Aggressionstheorien. Warum Menschen gewalttätig sind


Studienarbeit, 2001
17 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Aggressionstheorien- Warum sind Menschen gewalttätig?

2. Aggressionstheorien
2.1 Die angeborene Aggression
2.1.1 Freuds Theorie von Thanatos und Katharsis
2.1.2 Der Aggressionstrieb nach Konrad Lorenz
2.1.3 Genetische Veranlagung
2.2 Physiologische Ursachen der Aggression
2.3 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
2.4 Aggression als provozierte Bereitschaft
2.5 Sozial gelernte Aggression

3. Beobachtungen zu den Phänomenen Gewalttätigkeit und Friedfertigkeit
3.1 Die Yanomamö-Indianer
3.2 Die Hopi-Indianer
3.3 Industrienationen

4. Resümee und Schlussfolgerungen aus den geschilderten Theorien und Untersuchungen

Literaturverzeichnis

1. Aggressionstheorien- Erklärungsversuche, warum Menschen gewalttätig sind

Aggression-der Begriff

(lat. „adgredere“-herangehen, hinzuschreiten)

Aggression beim Menschen wird definiert als körperliches oder verbales Handeln, das mit der Absicht ausgeführt wird, zu verletzen oder zu zerstören. Gewalt ist Aggression in ihrer extremen und sozial nicht akzeptablen Form (Zimbardo, 1995).

Eigentümlicherweise sind es aber genau diese Formen des Handelns, die eine faszinierende Anziehung auf uns alle ausüben. Tagtäglich werden wir in den Zeitungen, den TV-Nachrichten und auch vom allgemeinen Dorftratsch über die neuesten Katastrophen und Greueltaten unterrichtet. Sehr großes Interesse bekunden die Menschen vor allem an den Berichten, die besonders reißerisch und detailgenau das Ausmaß der Tragödien präsentieren. Aber nicht genung mit den realen Grausamkeiten, die in unserer Welt alltäglich sind. Die Menschen stellen sich selbst künstliche Welten her, in denen nicht nur Gewalt und Tod im realen Kontext dargestellt werden, sondern es werden übernatürliche Phänomene, Gestalten und Lebewesen erfunden, die zwar die Menschen an Grausamkeit kaum überbieten können, dennoch aber einen ganz neuen Nervenkitzel in die Geschichten mit einbringen. Andererseits werden Aggression und Gewalt auch in einer Form dargestellt, die sie zunächst harmlos und eher belustigend erscheinen lassen. In vielen Comics, ob als Film oder als Buch, wird die Gewalt auf sehr überzogene Weise dargestellt, die uns schmunzeln lässt, zumindest solange wir uns nicht vorstellen, wir wären gerade das römische Gegenüber von Obelix. Was aber gefällt uns Menschen an diesen täglichen „Horrortrips“, dass wir nicht umhinkommen, uns ständig mit ihnen zu konfrontieren und sie zu konsumieren? Kann man davon ausgehen, dass gerade diese brutalen Modellgeschichten manchmal sogar zur Nachahmung verleiten? Warum sind manche Menschen gewalttätig und aggressiv, und warum sind bestimmte Formen der Gewalt für bestimmte Völker oder Gruppen typisch, für andere aber nicht?

Aggression als Begriff zur freien Assoziation in den Raum gestellt, zieht Schlagwörter wie Gewalt, Angst, Neonazis, Männer, Ärger, kontrollieren, unkontrolliert, Anstau von Niederlagen und Verletzungen, Disziplin, aufgestauter Frust, umlenken, Revolution, Umsturz, Staatssturz, kanalisieren, verändern, verhindern auf sich.

Emotionen, Verhalten und Kontrolle scheinen die Wörter zu sein, zu denen die meisten dieser Assoziationen irgendwie zugeordnet werden können. Welche Beziehungen bestehen zwischen diesen Begriffen, die alle dem Wort Aggression zugeschrieben werden können?

Bedingt das eine das andere? Sind Aggressionen nun Emotionen oder Verhalten? Folgt das eine aus dem anderen? Was beinhaltet Aggression, wenn es so viele Begriffe gibt, die man damit in Verbindung bringen kann? Können wir Aggressionen kontrollieren, oder nur das Verhalten, das die Aggression deutlich macht? Sind Emotionen kontrollierbar, oder nur das Verhalten, in dem sie sich äußern? Sind Emotionen ein Teil der Aggression, oder ist Aggression eine von vielen Emotionen? Viele Fragen sind bis jetzt noch nicht beantwortbar.

In den folgenden Ausarbeitungen stelle ich mehrere Theorien vor, die sich mit dem Aggressionsphänomen befassen. Mit Hilfe der zu Rate gezogenen Fach-literatur möchte ich versuchen, dieses Thema kompakt darzustellen.

