Die zunehmende Globalisierung und Multikulturalisierung unserer Lebensverhältnisse und unserer Arbeitswelt stellen vielfältige neue Anforderungen. Dazu zählt unter anderem die Bewältigung von sogenannten‚Überschneidungssituationen’, die im Kontakt von Personen entstehen, welche in verschiedenen Kulturen sozialisiert wurden. Diese konflikthaften Situationen sind dadurch gekennzeichnet, dass sich die an der Interaktion beteiligenden Kommunikationspartner an eigenkulturellen Werten, Normen und Bewertungsmaßstäben orientieren. Die daraus resultierenden kritischen Zwischenfälle sind für interkulturell unerfahrene Personen nicht nur meist schwer zu verstehen sondern kaum noch zu beheben. Besonders im ökonomischen Kontext können solche Verständnisprobleme in gravierende Konflikte umschlagen, die nicht nur einzelne Entsandtentätigkeiten, sondern auch internationale Kooperationen zum Scheitern bringen können. Zur Vorbereitung von interkulturellen Kontakten dienen ‚Interkulturelle Trainings’, die in erster Linie Fähigkeiten zum Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung und zum angemessenen Verhalten in interkulturellen Kontexten fördern. ‚Culture Assimilator’ stellen einen häufig benutzten Baustein dieser interkulturellen Trainings dar.
Diese Arbeit widmet sich der Beschreibung und Diskussion von Culture Assimilator. Vorausgehend wird dabei der dieser Arbeit zugrundeliegende Begriff der ‚Kultur’ definiert. Darauf folgt eine Darstellung der von Alexander Thomas entwickelten Culture Assimilator, die auf sogenannten ‚Kulturstandards’ basieren. Im zweiten Teil der Arbeit werden die Vor- und Nachteile dieses Trainingstyps diskutiert. Dabei wird besonders auf die Thematik der ‚Globalisierung’ eingegangen und geprüft, inwiefern die von der Globalisierung ausgehenden Prozesse Einfluss auf kulturelle Identitäten entwickeln und welche Relevanz diese Schlüsse in Bezug auf die Gestaltung und Anwendbarkeit von Culture Assimilator haben.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 CULTURE ASSIMILATOR
2.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG KULTUR
2.2 KULTURSTANDARDS NACH THOMAS
2.3 CULTURE ASSIMILATOR – AUFBAU UND ANWENDUNG
3 DISKUSSION DES CULTURE ASSIMILATOR
3.1 VORTEILE
3.2 KRITIKPUNKTE
3.3 GLOBALISIERUNG VERSUS CULTURE ASSIMILATOR?
4 ZUSAMMENFASSUNG / AUSBLICKE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den „Culture Assimilator“ als Baustein interkultureller Trainings, wobei insbesondere dessen Anwendung und die kritische Diskussion unter dem Aspekt der Globalisierung im Fokus stehen. Ziel ist es, den Aufbau der Methode zu erläutern, ihre Eignung zur Förderung interkultureller Kompetenz zu bewerten und die Relevanz klassischer Kulturstandards in einer zunehmend globalisierten, hybridisierten Welt zu hinterfragen.
- Definition und theoretische Einordnung des Kulturbegriffs
- Darstellung der „Culture Assimilator“-Methode nach Alexander Thomas
- Analyse der Vor- und Nachteile sowie der Grenzen der Methode
- Kritische Reflexion der Globalisierungsprozesse auf kulturelle Identitäten
- Diskussion der Anwendbarkeit des Konzepts in der interkulturellen Trainingspraxis
Auszug aus dem Buch
2.3 Culture Assimilator – Aufbau und Anwendung
Culture Assimilator, auch Culture Sentisizer genannt, bilden in Bezug auf den dritten Aufgabenbereich der interkulturellen Psychologie einen wichtigen und oft praktizierten Baustein Interkultureller Trainings. Eingeordnet in wissensorientierte Trainings, wird mittels ihrer versucht, kognitive Merkmale interkultureller Handlungskompetenz aufzubauen. Neben der kognitiven Ebene sollen aber auch sekundär emotionale und verhaltensorientierte Lerneffekte bei dem Trainingsteilnehmer erzeugt werden.
