Barbarossa und die Byzantiner - Verlauf und Ursachen eines nicht gewollten Konfliktes


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2. Vorgeschichte des 3. Kreuzzuges

3. Klärung des Kreuzzugsbegriffes

4. Ein Konflikt mit Geschichte: Diplomatische Querelen mit Byzanz

5. Der Zerfall des byzantinischen Reiches und dessen Zustand zur Zeit des Kreuzzuges

6. Der Marsch durch das oströmische Reich

7. Zuspitzung und Beilegung des Konfliktes

8. Interpretationsteil
8.1 Plünderungen und Überfälle – ein kaum zu durchbrechender Kreislauf
8.2 Politische Fehleinschätzungen und gegenseitiges Misstrauen

9. Bibliographie

1. Vorbemerkungen

Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Frage nach den Gründen für den Konflikt des Kreuzfahrerheeres um Friedrich Barbarossa mit dem Byzantinischen Reich beschäftigen. Als zentrale Quelle[1] hierfür wird die sogenannte Historia des Ansbert[2] herangezogen. Sie ist, so Arnold Bühler, „der ausführlichste Bericht der uns über den Barbarossa-Zug erhalten ist[3].“ Bühler geht im Folgenden weiter auf die Validität der Quelle ein, dies soll hier nur kurz wiedergegeben werden: Der tatsächliche Verfasser der Kernschrift ist der Wissenschaft nicht mit Sicherheit bekannt. Das Werk lässt sich, so Bühler, drei verschiedenen Autoren zuordnen: Die Aufzeichnungen bis etwa zum Bericht über die Seuche in Antiochia und die Überfahrt nach Akkon[4], die für diese Untersuchung zentral sind wurden augenscheinlich von einem nahen Vertrauten des Kaisers verfasst, der Historiker Ekkehard Eickhoff[5] spekuliert es handle sich um einen Mitarbeiter der kaiserlichen Kanzlei. Eine Erweiterung und Fortsetzung dieses alten Erzählstranges entstand nach 1197 von der Feder eines anderen Autors, noch später fügte ein weiterer Autor einige Randnotizen hinzu.[6]

Die genaue Entstehungsgeschichte des Werkes ist also nicht vollständig geklärt, es handelt sich aber nach übereinstimmender Auffassung Eickhoffs, Bühlers und des Herausgebers der MGH – Edition der Historia, Anton Chroust[7], im Kern um einen authentischen Bericht eines Begleiters Friedrichs I. Zur Vereinfachung soll im folgenden, übereinstimmend mit aller bearbeiteten Sekundärliteratur, einfach vom „Ansbert“ gesprochen werden. Ergänzend zu dieser sehr ausführlichen Quelle wird noch die Historia Peregrinorum,[8] die jedoch in weiten Teilen mit der Historia Ansberts übereinstimmt, sowie die Epistola de morte Friderici Imperatoris[9] herangezogen.

Zum Aufbau der Arbeit ist zu sagen, dass zunächst eine grobe Schilderung der Umstände des dritten Kreuzzuges sowie eine knappe Klärung des Kreuzzugsbegriffes eingeschoben werden soll, bevor die Ereignisgeschichte von Juli 1189[10] bis März 1190[11] anhand der oben genannten beiden Quellen so knapp wie möglich dargelegt wird. Im folgenden Hauptuntersuchungsteil soll sodann der Versuch einer Interpretation der Konflikte zwischen Kreuzfahrern und Byzantinern unternommen werden, dabei wird sowohl auf Quellen als auch auf Sekundärliteratur zurückzugreifen sein.

2. Vorgeschichte des dritten Kreuzzuges

Den direkten Ausschlag zu der weit um sich greifenden Kreuzzugsbewegung von 1187, der sich neben Friedrich Barbarossa auch Richard I Löwenherz von England, Wilhelm II von Sizilien sowie Philipp II Augustus von Frankreich anschlossen, brachte die päpstliche Enzyklika Audita tremendi vom 29. Oktober 1187.[12] Dieser Enzyklika ging eine zunächst in Europa wenig beachtete Serie von Hilferufen aus den stark von den Sarazenen bedrängten Kreuzfahrerstaaten voran. Der Umschwung kam schließlich mit der Schlacht von Hattin im Sommer 1187, in der ein ca. 18.000 Mann starkes fränkisches Heer von den Truppen des Sultans Saladin aufgerieben und beinahe vollständig vernichtet wurde.

Von besonderer symbolischer Bedeutung für die Christenheit, neben dem realen Verlust der quasi gesamten militärischen Stärke in der Region, war dabei der Verlust des Heiligen oder Wahren Kreuzes. Die Verehrung dieser Reliquie, angeblich Holz vom Kreuz Christi[13], spiegelte die Passionsfrömmigkeit der Epoche wider.

