Geschichte der Erzieherinnenausbildung. Initiativen zur Fachkräftegewinnung im frühpädagogischen Bereich


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltliche Zusammenfassung der Seminarsitzung vom 29.05.2013

2. Gegenwärtiger Fachkräftemangel im frühpädagogischen Bereich

3. Initiativen zur Fachkräftegewinnung
3.1 Maßnahme im Ausbildungsbereich: Das Modellprojekt PIA
3.2 Maßnahme im Arbeitsfeld: „Profis für die Praxis“
3.3 Marketingstrategie: Das Bundesprogramm „MEHR Männer in Kitas“

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Inhaltliche Zusammenfassung der Seminarsitzung vom 29.05.2013

Die Seminarsitzung vom 29.05.2013 handelte von der „Geschichte der Erzieherinnenausbildung“ und diente einer Einführung in die historische und aktuelle Entwicklung der (schulischen) Ausbildung von Erzieherinnen[1] in Deutschland. Der Ursprung des Erzieherberufs liegt im 17. Jahrhundert, als (v.a. gebildete) Frauen zum ersten Mal erwerbsmäßig Eltern mit der Betreuung ihrer Kinder unterstützen durften. Als Begründer der ersten Institutionen zur Betreuung von Kindern gilt Johann Friedrich Oberlin (18. Jahrhundert). Diese institutionelle Kinderbetreuung wurde jedoch zunächst eher von (schulisch) unausgebildetem Personal ausgeübt, bis Anfang des 19. Jahrhunderts aufgrund von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Wandel ein Verlangen nach pädagogisch qualifiziertem Personal aufkam. Im 19. Jahrhundert legten Theodor Fliedner und Friedrich Fröbel wesentliche Grundsteine für die konzeptionellen und institutionellen Anfänge der erzieherischen Ausbildung, bis im Jahre 1908 eine erste staatliche Regelung der Kindergärtnerinnenausbildung formuliert wurde. Während der Zeit der Weimarer Republik hatten vor allem reformpädagogische Bewegungen Einfluss auf die Arbeit im Kindergarten. Diese wurden jedoch während der nationalsozialistischen Herrschaft verboten. Vielmehr stand zu dieser Zeit eine politisch-ideologische und geschlechtergetrennte Erziehung im Vordergrund. Nach dem Zweiten Weltkrieg griff man wieder auf die Pädagogik der Weimarer Republik zurück, nach deren Richtlinien bis in die 60er Jahre gearbeitet wurde. Der Beruf des Erziehers entstand endgültig mit der Kultusministerkonferenz im Jahre 1967: An Fachschulen für Sozialpädagogik[2] ist nun erstmals eine Ausbildung zum „Staatlich anerkannten Erzieher“ möglich. Anfang der 70er Jahre kamen bildungspolitische Diskussionen auf, woraufhin sowohl Kindergartenplätze als auch Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik immer mehr ausgebaut wurden. Nach der Kultusministerkonferenz im Jahre 1982 versuchte man, Rahmenvereinbarungen zu schaffen, um die unterschiedlichen Ausbildungssysteme der jeweiligen Bundesländer zu vereinheitlichen. Diese Vereinheitlichung ist jedoch bis heute nicht richtig gelungen. Nach der intensiven historischen Auseinandersetzung wurden im Seminar einige Kritikpunkte an der Erzieherinnenausbildung angesprochen, welche sich v.a. auf die unzureichende Qualifikation der Lehrkräfte an den Fachschulen für Sozialpädagogik und das unbefriedigende Niveau der Ausbildung bezüglich Struktur, Didaktik und Inhalte beziehen. Daraufhin wurde auf die neue Praxisintegrierte Ausbildung (PIA) in Baden-Württemberg eingegangen, um abschließend gemeinsam über die historische und aktuelle Entwicklung der Erzieherausbildung in Deutschland (bzw. Baden-Württemberg) zu diskutieren.

