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Joachim Lottmann. Strategische Inszenierung von Autorschaft als Grenzverwischung zwischen Roman und Reportage

Titel: Joachim Lottmann. Strategische Inszenierung von Autorschaft als Grenzverwischung zwischen Roman und Reportage

Magisterarbeit , 2014 , 101 Seiten , Note: 1,1

Autor:in: Nils Wiegand (Autor:in)

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die literarischen und journalistischen Arbeiten des Autors Joachim Lottmann sind seitens der Literatur- und Medienwissenschaft sowie der Journalistik bislang keiner genaueren bzw. umfangreichen Untersuchung unterzogen worden. Auf den ersten Blick mag das nicht verwundern: seine Romane scheinen typische, kaum nennenswert überformte Texte der deutschen Popliteratur mit 90er Jahre Prägung zu sein, d.h. es herrscht ein einfacher Schreibstil vor, mehr oder minder relevante Alltagsbefindlichkeiten und -beobachtungen stellen sein Sujet; seine Reportagen bspw. für den Spiegel oder die Zeit hingegen erweisen sich als schlecht recherchiert, teilweise tendenziös in ihren Aussagen, strotzen genau wie die Romane vor frauenverachtender Altmännererotik. Mit anderen Worten: die Texte erweisen sich an den Kriterien des professionellen und konventionellen Journalismus gemessen als inadäquat. Die Reaktionen bspw. in Form von Leserbriefen bzw. Kommentaren auf die Online-Versionen der Reportagen münden häufig in Beschimpfungen und Zweifeln an seiner journalistischen Kompetenz und müssen regelmäßig von den jeweiligen Redaktionen zensiert werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine eigene Poetik für die Werke Lottmanns herauszuarbeiten, die sich im Wesentlichen aus der Poetik des New Journalism speist.
Dabei soll ein Blick auf das Gesamtwerk Joachim Lottmanns geworfen werden, wobei sich diese Arbeit auf die Romane Zombie Nation und Hundert Tage Alkohol konzentrieren wird, da diese nicht nur das Spannungsfeld zwischen literarischem und journalistischem Schreiben thematisieren, sondern selbst auch repräsentieren. Darüber hinaus soll sein Reportagenband Auf der Borderline nachts um halb eins fokussiert werden, außerdem werden ausgewählte Reportagen aus dem gleichnamigen Weblog bei der taz, sowie Reportagen aus der Zeit sowie dem Spiegel analysiert.
Die zu erarbeitende Poetik bedient sich sowohl in den Romanen als auch in den Reportagen immer wieder einer strategisch kalkulierten Selbstinszenierung des Autors, die nach Ansicht dieser Arbeit auf eine Unentscheidbarkeit zwischen der vermeintlich realen Person Joachim Lottmann und den Protagonisten seiner Reportagen und Romane abzielt. Der rhetorische Faktor dieses strategischen Kommunikationsgeschehens im sowohl journalistischen als auch literarischen Kontext erfordert eine Diskussion der noch recht jungen literaturwissenschaftlichen Autofiktionsdebatte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Eingrenzende Themenanalyse

2. Kommunikationstheoretische Grundlagen literarischer Kommunikation

2.1. Rhetoriktheoretische Definitionen - Kode, Zeichen, Text, Medium

2.2. Das Buchmedium und der Roman

2.3. Intertextualität und Diskursframe

2.4. Der Autor und sein rhetorisches Organon

2.5. Kalkül

2.6. Autorschaft

2.7. Die kommunikative Spielregel

3. Joachim Lottmanns Selbstpoetik

3.1. Autofiktion

3.2. Repragmatisierungsdruck als Problem oder Strategie der Autofiktion

3.3. Inszenierung

3.4. Agon und Ethos

3.5. Borderline-Journalismus: niemals an schnöden Fakten kleben

3.6. Die Reportage als Autobiographie?

3.7. Operative Anschlüsse

3.8. Der Borderline-Blog: Verifikation durch ein Hybridmedium?

4. Die Romane

4.1. Zombie Nation

4.2. Das Ramones-Musical

4.3. Gott führt uns zusammen

4.4. Kein Roman mit Joachim Lottmann

4.5. Poetologische Reflexionen: Ein Bauer in Albanien

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Werke des Autors Joachim Lottmann mit dem Ziel, eine spezifische Poetologie herauszuarbeiten, die sich primär aus dem New Journalism speist. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Lottmann durch eine strategische Inszenierung von Autorschaft die Grenzen zwischen Roman und Reportage gezielt verwischt.

  • Kommunikationstheoretische Analyse der Autofiktion und Borderline-Strategie.
  • Untersuchung der rhetorischen Inszenierung von Autorschaft und Ethos.
  • Analyse der Grenzverwischung zwischen faktualem und fiktionalem Schreiben.
  • Betrachtung von Medienformaten wie Romanen, Reportagen und Weblogs in ihrer Wirkung.

Auszug aus dem Buch

3.5. Borderline-Journalismus: niemals an schnöden Fakten kleben

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Buchdeckel der 2007 erschienenen Reportagensammlung Auf der Borderline nachts um halb eins. Der Einband verspricht einen Band mit Reportagen, „die allesamt Sternstunden der etwas anderen Wahrheitsfindung sind“, eine „spezielle Reportagetechnik, die niemals an schnöden Fakten klebt“, wodurch der Autor „nicht weniger als eine subjektive Sittengeschichte unserer Gegenwart“ erzählt.

