Ziel dieser Arbeit ist es, die Rezeption des Vercingetorix im Frankreich unter Kaiser Napoleon III. sowie in der Dritten Französischen Republik zu untersuchen. Weiterhin steht hier nicht die Aufarbeitung aller historischen Ereignisse, welche mit Vercingetorix verbunden sind, im Vordergrund, sondern die Rezeption eines antiken Herrschers.
Im Zweiten Punkt der Arbeit wird der Vercingetorix in den antiken Quellen behandelt, wobei hier das Werk Caesars über den Gallischen Krieg eine bedeutende Rolle einnehmen wird. Ferner sind noch das Werk von Florus, Diodorus Siculus und Plutarch für die Deutung des Vercingetorix und der Gallier bedeutsam.
Die Rezeption des Vercingetorix soll im dritten Punkt Gegenstand der Untersuchung werden. Der Zeitraum, der hier behandelt wird, ist zum einen die Regierungszeit Napoleons III. als Kaiser der Franzosen (1852 – 1870) sowie zum anderen die Phase der Dritten Französischen Republik (1871 – 1940). Beachtenswert für diesen Zeitraum ist, dass die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg als Epoche der Nationalstaaten bezeichnet wird, was im Hinblick auf die Rezeptionsgeschichte wichtig wird.
Zwei zentrale Thesen werden gestellt, die dieser Arbeit zugrunde liegen. Die erste These beinhaltet, dass sich der Vercingetorixmythos in Frankreich unter Napoleon III. und in der Dritten Französischen Republik als Nationalsymbol nicht durchsetzen konnte. Aufbauend auf der ersten These ergibt sich die zweite Annahme: Die Auseinandersetzung mit dem Mythos des Arvernerfürsten zeigte die politischen Probleme Frankreichs auf, vor allem in der Dritten Französischen Republik.
Im nächsten Punkt rückt zunächst der antike Vercingetorix in den Vordergrund, der anhand der Quellen von Caesar, Florus, Diodorus Siculus und Plutarch erarbeitet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. VERCINGETORIX IN DEN ANTIKEN QUELLEN
2.1 Gaius Julius Caesar – „De Bello Gallico“
2.2 Florus – „Römische Geschichte“
2.3 Diodorus Siculus – „Bibliotheca historica”
2.4 Plutarch – „Caesar“
3. DIE REZEPTION DES VERCINGETORIX
3.1 Napoleon III. und das Denkmal in Alesia
3.2 Vercingetorix in der Dritten Französischen Republik
4. ZUSAMMENFASSUNG: VERCINGETORIX – EIN NATIONALHELD FRANKREICHS?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption des gallischen Anführers Vercingetorix im Frankreich des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere während des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. sowie in der Dritten Französischen Republik, um zu analysieren, ob und wie Vercingetorix als Nationalsymbol oder identitätsstiftender Mythos etabliert wurde.
- Analyse der Darstellung des Vercingetorix in antiken Quellen (Caesar, Florus, Diodorus Siculus, Plutarch).
- Untersuchung der Instrumentalisierung des Vercingetorix durch Napoleon III. anhand des Denkmals in Alesia.
- Untersuchung der Bedeutung des Vercingetorix-Mythos für die Identitätsbildung in der Dritten Französischen Republik.
- Kontrastierung von regionaler Identität (Auvergne) und dem angestrebten nationalen Mythos.
- Bewertung der Umdeutung historischer Ereignisse im Kontext des Kolonialismus und der Revanchepolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1 Napoleon III. und das Denkmal in Alesia
Der behandelte Zeitraum umfasst die Zeit des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. von 1852 – 1870. Von großer Bedeutung ist hier das Denkmal des Vercingetorix in Alise-Sainte-Reine (heutiger Ort des antiken Alesia), welches 1865 eingeweiht wurde. Denkmäler haben eine besondere Funktion bei den Themen Identität und Repräsentation. „In dieser Hinsicht stellen die Denkmäler bedeutender Menschen einen […] Teil einer sehr viel umfangreicheren Kategorie dar, zu der Bauwerke mit einer gewissen Nützlichkeit […] hinzuzurechnen sind, andere Bauwerke ohne […] Nutzen, aber mit erzieherischer Absicht wie religiöse […], politische (Allegorie der ‚Republik‘) oder historisch-politische Denkmäler (zur Erinnerung an Schlachten, Belagerungen und Revolutionen oder an die Toten der verschiedenen Kriege)…“ In dieser Hinsicht werden die Denkmäler ohne direktem Nutzen interessant, die jedoch mit einer Intention behaftet sind, die der Erinnerung bzw. Identität dienen.