Ich habe mich beim Zusammenfassen der theoretischen Grundlagen v.a. auf Zimbardos Abhandlung über menschliche Aggression und Gewalt, 1995,

S. 425-433, gestützt. Seine neutrale Darstellung der verschiedensten psycholo-gischen Schulrichtungen und ihrer Theorien zu diesem Thema machen ihn zur hervorragenden Grundlage für meine Ausarbeitungen. Diese beginnen thema-tisch aufeinanderfolgend mit der Theorie Freuds und führen über die verschie-densten psychologischen und auch physiologischen Erklärungsversuche bis zu den heutigen Erkenntnissen des sozial erlernten Verhaltens. Dabei wurden sowohl Beobachtungen und Untersuchungen aggressiver Interaktionen im Labor als auch in der realen Welt zu Rate gezogen.

Der Bezug des Themas Aggression zum Beruf des Sozialpädagogen ist ein sehr offensichtlicher, da oftmals das zu betreuende Klientel gerade in diesem Verhaltensbereich große Probleme hat. Sozialpädagogen sollten sich über die Zusammenhänge aggressiven Verhaltens zu seiner Ausprägung und seinem Ursprung informieren, um auf die Geschichte des jeweiligen Klienten individuell Bezug nehmen zu können. So kann dann eventuell mit dem Klienten zusammen an neuen Lösungsstrategien gearbeitet werden.

2. Die Aggressionstheorien

2.1 Aggression als angeborener Trieb

2.1.1. Freuds Theorie von Thanatos und Katharsis

Freud sah den Menschen als triebgesteuertes Wesen, das sich in allem von seinen angeborenen Trieben leiten lässt. Die beiden wichtigsten, eigentlich alles beherrschenden Triebe sind der Lebenstrieb (Eros), der für Lebensenergie und Wachstum steht und der entgegengesetzte Todestrieb (Thanatos), der die selbstzerstörerischen Tendenzen des Individuums verkörpert.

Freud glaubte, dass der Todestrieb zum Selbstschutz oft nach außen gelenkt wurde, wo er sich dann als Aggression gegen andere gerichtet hat. “Die gefährlichen Todestriebe werden im Individuum auf verschiedene Weise behandelt, teils durch Mischung mit erotischen Komponenten unschädlich gemacht, teils als Aggression nach außen abegelenkt, zum großen Teil setzen sie gewiß unbehindert ihre innere Arbeit fort.“ (1976, S. 284)

Die Energie für den Todestrieb bildet sich im Körper und wird dort gesammelt. Kann sie nicht in kleinen „Entladungen“ ungefährlich („sozial verträglich“) abgebaut werden, wird sie sich so lange anstauen, bis der Mensch sie nicht mehr kontrollieren kann und sie sich nach innen richtet. “Je mehr ein Mensch seine Aggression meistert, desto mehr steigert sich die Aggressionsneigung seines Ideals gegen sein Ich. Es ist wie eine Verschiebung, eine Wendung gegen das eigene Ich.“ (1976, S. 284).

Freud sieht als eine mögliche Form der Ableitung der Energie die „Katharsis“, das Abreagieren der angestauten Energie, die sonst zu Autoaggression führen würde. Dabei werden die Gefühle in ihrer vollen Intensität ausgedrückt, z.B. durch Weinen, Worte, symbolische Mittel oder direkte Handlungen.

2.1.2 Der Aggressionstrieb nach Konrad Lorenz

Konrad Lorenz stellte als Ethologe aufgrund von Tierbeobachtungen 1966 die Theorie auf, dass Aggression eine spontane innere Bereitschaft zum Kampf sei, die für das Überleben eines Organismus entscheidend sei. Meistens verliere der Unterlegene bei aggressiven Auseinandersetzungen zwischen Tieren nur den Kampf, nicht aber sein Leben. Auch schwere Verletzungen seien eher eine seltene Folge solcher Kämpfe, der Verlierer werde zur Beschwichtigung bzw. Unterwerfung dem Sieger eindeutig gestikulieren, dass er kapituliere.

Beim Menschen allerdings scheine diese aggressionshemmende Befriedungs-stratiegie laut Lorenz verlorengegangen zu sein, der Aggressionstrieb aber sei erhalten geblieben. Menschen töteten somit auch Angehörige der eigenen Art, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie aus der Entfernung töten könnten durch die Entwicklung der Waffen.

2.1.3 Genetische Veranlagung

Aktuellere Studien zur genetischen Veranlagung von aggressiven Eigenschaften versuchen, die Ähnlichkeit von Merkmalsausprägungen mit dem Grad der Verwandtschaft von Personen in Verbindung zu setzen (Plomin, DeFries & Mc Learn, 1980). Laut neueren Berichten beeinflussen genetische Faktoren sowohl die Aggressivität als auch den Altruismus. Dabei haben die Gene allerdings nur indirekten Einfluß auf das Verhalten. Sie stellen codes, also biologische Programme zur Produktion bestimmter Proteine (Neurotransmitter,Hormone), bereit. Diese Proteine arbeiten im Nervensystem und im Gehirn und können sich so direkt auf das Verhalten auswirken.

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Details

Titel
Aggressionstheorien. Warum Menschen gewalttätig sind
Hochschule
Hochschule München
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V30251
ISBN (eBook)
9783638315524
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggressionstheorien, Warum, Menschen
Arbeit zitieren
Christina Moergen (Autor), 2001, Aggressionstheorien. Warum Menschen gewalttätig sind, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30251

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