Hitlers Aufstieg. Wie Hitler Diktator wurde und Deutschland in den Krieg stürzte


Facharbeit (Schule), 2014
26 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wenn ich mit einem einzigen Wort begründen müsste, weshalb ich über das Dritte Reich schreibe, wäre es eindeutig meine „Interesse“. Schon bereits in der siebten Klasse interessierte ich mich überdurchschnittlich viel für die deutsche Geschichte. Das mag wohl zum Teil an meinem Geschichtslehrer als auch an meiner Neugier für Gesellschaftslehre gelegen haben. Meine Interesse aber auch die Motivation dahinter sind und waren die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterbildung. Für manche ist meine übertriebene Interesse daran verwunderlich, denn warum sollte die deutsche Geschichte einen Türkischstämmigen wie mich interessieren? Das ist eine berechtigte Frage, die aber leicht zu beantworten ist: Ich habe in meinem ganzen Leben nur insgesamt zwei Monate in der Türkei verbracht. Ich denke, fühle und spreche wie ein Deutscher. Folgerichtig interessiere ich mich auch mehr für die deutsche Geschichte als für die türkische. Deshalb schreibe ich mit großer Begeisterung über die Folgen des Ersten Weltkrieges, Ausrufung der „Deutschen Republik“ und untersuche detailgenau die Ursachen für den Zweiten Weltkrieg und stelle mir die anschließende Frage, welche Auswirkungen der Zweite Weltkrieg auf die heutige Bundesrepublik Deutschland hat. Ich versuche die ersten beiden Schwerpunkte im Zusammenhang mit Adolf Hitler zu bringen. Doch bevor es ich weiterschreibe: Wer war eigentlich Adolf Hitler und was tat er?

Hauptteil

Adolf Hitler war der Vorsitzende der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und der Führer des Deutschen Reiches. Er hat angeordnet, die Juden systematisch nach Arbeitslagern zu verlegen und dort zu töten. Insgesamt wurden bis 1945 über 6 Millionen Juden getötet oder vergast. Er war auch für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verantwortlich. Der Zweite Weltkrieg begann mit dem Überfall auf Polen: Polen wurde auf Befehl von Hitler innerhalb von sieben Tagen eingenommen und zur Kapitulation gezwungen. Das hatte den Kriegsbeitritt weiterer Länder zufolge. Der Zweite Weltkrieg fing am 1. September 1939 an und dauerte bis zum Tod Hitlers, dem 8. Mai 1945, an. Doch wie konnte Adolf Hitler, ein einfacher Mann, der Sohn eines Zollbeamten, aus dem Ober-Österreich, für den Tod so vieler Leute verantwortlich sein? Dazu müssen wir die Ereignisse, die bis zu seiner Machtergreifung 1933 passierte, genauer unter die Lupe nehmen. Er wurde am 20. April 1889 in Braunau, als der Sohn eines Zollbeamten, Alois Hitler, geboren und starb am 30. April 1945 in seinem Führerbunker in Berlin. Man weiß heute, dass er wegen häufiger Umzüge der Familie von 1895 bis 1899 verschiedene Volksschulen in Passau und anderen österreichischen Städten besuchte. Er galt dort noch als guter Schüler.1 Nach dem Tod seines Vaters erhielt Hitler ab 1903 eine Halbwaisenrente, ab 1905 noch zusätzlich Finanzhilfen von seiner Mutter und von seiner Tante Johanna. Zwei Jahre später erkannte seine Mutter an Brustkrebs.2 Im Jahr 1907 bewarb er sich erfolglos für ein Kunststudium an der Malerschule der Wiener Kunstakademie.3 Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien kehrte er nach Linz zurück, als er erfuhrt, dass seine Mutter nur noch wenige Monate zu leben habe. Noch vor dem Beitritt in die Bayrische Armee zog Hitler 1913 nach München um. Er erhielt das Erbe seines Vaters, dadurch konnte er sich die Wohnung dort finanzieren. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann, trat er begeistert am 16. August 1914 in die Bayerische Armee ein.4 Hitler wurde nach seiner Teilnahme am Ypernschlacht am 1. November 1914 zum Gefreiten befördert und einige Wochen später aus unbekannten Gründen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.5 Er wurde durch den Einsatz von Chemiewaffen verwundet und verbrachte die letzten Monate des Krieges in einem Lazarett. Der Erste Weltkrieg näherte sich dem Ende zu. In den letzten Tages des Ersten Weltkrieges kam es zu Meutereien von Matrosen an der Kriegsmarine in Kiel. Sie wollten nicht mehr weiterhin kämpfen, weil sie den Krieg bereits als verloren sahen. Sie wollten nicht sinnlos ihr Leben opfern. Zusammen mit anderen Soldaten der Reichswehr stürmten sie die Kasernen und setzten die höheren Offiziere ab. Innerhalb weniger Tage griff die „Novemberrevolution“ auf das ganze Land über. Am 9. November 1919 demonstrierten Tausende Menschen vor dem Reichstag in Berlin gegen den Kaiser und den Krieg. Die Hauptwut richtete sich vor allem gegen den Kaiser. Er hatte aus der Sicht des Volkes die wirkliche Kriegslage zu lange verheimlicht. Reichskanzler Max von Baden verkündete an demselben Tag die Abdankung von Kaiser Willhelm II. Nachdem der Kaiser abdanken musste, rief Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die „Deutsche Republik“ aus. Das war das Ende der Monarchie in Deutschland. Hitler war von diesen Nachrichten empört. Er glaubte an die Dolchstoßlegende6, der nach die Deutsche Armee viel schlagkräftiger war, als von den Politikern angenommen. Die Politiker haben den deutschen Soldaten sozusagen „einen Dolch in den Rücken gestoßen“.

