Haltung und Handeln frühpädagogischer Fachkräfte zur Umsetzung der Partizipation im Elementarbereich


Hausarbeit, 2015
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Partizipation – eine Begriffsbestimmung
2.1. Allgemeine Begriffsdefinition
2.2. Bedeutung von Partizipation in Kindertageseinrichtungen

3. Gesetzliche Grundlagen
3.1. UN Kinderrechtskonventionen
3.2. Sozialgesetzbuch (SGB), Achtes Buch (VIII)
3.3. KiBiz NRW

4. Grundhaltungen und Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte zum Ausbau der Partizipation in Kindertageseinrichtungen
4.1. Menschenbild
4.2. Beobachtung und Analyse
4.3. Dialogfähigkeit
4.3.1. Aktives Zuhören und Verstehen
4.3.2. Fragen stellen
4.3.3. Moderieren
4.4. Reflexion
4.5. Mut und Vertrauen
4.6. Methodenkompetenz
4.7. Geduld
4.8. Fehlerfreundlichkeit
4.9. Erwachsensein
4.10. Verantwortung

5. Implementierung von Partizipationsprozessen
5.1. Annäherung an das Thema Partizipation in Kitas
5.2. Partizipationswissen erwerben
5.3. Umsetzungsmöglichkeiten diskutieren
5.4. Rechte der Kinder diskutieren
5.5. Eltern beteiligen
5.6. Partizipative Strukturen entwickeln
5.7. Gemeinsam Methoden erarbeiten und erweitern
5.8. Prozesse reflektieren

6. Persönliches Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Partizipation ist ein weit verbreitetes Thema im frühkindlichen Bildungsbereich und wird viel in Literatur und Politik diskutiert

Welche positiven Vorteile diese Prozesse für Kinder haben, wurde mittlerweile schon ausreichend in verschiedensten Publikationen evaluiert

Aktuell befindet sich an der Fachhochschule Kiel eine Studie in der Auswertung mit dem Titel „Schlüsselkompetenzen pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen für Bildung und Demokratie“[1]. Leider sind noch keine Ergebnisse veröffentlicht worden

Denn auch ich möchte wissen, welche Kompetenzen pädagogische Fachkräfte mitbringen oder entwickeln müssen, um die Partizipation in Kindertageseinrichtungen zu leben und zu entwickeln.

Zum Einen möchte ich meine persönliche Haltung und mein Handeln vor diesen Ergebnissen reflektieren und gegebenenfalls weiterentwickeln, zum Anderen möchte ich wissen, wie ich als potenzielle zukünftige Leitung meine Mitarbeiter/innen dazu schule, die Partizipation umzusetzen.

In der vorliegenden Hausarbeit gehe ich zu Beginn auf Definition und Gesetze der Partizipation ein.

Im Hauptteil geht es dann um die persönlichen Kompetenzen, welche eine pädagogische Fachkraft entwickeln oder besitzen sollte und um einen modellhaften Umsetzungsplan in der Teamarbeit zur Entwicklung einer partizipativen Einrichtungsstruktur.

Zum Schluss werde ich noch einmal kurz ein persönliches Fazit über meine Lernerfolge während der Bearbeitung dieser Hausarbeit ziehen.

2. Partizipation – eine Begriffsbestimmung

2.1. Allgemeine Begriffsdefinition

Das Wort Partizipation stammt von dem lateinischen Begriff participare und wird übersetzt mit Teilhabe, teilnehmen, Anteil haben oder Beteiligtsein.[2]

Im politischen Sinne meint Partizipation die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bei gemeinsamen (politischen) Entscheidungen insbesondere bei Wahlen und Verwaltungsentscheidungen.[3]

Eine einfache Definition von Partizipation hat Richard Schröder, ehemaliger Leiter des ersten Kinderbüros, formuliert: „Partizipation heißt, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden“[4] Dies ist eine vielfach in pädagogischer Fachliteratur zitierte Definition, welche sich als Leitgedanke zur Partizipation im Elementarbereich umsetzen lässt.

2.2. Bedeutung von Partizipation in Kindertageseinrichtungen

Es besteht weitgehend Einigkeit in der Wissenschaft darüber, dass Bildung in erster Linie Selbstbildung ist. Die Pädagogik in Kindertageinrichtungen hat sich mittlerweile weitestgehend dahin gehend verändert, dass sie nicht mehr davon ausgeht, dass sie Kindern Bildung beibringen muss, sondern, dass sich Kinder selbst bilden und entwickeln. Diese Selbstbildung findet immer statt in ihren individuellen Interessens- und Lebensbezügen.