Unter Napoleon III. wurden zahlreiche Bauwerke eingeweiht. Auch die Stadt Paris wurde unter dem französischen Kaiser umgebaut und aus den mittelalterlichen Strukturen gelöst. Hier kommt es auch zur Neuentdeckung nationaler Traditionslinien. „Freilich kündigte die napoleonische Epoche […] in einer wichtigen Entwicklungslinie die kommende Republik an und ging dieser darin voran, nämlich in der Suche und Erforschung der weiter zurückliegenden Vergangenheit und deren denkmalhafte Verherrlichung.“ Hierbei spielt das Vercingetorix-Denkmal eine besondere Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Das Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand, den zeitlichen Rahmen und erläutert die Forschungsrelevanz sowie die zentralen Thesen zur Rezeption des Vercingetorix.
2. VERCINGETORIX IN DEN ANTIKEN QUELLEN: Hier werden primärquellenbasierte Darstellungen analysiert, um das Bild des Vercingetorix bei zeitgenössischen und nachfolgenden antiken Autoren wie Caesar und Plutarch zu ergründen.
3. DIE REZEPTION DES VERCINGETORIX: Dieses Hauptkapitel untersucht die praktische Umsetzung des Mythos durch Denkmäler und politische Narrative unter Napoleon III. sowie in der Dritten Republik.
4. ZUSAMMENFASSUNG: VERCINGETORIX – EIN NATIONALHELD FRANKREICHS?: Das abschließende Kapitel resümiert, dass Vercingetorix trotz seiner Instrumentalisierung nur bedingt als nationales Symbol verankert werden konnte und regional geprägt blieb.
Schlüsselwörter
Vercingetorix, Napoleon III., Dritte Französische Republik, Gallien, Alesia, Nationalmythos, Identitätsstiftung, Geschichtsrezeption, Denkmäler, Kolonialismus, Revanchegedanke, Julius Caesar, Nationalheld, Erinnerungskultur, Auvergne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die wechselhafte Rezeption und Mythisierung des gallischen Fürsten Vercingetorix in Frankreich während des Zweiten Kaiserreichs und der Dritten Französischen Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die antike Quellenlage, die politische Instrumentalisierung von Geschichte, die Rolle von Denkmälern für die Identitätsbildung sowie der Wandel nationaler Mythen im 19. und 20. Jahrhundert.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern Vercingetorix erfolgreich als Nationalheld Frankreichs etabliert werden konnte und welche politischen Funktionen ihm dabei zugeschrieben wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine historische Rezeptionsanalyse, die auf der Auswertung antiker Primärquellen sowie der Analyse von Sekundärliteratur zur Geschichtspolitik und Denkmalpflege basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der antiken Quellen zum Gallischen Krieg und eine Untersuchung der Denkmalkultur sowie der medialen und bildungspolitischen Verankerung des Vercingetorix-Mythos.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Vercingetorix, Nationalmythos, Napoleon III., Alesia, Identität und Erinnerungskultur.
Warum spielt das Denkmal in Alesia für die Argumentation eine so zentrale Rolle?
Es dient als Fallbeispiel für die gescheiterte Instrumentalisierung Vercingetorix' durch Napoleon III., da das Denkmal eher den Kaiser selbst als den gallischen Helden repräsentierte.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen regionaler und nationaler Identität bei den Denkmälern in der Auvergne?
Die Arbeit zeigt, dass Vercingetorix in Projekten wie in Gergovia vorwiegend als regionaler Held der Auvergne gefeiert wurde, was den Versuch einer nationalen, zentral gesteuerten Mythisierung konterkarierte.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Gogol (Autor:in), 2014, Die Rezeption des Vercingetorix in Frankreich unter Napoleon III. und in der Dritten Französischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302470