Doch bis zu Friedrichs Aufbruch ins Heilige Land sollten noch zwei Jahre vergehen. Zwar wurde bereits im Dezember 1187 auf dem Reichstag ihn Straßburg von einer römischen Gesandtschaft der Kreuzzug gepredigt, doch Friedrich I gab seinen Entschluss, das Kreuz zu nehmen erst am 27. März 1188 bekannt.[14] Eickhoff hält es allerdings für plausibel dass Friedrich seinen Entschluss bereits in Straßburg gefasst haben könnte.[15] Seit diese Kreuzzugspläne konkreter wurden hatte Friedrich noch einmal versucht möglichst alle Teile seines Reiches zu besuchen, wohl um vor seiner Abreise alles geordnet zu hinterlassen und die Stabilität im Reich sicherzustellen.[16] Zu den Vorbereitungen auf die Abreise im einzelnen, insbesondere in Bezug zur Untersuchungsobjekt jedoch in Kapitel 5, nun soll zunächst ein allgemeiner Einschub über das Selbstverständnis der Kreuzfahrer Aufschluss geben.

3. Klärung des Kreuzzugsbegriffes

Auffällig ist zunächst dass der Begriff Kreuzzug oder auch Kreuzfahrer in der zeitgenössischen Quellenüberlieferung so überhaupt nicht verwendet wird. Der vorherrschende Begriff ist der der Pilgerfahrt (peregrinatio) bzw. des Pilgers[17]. Das heutige Konzept des Kreuzzuges war also damals offenkundig noch nicht fest in der Gedankenwelt der Menschen verankert. Dies wirft die Frage auf, inwieweit sich etwa Friedrich Barbarossa auf der gewaltsamen Pilgerfahrt ins heilige Land bewusst in der Tradition seiner Vorgänger sah.

Nach Arnold Bühlers Urteil verdichteten sich gerade zur Zeit des dritten Kreuzzuges bereits vorhandene Vorstellungen, etwa vom gerechten Krieg gegen die heidnischen Besatzer des heiligen Landes, oder vom heiligen Kreuz als zentralem, im höchsten Maße verehrtem liturgischem Symbol zu einem einheitlichen Vorstellungskomplex.[18] Zum ersten Mal zielte dieser dritte Kreuzzug etwa von Beginn an auf die Eroberung Jerusalems, der heiligen Stadt, ja des Zentrums der Erde, ab. Die Kreuzmetapher tritt zum ersten Mal derart massiv in Erscheinung, etwa spricht Ansbert vom „Heer des Heiligen Kreuzes“[19] und den „Rittern des lebendigen Kreuzes“.[20]

Ganz zentral liegt der Ideologie der Kreuzfahrer auch die Vorstellung von zu büßenden Sünden zugrunde. Die Katastrophe der Schlacht von Hattin und der Verlust des heiligen Kreuzes Christi, so die päpstliche Kreuzzugsenzyklika, sei kein unerwartetes Ereignis, sondern vielmehr die gerechte Strafe Gottes für die Zwietracht innerhalb der Kreuzfahrerstaaten.[21] Saladin sei das Werkzeug Gottes und die Christenheit müsse die Herausforderung Gottes durch diesen annehmen um sich erneut für die Erlösung zu qualifizieren. Diesen Gedanken der selbstaufopferungsvollen Bußfahrt tritt auch im Ansbert in Erscheinung, etwa wenn er den Fürsten, die den einfacheren Seeweg Friedrichs beschwerlichem Marsch vorziehen, Verrat an der rechten Idee vorwirft.[22]

4. Ein Konflikt mit Geschichte: Diplomatische Querelen mit Byzanz

Da Friedrich eine Charterflotte der Venezianer oder Genuesen für sein Heer hätte mit immensen Beträgen bezahlen müssen, entschied man sich am Kaiserhof recht bald für den beschwerlichen Landweg.[23] Nach allen bisherigen Erfahrungen kam hier nur eine Route in Frage, nämlich die alte römische Heerstrasse von Belgrad nach Konstantinopel. Nun liegt es wohl auf der Hand dass die Anrainerstaaten an dieser Strasse ein in die Zehntausende[24] gehendes Heer nicht ohne weiteres ihr Gebiet durchqueren lassen wollten.

Folgerichtig leitete Friedrich frühzeitig eine großangelegte diplomatische Offensive in die Wege und schickte Gesandtschaften zu Ungarn, Seldschuken, Armeniern und natürlich auch nach Konstantinopel. Der geplante Weg würde zum größten Teil durch von den Byzantinern kontrolliertes oder zumindest beanspruchtes Gebiet führen, daher war Friedrich, darin stimmen alle Quellen überein, ehrlich an guten Beziehungen und an einem annehmbaren Durchreiseabkommen interessiert. Die Aushandlung eines solchen Abkommens gestaltete sich jedoch aus mehreren Gründen schwierig.

[...]


[1] Auf eine umfassende Schilderung der Quellenlage soll hier verzichtet werden, um den gegebenen Umfang nicht zu sprengen.

[2] Ansbert: Historia de expeditione Friderici imperatoris, in: A.Chroust (Hg.): Quellen zur Geschichte des Kreuzzuges Friedrichs I. (Monumenta Germaniae Historia, Scriptores rerum Germanicarum, Nova Series 5, 1928) S. 1-115

[3] Arnold Bühler: Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas 1187-1190 – Bericht eines Augenzeugen, 1. Auflage Stuttgart 2002, S. 48

[4] nach Bühler der späteste mögliche Zeitpunkt, Eickhoff verortet den Autorenwechsel schon zum Zeitpunkt der Überfahrt nach Kleinasien, was auch Bühler für möglich hält.

[5] Ekkehard Eickhoff: Friedrich Barbarossa im Orient – Kreuzzug und Tod Friedrichs I., Istanbuler Mitteilungen Beiheft 17, 1. Auflage, Tübingen 1977, S.189

[6] nach: Bühler 2002, S 48 ff

[7] ebd., S. 48

[8] Historia peregrinorum, in: A.Chroust (Hg.): Quellen zur Geschichte des Kreuzzuges Friedrichs I. (Monumenta Germaniae Historia, Scriptores rerum Germanicarum, Nova Series 5, 1928) S. 116-172

[9] Epistola de morte Friderici Imperatoris, in: A.Chroust (Hg.): Quellen zur Geschichte des Kreuzzuges Friedrichs I. (Monumenta Germaniae Historia, Scriptores rerum Germanicarum, Nova Series 5, 1928) S. 173-178

[10] Eintreffen des Heeres auf byzantinischem Boden, nach: Eickhoff 1977: S. 59

[11] Überfahrt über den Hellespont, nach: Eickhoff 1977: S.80

[12] dieses Kapitel in weiten Teilen nach: Hans Eberhard Mayer: Geschichte der Kreuzzüge, 9. Auflage, Stuttgart 2000

[13] vgl. Jonathan Philipps: The Crusades, 1095-1197, 1. Auflage, Harlow 2002

[14] vgl. Ansbert S. 14, Z.18ff: ...ubi domnus imperator non sine multorum uberrimis lacrimis crucis Christi accepto...

[15] vgl. Eickhoff, S.10f

[16] vgl. Ferdinand Opll: Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152-1190), Beihefte zu: Böhmer, Johann F.: Regesta Imperii, Bd.1, Wien 1978, S 228-231

[17] vgl. Bühler, S.11

[18] ebd., S.12-14

[19] Ansbert, S. 16, Z22: exercitus sancte crucis

[20] ebd., S. 42f: militum in obsequio vivifice crucis

[21] Die Enzyklika wird im Ansbert vollständig wiedergegeben, es heißt etwa auf S.7: Ex occasione quippe dissensionis que malicia hominum ex suggestione diaboli facta est nuper in terra domini, accessit Saladinus... Weiter auf S. 8: … ex iniquitate potius populi delinquentis ista provenerunt... .

[22] Vgl. ebd., S. 23f, insbesondere die Formulierung ... fructum condignum id est proprio corpore oblationem domino offerentes... spricht Bände.

[23] Weitere Gründe für die Wahl des Landweges könnten nach R. Hiestand Bedenken gewesen sein, die Hafenstädte im Heiligen Land könnten bei der Ankunft alle in Feindeshand sein, auch die Weissagung Friedrich werde im Wasser seinen Tod finden könnte eine Rolle gespielt haben. Vgl. Rudolf Hiestand: Precipua tocius christianismi columpna in: Haverkamp, Alfred: Friedrich Barbarossa – Handlungsspielräume und Wirkungsweisen des staufischen Kaisers, Vorträge und Forschungen des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte Band XL, Sigmaringen 1992, S.74f.

[24] Zur tatsächlichen Größe des Heeres vgl. Bühler, S. 19 sowie Eickhoff, S. 47, noch detaillierter Hiestand, S.69f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Barbarossa und die Byzantiner - Verlauf und Ursachen eines nicht gewollten Konfliktes
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
PS: Friedrich Barbarossa
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V30250
ISBN (eBook)
9783638315517
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Detailierte quellengeleitete Arbeit über den Konflikt zwischen Barbarossas Kreuzheer und dem byzantinischen Kaiser Isaak Angelos.
Schlagworte
Barbarossa, Byzantiner, Verlauf, Ursachen, Konfliktes, Friedrich
Arbeit zitieren
Philipp Brugger (Autor), 2004, Barbarossa und die Byzantiner - Verlauf und Ursachen eines nicht gewollten Konfliktes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30250

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