Am 19. Januar 1919 fanden die lang erwarteten Wahlen für die Nationalversammlung, die eine Verfassung ausarbeiten sollte, statt. Es gab sehr viele Parteien, aber keine von denen erhielt eine absolute Mehrheit. SPD, Zentrum und DDP bildeten daher eine Koalition7. Am 11. Februar 1919 wurde Friedrich Ebert zum ersten Reichspräsidenten und Philipp Scheidemann, der die „Deutsche Republik“ aus dem Fenster des Reichstagsgebäudes ausgerufen hatte, zum Reichskanzler gewählt. Grund für Hitler der Deutschen Arbeiter Partei (DAP) im Jahr 1919 beizutreten. Davor hatte er diverse Rednerkurse an Hochschulen in München belegt, um seine Zuhörer überzeugen und an seine Reden fesseln zu können. Ab 1920 wurde sein Denken unter anderem stark durch den antisemitischen Schriftsteller Dietrich Eckhart beeinflusst. Er verschaffte Hitler Kontakte zu wichtigen Geldgebern und propagierte (warb) ihn ab Mitte 19321 als künftigen „charismatischen Führer und Retter der deutschen Nation“8. Die DAP nannte sich auf Vorschlag von Hitler am 24. Februar 1920 in „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ um. Hitler wurde in den nächsten Monaten zum „Werbeobmann“ für die NSDAP9. Denn er konnte die Massen von seiner Ideologie zu überzeugen. Hitler teilte die Menschen in seiner Rassenlehre (Ideologie) in zwei Kategorien. Und zwar in „höherwertige“ und „minderwertige“ Menschen. Er glaubte, dass die Deutschen die reinste und hochwertigste Rasse sei und daher auch berechtigt, sich in einem ständigen Kampf gegen die niedrigeren Rassen (Juden) durchzusetzen. Dabei stütze er sich auf die Evolutionstheorie von Charles Darin, in der nur die Stärken überleben können.

