Der American Dream in "Forrest Gump". Eine Begriffs- und Filmanalyse


Facharbeit (Schule), 2015

14 Seiten, Note: 1,33


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorstellung des Themas und der Vorgehensweise

2. Der American Dream
2.1. Definition
2.2. Gesellschaftliche Bedeutung
2.3. American Dream in den 1960ern und 1970ern

3. Der Film Forrest Gump
3.1. Vorstellung der Handlung
3.2. Umgang mit dem American Dream
3.2.1. Motive
3.2.2. Sprache und Stilmittel

4. Zusammenfassung und Beantwortung der Leitfrage

5. Quellenverzeichnis
5.1. Primärquellen
5.2. Sekundärquellen
5.2.1. Literatur
5.2.2. Internet

1. Vorstellung des Themas und der Vorgehensweise

Der American Dream ist seit jeher ein Mythos der Vereinigten Staaten und daher Gegenstand vieler Filme und Bücher.

So behandelt auch Robert Zemecki das Thema in seinem Film „Forrest Gump“ (1994), der mit sechs Oscars und drei Golden Globes ausgezeichnet wurde.

Hierbei stellt sich zunächst die Frage, ob die Figur Forrest Gump den American Dream lebt. Die Beantwortung dieser Frage ist Gegenstand dieser Arbeit.

Daher wird zunächst einmal der American Dream, soweit dies überhaupt möglich ist, definiert und seine gesellschaftliche Bedeutung beschrieben.

Diese Untersuchung des amerikanischen Traumes erfolgt, um dann analysieren zu können, inwieweit Forrests Leben den American Dream umsetzt. Die Analyse erfolgt anhand im Film auftauchender Motive, die jeweils Teilaspekte des American Dreams sind sowie anhand filmstilitischer Mittel.

Abgerundet wird die Ausarbeitung durch ein Fazit, in dem die Leitfrage beantwortet werden soll.

2. Der American Dream

Da die vorliegende Arbeit den Umgang mit dem American Dream im Film „Forrest Gump“ analysiert, wird im Folgenden zunächst der American Dream definiert und seine Bedeutung in der US-amerikanischen Gesellschaft umrissen.

2.1. Definition

Weil der American Dream (deutsch: Amerikanischer Traum) eben kein greifbarer Gegenstand, sondern ein elementarer Bestandteil des US-amerikanischen Wertekanons ist, ist eine präzise Definition dieses „Traumes“ schwierig, da es sich um „[…] eine Art Ideal [handelt], welches als Projektionsfläche verschiedenartiger Vorstellungen und Hoffnungen dient“ (WERNER 2011, S. 129).

Besagte Vorstellungen und Hoffnungen sind der Fortschrittsglaube, eine Vision einer „schrankenlosen“ Gesellschaft mit hoher sozialer Mobilität, eine göttliche Auserwähltheit des amerikanischen Volkes, sowie die Westwärtsbewegung und der Glaube an Freiheit und Gerechtigkeit, der seinerseits in der Unabhängigkeitserklärung verwurzelt ist (vgl. WERNER 2011, S. 130).

Ein weiteres Kennzeichen des Ideals vom American Dream ist der Glaube, dass jeder durch harte Arbeit sozial aufsteigen kann und nicht durch seine Herkunft bereits höhergestellt ist. Jener Glaube an (sozialen) Aufstieg schlägt sich auch in der erstmaligen schriftlichen Erwähnung des amerikanischen Traumes durch den US-amerikanischen Historiker James Truslow Adams (1878-1949) nieder:

„But there has been also the American Dream, that dream of a land in which life should be better and richer for every man, with opportunity for each according to his ability or achievement […] a dream of social order in which each man and each woman shall be able to attain to the fullest stature […]” (http://en.wikipedia.org/wiki/American_Dream, 23.04.2015; mit einem Zitat aus ADAMS 1931)

Neben dem rein materiellen Aspekt des American Dream (Wohlstand, sozialer Aufstieg) besitzt der „Traum“ darüber hinaus eine spirituelle Dimension, die sich – aus dem Glauben an Fortschritt, göttliche Auserwähltheit und Wohlstand zu erklären – in einem schwer zu erschütternden kollektiven Grundoptimismus äußert („At its core, the American Dream represents a state of mind – that is, an enduring optimism given to a people who might be tempted to succumb to the trails of adversity, but who, instead […] continue to build a great nation“, HANSON & WHITE 2011, S. 3).

