LSD. Neuronale Grundlagen der Pharmakodynamik


Term Paper, 2008
12 Pages, Grade: 1,0
Robert Carlisle (Author)

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einteilung psychoaktiver Substanzen in Klassen

3 Pharmakokinetik

4 Physiologische und psychische Wirkung bei akuter Intoxikation

5 Pharmakodynamik - Neurale Korrelate der Wirkungen
5.1 die somatische Phase
5.1.1 das serotonerge System
5.1.2 das noradrenerge System
5.1.3 das ARAS als neurales Korrelat sympathischer Erregung
5.2 die sensorische Phase
5.2.1 LSD als 5HT-Antagonist
5.2.2 die Filterhypothese
5.2.3 aktuelle Annahmen: LSD als partieller Serotoninantagonist
5.2.4 LSD am 5HT-2A-Rezeptor
5.2.5 Rezeptoren und Glutamat
5.3 die psychische Phase

6 Zusammenfassung

1 Einleitung

Lysergsäurediethylamid (LSD) gehört zu den bekanntesten und meist-erforschten

psychoaktiven Substanzen. LSD wurde erstmals 1938 vom Schweizer Chemiker A. Hofmann zufällig synthetisiert auf der Suche nach medizinischen Verwendungsmöglichkeiten von Mutterkornalkaloiden. Ab 1943 erforschte Hofmann die Substanz in Selbstversuchen. In den fünfziger Jahren wurde die Wirkung der Substanz im Bereich der Psychiatrie eingesetzt und gewann an Popularität u.a. durch die Arbeit von Timothy Leary (1957). Nachdem die Verwendung der Substanz als Genussdroge um 1960 ihren Höhepunkt erreichte, nahm nahm der Gebrauch allmählich ab (Köhler 2005; Julien 2005). LSD zählt heute zu den illegalen Drogen gem. Betäubungsmittelgesetz. Die vorliegende Arbeit gibt neben einer Beschreibung von LSD zunächst einen Überblick über die Einteilung der Substanz in Klassen psychoaktiver Substanzen. Im zweiten Teil der Arbeit werden die Psychokinetik sowie die Pharmakodynamik der Substanz beschrieben. Auf der Basis aktueller Hypothesen sollen der Wirkmechanismus und die neuralen Korrelate der Effekte von LSD auf das Erleben des Konsumenten erklärt werden.

Die Annahme, die psychische Wirkung von LSD diene als Modell für Psychosen bietet einen interessanten Aspekt zur Anwendung des Wissens über die Wirkung der Substanz auf Hirnebene und ist zudem kann aus psychiatrischer Sicht als Hinweis auf dessen praktische Relevanz gesehen werden.

2 Einteilung psychoaktiver Substanzen in Klassen

Jede chemische Substanz, die das Fühlen, Denken und Wahrnehmen von Individuen beeinflusst, nennt man psychoaktiv, in Abgrenzung zu Substanzen, die Vorgänge im Nervensystem beeinflussen, aber nicht notwendig psychoaktiv sind, wie z.B. Medikamente. Diese Substanzen können nach verschiedenen Aspekten klassifiziert werden.

Die vorhandenen Klassifikationssysteme sind nicht immer eindeutig und nutzen neben sozial geprägten Einteilungskriterien, wie verschiedene physiologische Kriterien, wie z.B. die chemische Struktur der Substanz. Sinnvoll erscheint eine erste Einteilung entsprechend der Pharmakodynamik, also der dämpfenden oder erregenden Wirkung auf das Zentralnervensystem. Innerhalb der Gruppen ist eine weitere Unterteilung gemäß anderer Aspekte des Wirkmechanismus oder der durchschnittlich vorherrschenden beobachtbaren Wirkung möglich (Pritzel, Brand & Markowitsch, 2003, Kap. 17). Letzteres ist die Grundlage des Klassifikationssystems nach Julien (1997). Der Autor teilt psychotaktive Substanzen ihrer Wirkung entsprechend in 7 Klassen ein. LSD wirkt weder dämpfend noch erregend auf das zentrale Nervensystem, beides ist jedoch möglich als Begleiterscheinung der psychedelischen Wirkung. LSD wird deshalb in die Gruppe der Halluzinogene und Psychedelika eingeteilt, neben ähnlich wirkenden oder chemisch heterogenen Substanzen wie Cannabis und Meskalin.