Laut Geschichtsexperten war Hitler zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Bedingungen des Versailler Vertrags, laut der beispielsweise Deutschland die alleinige Schuld am Krieg erhielt, Reparationszahlungen als Entschädigung an die Siegermächte leisten oder seine Landflächen an Frankreich und Polen abtreten musste, wurden am 7. Mai 1919 veröffentlicht.10 Die Bedingungen wurden von allen Parteien der Weimarer Republik als unannehmbar abgelehnt. Der damalige Reichskanzler, Philipp Scheidemann wollte als Reichskanzler nicht für die Unterzeichnung verantwortlich sein und trat deshalb zurück. Unter dem Druck der Siegermächte, Deutschland zu besetzen, stimmte der Reichstag trotz Gegenstimmen mehrheitlich dem Vertrag zu. Diese Gelegenheit nutzten demokratiefeindliche parteien und Organisationen wie die neu gegründete DAP (NSDAP) aus, um gegen die Republik und gegen den Staat zu kämpfen. Als der „beste Mann“ der NSDAP warb Hitler erfolgreich neue Mitglieder für die NSDAP an. Maßgeblich wirkte er außerdem an der Umwandlung der Sturmabteilung (SA) der NSDAP von einer „Saalschutztruppe“11 in eine Schläger- und Einschüchterungstruppe mit. Mithilfe der SA wurde eine Atmosphäre der Angst verbreitet, die zum Teil dafür verantwortlich war, dass es zu einer Radikalisierung des Wählerverhaltens kam. Im Herbst 1923 schien Deutschland unterzugehen. Hitler nahm sich die von Mussolini in Italien errichtete Diktatur als Vorbild. Mussolini hatte im Jahr 1922 durch einen Putsch12 die Macht in Rom ergriffen und den Faschismus verbreitet. Als 1923 in Folge der hohen Reparationszahlungen die Inflation in Deutschland durch die Besetzung französischer Truppen im Ruhrgebiet ihren Höhepunkt erreichte, war der Hass der Nazis nicht mehr zu stoppen. Mit dem Hitler-Ludendorff Putsch wollte Hitler die bayerische Regierung absetzen und die Macht an sich reißen. Der von Hitler und Ludendorff angeführter Marsch mit mehreren Tausend, zum Teil schwer bewaffneten Teilnehmern endete im Feuer der Polizei. Vier Polizisten und 16 Demonstranten kamen ums Leben. Die Polizei leistete erfolgreiche Gegenwehr. Die NSDAP wurde nach dem missglückten Putschversuch13 reichsweit verboten. Hitler erhielt im Freistaat Bayern Redeverbot. Er wurde, wie unter anderem diverse Andere, die am Putsch beteiligt waren, zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Ein vergleichsweise mildes Urteil. Hitler schrieb in seiner Haftzeit von 1923 bis 1924 weitgehend ohne fremde Hilfe den ersten Teil seines Buches „Mein Kampf“14. Hier fasst er seine Ideologie zusammen. Seine Zentralidee war ein angeblicher Rassenkampf, der die Geschichte der Menschheit bestimme.