Ausgehend von dieser Grundannahme, ist es eine Voraussetzung, dass Kinder bei der Bestimmung ihrer eigenen Bildungsziele mit einbezogen werden und zu Gestaltern ihrer Bildungsprozesse werden. Dies verlangt von den pädagogischen Fachkräften eine Veränderung ihrer bisherigen Rolle von der (besser- und all-) wissenden Erzieherin hin zu einer Bildungsbegleiterin. Die macht sich gemeinsam mit dem Kind neugierig auf den Weg und vertraut dabei auf sein eigens Entwicklungspotenzial.[5]

3. Gesetzliche Grundlagen

Kinder haben ein gesetzlich verankertes Recht auf Partizipation. Es ist wichtig, sich dies immer wieder bewusst zu machen, nicht nur als pädagogische Fachkraft. Resultierend aus diesen Gesetzen besteht keine andere Möglichkeit, als Kinder immer wieder in ihren Belangen zu beteiligen.

3.1. UN Kinderrechtskonventionen

Auf der UN-Generalversammlung im November 1989 wurden das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“, kurz die Kinderrechtskonventionen verabschiedet und trat 1992 auch in Deutschland in Kraft. Für die Partizipation ist der Artikel 12 Absatz 1 dabei von besonderer Bedeutung. Dort steht geschrieben: „Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.“[6]

3.2. Sozialgesetzbuch (SGB), Achtes Buch (VIII)

Bereits im Jahre 1991 trat im Sozialgesetzbuch ein ähnlicher Paragraf in Kraft, der die Beteiligungsrechte der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen und Diensten der öffentlichen Jugendhilfe stärkte. Dort steht in § 8 Absatz 1 geschrieben „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.(…)“[7]

3.3. KiBiz NRW

In den Kindertagesstättengesetzen der deutschen Bundesländer finden sich auch gesetzliche Regelungen zum Rechtsanspruch der Kinder auf Partizipation. Im Kinderbildungsgesetz Nordrhein-Westfalen, kurz KiBiz, wird dieser Rechtsanspruch deutliche in §13 Absatz 6, dort heißt es: „Die Bildungs- und Erziehungsarbeit wirkt darauf hin, Kinder zur gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen. Daher sollen Kinder ihrem Alter, ihrem Entwicklungsstand und ihren Bedürfnissen entsprechend bei der Gestaltung des Alltags in der Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege mitwirken. Sie sind vom pädagogischen Personal bei allen sie betreffenden Angelegenheiten alters- und entwicklungsgerecht zu beteiligen. Zum Wohl der Kinder und zur Sicherung ihrer Rechte sind in Tageseinrichtungen geeignete Verfahren der Beteiligung und die Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten vorzusehen und zu praktizieren.“[8]

4. Grundhaltungen und Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte zum Ausbau der Partizipation in Kindertageseinrichtungen

In den Jahren 2001 bis 2003 fand in sieben Kindertageseinrichtungen des Bundeslandes Schleswig-Holstein ein Modellprojekt zur Partizipation statt. Unter anderem kristallisierte sich am Ende von „Die Kinderstube der Demokratie“ eine Liste von zehn Eigenschaften heraus, was die Partizipation der Kinder von den Erwachsenen verlangt.[9] Diese zehn Eigenschaften sollen nun in den nächsten Unterkapiteln genauer erläutert werden.

4.1. Menschenbild

Partizipation braucht Erwachsene, die Kinder achten.

Das humanistische Menschenbild geht davon aus, dass jeder Mensch eine eigenständige, wertvolle Persönlichkeit ist und respektiert die Verschiedenartigkeit jedes Menschen. Kein Mensch gleicht zur Gänze einem anderen. Jeder Mensch muss ernst genommen werden, auch wenn seine Ausdrucksweise einem missverständlich ist, für die betreffende Person macht es Sinn. Das humanistische Menschenbild glaubt, dass jeder Mensch auf Wachstum und Selbstaktualisierung ausgelegt ist. Außerdem ist er fähig zur Veränderung und Problemlösung. Leider können diese Fähigkeiten durch verschiedene Vorkommnisse (z. B. Krankheit, Behinderung, Trauma) verschüttet und verloren sein.[10]

„Partizipation kann nur in Beziehungen entstehen, die durch gegenseitigen Respekt geprägt sind. Für die Gestaltung einer solchen Beziehung sind die Erwachsenen (in Kindertageseinrichtungen die pädagogischen Fachkräfte) in besonderer Weise verantwortlich.“[11]

Pädagogische Fachkräfte sollten also in jedem Kind ein einzigartiges Individuum sehen, dessen Persönlichkeit mit höchster Achtsamkeit respektiert werden sollte. Aufgabe ist es, den anvertrauten Kindern bei der Entfaltung ihrer Potenziale, Kompetenzen und Talente zu helfen und sie dabei zu unterstützen, sich ganz individuell weiterzuentwickeln.

4.2.Beobachtung und Analyse

Partizipation braucht Erwachsene, die in der Lage sind, die konkreten Themen der Kinder zu erfassen.