Zusammengefasst ist der American Dream ein rational nicht vollständig zu erklärender Glaube an durch Freiheit und Gleichheit sowie vor allem durch harte Arbeit zu erreichenden Wohlstand. Daher hat der amerikanische Traum sowohl eine materielle als auch eine ideelle Dimension und kann als Spiritualisierung von Wohlstand definiert werden (vgl. KIMMAGE in HANSON & WHITE 2011, S. 27)

2.2. Gesellschaftliche Bedeutung

Der American Dream ist in der US-Gesellschaft von Bedeutung. Da der amerikanische Traum Freiheits- und vor allem Gleichheitsrechte mit sozialem Aufstieg und Wohlstand verbindet und somit alle Menschen unabhängig von ihrer ethnischen und sozialen Herkunft anspricht, hat er eine einigende Wirkung auf die ethnisch diverse US-Gesellschaft (vgl. WERNER 2011, S. 131). Dies führt dazu, dass die US-Gesellschaft eine gemeinsame ideologische Grundausrichtung hat (vgl. ebd.). „The American Dream is the glue that keeps the country together (WHITE & HANSON 2011, S. 5, Zitat von ADAMS 1941)

Die Bedeutung des American Dream als „einigendes Prinzip“ (WERNER 2011, S. 131) wird besonders darin deutlich, dass gerade in Phasen wirtschaftlicher Depression der American Dream überdurchschnittlich häufig beschworen wird (WHITE & HANSON 2011, S. 5) und demzufolge in seinem Wesensgehalt unangetastet bleibt, weil der amerikanische Traum (siehe 2.1) einen starken Optimismus erzeugt.

Wurde sich hier vor allem auf die ideelle Dimension des American Dream fokussiert, so wird der folgende Abschnitt die materielle Bedeutung des American Dream, namentlich den sogenannten Erfolgsmythos, behandeln.

Der Erfolgsmythos ist im Aspekt der (Chancen)gleichheit des American Dream verwurzelt und hat sein Wesen in der success ethic, einer Lebenseinstellung, die auf das Streben nach Erfolg ausgerichtet ist (vgl. WERNER 2011, S. 134). Die Ursache für die success ethic liegt in dem Verständnis des American Dream, dass jedes Individuum gleich an Freiheiten und Chancen ist und selbst seine eigenen Fähigkeiten bei der Erlangung von Wohlstand einzusetzen hat. Es kommt also zu einer Hervorhebung des unabhängigen Individuums, wodurch zwangsläufig ein Konkurrenzdenken entsteht, welches in der umstrittenen (vgl. WERNER 2011, S. 134) success ethic gipfelt.

Eine weitere mögliche Ursache für die success ethic ist ein anderes Hauptelement des American Dream: Weil der American Dream derartig tief in der US-Gesellschaft verwurzelt ist, hat er sich auch politisch niedergeschlagen. Dies resultiert in einer liberalen Wirtschaftsgesetzgebung und einem geringen Sozialstaatsbewusstsein. Somit wird der Unternehmergeist einzelner gefördert (vgl. GLATZ & HENKE 2007, S. 14) und die Gesellschaft motiviert, durch (harte) Arbeit sozial aufzusteigen.

Der American Dream ist also sowohl ein einender Faktor als auch der Ausgangspunkt für den Erfolgsmythos, der sich zu einer umstrittenen success ethic gesteigert hat. Trotzdem ist der Begriff „American Dream“ in der US-Gesellschaft weiterhin positiv konnotiert, obwohl in den letzten Jahren seine Umsetzbarkeit bezweifelt wurde (vgl. https://today.yougov.com/news/2013/08/07/american-dream-slipping-away-hard-work-still-count/, 01.05.2015).

2.3. American Dream in den 1960ern und 1970ern

Da der Film Forrest Gump hauptsächlich in den 1960ern und 1970ern spielt, erscheint es sinnvoll, die Rolle des amerikanischen Traumes in diesen Jahren zu skizzieren.