Er wurde vorzeitig am 20. Dezember 1924 aus der Haft entlassen.15 Durch seine Versprechen, künftig nur noch auf legalem Wege Politik zu machen, erreichte er am 16. Februar 1925 die Aufhebung des NSDAP-Verbots. Er rief sechs Tage später die Neugründung der NSDAP unter seiner Führung aus.16 Zwei Jahre später hielt er seine erste öffentliche Rede nach Aufhebung seines Redeverbots in Bayern mit den bereits oben angeführten Gründen (künftig nur noch auf legalem Wege Politik zu machen). Der 25. Oktober 1929 ging als Schwarzer Freitag in die Geschichte ein. Die US-Banken17, die zuletzt für den wirtschaftlichen Aufschwung der Zwanziger durch die Vergabe von günstigen Krediten an Deutschland verantwortlich waren, gaben keine Kredite mehr und forderten ihr Geld von Deutschland zurück. Das hatte eine Weltwirtschaftskrise zufolge. In Deutschland stieg die Arbeitslosenzahl auf über sechs Millionen, Sparer verloren ihr Geld, weil Banken zahlungsunfähig wurden. Die Stimmung der Deutschen war auf dem Tiefpunkt, denn zu dieser Zeit gab es noch kein Arbeitslosengeld – sechs Millionen Menschen mussten schauen, wie sie etwas zu Essen finden oder ihre Familien ernähren. Unruhen und Gewalttaten, sowie der Aufstieg rechtsradikaler Parteien verunsicherten das Volk. Angesichts der Umstände gaben die Menschen der Regierung die Schuld am Chaos und an der schlechten wirtschaftlichen Lage. Die Bürger glaubten Politikern, die ihnen Arbeit und eine gute wirtschaftliche Lage versprachen – das tat Adolf Hitler. Die Bürger glaubten Adolf Hitlers Versprechungen18. Die Aufhebung des Versailler Vertrages, Ausdehnung des Deutschen Reiches, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit sowie die Ausschaltung der Juden waren nur einige davon. Als ein Jahr später die Große Koalition im Reichstag zerbrach und seitdem Hindenburg mit Notverordnungen regierte, wurde die Demokratie im Grunde ganz außer Kraft gesetzt. Mit der Unterstützung des jungen Journalisten Goebbels, der später Propagandaminister der NSDAP wurde, gelang es Hitler vor allem bisherige Nichtwähler für sich zu gewinnen. Auf den Reichstagswahlen 1930 zog die NSDAP erstmals in den Reichstag ein und wurde sogar die zweitstärkste Partei hinter der SPD. Die Sturmabteilung (SA) schuf mit Schlägereien und Straßenschlachten eine Atmosphäre der Angst. Dies hatte eine Radikalisierung des Wählerverhaltens zufolge – die NSDAP gewann immer mehr Stimmen. Das heißt SPD und andere demokratische Parteien verloren in den nächsten Reichstagswahlen immer mehr Stimmen. Am 26. Februar 1932 erhielt Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft und stellte sich zur Reichspräsidentenwahl. Er erhielt rund 36,5% der Stimmen und lag somit hinter dem Amtsinhaber, Paul von Hindenburg. Nach den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 ging die NSDAP zum ersten Mal als die stärkste Fraktion hervor. Trotz dessen wurde am 13. August Hitlers Forderung auf Ernennung zum Reichskanzler von Hindenburg zurückgewiesen. Die Ernennung des Reichskanzlers unterlag nicht wie heute dem Parlament, sondern allein dem Reichspräsident Hindenburg. Am 12. September 1932 löste Hindenburg den Reichstag19 in Folge von Uneinigkeiten um seine Notverordnungen wieder auf. Bei der darauf folgenden Reichstagswahl im November 1932 musste die NSDAP mit Stimmverlusten rechnen, blieb jedoch erneut die stärkste Partei; die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) gewann Mandate dazu, welches infolge hatte, dass die demokratischen Parteien keine parlamentarische Mehrheit mehr zusammenstellen konnten.

