"Marina! Marina!! Marina!!! Du bist ja das mieseste Stück.
Das liederlichste, dreckigste lesbische Weibsbild von Moskau. Ein richtiges Mistvieh: klaut wie ein Rabe, säuft wie ein Loch, raucht wie ein Schlot, bedient Männer gegen Bares und verkehrt – kein Wunder! – in Dissidentenkreisen. Dabei bildschön. Knackfrisch, sagenhaft gebaut und mit samtner Pfirsischhaut.!"
Mit diesem Ausspruch tauchte ich voller Verwunderung in die Welt von Marina. Es war ein Hammerschlag auf jeder Seite. Entweder errötete ich aufgrund der Obszönitäten oder ich atmete heftig bei dem Missbrauch durch den Vater oder nickte über ihre politischen Ansichten oder lächelte und weinte über ihre Versuche die Liebe zu finden. So oder so ließ mich das Buch nicht mehr los. Es war und ist sehr dankbar. Denn einerseits fesselt es den Leser und andererseits bietet es ein großes Spektrum an Tabubrüchen, die man genauer betrachten kann.
Inhaltsverzeichnis
EINFÜHRUNG
INHALTSANGABE
VLADIMIR SOROKIN – KURZBIOGRAPHIE
DAS TABU
DIE TABUS
TABU NR. 1. – SEX, SEX, SEX
TABU NR. 2. – DER MISSBRAUCH
TABU NR. 3. – GLEICHGESCHLECHTLICHE LIEBE
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Darstellung von Tabubrüchen im Roman „Marinas dreissigste Liebe“ von Vladimir Sorokin. Das zentrale Ziel ist es, ausgewählte gesellschaftliche Tabus – explizite Sexualität, sexueller Missbrauch und Homosexualität – im literarischen Kontext des Werkes zu analysieren und deren Relevanz sowie Wahrnehmung innerhalb der sowjetischen und russischen Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.
- Analyse von Tabubrüchen in der russischen Gegenwartsliteratur
- Untersuchung der thematischen Schwerpunkte Sexualität und Macht
- Diskussion der literarischen Darstellung von Gewalt und Missbrauch
- Bewertung der gesellschaftspolitischen Dimensionen des Werkes
Auszug aus dem Buch
Tabu Nr. 1. – Sex, Sex, Sex
Der erste Tabubruch ist die explizite Beschreibung von Sexszenen mit Männern und Frauen. Wie man an den folgenden Textauszügen erkennen kann, beschreibt Sorokin nicht nur den Geschlechtsakt sehr genau, sondern auch die Geschlechtsteile.
“Seine Lippen schoben gierig die Haare beiseite und nahmen Marinas Ohrläppchen in sich auf, die mächtige Bildhauerhand für über die Brüste, den Bauch, bedeckte die Scham. Ihre Knie zitterten und öffneten sich, um diese große, Kraft und Wonne ausstrahlende Hand durchzulassen Einen Augenblick später lag Valentin schon auf dem Rücken, und Marina, auf allen vieren, setzte sich langsam auf sein Glied, das hart und dick war wie eine Opferkerze für dreineunzig.”14
“Sie sprang von Valentin herunter, beugte sich vornüber, drückte mit der Hand sein mächtiges Glied und umfing mit den Lippen die bordeauxrote Eichel.”15
Zusammenfassung der Kapitel
EINFÜHRUNG: Die Autorin erläutert ihre Motivation, sich im Rahmen eines Seminars mit Tabubrüchen in der russischen Literatur und speziell mit dem Roman von Vladimir Sorokin auseinanderzusetzen.
INHALTSANGABE: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Lebensumstände der Protagonistin Marina und beschreibt die inhaltliche Zäsur durch ihre zunehmende Integration in das sowjetische System.
VLADIMIR SOROKIN – KURZBIOGRAPHIE: Hier wird der Lebenslauf und das künstlerische Schaffen des Autors dargestellt, wobei besonders seine kritische Haltung gegenüber politischen Eliten und die daraus resultierenden Anfeindungen beleuchtet werden.
DAS TABU: Dieses Kapitel definiert den theoretischen Rahmen des Tabu-Begriffs anhand unterschiedlicher wissenschaftlicher Perspektiven und sozialer Normen.
DIE TABUS: Die Autorin untersucht drei zentrale Tabus des Romans – explizite Sexualität, Missbrauch und Homosexualität – und setzt diese in den Kontext sowohl der Entstehungszeit des Werkes als auch der heutigen Rechtslage in Russland.
FAZIT: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die fortdauernde Aktualität der im Roman behandelten Tabubrüche hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Vladimir Sorokin, Marinas dreissigste Liebe, Tabubruch, sowjetische Literatur, Homosexualität, sexueller Missbrauch, russische Postmoderne, Zensur, gesellschaftliche Normen, politische Kritik, Erotik, Pornographie, Identität, Machtstrukturen, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Tabubrüche im Roman „Marinas dreissigste Liebe“ von Vladimir Sorokin und bewertet deren gesellschaftliche Funktion sowie literarische Umsetzung.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themenfelder sind die explizite Darstellung von Sexualität, die Thematisierung von sexuellem Missbrauch durch den Vater und die Darstellung von Homosexualität in einem repressiven politischen System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sorokin durch das gezielte Überschreiten gesellschaftlicher Tabus ein kritisches Bild der sowjetischen Ära und der heutigen russischen Gesellschaft zeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch den Einbezug von Biografien, Definitionen zum Tabu-Begriff und aktuellen rechtlichen bzw. gesellschaftspolitischen Kontexten ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kurzbiografie des Autors, eine theoretische Einordnung des Tabu-Begriffs und eine detaillierte Analyse dreier spezifischer Tabus, die im Roman auftreten.
Welche Keywords prägen die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Vladimir Sorokin, Tabubruch, Postmoderne, Homosexualität, Zensur und gesellschaftliche Repression.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des sexuellen Missbrauchs im Roman?
Die Autorin ordnet den dargestellten Missbrauch als eines der schwerwiegendsten gesellschaftlichen Tabus ein und nutzt diesen Aspekt, um Kritik an der mangelnden Absicherung von Schutzbedürftigen in Russland zu äußern.
Welche Bedeutung hat das „Homosexuellen-Propaganda-Gesetz“ für die Analyse?
Dieses Gesetz dient als aktueller Referenzpunkt, um zu verdeutlichen, dass das Thema Homosexualität in Russland auch heute noch politisiert und gesellschaftlich stark reglementiert ist, was die Relevanz des Romans unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Christin Pinnecke (Autor:in), 2014, "Marinas dreissigste Liebe" von Vladimir Sorokin. Tabus in der russischen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302188