Polarization Reversal am Beispiel Sao Paulo


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Der Polarisationstheorethische Ansatz

2 Die Polarisation Reversal Hypothese

3 Polarisation Reversal am Beispiel São Paulos
3.1 Phase I – Regionale Konzentration
3.2 Phase II – Intraregionale Dezentralisation
3.3 Phase III – Interregionale Dezentralisation ?

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Raumstrukturmodell eines "Polarisation-Reversal"

Abbildung 2: Bevölkerungswachstum in der Metropolregion São Paulo 1990-2000

Abbildung 3: Bevölkerungswachstum in der Metropolregion São Paulo 2000-2010

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Das Wachstum São Paulos im Vergleich

Tabelle 2: Absolute Einwohnerzahlen São Paulos im Vergleich

Tabelle 3: Bevölkerungswachstum São Paulos im Vergleich

Tabelle 4: Bevölkerungswachstum im Bundesstaat São Paulo

Tabelle 5: Einwohnerentwicklung in den größten Städten Brasiliens

1 Der Polarisationstheorethische Ansatz

Die Polarisationstheorie entstand in den 1950er Jahren innerhalb der Wirtschafts-wissenschaften aus der Kritik an der Neoklassik und deren Gleichgewichtstheorie, nach der ein wirtschaftlicher Entwicklungsprozess zu einem Wohlstandsausgleich führe, (Braun, 2012, S. 106) was allerdings in der Realität meist nicht zu beobachten war (Kulke, E. 2008). Bei der Polarisationstheorie handelt es sich jedoch nicht um eine geschlossene Theorie (Schätzl, L 2003 S.158). Es ist zwischen einer sektoralen und regionalen Polarisationstheorie zu unterscheiden.

Die Grundannahme der sektoralen Polarisationstheorie ist, dass die erfolgreichen und dominanten Sektoren oder Branchen in einer Volkswirtschaft, einen Großteil der finanziellen und personellen Ressourcen an sich ziehen und so ihre dominante Stellung noch weiter ausbauen können (Braun, 2012, S. 106). Dies kann sich entweder Positiv auf andere Branchen auswirken oder auch negativ.

Die regionale Polarisationstheorie, welche auf Gunnar Myrdal zurückgeht, überträgt die Theorie auf wirtschaftliche dominante Räume (Schätzl, L 2003, S. 161). Gemeinsam ist beiden Ansätzen die Annahme, dass „der Erfolg den Erfolg nähre“ (Reichhart, 1999, 183), und somit einmal in Gang gesetzte Ungleichgewichte, z.B. durch Standort Vor- bzw. Nachteile, die Tendenz haben sich noch weiter zu verstärken. Myrdal, geht davon aus, dass unter marktwirtschaftlichen Bedingungen innerhalb eines Systems die Veränderung einer Variable eine Rückkopplung der anderen Variablen in meist gleicher, seltener aber auch in entgegengesetzter Richtung bewirkt, was wiederum ein Verstärkung der Veränderung der ersten Variable herbeiführt (Braun 2012, S. 110; Schätzl, L 2003, S.16; Myrdal 1959, S. 22-23). Myrdal nennt diesen Mechanismus „Zirkulär-Kumulative Kausalität“ (Myrdal S. 9, 1959). So führt z.B. eine Beschäftigungszunahme zu einer Kaufkraftzunahme. Dies lässt die Steuereinnahmen steigen, wodurch die Infrastruktur verbessert werden kann, was wiederum zur Folge hat, das sich neue Unternehmen ansiedeln und die Beschäftigung zunimmt. Die weniger entwickelten Regionen werden dadurch hingegen negativ beeinflusst, so wandern z.B. Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräften in die erfolgreiche Region ab (zentripetale Entzugseffekte) (Braun, 2012, S.110). So kommt es zu einer Polarisierung. Die positive Rückkopplung einer Variable auf eine andere innerhalb einer Region war für Myrdal die Regel. Doch erkannte er an das unter Umständen auch zu einer negativen Rückkopplungsschleife in der polarisierten Region kommen kann, und zentrifugale Ausbreitungseffekte dafür sorgen, dass es zu einem Abbau der Entwicklungsunterschiede kommt (Braun 2012, S. 110). Nach Myrdal sind die Entzugseffekte umso stärker, je ärmer ein Land ist. Nur in entwickelten Ländern lassen sich hingegen auch Ausbreitungseffekte beobachten (Myrdal G 1959, S. 30-33). Dies führt er darauf zurück, dass es sich die reichen Länder, im Gegensatz zu den ärmeren leisten können, der Polarisation mit Investitionen entgegen zu wirken. Die Regierungen armer Länder hingegen, förderten aus macht-strategischen Gründen sogar oftmals den Polarisierungseffekt noch (Myrdal 1959, S.37-45). Alfred Otto Hirschmann sieht, Myrdals Gedanken aufgreifend, am Anfang einer wirtschaftlichen Entwicklung die Entzugseffekte stärker wirken, während sich mit dem Fortschreiten der Entwicklung die Agglomerationsvorteile in Agglomerationsachteile wandeln und es so zu Ausbreitungseffekten kommt (Braun 2012, S. 110).