Das Treffen Papens20 (von 1933 bis Juli 1934 Vizekanzler im Kabinett Hitler) mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder (SS-Brigadeführer) gilt als die „Geburtsstunde des Dritten Reiches“. Denn dort einigten sich Franz von Papen und Adolf Hitler auf die Reichskanzlerschaft Hitlers. Franz von Papen amtierte von Juni bis Dezember 1932 als Reichskanzler. Hindenburg ernannte seinen Vertrauensmann Kurt von Schleicher im Dezember zum Reichskanzler. Sein Versuch eines Querfrontkonzeptes21 und des Versuches einer Spaltung der NSDAP gelang ihm nicht, deshalb zog sich Schleicher am 28. Januar 1933 und zurück. Papen überzeugte Hindenburg davon, Hitler als Reichskanzler einzusetzen und sich selbst (Papen) zu seinem Vizekanzler zu machen. Am 30. Januar wurde deshalb Adolf Hitler nach massiver Einflussnahme auf Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt.22 Viele Anhänger seiner Partei feierten seine Ernennung zum Reichskanzler mit einem Fackelzug durch Berlin. Melita Maschmann beschreibt den Moment: „Wir erlebten in Berlin den Fackelzug, mit dem die Nationalsozialisten ihren Sieg feierten. Etwas Unheimliches ist mir von dieser Nacht her gegenwärtig geblieben. Das Hämmern der Schritte, die düstere Feierlichkeit roter und schwarzer Fahnen. Stundenlang marschierten die Kolonnen vorüber, unter ihnen immer wieder Gruppen von Jungen und Mädchen. In ihren Gesichtern lag ein Ernst, der mich beschämte. Was war ich: ein Kind, das noch Jungmädchenbücher geschenkt bekam. Und ich brannte darauf, mich in diesen Strom zu werfen, in ihm unterzugehen und mitgetragen zu werden.“ Doch trotz allem hielt Hitler zu diesem Zeitpunkt dennoch nicht die ganze Macht in seinen Händen. Das änderte sich in den nächsten Wochen. Im darauffolgenden Februar überschlugen sich die Ereignisse. Bereits zwei Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler löste Hindenburg auf Wunsch Hitlers den Reichstag auf. Er setzte Neuwahlen für den 5. März 1933 fest. Doch diese Wahlen liefen nicht wie gewünscht. Mit der am 4. Februar von Hindenburg erlassenen „Verordnung zum Schutze des Deutschen Volkes“ wurden die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um die Pressefreiheit stark einzuschränken. Durch diese Notverordnung wurden Zeitungen und Versammlungen von politischen Gegnern nach Belieben verboten werden. Dadurch wurde der Wahlkampf für die politischen Gegner sehr schwierig, das machte sich vor allem bei den Reichstagswahlen im März bemerkbar. Nach dem Straßenterror der Sturmabteilung in der Weimarer Republik begann mit Hitlers Machtantritt eine systematische, gewaltsame Verfolgung politischer Gegner der NSDAP. So ließ die Sturmabteilung ab Januar 1933 erste Konzentrationslager einrichten. Zunächst waren davon nur Kommunisten, Sozialdemokraten, Pazifisten und NS-Kritiker betroffen. In den folgenden Jahren wurden die Verfolgungen, insbesondere durch die Gestapo auf mehrere christliche Gruppen, Behinderte, Homosexuelle, Juden sowie Asoziale und Fremdrassige ausgeweitet.

