Partizipation gilt als das Schlüsselkriterium für eine nachhaltige und erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit. Trotz einer Vielzahl kritischer Stimmen hat sich daran bis heute so gut wie nichts geändert. Partizipation ist kaum hinterfragte Lehrmeinung und gilt weiterhin als Grundvoraussetzung für eine bessere, effektivere und gerechtere Entwicklung.
Die Wirksamkeit von Partizipation wird hauptsächlich mit Untersuchungen aus den 1980–1990er Jahren belegt, auf die sich auch die Entwicklungsethnologie bezieht. Weder bereits deutlich länger bekannte Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie, noch neuere Forschungen aus der Ethnologie der Entwicklung haben bisher einen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklungspraxis.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Partizipation das Versprechen einer besseren, effektiveren und gerechteren Entwicklung tatsächlich halten kann und ob die hohen Erwartungen gerechtfertigt sind.
Für die Bearbeitung der Fragestellung wird die anwendungsorientierte entwicklungsethnologische Perspektive dem theoretisch-analytischen Blickwinkel der Ethnologie der Entwicklung und den Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie gegenübergestellt.
Dabei werden die inhärenten Widersprüche der partizipativen Entwicklungspraxis und insbesondere die der partizipativen Entwicklungsrhetorik aufgezeigt und hinterfragt. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, warum die Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie in der westlichen Partizipationsforschung sehr wohl, in der partizipativen Entwicklungszusammenarbeit jedoch kaum Beachtung finden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Begriffsklärung und historische Einordnung
- 2.1 Die Genese des Entwicklungsbegriffs
- 2.2 Entwicklungszusammenarbeit (EZ)
- 2.3 Entwicklungsethnologie & Ethnologie der Entwicklung
- 2.4 Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit
- 3. Methoden partizipativer Ansätze in der EZ
- 3.1 RRA / PRA: Ursprung und Begriffsklärung
- 3.2 Das Verhältnis partizipativer Ansätze zur Entwicklungsethnologie
- 4. Kritische Analyse partizipativer Entwicklungspraxis
- 4.1 Vorbemerkungen
- 4.2 Fachinterne Kritik
- 4.3 Exkurs: Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie
- 4.4 Inhärente Widersprüche
- 5. Fallbeispiele
- 5.1 Vorbemerkungen
- 5.2 Staudammprojekt: Die Vorteile partizipativer Erhebungen
- 5.3 Forstprojekt: Falsch angewendete Methoden
- 5.4 Modernisierung der Wasserversorgung: Die Widersprüchlichkeit der partizipativen Rhetorik
- 6. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Partizipation das Versprechen einer besseren, effektiveren und gerechteren Entwicklung tatsächlich halten kann und ob die hohen Erwartungen gerechtfertigt sind.
- Die Genese des Entwicklungsbegriffs und seine historische Einordnung
- Die Rolle der Entwicklungsethnologie und der Ethnologie der Entwicklung in der Entwicklungszusammenarbeit
- Methoden partizipativer Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit
- Kritische Analyse der partizipativen Entwicklungspraxis aus entwicklungsethnologischer und sozialpsychologischer Perspektive
- Fallbeispiele zur Veranschaulichung der Umsetzung und Herausforderungen der partizipativen Entwicklung
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Arbeit stellt die zentrale Frage nach der Wirksamkeit von Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit und erläutert den Forschungsansatz.
- Kapitel 2: Begriffsklärung und historische Einordnung: Dieses Kapitel beleuchtet die Entwicklung des Entwicklungsbegriffs, die Entstehung der Entwicklungszusammenarbeit und die Rolle der Ethnologie in diesem Kontext.
- Kapitel 3: Methoden partizipativer Ansätze in der EZ: Hier werden verschiedene Methoden der partizipativen Entwicklungszusammenarbeit vorgestellt, wie z.B. RRA / PRA.
- Kapitel 4: Kritische Analyse partizipativer Entwicklungspraxis: Dieses Kapitel analysiert die kritischen Aspekte partizipativer Ansätze, sowohl aus entwicklungsethnologischer als auch aus sozialpsychologischer Perspektive.
- Kapitel 5: Fallbeispiele: Drei Fallbeispiele veranschaulichen die praktische Umsetzung von Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit, deren Vorteile und Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Entwicklungszusammenarbeit, Partizipation, Entwicklungsethnologie, Ethnologie der Entwicklung, RRA / PRA, kritische Analyse, Fallbeispiele, Widersprüche, methodische Herausforderungen, Entwicklungspraktiken.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit?
Partizipation meint die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in Planung und Umsetzung von Projekten, um Nachhaltigkeit und Effektivität zu steigern.
Was ist der Unterschied zwischen Entwicklungsethnologie und Ethnologie der Entwicklung?
Erstere ist anwendungsorientiert und arbeitet innerhalb der Projekte, während Letztere die Prozesse der Entwicklungshilfe theoretisch-analytisch von außen untersucht.
Was sind RRA und PRA?
RRA (Rapid Rural Appraisal) und PRA (Participatory Rural Appraisal) sind Methoden zur schnellen und beteiligungsorientierten Datenerhebung vor Ort.
Welche Kritik gibt es an der partizipativen Rhetorik?
Kritiker bemängeln, dass Partizipation oft nur als Schlagwort benutzt wird, ohne reale Machtstrukturen zu verändern oder sozialpsychologische Erkenntnisse zu berücksichtigen.
Welche Rolle spielt die Sozialpsychologie in dieser Arbeit?
Die Arbeit hinterfragt, warum gesicherte Erkenntnisse der Sozialpsychologie über Gruppenprozesse in der westlichen Forschung beachtet, in der Entwicklungspraxis aber oft ignoriert werden.
- Quote paper
- Jonathan Junge (Author), 2015, Partizipation in der Entwicklungszusammenarbeit aus ethnologischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302402