2 Die Polarisation Reversal Hypothese

H.W. Richardson greift die Gedanken von Myrdal und Hirschmann in seiner 1980 aufgestellten Polarisation Reversal Hypothese auf und versucht ein Modell für die Entwicklung von Entwicklungsländern aufzustellen. Richardson geht von einem Phasenmodell räumlicher und wirtschaftlicher Entwicklung aus, an dessen Ende ein stabiles Hierarchiesystem steht, in welchem die einzelnen Räume voll miteinander Integriert sind und das Potenzial aller Räume optimal ausgenutzt wird (Kulke 208, S. 284). Richardson greift Myrdals Polarisationsansatz auf und versucht ihn mit der Gleichgewichts-theorie der Neoklassik zu vereinen. Polarisation und Abbau wirtschaftlicher Ungleichheiten werden nicht mehr als miteinander nicht zu vereinbarende Theorien angesehen, sondern als verschiedene Phasen eines lang andauernden Prozesses (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, S. 213-214). Kernaussage der Polarisation Reversal Hypothese ist, dass Entwicklungsländer einer Phase der Polarisation durchlaufen, bis es zu einem Wendepunkt in der Entwicklung kommt (Polarisation Reversal), da ab diesem Zeitpunkt die Nachteile der Polarisation, wie z.B. Flächenknappheit, überbelastetet Infrastruktur, hohe Umweltbelastung, Slumbildung, hohe Bodenpreise, hohe Arbeits- und Lebenserhaltungskosten, gegenüber den Vorteilen der Zentralisierung (gut ausgebaute Infrastruktur, Nähe zu Zulieferern und Absatzmärkten, usw.) überwiegen (Braun 2012, S. 110; Kulke 2008, S. 285). Vor allem der Mangel an Baugrund und das daraus resultierende Ansteigen der Bodenpreise kann als Hauptfaktor der Polarisation Reversal angesehen werden (Reichhart 1999, S. 183 ff.). Richardson entwickelt ein 4-Phasenmodell, wobei der Übergang von Phase zwei zu Phase drei als Beginn des Polarisation Revival angesehen werden kann (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, S. 214). Bei der ersten Phase (Regionale Konzentration) handelt sich um eine Phase der Polarisation wie von Myrdal beschrieben. Aufgrund der Knappheit an Produktions- und Investitionsmitteln bildet sich eine Stadt mit einer besonderen Standortgunst (Meeresanbindung, Verkehrsknotenpunkt, Rohstoffreichtum usw.) zu einem Zentrum heraus, und der Prozess der Polarisierung wird in Gang gesetzt (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, S. 214; Kulke E. 2008, 285).

In der zweiten Phase (Intraregionale Dezentralisation) treten erstmals Agglomerations-nachteile auf. Arbeiter und Betriebe siedeln sich nun vor allem im nahen Umland des Zentrums an, um den Agglomerationsnachteilen zu umgehen, gleichzeitig aber trotzdem die Vorteile, welche die Zentrumsnähe bietet, Nutzen zu können (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, S. 214; Kulke E., 285).

In der dritten Phase (Interregionale Dezentralisation) verschärfen sich die Agglomerations-nachteile noch weiter, und breiten sich ins Umland der Zentren aus. Die Agglomerationsvorteile liegen jetzt in den Subzentren der Peripherie. Dadurch werden Wanderungs- und Investitionsströme, vom Zentrum in die Subzentren umgelenkt (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, S. 214; Kulke E., 285).

In Phase Vier (Sub-Intraregionale Dezentralisation) sehen sich die Subzentren mit den gleichen Nachteilen konfrontiert, die der Primatstadt schon in Phase zwei widerfuhren. Dadurch kommt es nun auch in der Peripherie zu einer Verschiebung von dem Subzentrum in das Umland. Am Ende der vierten Phase hat sich somit eine stabiles Städtesystem mit nur geringen regionalen Unterschieden herausgebildet (Bähr J., Wehrhahn R. 1995, S. 214 Kulke E., 285).

[...]

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Details

Titel
Polarization Reversal am Beispiel Sao Paulo
Veranstaltung
Humangeographie 2
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V302504
ISBN (eBook)
9783668025202
ISBN (Buch)
9783668025219
Dateigröße
933 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
polarization, reversal, beispiel, paulo
Arbeit zitieren
Sebastian Steidle (Autor:in), 2012, Polarization Reversal am Beispiel Sao Paulo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302504

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