehr Arbeitskraft zur Verfügung stand.7 Allerdings gerieten durch diese Entwicklung gleichzeitig auch das örtliche Handwerk und die traditionelle Landwirtschaft immer mehr in Abhängigkeit. Die Bauern verloren wegen der Schuldknechtschaft ihr Land8 und konnten sich somit gar nicht mehr selbst ernähren. Was sollte also nun mit der frei gewordenen Arbeitskraft geschehen? Die Lösung des Problems bestand in bezahlter Arbeit, die im Römischen Reich ihre Wurzeln hat. Hier ist erstmals von freier Arbeit und Arbeitsverträgen die Rede, bei denen der Arbeiter seine Arbeitskraft gegen Lohn zur Verfügung stellt.9 So wurde also bereits damals, mit der Entstehung der bezahlten Arbeit, eine wichtige Vorraussetzung für die Beschäftigung in Fabriken und somit auch für die betriebliche Arbeitsteilung geschafft.

2.3 Die mittelalterliche Arbeitswelt

Auch die Arbeit im europäischen Mittelalter, fast ausschließlich Landarbeit, war von zunehmender Leibeigenschaft und Privatisierung gekennzeichnet. Die Grundherrschaften ihrerseits wiesen bereits ein bestimmtes System der Arbeitsteilung und Spezialisierung auf und immer mehr Tagelöhner fanden nun bezahlte Arbeit. Dazu kam noch, dass sich im 12. und 13. Jahrhundert zunehmend Städte entwickelten, in denen sich die vielen ungelernten Arbeiter niederließen, die für die großen Bauvorhaben vor Ort gebraucht wurden. So entwickelte schließlich auch das städtische Handwerk mit den Zünften, das dem ländlichen Handwerk gegenüber stand.10

Darüber hinaus siedelte sich in den Städten auch der Teil der Bevölkerung an, der auf dem Land seine Versorgungsgrundlage verloren hatte und nun nach Alternativen suchen musste. Diese ergaben unter anderem aus der beachtlichen gewerblichen Entwicklung zwischen 1200 und 1500, der so genannte "ersten industriellen Revolution". Mit der Erfindung des Spinnrades, der Wasser- und Windmotoren, des Buchdruckes und vieler anderer Neuerungen, kam es daher insbesondere im Spätmittelalter nochmals zu einem bedeutenden Anstieg der Lohnarbeit, mitunter auch mit bereits modernen Arbeitsorganisationen. So gründete beispielsweise Jacques Coeur schon 1450 ein Montanunternehmen mit klar geregelten Arbeitszeiten, straffer Arbeitsdisziplin sowie einer Arbeitshierarchie nach Qualifikationen einschließlich eines entsprechenden Lohngefälles.11

2.4 Das Arbeitsleben im 17. und 18. Jahrhundert

Im 17. und 18. Jahrhundert war die traditionelle Form der Produktion immer noch das Hauswerk, also das Preiswerk, bei dem die Produktion für den Markt erfolgte, oder das Lohnwerk, die Produktion für den Kunden im Rahmen einer geschlossenen Hauswirtschaft. Insbesondere im 16. Jahrhundert erfuhr dann die Lohnarbeit durch das Vordringen der Geldwirtschaft nochmals eine weitere quantitative Ausweitung.12 Das war für das allmählich entstehende System der Arbeitsteilung ebenso wichtig, wie die Entwicklung von Betrieben. Diese wurde wiederum durch die damalige Wirtschaftspolitik, die verstärkt die Exportindustrie vorantrieb, unterstützt.13

Die wichtigsten Veränderungen bezüglich der politischen Struktur, aber vor allem auch der Produktions- und Verteilungsweise der Güter, erfolgten jedoch im 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung. Man war technisch-wissenschaftlichen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen und der Berufsarbeit, dem wirtschaftlichen Erfolg der Arbeit und dem Individuum in der Gesellschaft kam nun eine größere Bedeutung zu. Arbeit wurde jetzt als freie Leistung verstanden und der Arbeiter war nun ein Anbieter von Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt. Die Ära, in der Familie und Haus die Grundlage der Wirtschaft waren, gehörte nun endgültig der Vergangenheit an.14

3 Die Arbeitswelt nach der industriellen Revolution

Durch die tief greifenden wirtschaftlichen Entwicklungen und die politischen und sozialen Umstrukturierungen im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts, die so genannte „industrielle Revolution", entstand schließlich die Industriegesellschaft. Welche konkreten Änderungen brachten die Neuerungen nun aber für die Beteiligten mit sich?

