Im Jahr 2005 befanden sich in Deutschland rund 50.000 Kinder in Pflegeverhältnissen. Da nicht alle Pflegeverhältnisse statistisch erfasst sind, schätzen ExpertInnen die Gesamtzahl auf ca. 135.000. Das sind 0,9% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. In den meisten Fällen handelt es sich um signifikante Fälle von Kindesvernachlässigung, die zu einer Fremdunterbringung in einer Pflegefamilie oder in einem Heim führen. In den meisten Fällen haben die Kinder in unterschiedlichen Formen und zu unterschiedlichen Personen der Herkunftsfamilie Kontakte.
Aus rechtlicher Sicht besteht für die leiblichen Eltern des Kindes grundsätzlich sowohl das Recht als auch die Pflicht zu Besuchskontakten mit ihren Kindern. Eine Einschränkung dieser Kontakte ist rechtlich nur dann erlaubt, wenn das Wohl des Kindes in Gefahr ist.
In dieser Hausarbeit sollen Umgangskontakte der Pflegekinder mit ihrer Herkunftsfamilie thematisiert werden. Dabei wird der erste Schwerpunkt auf die gesetzlichen Grundlagen der Besuchskontakte gelegt, da diese den Ausgangspunkt für alle folgenden Aspekte darstellen.
Im folgenden Teil werden Möglichkeiten der Gestaltung von Umgangskontakten in der Praxis kurz erläutert und abschließend wird der Fokus auf mögliche Auswirkungen dieser Umgangskontakte auf die Pflegekinder erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesetzliche Grundlagen
3. Gestaltung der Umgangskontakte
3.1 Der Ort des Umgangskontaktes
3.2 Schutzfaktoren für gelingende Kontakte
4. Mögliche Wirkungen der Umgangskontakte auf die Pflegekinder
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Bedeutung und Gestaltung von Besuchskontakten zwischen Pflegekindern und ihren Herkunftsfamilien. Dabei liegt der Fokus darauf, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu analysieren, praktische Aspekte der Kontaktgestaltung zu beleuchten und die Auswirkungen solcher Begegnungen auf die psychische Entwicklung sowie die Integration der Kinder in ihre Pflegefamilien zu erörtern.
- Gesetzliche Grundlagen und Umgangsrecht gemäß BGB
- Praktische Gestaltung und Rahmenbedingungen von Besuchskontakten
- Bedeutung von Schutzfaktoren für gelingende Kontakte
- Psychologische Wirkungen auf Pflegekinder (Bindung und Trauma)
- Rolle der Pflegeeltern und Sozialarbeit bei der Kontaktgestaltung
Auszug aus dem Buch
Mögliche Wirkungen der Umgangskontakte auf die Pflegekinder
Die meisten Theoretiker bewerten eine Tabuisierung der Herkunftsfamilie durch die Pflegefamilie als schädlich. Dies kann zu einer Belastung auf Seiten des Pflegekindes führen, insbesondere dann, wenn dieses sich mit seiner Herkunft und Geschichte auseinandersetzen will. Des Weiteren kann eine solche Tabuisierung beim Pflegekind dazu führen, dass es seine leiblichen Eltern idealisiert und sich der realen Situation nicht stellt. In der Folge kann ein Einlassen auf die Pflegefamilie erschwert sein. Aus diesen Gründen erachten viele Theoretiker eine Thematisierung der Herkunftsfamilie durch die Pflegeeltern für unerlässlich.
„Deshalb halten fast alle Theoretiker die kontinuierliche vorsichtige Thematisierung der Herkunftsfamilie in der Pflegefamilie für eine Hilfe bei der Integration des Kindes, damit eventuelle traumatische Erfahrungen das Pflegekind innerpsychisch nicht noch weiter bedrohen und es interpersonal nicht zu unkontrollierten Übertragungen dysfunktionaler herkunftsfamilialer Interaktionsstategien auf die Pflegefamilie kommt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Relevanz des Pflegekinderwesens in Deutschland und führt in die Fragestellung zur Bedeutung von Besuchskontakten zwischen Pflegekindern und deren Herkunftsfamilien ein.
2. Gesetzliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Regelungen der §§ 1684, 1685 BGB und die Befugnisse des Familiengerichts bei der Gestaltung des Umgangsrechts.
3. Gestaltung der Umgangskontakte: Hier werden die praktischen Herausforderungen der Kontaktgestaltung, wie die Wahl des Ortes und notwendige Schutzfaktoren für alle Beteiligten, analysiert.
3.1 Der Ort des Umgangskontaktes: Das Kapitel befasst sich mit den Anforderungen an den Ort der Begegnung und den Gefahren durch ungeeignete Umgebungen.
3.2 Schutzfaktoren für gelingende Kontakte: Es werden zentrale Voraussetzungen wie die Vorbereitung der Pflegeeltern und die Begleitung durch Sozialarbeiter thematisiert.
4. Mögliche Wirkungen der Umgangskontakte auf die Pflegekinder: Dieses Kapitel untersucht die psychologischen Auswirkungen, insbesondere im Kontext von Loyalitätskonflikten und der Identitätsbildung der Kinder.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer individuellen Einzelfallbetrachtung bei der Planung von Besuchskontakten.
Schlüsselwörter
Pflegekinder, Umgangskontakte, Herkunftsfamilie, Kindeswohl, BGB, Umgangsrecht, Fremdunterbringung, Pflegeeltern, Sozialarbeit, Trauma, Bindung, Integration, Loyalitätskonflikt, Familiengericht, Besuchskontakt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtliche und praktische Ausgestaltung sowie die Auswirkungen von Besuchskontakten zwischen in Pflegefamilien lebenden Kindern und deren Herkunftsfamilien.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den gesetzlichen Grundlagen nach dem BGB, den praktischen Bedingungen für die Durchführung von Kontakten sowie den psychologischen Folgen für das betroffene Pflegekind.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Umgangskontakte trotz ihrer Komplexität zum Wohl des Kindes gestaltet werden können und welche Faktoren dabei eine erfolgreiche Integration in die Pflegefamilie unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die einschlägige Fachliteratur und gesetzliche Grundlagen heranzieht, um die aktuelle Situation und Theorie zu Besuchskontakten abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen dargelegt, gefolgt von Kriterien für eine gelingende Praxisgestaltung und einer Analyse der möglichen Auswirkungen auf das Selbstkonzept und die Bindungsfähigkeit der Pflegekinder.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kindeswohl, Umgangsrecht, Traumatisierung, Bindungsstörung, Loyalitätskonflikt und die Rolle der Sozialarbeit.
Welche Rolle spielt die Tabuisierung der Herkunftsfamilie laut der Autorin?
Die Tabuisierung wird als schädlich bewertet, da sie die Integration in die Pflegefamilie erschweren kann und den Prozess verhindert, dass das Kind seine Herkunft und Geschichte gesund in das eigene Selbstkonzept integriert.
Was ist für das Gelingen der Kontakte laut Kapitel 3.2 besonders wichtig?
Wichtige Schutzfaktoren sind die fundierte Vorbereitung und Information der Pflegeeltern, der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses durch Sozialarbeiter sowie eine professionelle Begleitung der ersten Besuchskontakte.
- Arbeit zitieren
- Isabel Seibel (Autor:in), 2012, Besuchskontakte zwischen Pflegekindern und Herkunftsfamilie. Gesetzliche Grundlagen, Umsetzung und Wirkung auf die Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302025