Am 27. Februar brannte in Berlin das Reichstagsgebäude. Im brennenden Parlament fand man Marinus van der Lubbe, ein niederländischer Linksanarchist. Nach seiner Verhaftung erklärte er, die Brandstiftung allein unternommen zu haben, um die deutschen Bürger gegen die NS-Regierung aufzurufen. Trotzdem zeigten sich die Nazis öffentlich überzeugt, dass es sich dabei um eine Verschwörung der KPD handelte23. Auf Druck von Hitler erließ Paul von Hindenburg die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ (Reichstagsbrandnotverordnung). Dieses setzte die Bürgerrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft. Beispielsweise erhielten die Polizisten weitreichendere Befugnisse. Sie durften Wohnungen ohne Durchsuchungsbefehl betreten, Briefe öffnen, Telefongespräche abhören oder Telegramme lesen. Das kam passend. Denn nach sechs Tagen fanden die Reichstagswahlen erneut statt. Zielgerichtet nutzte die NSDAP den Reichstagsbrand für ihre eigene Zwecke: Sie verschärften kurz vor den Reichstagswahlen die Verfolgung von Regimegegnern, insbesondere die von den Mitgliedern der KPD. Mehrere Tausende Oppositionelle wurden innerhalb der nächsten Wochen in „Schutzhaft“ genommen.24 Die Schutzhaft war eines der wichtigsten Instrumente auf Grundlage der Reichstagsbrandverordnung des NS-Regimes zur Bekämpfung seiner Gegner. Sechs Tage nach dem Reichstagsbrand, am 5. März 1933 fand die Wahl zum achten Deutschen Reichstag statt, es war die letzte Reichstagswahl, an dem mehr als eine Partei teilnahm (in den darauffolgenden Reichstagswahlen war nur noch die NSDAP zu wählen, denn am 14. Juli wurde ein Gesetz gegen die Neubildung von Parteien verabschiedet). Durch die Reichstagsbrandnotverordnung war es für die Opposition nahezu unmöglich Wahlkampf zu machen. Das widerspiegelte vor allem das Ergebnis der Reichstagswahl25. Während SPD und KPD mit Verlusten rechnen mussten, konnte die NSDAP knapp mehr als 10% zulegen, erhielt aber nicht die erwartete absolute Mehrheit. Zusammen mit einer anderen nationalsozialistischen Partei, die DNVP, hatte die Regierung eine Mehrheit im Deutschen Reichstag und konnte dadurch den Weg in die Diktatur ebnen. Die erste Sitzung des neu gewählten Reichstages fand am 23. März 1933 statt. Es fand im von SA- und SS-Leuten absperrten und besetzten Krolloper statt, da das Reichstagsgebäude noch immer und auch für die darauffolgenden Jahre sich in einem unbrauchbaren Zustand befand. Hitler verlangte für seine Regierung die „Ermächtigung“, Gesetze ohne Zustimmung von Reichstag und Reichsrat sowie ohne Gegenzeichnung des Reichspräsidenten erlassen zu dürfen. Er drohte in seiner Rede den Abgeordneten mit einem Bürgerkrieg; und gab sogleich das Versprechen, seine Macht nicht auszunutzen. Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte für das „Ermächtigungsgesetz“26, die SPD war die einzige Partei, die dagegen stimmte. Vor der Abstimmung hatte der SPD-Parteivorsitzender Otto Wells27 28 repräsentativ für seine Fraktion in einer emotionalen Rede ein Bekenntnis zur Demokratie abgelegt: „Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus.“ Er warnte außerdem die Abgeordneten vor der Entmachtung des Parlaments: „Noch niemals, seit es einen Deutschen Reichstag gibt, ist die Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten durch die gewählten Vertreter des Volkes in solchem Maße ausgeschaltet worden, wie es jetzt geschieht und wie es durch das neue Ermächtigungsgesetz noch mehr geschehen soll.“ Er beendete seine Rede mit dem Satz: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“. Dieser Satz aus seiner Rede erlangte besondere Bedeutung und wurde für die Verfolgten der Nazis traurige Realität. Die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetztes ermöglichte Hitlers Diktatur und die Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft. Denn am 22. Juni wurde die SPD verboten und am 5. Juli erzwang man die Selbstauflösung der übrigen Parteien. Ein halbes Jahr später, am 1. Dezember, machte das NS-Regime mit dem „Gesetz zur Sicherung und Einheit von Partei und Staat“ die NSDAP zur einzigen Staatspartei29:

§1 In Deutschland besteht als einzige politische Partei die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei).
§2 Wer es unternimmt, den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei aufrecht zu erhalten oder eine neue politische Partei zu bilden, wird, sofern nicht die Tat nach anderen Vorschriften mit höheren Strafe bedroht ist, mit Zuchthaus bis zu drei Jahren oder Gefängnis von sechs Monaten bis zu drei Jahren bestraft.