3.1 Das Arbeitsleben zu Beginn der Industrialisierung

Auf Grund der zunehmenden Entstehung von Betrieben und der dortigen Lohnarbeit, musste der Arbeiter nun seine häusliche Werkstatt verlassen um arbeiten zu gehen. So kam es schließlich nicht nur zur Trennung von Wohn- und Arbeitsraum, sondern vor allem auch zur strikten Trennung von Arbeits- und Freizeit. Doch erst der Einsatz von modernen Techniken, insbesondere der Dampfmaschine, ermöglichte eine industrielle Produktion, bei der der Arbeitsrhythmus alleine vom Takt der Maschinen bestimmt wurde.15 Eine betriebliche Arbeitsteilung, mit konkreten Zeitvorgaben für einzelne Verrichtungen, war nun möglich.

Die Bevölkerung wiederum hatte gar keine andere Wahl als in den neu entstandenen Industrien mit ihren strikten Vorgaben zu arbeiten. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Privatisierung von Grund und Boden weiterhin zunahm und genau daraus eine immer stärkere Verarmung und Verschuldung der Menschen resultierte.16 Um ihr eigenes Überleben zu sichern, waren sie daher zur Arbeit in den Betrieben und Fabriken gezwungen. Doch wie genau sah die dortige Arbeit eigentlich aus und wie wurden die Arbeiter zur Einhaltung der neuen Arbeitsregeln angehalten?

3.2 Die Arbeit in den Fabriken

Um eine gleichmäßige Auslastung von Mensch und Maschine zur gewährleisten, wurde in den Betrieben die Einhaltung der Arbeitszeit durch die Einführung von Uhren kontrolliert. Die Fabriken waren zu dieser Zeit bereits von einer starken hierarchischen Struktur gekennzeichnet, die auf einer strikten Trennung von ausführender und planender Arbeit basierte. Den Fabrikarbeitern wurden vom Management genaue Vorgaben über die zu erbringende Arbeitsleistung mit konkreten Zeitangaben gemacht, um eine hohe Arbeitsproduktivität sicher zu stellen. Niedrigere Löhne waren nur ein Mittel der Firmenleitung die exakte Einhaltung der Festlegungen sicherzustellen und so die die Arbeiter zur Zeit- und Arbeitsdisziplin zu erziehen. Es kam sogar so weit, dass der Autokrat Crowley schon im Jahre 1700 ein ganzes bürgerliches Gesetzbuch sowie eine Strafgesetzordnung anfertigte, um den Müßiggang seiner Arbeiter zu unterbinden.17

[...]


1 Vgl. Mikl-Horke, G., Industrie- und Arbeitssoziologie, 5. Auflage, München 2000, S. 10

2 Ebenda, S. 10 f.

3 Ebenda, S. 10 f.

4 Vgl. Polany, K., The Great Transformation. Politische und ökonomische Ursachen von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen, Frankfurt am Main 1995, S. 102

5 Vgl. Schlude, U., Von den Geschäften der Fürstin, in: Forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2/2005, S. 23

6 Mikl-Horke, G., a.a.O., S. 12 f.

7 Polany, K., a.a.O., S. 109 f.

8 Mikl-Horke, G., a.a.O., S. 12.

9 Ebenda, S. 14 f.

10 Ebenda, S. 16 ff.

11 Ebenda, S. 17 f.

12 Ebenda, S. 24 ff.

13 Ebenda, S. 25 f.

14 Ebenda, S. 28 f.

15 Ebenda, S. 30 ff.

16 Polany, K., a.a.O., S. 104 f.

17 Vgl. Thompson, Edward P., Plebeische Kultur und moralische Ökonomie. Aufsätze zur englischen Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts, Frankfurt/Main 1980, S. 44 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklungsgeschichte der Arbeits- und Sozialstrukturen im Betrieb und der gesellschaftlichen Interessenvertretung
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin  (Wirtschaftswissenschafgten)
Veranstaltung
Arbeits- und Sozialstrukturen im Betrieb und gesellschaftliche Interessenvertretung
Note
1,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V301968
ISBN (eBook)
9783956874949
ISBN (Buch)
9783668005372
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Massenproduktion, Austauschbau, Vorindustrielle Gesellschaft, Arbeit, Arbeit in der alten Welt, Antike, Bezahlte Arbeit, Mittelalterliche Arbeitswelt, Arbeitsleben, Industrialisierung, Arbeit in Fabriken, Adam Smith, Fabrikarbeit, Frederick Winslow Taylor, Fordismus
Arbeit zitieren
Dana Ziegel (Autor), 2006, Die Entwicklungsgeschichte der Arbeits- und Sozialstrukturen im Betrieb und der gesellschaftlichen Interessenvertretung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301968

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