In der Seminarsitzung wurde insbesondere auf den geschichtlichen Hintergrund der Erzieherinnenausbildung eingegangen. Da der derzeitige Fachkräftemangel im (deutschen) frühpädagogischen Bereich nur kurz angesprochen wurde, soll dieser hier intensiver thematisiert werden. Im Folgenden wird zunächst auf den Fachkräftemangel allgemein eingegangen, um darauf aufbauend einige Initiativen aus verschiedenen Bundesländern Deutschlands vorzustellen, welche versuchen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Abschließend werden die allgemeinen und spezifisch vorgestellten Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung bewertet.

2. Gegenwärtiger Fachkräftemangel im frühpädagogischen Bereich

Derzeit werden „in der außerfamiliären Betreuung von Kindern zwischen null und sechs Jahren [...] qualifizierte Mitarbeiter händeringend gesucht.“[3] Die Gründe dafür sind vielfältig: Beispielsweise haben Kinder unter drei Jahren ab dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kindertageseinrichtung oder im Bereich der Tagespflege.[4] Zudem werden immer mehr Ganztagesplätze für drei- bis sechsjährige Kinder ausgebaut.[5] Ebenso besteht Ersatzbedarf für vorzeitig oder rentenbedingt ausscheidende Fachkräfte.[6] Dies führte dazu, dass bundesweit über die erforderlichen Personalkapazitäten debattiert und über das gegenwärtige Ausbildungsangebot reflektiert wurde. „Aus allen Bundesländern wird ein steigender Fachkräftebedarf berichtet. Jedoch wird es […] nicht in allen Ländern zu einer Mangelsituation kommen, da der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften unterschiedlich hoch ist.“[7] Um die Kinderbetreuung dementsprechend bedarfsgerecht ausbauen zu können und um die Attraktivität des frühpädagogischen Bildungs- und Betreuungsbereichs zu steigern, sind Maßnahmen zur zusätzlichen Fachkräftegewinnung notwendig.

3. Initiativen zur Fachkräftegewinnung

Es gibt sehr viele verschiedene Strategien, Maßnahmen und Initiativen, um dem derzeitigen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im Bereich der Ausbildung stellen beispielsweise die Erhöhung der Ausbildungskapazitäten an den Fachschulen, die Erweiterung der Studienplätze in frühpädagogischen Studiengängen oder (unter bestimmten Voraussetzungen) eine verkürzte Ausbildungsdauer[8] Möglichkeiten dar, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Oft schrecken auch die Verdienstmöglichkeiten ab, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. „Verschiedene Stellen fordern deshalb eine Überprüfung bzw. Erhöhung der tariflichen Vergütungen“[9]. Zusätzlich können Maßnahmen direkt im Arbeitsfeld genannt werden. Dazu zählen u.a. eine erhöhte Arbeitszeit bei Teilzeitbeschäftigung, die Möglichkeit eines Wiedereinstiegs in den Erzieherberuf oder die Erneuerung der Personalverordnungen, um Quereinsteigern den Eintritt in den frühpädagogischen Bereich zu erleichtern. Für die Einstellung von Quereinsteigern aus verwandten Berufsgruppen besteht z.B. die Möglichkeit einer Nachqualifizierung oder einer Anerkennung der vorhandenen Qualifikationen. Bei Personen aus nicht-verwandten Berufsgruppen kann ebenso eine Nachqualifizierung oder aber eine berufsbegleitende Ausbildung dazu motivieren, in den Erzieherberuf einzusteigen.[10] Neben den Strategien im Bereich der Ausbildung und des Arbeitsfeldes gibt es ferner sowohl länderspezifische als auch bundesweite Marketingstrategien und -initiativen, wie z.B. Werbe- und Image-Kampagnen, zur Fachkräftegewinnung.[11] Im Folgenden wird aus jedem Bereich exemplarisch eine spezifische Maßnahme vorgestellt.