Nachdem nun Hitler dank der SA seine Macht immer weiter ausbaute und sogleich absicherte, wollte er die parteiinterne Konkurrenz ausschalten. Das Geschah im sogenannten „Röhm-Putsch“ am 30. Juni 1934. Darunter versteht man die Geschehnisse um die Ermordung Ernst Röhms, des SA-Führers und weiterer Funktionäre des SS sowie anderer von der NSDAP als „feindlich“ eingestufter Personen30 31. Unter den etwa 190 Toten waren auch wichtige und bekannte Leute wie Kurt von Schleicher (Reichskanzler von 1932 bis 1933) und seine Ehefrau Elisabeth von Schleicher dabei. Die Exekution zahlreicher SA- Führungspersonen hatte zufolge, dass die SA ihre politische Bedeutung verlor. Damit machte Hitler Röhms Pläne, die Reichswehr mit der etwa drei Millionen-Mann starken SA zu vereinen, zunichte. Hitler wollte keine Konkurrenz oder überhaupt jemandem die Chance geben, genauso viel Macht zu haben wie Hitler. Denn immerhin war zu der Zeit Röhm der Befehlsgeber von der drei Millionen Mann starken Sturmabteilung. Auf diese Weise wurden die internen Probleme der Partei mehr oder weniger beseitigt. Doch das reichte Hitler immer noch nicht. Schon im Februar 1933 begannen die Nazis auf Befehl von Hitler mit der „Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft32 “. Der Prozess der Gleichschaltung bezeichnet die Aktivitäten Hitlers in den Jahren 1933 bis 1935 zur Ausschaltung sämtlicher Opposition und Widerstand. Dieses diente vor allem der Machtfestigung und der Konzentration bei der Errichtung der NS-Diktatur: die Alleinherrschaft Hitlers in Staat und Partei. Hitler ließ seine Pläne in die Tat umsetzen. In allen wichtigen Bereichen der Gesellschaft lies mal Führungspositionen mit Nationalsozialisten besetzen. Dazu zählten vor allem Konzerne, (wie Theater, Zeitungen, Filmstudios, Parteien und Vereine) die Einfluss auf die Gesellschaft nahmen. Mit der Besetzung der Führungspositionen in diesen Branchen konnte Hitler sichergehen, dass die Leute auch nur das lesen oder sehen konnten, was Hitler auch wollte, dass die sehen. NS-Kritische Einrichtungen und Gewerkschaften wurden nach und nach verboten. Doch auf dem Weg zur Alleinherrschaft gab es noch ein ernst zunehmendes Hindernis: die Länder. Dafür hatte das NS-Regime auch einen Plan. Reichsstatthaltern33, denen die Länderregierungen untergeordneten waren, sorgten in den Ländern dafür, dass auch dort die letzten Reste demokratischer Strukturen beseitigt wurden. Am 30. Januar 1934 erließ das NS-Regime ein Gesetz über den Neuaufbau des Reichs. Das hatte eine Aufhebung der Ländervolksvertretungen (Landtage heute) zufolge. Damit war das letzte Hindernis auch verschwunden. Bespitzelung war in den Jahren nach der Machtergreifung Hitlers ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von Andersdenkenden. Die Nazis (Nationalsozialisten) versuchten den Menschen durch Einbringung in ihre Lebensbereiche ihre Ideologie zu vermitteln. Es war sozusagen unmöglich, sich der allgemeinen Überwachung zu entziehen. In der Hitlerjugend, welches männliche Jugendliche von 14 bis 18 Jahren besuchen mussten, wurden die Kinder auf das Führerprinzip eingeschworen. Die Kinder mussten nach dem alles, was Hitler sagte, oder verlangte kritiklos und widerstandslos akzeptieren und befolgen. Es ging schon so weit, dass man die Kinder dazu brachte, ihre eigenen Eltern zu bespitzeln – denn Kritik am Führer wurde mit Gefängnis oder dem Tod bestraft34. Damit jeder die Reden des „Führers“, Adolf Hitlers, und die

[...]


1 Brigitte Hamann: Hitlers Wien. München 1998, S. 64–67.

2 Arno Gruen: Der Fremde in uns. Klett-Cotta, Stuttgart 2002, S. 67 f.

3 Birgit Schwarz: Geniewahn: Hitler und die Kunst. Böhlau, Wien 2009, S. 11 ff.

4 Thomas Weber: Hitlers erster Krieg. Der Gefreite Hitler im Weltkrieg – Mythos und Wirklichkeit, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, S. 25–29.

5 Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz: Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn 2009, S. 560.

6 Adolf Hitler: Mein Kampf. Eine Abrechnung. 5. Auflage, München 1940, S. 223; zitiert bei Ian Kershaw: Hitler. 1889–1945. 2009, S. 80.