Dem Leseradressaten wird demnach bereits auf der paratextuellen Ebene ein Konvolut an Texten versprochen, das sich ganz offensichtlich vom Informationsjournalismus abgrenzen will. Gemäß eines seriösen Verständnisses von Journalismus versteht man unter einer Reportage einen narrativen Bericht „über reale Ereignisse, Zustände oder Personen, der separat (in Zeitungen und Zeitschriften) veröffentlicht oder in einen zyklischen thematischen Zusammenhang (Reportagesammlung) integriert“ wird. Im Vorwort bezeichnet Lottmann die Sammlung als „Kompendium des Popjournalismus“ und stellt sich gleichermaßen in die Tradition des New Journalism. Gleichzeitig gibt er zu, eine beinahe schlitzohrige Verkaufsstrategie zu verfolgen, indem er seine Texturen qualitativ mit diesen Labels auflädt, sie aber gleichzeitig von sich weist: „Popliteratur ist ein Schimpfwort und ist es noch. Aber man zieht damit Leute. Und Ebenso ist es mit dem Wort Borderline-Journalismus. Niemand, nicht einmal Tom Kummer, würde es wagen, dieses Schimpfwort auf seine eigenen Texte zu beziehen.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die literarischen und journalistischen Arbeiten von Joachim Lottmann und Definition der zentralen Fragestellung bezüglich der Grenzverwischung zwischen den Textgattungen.

2. Kommunikationstheoretische Grundlagen literarischer Kommunikation: Erarbeitung des theoretischen Rahmens unter Einbeziehung von Begriffen wie Medium, Text, Autor, Kalkül und der Rolle der Rhetorik.

3. Joachim Lottmanns Selbstpoetik: Detaillierte Untersuchung von Lottmanns spezifischer Schreibweise, insbesondere Autofiktion, Inszenierung und der Borderline-Strategie.

4. Die Romane: Analyse konkreter Romanwerke und deren Verbindung zu journalistischen Texten und Lottmanns autofiktionaler Strategie.

5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse über die strategische Autorschaft Lottmanns und Ausblick auf weiterführende Analysemöglichkeiten.

Schlüsselwörter

Joachim Lottmann, Autofiktion, Borderline-Journalismus, Rhetorik, Literaturtheorie, Autorschaft, New Journalism, Medientheorie, Inszenierung, Textstrategie, Faktualität, Fiktionalität, Poetologie, Kommunikation, Popliteratur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die literarischen und journalistischen Texte von Joachim Lottmann hinsichtlich seiner bewussten Strategie, die Grenzen zwischen faktualem und fiktionalem Schreiben (Roman und Reportage) durch eine gezielte Inszenierung von Autorschaft aufzuheben.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Autofiktion, des New Journalism, die rhetorische Konstruktion des Autors (Ethos) sowie die kommunikationstheoretischen Rahmenbedingungen, unter denen diese hybriden Textformen entstehen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Herausarbeitung einer spezifischen Poetologie der Werke Lottmanns, die zeigt, wie durch einen projektiven Kalkül des Autors eine bewusste Irritation und Adressatenbeeinflussung erfolgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer rhetorisch orientierten Literatur- und Medientheorie, wobei insbesondere der „rhetorische Faktor“ nach Joachim Knape zur Analyse der kommunikativen Strategien herangezogen wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Anwendung dieser Theorie auf Lottmanns Selbstpoetik (insbesondere die Autofiktion) sowie eine exemplarische Analyse ausgewählter Romane und Reportagen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die wichtigsten Schlagworte umfassen neben dem Autor selbst: Autofiktion, Borderline-Journalismus, Rhetorik, Inszenierung, Autorschaft und Poetologie.

Warum spielt der Begriff "Borderline-Journalismus" eine so wichtige Rolle in der Arbeit?

Dieser Begriff wird von Lottmann selbst verwendet und von der Arbeit als zentrale poetologische Strategie entlarvt, um den Leser zwischen faktualen und fiktionalen Ansprüchen zu oszillieren und so eine spezifische Aufmerksamkeit zu generieren.

Wie unterscheidet sich Lottmanns Ansatz von konventionellem Journalismus?

Im Gegensatz zum Anspruch objektiver Faktenvermittlung nutzt Lottmann journalistische Formen gezielt als "Bühne" für seine Inszenierung, wobei die faktuale Genauigkeit oft zugunsten der performativen Wirkung zurücktritt.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Joachim Lottmann. Strategische Inszenierung von Autorschaft als Grenzverwischung zwischen Roman und Reportage
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophische Fakultät, Fachbereich Philosophie – Rhetorik - Medien)
Veranstaltung
Allgemeine Rhetorik
Note
1,1
Autor
Nils Wiegand (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
101
Katalognummer
V302362
ISBN (eBook)
9783956877261
ISBN (Buch)
9783668005938
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autofiktion New Journalism Joachim Lottmann Popliteratur Borderlinejournalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nils Wiegand (Autor:in), 2014, Joachim Lottmann. Strategische Inszenierung von Autorschaft als Grenzverwischung zwischen Roman und Reportage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302362
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  101  Seiten
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