3.1 Maßnahme im Ausbildungsbereich: Das Modellprojekt PIA

In Baden-Württemberg wird seit dem Schuljahr 2012/2013 das Modellprojekt PIA (Praxisintegrierte Ausbildung) erprobt, welche eine Zusatzform der Erzieherausbildung zur bisherigen Vollzeitausbildung darstellt. Das Ziel des Modellprojekts PIA „ist es, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen und gleichzeitig zusätzliche Zielgruppen für die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung zu gewinnen“[12], um somit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die klassische Vollzeitausbildung besteht aus einer zweijährigen Ausbildung an der Fachschule für Sozialpädagogik mit Praktikumsphasen und einem anschließenden Anerkennungsjahr in einer sozialpädagogischen Einrichtung.[13] Bei PIA wird nun das Anerkennungsjahr in die schulische Ausbildung integriert. Entweder gehen die Schülerinnen durchschnittlich drei Tage in der Woche in die Fachschule und zwei Tage in die Kindertageseinrichtung, oder aber die praktischen und theoretischen Ausbildungsanteile werden in Blockform abgehalten. Trotz der Verschmelzung von Theorie und Praxis beträgt die Ausbildungsdauer immer noch drei Jahre.[14] Bisher wurde die Erzieherausbildung nicht vergütet, dies ändert sich nun mit PIA: Im ersten Ausbildungsjahr beträgt die monatliche Vergütung 753,26€ und erhöht sich bis in das dritte Ausbildungsjahr auf 849,02€.[15] Neben der Vergütung wurden auch die Zugangsregelungen modifiziert, um mehr potenzielle Bewerber zu erreichen. Mindestvoraussetzung bleibt immer noch der mittlere Bildungsabschluss. Die Ausbildung zur Erzieherin (in praxisintegrierter Form) können nun jedoch auch Personen anstreben, die beispielsweise zwei Jahre lang als Tagesmutter von mehreren Kindern gearbeitet haben oder die seit mindestens drei Jahren ein Familienhaushalt mit mindestens einem Kind geführt haben und zusätzlich dazu ein sechswöchiges Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung absolviert haben.[16] Auch wenn die Praxisintegrierte Ausbildung nicht gleichartig wie die klassische Vollzeitausbildung aufgebaut ist, ist sie dennoch gleichwertig und „befähigt [nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss] dazu, Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsaufgaben zu übernehmen und in allen sozialpädagogischen Bereichen selbstständig und eigenverantwortlich als Erzieherin oder Erzieher tätig zu sein.“[17]

[...]


[1] Um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen, wird im Folgenden nur je eines der beiden Geschlechter genannt, auch wenn immer beide Geschlechter gemeint sind.

[2] Die Bezeichnungen für die Ausbildungsstätten von Erziehern können von Bundesland zu Bundesland variieren.

[3] Müller-Lissner 2013, S. 11.

[4] Vgl. KiföG 2008.

[5] Vgl. Müller-Lissner 2013, S. 11.

[6] Vgl. Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. 2012 a), S. 12 f.

[7] Dudek / Gebrande 2012, S. 10.

[8] Vgl. ebd., S. 11.

[9] Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. 2012 b), S. 42.

[10] Vgl. Dudek / Gebrande 2012, S. 19 ff.

[11] Vgl. ebd., S. 22 f.

[12] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2012, S. 1.

[13] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg o.J. a).

[14] Vgl. Ott 2012, S. 37.

[15] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2012, S. 4.

[16] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2012, S. 3 f.

[17] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg o.J. b).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Geschichte der Erzieherinnenausbildung. Initiativen zur Fachkräftegewinnung im frühpädagogischen Bereich
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Berufliche Schule als Institution
Note
1,7
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V302004
ISBN (eBook)
9783668007994
ISBN (Buch)
9783668008007
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachkräftemangel, Erzieherinnenausbildung, Fachkräftegewinnung, Frühpädagogik
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Geschichte der Erzieherinnenausbildung. Initiativen zur Fachkräftegewinnung im frühpädagogischen Bereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302004

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