7 Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Beck, München 1993, S. 61

8 Artikel Eckart, Dietrich. In: Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main 1998.

9 Ian Kershaw: Hitler. 1889–1936. Stuttgart 1998, S. 190.

10 Sebastian Haffner/Gregory Bateson: Der Vertrag von Versailles. Ullstein Verlag, Berlin 1988.

11 Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. C.H. Beck, München 1989, S. 102 ff.

12 Italo Balbo: Der Marsch auf Rom. Tagebuch der Revolution 1922.

13 Ernst Deuerlein: Der Aufstieg der NSDAP in Augenzeugenberichten. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1980, S. 187.

14 Barbara Zehnpfennig: Hitlers „Mein Kampf“: Eine Interpretation. Wilhelm Fink Verlag, 2006, S. 34.

15 Andreas Stenglein: Der Hitler-Prozess 1924.

16 Ian Kershaw: Hitler. 1889–1945. 2009, S. 182 f.

17 Peter Clemens: Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890–1954. Hodder Education, 2008, S. 107.

18 Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949.

19 Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Band 1: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. Beck, München 2012, S. 504–510

20 Eberhard Czichon: Wer verhalf Hitler zur Macht?. Köln 1967, S. 79.

21 Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. C. H. Beck Verlag, München 2003, S. 534 und 580.

22 Gotthard Jasper: Die gescheiterte Zähmung. Wege zur Machtergreifung Hitlers 1930–1934. edition suhrkamp, Frankfurt a.M. 1986, S. 8–11.

23 Heinrich August Winkler: Der Weg in die Katastrophe. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1930 bis 1933. Bonn 1990, ISBN 3-8012-0095-7, S. 880–883.

24 Hans-Ulrich Thamer: Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft. Ausnahmezustand, Bundeszentrale für politische Bildung

25 www.gonschior.de/weimar/Deutschland/RT8.html Das Deutsche Reich. Reichstagswahl 1933 Andreas Gonschior.

26 Jörg Biesemann: Das Ermächtigungsgesetz als Grundlage der Gesetzgebung im nationalsozialistischen Staat: ein Beitrag zur Stellung des Gesetzes in der Verfassungsgeschichte 1919–1945. Lit Verlag, 1985, S. 299.

27 Hans J. L. Adolph: Otto Wels und die Politik der deutschen Sozialdemokratie. 1894–1939. Eine politische Biographie (="Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin.

28 www.youtube.com/watch?v=bmhB6D1_AIc

29 Gesetztext: www.documentarchiv.de/ns/partei-staat.html

30 Arno Netzbandt: Die Gestapo. Nicolai, Berlin 2005, S. 68.

31 Heinz Höhne: „Gebt mir vier Jahre Zeit“. Hitler und die Anfänge des Dritten Reiches.Ullstein, Berlin 1996, S. 6

32 Dirk Erb (Hrsg): Gleichgeschaltet. Der Nazi-Terror gegen Gewerkschaften und Berufsverbände 1930 bis 1933. Eine Dokumentation. Steidl, Göttingen 2001.

33 Ralf Gebel, „Heim ins Reich!“ Konrad Henlein und der Reichsgau Sudetenland (1938–1945), 2. Aufl., Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2000, S. 96.

34 Karl Dietrich Bracher, Wolfgang Sauer, Gerhard Schulz (Hrsg.): Die nationalsozialistische Machtergreifung. Studien zur Errichtung des totalitären Herrschaftssystems in Deutschland 1933/34.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Hitlers Aufstieg. Wie Hitler Diktator wurde und Deutschland in den Krieg stürzte
Note
1
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V302226
ISBN (eBook)
9783668002708
ISBN (Buch)
9783668002715
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hitlers, aufstieg, hitler, diktator, deutschland, krieg
Arbeit zitieren
Kerim Akbulut (Autor), 2014, Hitlers Aufstieg. Wie Hitler Diktator wurde und Deutschland in den Krieg stürzte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302226

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