Beobachten und Dokumentieren gehören zum Alltagsgeschäft von pädagogischen Fachkräften. Seit einigen Jahren vollzieht sich in diesem Aufgabenfeld ein Wandel, weg von den standardisierten Verfahren, welche Kinder in Skalen und Tabellen einordnen und ihre Leistungen messen und vergleichen, hin zu einer individuellen Beobachtungsform, die die individuellen Bildungsthemen der Kinder in den Blick nimmt. Zwei der gängigsten Methoden, die sich aktuell anscheinend in vielen Kindertageinsrichtungen durchsetzen, sind Lerngeschichten und Portfolios. Lerngeschichten führen anhand von individuellen Situationen die sich vollziehenden Bildungsprozesse des Kindes auf. Das Portfolio ergänzt diese einzigartige persönliche Weiterentwicklung durch Bilder, Fotos und Anekdoten. Wer sich auf diese Beobachtungs- und Dokumentationsformen einlässt, wird sich den Kindern ganz automatisch partizipativ nähern und ihre persönlichen Bildungsthemen erkennen. Daraus resultierend können wiederum Impulse entstehen, die den kindlichen Bildungsprozess vorankommen lassen.

Es reicht aber nicht nur aus, diese Beobachtungen wie Geheimpapiere zu verwalten. Die Lerngeschichten und Portfolios müssen mit den Kindern in einem dialogischen Kontext dazu genutzt werden, den Kindern einen Blick auf ihre eigenen Fähigkeiten und Entwicklungsschritte zu ermöglichen.[12]

4.3. Dialogfähigkeit

Partizipation braucht Erwachsene, die in der Lage sind, einen Dialog zu führen.

„Ob sie Ernst genommen werden, ob ihre Sicht der Welt wichtig ist, ob sich andere für ihre Wünsche interessieren – all dies erleben Kinder zunächst in der Art und Weise, wie Erwachsene mit ihnen kommunizieren“[13]

In Worten, Gesten, im Tonfall, in Zurückhaltung des eigenen Wissens, im Zuhören und im Nachfragen zeigt sich, ob die pädagogische Fachkraft zu einem Dialog mit Kindern bereit ist und in dem Kind einen gleichwertigen Partner sieht.[14]

Pädagogische Fachkräfte müssen für eine gelungene dialogische Kommunikation die Überzeugung vertreten, dass bereits sehr junge Kinder eigene Meinungen, Ideen, Wünsche und Bedürfnisse haben und diese auch auf unterschiedlichste Art und Weise ausrücken können. In dem Gedicht „Die hundert Sprachen des Kindes“ beschreibt Loris Malaguzzi, langjähriger Leiter der Kindergärten und Krippen in Reggio Emilia, die vielfältigen Arten und Weisen, mit denen Kinder sich ausdrücken. Um die Äußerungen der Kinder wahr- und ernst zu nehmen lohnt es sich also, Zeit und Mühe in Dialoge mit Kindern zu investieren.[15]

4.3.1. Aktives Zuhören und Verstehen

Das Zuhören während eines Dialoges bedeutet nicht alles nur passiv aufzunehmen, sondern die Äußerungen, sowohl die nonverbalen als auch die verbalen zu verstehen und sie Ernstzunehmen. Das bedeutet auch mit dem Gegenüber in einen wechselseitigen Interaktionsprozess über das Gehörte zu treten, und sich zu vergewissern, dass das, was gehört wurde, auch so verstanden wird, wie es der Sprecher gemeint hat.[16]

[...]


[1] Fachhochschule Kiel, 2015

[2] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S. 19

[3] Regner & Schubert-Suffrian, 2011, S. 10

[4] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S. 19

[5] Regner, Schubert-Suffrian, & Saggau,2009, S.8ff

[6] Bundesministerium für Familien, 1989, S. 15

[7] Bundestag, 2015

[8] Ministerium für Familie K. J.-W., 2015

[9] Hansen, Knauer, & Friedrich, 2004, S. 95

[10] Pörtner, 2000

[11] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S.54f

[12] Regner & Schubert-Suffrian, 2011, S.89ff

[13] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S.54

[14] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S.55

[15] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S.249ff

[16] Hansen, Knauer, & Sturzenhecker, 2011, S. 252

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Haltung und Handeln frühpädagogischer Fachkräfte zur Umsetzung der Partizipation im Elementarbereich
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Abt. Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V302565
ISBN (eBook)
9783668007734
ISBN (Buch)
9783668007741
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Partizipation, Frühpädagogik, Elementarbereich, Frühe Bildung, Kindheitspädagogik, Teilhabe, Demokratie, Team, Teamarbeit, Teamentwicklung
Arbeit zitieren
Carola Schröder (Autor), 2015, Haltung und Handeln frühpädagogischer Fachkräfte zur Umsetzung der Partizipation im Elementarbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302565

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