Dem Trainingsteilnehmer werden in diesem einzeln oder in Gruppenarbeit durchführbarem Trainingsbaustein Fallbeispiele präsentiert, in denen Individuen zusammentreffen und aufgrund ihrer unterschiedlichen kulturellen Hintergründe Verwirrungen, Missverständnisse und Konflikte erleben. Zu jedem Fallbeispiel werden den Trainingsteilnehmer mehrere Erklärungsalternativen für das Verhalten der kulturell-unterschiedlich geprägten Handlungspartner angeboten. Diese Erklärungsalternativen stammen aus einer Sammlung und Analyse der in Kapitel 3 beschriebenen kritisch verlaufenden, konflikthaften Begegnungssituationen. Aus den daraus resultierenden Ergebnissen wurden die jeweiligen handlungswirksamen zentralen Kulturstandards ermittelt, aufgrund welcher die verschiedenen Erklärungsalternativen formuliert werden.
Der Teilnehmer erhält daraufhin die Aufgabe, aus den Alternativen die kulturadäquate „richtige“ Begründung auszuwählen. Die anderen Erklärungsalternativen beinhalten Fehlinterpretationen, „die typisch sind für Mitglieder der eigenen Kultur und auf Unkenntnis kultureller Einflussfaktoren, auf ethnozentrischem Denken und Vorurteilen beruhen“. Nach einer Einschätzung aller Erklärungsalternativen in Bezug auf ihre Adäquatheit bekommt der Teilnehmer eine Rückmeldung darüber, warum aus Sicht der fremden Kultur die Interpretation kulturadäquat, plausibel oder kulturinadäquat ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung interkultureller Trainings im Zuge der Globalisierung und führt in die Thematik der „Culture Assimilator“ als Methode zur Bewältigung von Überschneidungssituationen ein.
2 CULTURE ASSIMILATOR: Dieses Kapitel definiert den Kulturbegriff, erläutert das Konzept der Kulturstandards nach Alexander Thomas und beschreibt den methodischen Aufbau sowie die Anwendung von Culture Assimilator.
3 DISKUSSION DES CULTURE ASSIMILATOR: Hier werden die Vorteile der Methode, kritische Aspekte wie die Gefahr der Stereotypisierung sowie das Spannungsfeld zwischen Kulturstandards und Globalisierungsprozessen detailliert diskutiert.
4 ZUSAMMENFASSUNG / AUSBLICKE: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die begrenzte Eignung der Methode zur Förderung komplexer interkultureller Kompetenz angesichts einer dynamischen, global vernetzten Welt.
Schlüsselwörter
Culture Assimilator, Interkulturelle Trainings, Kulturstandards, Globalisierung, Interkulturelle Kompetenz, Alexander Thomas, Lebenswelt, Kultur, Identität, Interaktion, Attribution, Stereotype, Glokalisierung, Hybridisierung, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Methode des „Culture Assimilator“ als ein wichtiges Instrument für interkulturelle Trainings, um Teilnehmer auf die Begegnung mit fremden Kulturen vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen der theoretische Hintergrund der Kulturstandards, die methodische Anwendung in Trainingsszenarien sowie die kritische Reflexion dieser Ansätze im Kontext der Globalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen von Culture Assimilator zu bewerten und zu prüfen, inwieweit diese auf starren Standards basierende Methode der Komplexität moderner, globalisierter kultureller Interaktionen gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, kombiniert mit einer kritischen Diskussion etablierter Konzepte der interkulturellen Psychologie und Soziologie, insbesondere unter Einbezug von Autoren wie Alexander Thomas, Habermas und Ackermann.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung (Aufbau von Culture Assimilator), die Diskussion von Vorteilen (wie Wissensvermittlung) und Nachteilen (wie Realitätsferne und Stereotypisierungsgefahr) sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Globalisierungsthematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören „Culture Assimilator“, „Kulturstandards“, „Interkulturelle Kompetenz“ und „Globalisierung“.
Wie bewertet die Autorin die Gefahr der Stereotypisierung durch Culture Assimilator?
Die Autorin weist kritisch darauf hin, dass die Methode durch die Fixierung auf zentrale Kulturstandards die Gefahr birgt, interkulturelle Begegnungen stereotyp zu stilisieren und die Individualität der Akteure zu vernachlässigen.
Welchen Einfluss hat die Globalisierung auf das Konzept der Kulturstandards nach Thomas?
Die Autorin argumentiert, dass angesichts fortschreitender Globalisierung und „Hybridisierung“ von Kulturen starre Orientierungssysteme wie Kulturstandards zunehmend an ihre Grenzen stoßen, da sie die dynamischen, global vernetzten Identitätsprozesse nur unzureichend abbilden.
- Citar trabajo
- Doreen Frank (Autor), 2004, Culture Assimilator als Baustein interkulturellen Trainings - Anwendung und Diskussion unter Bezugnahme der Globalisierungsthematik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30231