In dieser Hausarbeit wird die Entstehung und Funktionsweise der Genfer Konvention mit der theoretischen Sichtweise des Transnationalismus analysiert. Außerdem wird auf die Aktualität und Umsetzung der Konvention in heutigen Konflikten eingegangen und geklärt, vor welchen Herausforderungen das Abkommen heute steht
Möchte man die Entstehung, Verbreitung und Entwicklung der Genfer Konvention und ihren Zusatzprotokollen untersuchen, spielt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) eine zentrale Rolle. Im Folgenden möchte ich unter dem Gesichtspunkt des Transnationalismus analysieren, wie das IKRK zur Entstehung der Genfer Konvention beigetragen hat und wie die Organisation Einfluss auf die Funktionsweise des Abkommens nimmt.
In der transnationalistischen Theorie geben „advocacy networks“ den Anstoß zu einer Debatte und üben über „agenda setting“ Druck auf Regierungen und eventuell schon bestehende internationale Organisationen aus und zwingen diese somit zum Handeln, weshalb Reformen und Konventionen entstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Funktionsweise aus transnationalistischer Sicht
3. Umsetzung
3.1 Überprüfung der Umsetzung
3.2 Ahndung von Verstößen am Beispiel des “War on Terror“
3.3 Anwendung in heutigen bewaffneten Konflikten am Beispiel des Libanonkonfliktes 2006
4. Herausforderungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entstehung sowie die aktuelle Wirkungsmacht der Genfer Konventionen vor dem Hintergrund transnationalistischer Theorien. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit das Abkommen in modernen, asymmetrischen Konflikten Anwendung findet und welche Hindernisse bei der Durchsetzung menschenrechtlicher Normen bestehen.
- Transnationalistische Perspektive auf die Entstehung und Entwicklung der Genfer Konventionen
- Rolle des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) als treibende Kraft
- Überprüfungsmechanismen bei Verstößen, wie etwa die International Humanitarian Fact-Finding Commission (IHFFC)
- Fallstudien zur praktischen Umsetzung: „War on Terror“ und Libanonkrieg 2006
- Herausforderungen durch neue Akteure und veränderte Kriegführung im 21. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
3.1 Überprüfung der Umsetzung
Zur Überprüfung der Umsetzung der Genfer Konvention in bewaffneten Konflikten wurde 1991 die International Humanitarian Fact-Finding Commission (IHFFC)ins Leben gerufen. Die seit 1992 mit Annahme der Verfahrensregeln einsatzfähige Kommission beruht auf Artikel 90 des ersten Zusatzprotokolls von 1977 und hat die Ahndung von Verstößen gegen die vier Genfer Konventionen und das erste Zusatzprotokoll zur Aufgabe (International Humanitarian Fact- Finding Commission (Bern) 2005b,S.1).
Die Kommission besteht aus 15 Experten, die alle fünf Jahre von den Vertragsstaaten gewählt werden (International Humanitarian Fact- Finding Commission (Bern) 2005b, S.1) und ist derzeit von 68 Staaten anerkannt (International Humanitarian Fact- Finding Commission (Bern) 2005a, S.1). Die IHFFC stellt bei einem Vorwurf der Verletzung der Genfer Konvention oder das erste Zusatzprotokoll Nachforschungen an, um den Vorwurf zu überprüfen. Die Kommission berichtet anschließend den Beteiligten fair und vollständig über ihre Beobachtungen und macht gegebenenfalls angemessene Verbesserungsvorschläge zur Lage in einem Staat (International Humanitarian Fact- Finding Commission (Bern) 2005b, S.1). Es bleibt allerdings den Konfliktparteien überlassen, ob sie diese Vorschläge und die Kommunikationshilfe, die der Einsatz der Kommission bieten soll, annehmen (International Humanitarian Fact- Finding Commission (Bern) 2005a, S.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel erläutert die historische Entstehung der Genfer Konventionen, initiiert durch Henry Dunant nach der Schlacht von Solferino, und skizziert die Fragestellung der Arbeit.
2. Entstehung und Funktionsweise aus transnationalistischer Sicht: Es wird analysiert, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) als „advocacy network“ agiert, um Staaten zur Einhaltung menschenrechtlicher Normen zu bewegen.
3. Umsetzung: Dieses Kapitel untersucht die praktischen Überprüfungsmechanismen und beleuchtet anhand des „War on Terror“ sowie des Libanonkonflikts die Schwierigkeiten bei der Einhaltung des Abkommens.
4. Herausforderungen: Es wird erörtert, warum das Abkommen angesichts moderner Konfliktformen und nichtstaatlicher Akteure zunehmend an Wirksamkeit verliert.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass eine dringende Überarbeitung und Modernisierung des Abkommens notwendig ist, um dessen Wirkungsmacht in einer veränderten Weltordnung zu sichern.
Schlüsselwörter
Genfer Konvention, Internationales Komitee vom Roten Kreuz, IKRK, Humanitäres Völkerrecht, Transnationalismus, Advocacy Networks, War on Terror, Libanonkonflikt, Menschenrechte, Nichtstaatliche Akteure, Asymmetrische Kriege, Kriegsgefangene, Zivilschutz, IHFFC, Internationale Politik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Genfer Konvention, ihrer historischen Entstehungsgeschichte und ihrer praktischen Anwendbarkeit sowie Wirksamkeit in heutigen bewaffneten Konflikten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Rolle des IKRK, die transnationalistische Theorie in der Menschenrechtspolitik, die Überprüfungsmechanismen bei Verstößen und die Schwierigkeiten in asymmetrischen Kriegen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Fragestellung lautet: „Warum ist die Genfer Konvention entstanden und welche Wirkungsmacht hat sie vor diesem Hintergrund heute noch?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen politikwissenschaftlichen Ansatz, der die Entstehung und Anwendung der Konvention mittels transnationalistischer Theorie (u.a. „advocacy networks“ und „blaming and shaming“) analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verankerung, die Analyse von Überprüfungsmechanismen wie der IHFFC sowie konkrete Fallstudien zum „War on Terror“ und dem Libanonkrieg 2006.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Humanitäres Völkerrecht, IKRK, Transnationalismus, moderne Konfliktformen und der Schutz von Nichtkombattanten.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des IKRK?
Das IKRK wird als zentrale und treibende Kraft identifiziert, die als einziger Akteur konsequent die Werte der Genfer Konventionen vertritt.
Warum gelten die Genfer Konventionen heute als teilweise „veraltet“?
Das Abkommen geht von klassischen zwischenstaatlichen Kriegen aus und kann neue Akteure wie terroristische Gruppierungen oder asymmetrische Konfliktmuster bisher nur unzureichend erfassen.
Welche Rolle spielt der sogenannte „Bumerang-Effekt“?
Der Bumerang-Effekt beschreibt den Prozess, bei dem nationale NGOs Menschenrechtsverletzungen an das internationale Netzwerk weiterleiten, um über den öffentlichen Druck der internationalen Gemeinschaft Verhaltensänderungen bei den Regierungen zu erzwingen.
Welche Konsequenz hat laut der Autorin ein Verstoß gegen das Abkommen?
Rechtliche Konsequenzen sind oft schwer durchzusetzen; stattdessen entstehen für den normverletzenden Staat vor allem Legitimitätskosten und politischer Druck auf der internationalen Ebene.
- Arbeit zitieren
- Rosina Saß (Autor:in), 2015, Entstehung und Wirkungsmacht der Genfer Konvention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302274