Die methodischen Schwerpunkte von Sicherheitsberufen haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Sicherheitsmitarbeiter werden immer mehr im kommunikativen Umgang mit Menschen in Konfliktsituationen geschult.
Der Anstieg von Gewalttaten gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zeigt, dass auch Sicherheitskräften eine wachsende Bedeutung bei der Bewältigung von Konflikten zukommt.
Im Empfangsdienst von Behörden sind sie häufig die ersten im Kontakt mit potentiellen Gewalttätern. Kommunikationskompetenzen können in Situationen drohender Gewalt erheblich zur Verminderung von Aggressionspotentialen führen.
Welche Maßnahmen stehen dem Sicherheitsmanagement zur Verfügung, um proaktiv die Mitarbeiter zu schützen? Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Maßnahme eines Deeskalationstrainings:
Ist ein Deeskalationstraining als Maßnahme des Sicherheitsmanagements dazu geeignet, gewalttätige Konflikte auf der operativen Ebene proaktiv zu verhindern?
Zur Beantwortung der Fragestellung soll zunächst, unabhängig von den Ursachen der Gewalt, der typische Verlauf von Konfliktsituationen untersucht werden. Danach werden Konfliktpotentiale der operativen Sicherheit sowie mögliche Interventionen identifiziert. Zum Schluss werden Deeskalationstechniken vorgestellt und in Bezug auf die Geeignetheit für den Sicherheitsbereich überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
3 Entstehung von Gewalt
3.1 Verlauf gewalttätiger Konfliktsituationen
3.1.1 Auslöser
3.1.2 Eskalation
3.1.3 Krise
3.1.4 Erholung und Depression
4 Konfliktmanagement im Sicherheitsunternehmen
4.1 Konfliktpotentiale in der operativen Sicherheit
4.2 Die Rolle des Sicherheitsmanagements
4.3 Deeskalationstraining
5 Interventionen und Gewaltprävention
5.1 Intervention: Auslöse-Phase
5.2 Intervention: Eskalationsphase
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern ein Deeskalationstraining als präventive Maßnahme des Sicherheitsmanagements geeignet ist, um gewalttätige Konflikte auf operativer Ebene zu verhindern. Dabei werden die psychologischen Verläufe von Konflikten analysiert und Strategien zur Intervention in den frühen Phasen der Eskalation erarbeitet.
- Psychologische Grundlagen der Konfliktentstehung
- Verlauf von Angriffsphasen (Auslöser, Eskalation, Krise)
- Konfliktpotentiale in der operativen Sicherheit
- Methoden der rhetorischen Deeskalation und Gewaltfreien Kommunikation (GFK)
- Rolle des Sicherheitsmanagements bei der Mitarbeiterprävention
Auszug aus dem Buch
3.1 Verlauf gewalttätiger Konfliktsituationen
Jeder Akt der Gewalt ist in seiner Form einzigartig. Es lässt sich jedoch ein Ablauf typischer Phasen aufzeichnen (siehe Abbildung 1), der sich in den meisten Angriffssituationen wiederfindet (Breakwell, 1998).
3.1.1 Auslöser
In dieser Phase zeigt eine Person, durch Veränderungen im verbalen oder nonverbalen Verhalten, dass sie sich von ihrer normalen Handlungsweise wegbewegt. Zum Beispiel wäre das Nichtbefolgen der Weisung eines Sicherheitsmitarbeiters ein Indiz für diese Phase. Der eigentliche Auslöser für das abweichende Verhalten kann individuell sehr unterschiedlich sein (Atzenweiler, 2006).
3.1.2 Eskalation
Die Person weicht, aufgrund mentaler und körperlicher Kampfvorbereitung, immer mehr von ihrem normalen Grundverhalten ab. Drohgebärden und Kampfrituale nehmen zu. Zu beobachten wäre z.B. ein zunehmender Zigarettenkonsum oder das Ignorieren des wiederholten Nachfragens eines Sicherheitsmitarbeiters (a.a.O.).
Laut Hücker (2010) betreten die Konfliktparteien „eine ‚Eskalationstreppe‘, die Stufe für Stufe zum ‚Zusammenprall‘ führt“ (S. 22). Die Phase der Eskalation unterteilt sich in die Stufen der Emotionalisierung (Frustration, Stress, Wut), der Personalisierung („Was erlaubt der sich?“), der Legitimierung („Er hat es nicht anders gewollt!“) und der Radikalisierung („Wenn du nicht sofort …, dann …“).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese führt in die wachsende Bedeutung von Deeskalationstrainings für Sicherheitsberufe ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der proaktiven Gewaltprävention.
2 Begriffsbestimmungen: Hier werden die zentralen Termini Aggression, Gewalt und Deeskalation definiert und deren Verwendung in der Arbeit spezifiziert.
3 Entstehung von Gewalt: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle der Gewaltentstehung und unterteilt den Prozess in typische Phasen von der Auslösung bis zur Erholung.
4 Konfliktmanagement im Sicherheitsunternehmen: Hier wird der Fokus auf spezifische Konfliktarten in Sicherheitsberufen gelegt und die Verantwortung des Managements bei der Ressourcenschonung und Vorbereitung der Mitarbeiter hervorgehoben.
5 Interventionen und Gewaltprävention: Dieses Kapitel stellt konkrete Kommunikationstechniken für die verschiedenen Eskalationsstufen vor, insbesondere die GFK und rhetorische Deeskalation.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Deeskalationstrainings ein essenzielles Instrument für Sicherheitsmitarbeiter darstellen, um durch frühzeitige Interventionen Gewalt zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Deeskalationstraining, Sicherheitsmanagement, Gewaltprävention, Konfliktmanagement, Aggression, operative Sicherheit, Eskalation, Krisenkommunikation, Gewaltfreie Kommunikation, Stressbewältigung, Konfliktpotentiale, Personalsicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Eignung von Deeskalationstrainings zur proaktiven Verhinderung von Gewalt in Berufsfeldern der operativen Sicherheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Psychologie der Gewaltentstehung, Konfliktmanagement im betrieblichen Umfeld sowie Kommunikationstechniken zur Deeskalation.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob Deeskalationstrainings als Maßnahme des Sicherheitsmanagements geeignet sind, gewalttätige Konflikte auf operativer Ebene proaktiv zu verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse psychologischer und sicherheitswissenschaftlicher Ansätze zur Konfliktbewältigung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Konfliktphasen, die Identifikation von Risiken im Sicherheitsalltag und die Vorstellung spezifischer Interventionstechniken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Deeskalationstraining, Gewaltprävention, operative Sicherheit und gewaltfreie Kommunikation.
Was sind die Phasen einer Eskalation nach dem Modell der Arbeit?
Das Modell umfasst die Phasen Auslöser, Eskalation, Krise sowie Erholung und Depression.
Welche Rolle spielt das Sicherheitsmanagement bei der Gewaltprävention?
Das Management ist dafür verantwortlich, Konfliktpotentiale zu analysieren, Mitarbeiter durch Trainings auszustatten und sie für den Umgang mit Stress zu befähigen.
Wie unterscheidet sich die Intervention in der Auslöse-Phase von der Eskalationsphase?
In der Auslöse-Phase stehen Ablenkung und Gesprächsführung im Vordergrund, während in der Eskalationsphase Techniken der rhetorischen Deeskalation und Versachlichung angewendet werden.
- Arbeit zitieren
- Jonas Hauser (Autor:in), 2015, Deeskalationstraining und die Prävention von Gewalt im Sicherheitsbereich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302599