In den 1960er Jahren griff vor allem der Aspekt des Grundoptimismus im American Dream. Trotz wirtschaftlicher Stagnation und eines außenpolitischen Prestigeverlustes (vgl. IzpB 268/2013, S. 31) wurde durch Präsident Kennedy eine idealistische (und damit unweigerlich mit dem American Dream verbundene) Aufbruchsstimmung erzeugt, die sich in Reformprogrammen wie „New Frontier“ und dem „Civil Rights Act“ äußerte. (vgl. IzpB 268/2013, S. 32, S. 34). Der American Dream, ausgedrückt durch Kennedys idealistischen Aktionismus, führte so zu einem „gesamtgesellschaftlichen liberalen Konsens und einem wiedererstarkten amerikanischen Sendungsgedanken“ (vgl. IzpB 268/2013, S. 32).

Diese Politik wurde auch nach dem Kennedy-Attentat 1963 von Nachfolger Johnson aufrechterhalten, der mit seinem „War on Poverty“-Programm durch die Schaffung von sozialer Gerechtigkeit sowie einer Verbesserung des Gesundheitswesens („Great Society Project“) den American Dream realisieren wollte (vgl. IzpB 268/2013, S. 34).

Jedoch war die US-Gesellschaft trotz New Frontier und Civil Rights Act nach wie vor in Schwarz und Weiß gespalten. Dies führte zur von Martin Luther King angeführten friedlichen Bürgerrechtsbewegung, die sich ebenso auf den amerikanischen Traum berief (siehe „I have a dream“-Rede 1963) und seine Wurzeln im schwarzen Streben nach dem American Dream sah (vgl.http://en.wikipedia.org/wiki/American_Dream, 23.04.2015; mit einem Zitat von KING 1963). Neben der friedlichen Bürgerrechtsbewegung existierte auch die weitaus radikalere „Black Panther for Self-Defense“-Strömung, die die Werte des American Dream missachtete und einen „schwarzen Nationalismus propagierte“ (IzpB 268/2013, S. 34).

In den 1960er Jahren ist also ein gespaltener American Dream festzustellen. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung radikalisierte sich, woraus die Black Panther Party entstand, die sich bewusst von amerikanischen Wertvorstellungen und dem American Dream distanzierte.

Der Vietnam-Krieg intensivierte die gesellschaftliche Krise insofern, als dass er einen enormen Prestigeverlust für die USA bedeutete, der auch durch die Mondlandung 1969 nicht kompensiert werden konnte (vgl. IzpB 268/2013, S. 35-36).

„Ereignisse wie […] der Vietnam-Krieg riefen in Bezug auf Ideale wie Selbstbestimmung, Freiheit und Chancengleichheit Skepsis hervor und setzten damit die Bedeutung des ‚American Dream‘ deutlich herab“ (GLATZ & HENKE 2007, S. 15). Der Vietnam-Krieg war daher für die USA nicht nur eine Niederlage, sondern ein kollektives Trauma („Vietnam-Trauma“).

Zum vordergründig außenpolitischen Prestigeverlusts des Vietnamkriegs kam die Watergate-Affäre, „die eine tiefgreifende Vertrauenskrise gegenüber der politischen Führung […] verursachte“ (IzpB 268/2013, S. 36). Bezogen auf den American Dream heißt das, dass ausgerechnet der Präsident durch seine Abhöraktionen gegen den Kodex des integren Konkurrenzkampfes verstieß, woraus ein großes Misstrauen der Bevölkerung resultierte. (vgl. IzpB 268/2013, S. 37).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der American Dream in "Forrest Gump". Eine Begriffs- und Filmanalyse
Note
1,33
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V302603
ISBN (eBook)
9783668007932
ISBN (Buch)
9783668007949
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
American Dream, Amerikanischer Traum, Forrest Gump
Arbeit zitieren
Sven Kreienhoop (Autor), 2015, Der American Dream in "Forrest Gump". Eine Begriffs- und Filmanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302603

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der American Dream in "Forrest Gump". Eine Begriffs- und Filmanalyse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden