Das Cloud Computing hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Laut MSM Research (2014) stiegen im Jahr 2014 die Ausgaben im Cloud Computing Bereich in der Schweiz um weit über 40% auf CHF 780.1 Millionen an. In dieser Bachelorthesis sollen die Chancen und Risiken für die Deutschschweizer KMUs beim Wechsel auf Cloud Computing eruiert werden.
Mit Hilfe der Literatur wurden die Unterschiede der vier Cloud Modelle: Private-, Hybrid-, Public- und Community Cloud aufgezeigt. Diese können mit den entsprechenden Cloud Services wie Infrastructure as a Service, Platform as a Service und Software as a Service in Verbindung gebracht werden. Die Literatur sieht die Chancen bezüglich Cloud Computing im Time-to-Market, das heisst in der schnellen Verfügbarkeit und im Wegfall anfänglich hoher Investitionskosten. Zu den Risiken zählt der Vendor Lock-in Effekt, dies bedeutet, die Abhängigkeit zum Anbieter ist derart gross, dass ein Wechsel nur schwierig oder unmöglich wird. Ein weiteres nicht unbedeutendes Risiko stellt die unbekannte Datenhaltung und deren Bearbeitung dar.
Anhand der erarbeiteten theoretischen Grundlagen konnte eine quantitative Umfrage erstellt werden, welche von 153 Deutschschweizer KMUs vollständig ausgefüllt wurde. Die drei als wichtigste eingestuften Chancen waren die höhere Flexibilität, die Entlastung der internen IT, sowie die einfacher budgetierbaren IT-Kosten. Was die Risiken beim Cloud Computing betrifft, äusserten sich die befragten Unternehmen überwiegend kritisch zum unbekannten Speicherort der Daten, zur hohen Abhängigkeit an die Internetanbindung und zu einem möglichen Kontrollverlust über die Datenbearbeitung. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen spricht sich klar für eine Datenhaltung in der Schweiz aus. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen können sich eine Mischform bezüglich der Datenhaltung vorstellen. Für 15% der Unternehmen ist auch eine Auslagerung der Daten ins Ausland denkbar.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen einerseits den Unternehmen helfen, Chancen und Risiken bei einem Wechsel auf Cloud Computing zu erkennen, andererseits soll aber auch eine individuelle Prüfung des Angebots ermöglicht werden. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, in welche Richtung sich Cloud Computing entwickeln und welche Rolle den Cloud Service Brokern als neue Akteure in diesem Bereich zukommen wird. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung ins Thema
1.2 Problemstellung
1.3 Fragestellung
1.4 Ziel der Untersuchung
1.5 Aufbau der Arbeit
1.5.1 Abgrenzung und Kriterien
1.5.2 Wissenschaftliche Vorgehensweise
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition von Cloud Computing
2.2 Definition von Schweizer KMUs
2.3 Cloud Computing als Hype?
2.4 Die Cloud Computing Akteure
2.4.1 Cloud Computing Anbieter
2.4.2 Cloud Computing Nutzer
2.4.3 Der Cloud Enabler
2.4.4 Der Cloud Service Einkäufer
2.4.5 Der Cloud Service Broker
2.4.6 Der Aggregierer / Value Added Reseller
2.5 Entwicklung von Cloud Computing
2.6 Wechsel zum digitalen Zeitalter
2.7 Grundlegende Ziele
2.7.1 Paradigmenwechsel durch Cloud Computing
2.7.2 Abgrenzung zum klassischen IT-Outsourcing
2.7.3 Erhöhung der Standardisierung
2.7.4 Verbesserung der Verfügbarkeit
2.7.5 Optimierung der Flexibilität
2.7.6 Kostenreduktion durch Cloud Computing
2.8 Cloud Servicemodelle
2.8.1 Private Cloud
2.8.2 Public Cloud
2.8.3 Hybrid Cloud
2.8.4 Community Cloud
2.9 Klassifikation von Cloud Services
2.9.1 Infrastructure as a Service (IaaS)
2.9.2 Platform as a Service (PaaS)
2.9.3 Software as a Service (SaaS)
2.9.4 Everything as a Service (XaaS)
2.10 Entscheidungsfindung für KMU
2.10.1 Make or Buy Entscheid
2.10.2 Vorteile und Chancen
2.10.3 Nachteile und Risiken
2.11 Cloud Computing Studien
2.11.1 Internationale Studien
2.11.2 Schweizer Studien
2.11.3 MSM Research
2.12 Arbeitsmodell
2.13 Überleitung und Zusammenfassung
3 Methodenteil
3.1 Eingrenzung der Zielgruppe
3.2 Datenerhebungsmethode
3.3 Standardisierter Fragenkatalog
3.4 Aufbau des Fragenkatalogs
3.5 Durchführung der Umfrage
3.6 Genauigkeit der Umfrage
3.7 Erwartete Resultate
4 Auswertungsteil
4.1 Datenanalyse
4.2 Persönliche Unternehmensinformationen
4.3 Cloud Nutzung
4.4 Cloud Chancen und Risiken
5 Diskussion
5.1 Beantwortung der Forschungsfrage
5.2 Stärken und Limitationen
5.3 Bedeutung der Forschungsergebnisse für die Praxis
5.4 Ausblick
5.5 Konklusion
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor Thesis untersucht die Chancen und Risiken des Cloud Computings für Deutschschweizer KMUs. Ziel ist es, auf Basis einer fundierten theoretischen Analyse und einer empirischen Umfrage unter 153 Unternehmen zu ergründen, welche Beweggründe für oder gegen einen Wechsel auf Cloud Computing sprechen und welchen Stellenwert Faktoren wie Datenhaltung in der Schweiz dabei einnehmen.
- Vergleich verschiedener Cloud-Servicemodelle (IaaS, PaaS, SaaS)
- Analyse der Entscheidungskriterien für KMUs bei der Auswahl von Cloud Services
- Untersuchung der Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Compliance
- Einflussfaktoren der KMU-Struktur auf die Cloud-Adaption
Auszug aus dem Buch
2.10.3.1 Abhängigkeit vom externen Dienstleister
Der „Vendor Lock-in“ wurde bereits im Kapitel 2.7.2 Abgrenzung zum klassischen IT-Outsourcing erläutert. Falls die Geschäftsbeziehung scheitert oder gar Streit entsteht, können „Vendor Lock-in“-Vorfälle fatale Folgen haben. Im Falle einer Insolvenz auf Seiten des Cloud Provider besteht für den Kunden das Risiko in einem hohen finanziellen und personellen Aufwand tätigen zu müssen, um wieder an seine Daten zu gelangen (Bedner, 2013, S. 102). „Notfalls muss der Kunde hierfür Hardware des ehemaligen Anbieters ankaufen oder aus der Insolvenzmasse erwerben“ (Bedner, 2013, S. 102).
Der „Vendor Lock-in“ kann so weit gehen, dass ein Cloud Kunde bzw. KMU nicht einmal auf die lokale Umgebung migriert werden kann. Nur durch offene Standards und normierte Schnittstellen wie APIs oder standardisierte Datenbankschnittstellen kann diesem Risiko begegnet werden; eine gewisse Abhängigkeit bleibt jedoch immer vorhanden (vgl. Bedner, 2013, S. 102; Höllwarth, 2014, S. 179). Vossen et al. sprechen gar von der Möglichkeit, dass der Anbieter den Endkunden „erpressen“ kann. Als zweite Abhängigkeit gilt das Risiko, dass die versprochenen Leistungen nicht zuverlässig eingehalten werden können. Hierbei können auch Datenlecks oder Probleme bei dem Cloud Sourcing auftreten (Vossen et al., 2012, S. 121). Um das Vendor Lock-In Risiko für den Endnutzer zu minimieren, kann man die sogenannte Interoperabilität zwischen den einzelnen Cloud Services heranziehen. Durch diese Unabhängigkeit kann der Vendor Lock-in Effekt minimiert werden (Nix, 2013, S. 17): „Daher stellt die Individualisierung der Dienste durch die Anbieter eine wesentliche Forderung der Klienten dar, was wiederum im gegensätzlichen Interesse der Anbieter liegt“, erwähnt Nix (Nix, 2013, S. 17).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Cloud Computing ein, identifiziert eine Forschungslücke in Bezug auf Schweizer KMUs und definiert das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Definitionen, Akteure, Modelle und Servicetypen (IaaS, PaaS, SaaS) von Cloud Computing sowie die spezifischen Chancen und Risiken für Unternehmen.
3 Methodenteil: Hier wird das methodische Vorgehen der empirischen Studie, insbesondere die Wahl der Online-Umfrage und der Aufbau des Fragenkatalogs, detailliert beschrieben.
4 Auswertungsteil: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse der quantitativen Umfrage unter 153 Unternehmen mittels Diagrammen aufbereitet und analysiert.
5 Diskussion: Dieses Kapitel vergleicht die empirischen Erkenntnisse mit der Theorie, beantwortet die Forschungsfrage und zieht eine abschließende Konklusion.
Schlüsselwörter
Cloud Computing, KMU, Deutschschweiz, Datensicherheit, IaaS, PaaS, SaaS, IT-Outsourcing, Vendor Lock-in, Flexibilität, KMU-Studie, Datenhaltung, Cloud-Strategie, KMU-Umfrage, Skalierbarkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung des Cloud Computings mit einem speziellen Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in der Deutschschweiz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Cloud Computings, die Klassifizierung von Cloud-Modellen und Servicemodellen sowie eine empirische Untersuchung zu Chancen und Risiken beim Wechsel in die Cloud.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Beweggründe von Deutschschweizer KMUs für oder gegen einen Wechsel auf Cloud Computing zu identifizieren und die daraus resultierenden Chancen und Risiken aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine quantitative, standardisierte Online-Umfrage unter Entscheidungsträgern in Deutschschweizer KMUs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Cloud-Modellen und -Akteuren, eine detaillierte Auswertung der empirischen Umfrage sowie eine Diskussion, welche Theorie und Empirie miteinander vergleicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Cloud Computing, KMU, Datensicherheit, IaaS, PaaS, SaaS und Datenhaltung geprägt.
Warum ist das Thema Datensicherheit laut der Umfrage so kritisch?
Die befragten Unternehmen äußerten überwiegend kritische Bedenken bezüglich des unbekannten Speicherorts der Daten, der Abhängigkeit von Internetanbindungen und des möglichen Kontrollverlusts bei der Datenbearbeitung.
Welche Rolle spielen Cloud Service Broker in der Arbeit?
Cloud Service Broker werden als wichtige zukünftige Akteure identifiziert, da sie Unternehmen bei der Evaluation der optimalen Cloud-Lösung unterstützen und als zentrale Anlaufstelle fungieren können.
- Arbeit zitieren
- Sandro Eggenberger (Autor:in), 2015, Entwicklung des Cloud Computings in deutschschweizer KMUs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302501