Die Gruppe der Halluzinogene lässt sich dreifach weiter unterteilen entsprechend ihrer vorrangigen Wirkung auf Transmittersysteme. LSD gehört demnach zu den serotoninverwandten psychedelischen Substanzen zusammen mit den verwandten Substanzen Psylocibin, Psylocin und DMT. Daneben gibt es die Gruppen der anticholinergen und der catecholaminverwandten psychedelischen Substanzen, sowie psychedelische Narkosemittel (Julien, 1997).

3 Pharmakokinetik

Die Substanz wird in flüssiger Form transportiert und als Tropfen oral verabreicht oder in kleineren Mengen auf Pappstücke als oder Zuckerwürfel gegeben. Innerhalb von 60 Minuten wird die Substanz vom Körper resorbiert, nach ca. drei Stunden ist die maximale Konzentration im Blut erreicht. Die Dosis liegt zwischen 25 und 300 Mikrogramm. LSD kann ungehindert die Blut-Hirn- Schranke durchqueren und dadurch direkt auf Zellebene wirksam werden. Es verteilt sich in allen Geweben des Körpers, vorrangig in der Leber, dem Ort der Metabolisierung. Die Halbwertszeit beträgt durchschnittlich acht bis zehn Stunden, abhängig von der Menge, den körperlichen und psychischen Bedingungen des Individuums und dem Setting, in dem die Substanz verabreicht wird (Julien, 1997, Kap. 12).

4 Physiologische und psychische Wirkung bei akuter Intoxikation

„Was empfindet man? was sieht man? Wunderdinge, nicht wahr? Außerordentliche Schauspiele? Ist es herrlich? und schrecklich? und sehr gefährlich?“ (Baudelaire, 1860; zitiert nach Kuntz, 2005, S. 44f).

Halluzinogene sind Stoffe, die hauptsächlich in der Veränderung von Wahrnehmungen und Bewusstsein liegen daher auch die euphemistische Bezeichnung Psychedelika (die „Seele offenbarende“ Substanzen) (Köhler, 2005, Kap. 3).

Obwohl die Wirkung der Substanz von verschiedenen Einflussfaktoren abhängt, gibt es einige charakteristische Reaktionen. Der Ablauf eines LSD-Rauschs lässt sich in drei Phasen unterteilen. Er beginnt mit der „somatischen Phase“, in der leichte physiologische Veränderungen, in Form einer Aktivitätssteigerung des sympathischem- und des Zentralnervensystems, auftreten. In der darauf folgenden „sensorischen Phase“ treten Wahrnehmungsverzerrungen und Pseudohalluzinationen auf (Julien, 1997, Kap.12).

Zuletzt werden in der „psychischen Phase“ auf dem Peak der Wirkung Störungen kognitiver und emotionaler Prozesse erlebt, sowie ein verändertes Zeitgefühl, Gefühle der Depersonalisierung und dissoziative Reaktionen, unkontrollierbares Übergleiten in Verwirrtheitszustände bis hin zu akuten Angstzuständen und psychotischen Episoden.

Während intensive Wahrnehmungsverzerrungen und Pseudohalluzinationen den Hauptteil der Wirkung ausmachen, treten echte Halluzinationen seltener auf (Julien 1997, Kap. 12). Zur Spezifizierung der möglichen Wahrnehmungsveränderungen vgl. Abschnitt 5.1 der vorliegenden Arbeit.

5 Pharmakodynamik - neurale Korrelate der Wirkungen

Die Pharmakodynamik von LSD ist sehr komplex und nicht vollständig geklärt. Im Folgenden werden die aktuellen Arbeitshypothesen dargestellt, welche auf neuronaler Ebene die Wirkungen von LSD erklären sollen (Brand, 2007).

5.1 die somatische Phase

Symptome der ersten Phase der Wirkung sind zunächst körperliche Erregung und Aktivitätssteigerung (Julien, 1997). Ein Ansatz zur Erklärung bietet die Hypothese der Interaktion der Substanz mit dem serotonergen und dem noradrenergen Transmittersystem.

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Details

Title
LSD. Neuronale Grundlagen der Pharmakodynamik
College
Bielefeld University  (Physiologische Psychologie)
Course
Drogen und Psychopharmaka
Grade
1,0
Author
Year
2008
Pages
12
Catalog Number
V302606
ISBN (eBook)
9783668007796
ISBN (Book)
9783668007802
File size
616 KB
Language
German
Tags
Psychologie, Physiologie, Medizin, MTA, Krankenpflege, Drogen, Psychopharmaka, Halluzinogene, Psychotrope Substanzen, Substanzen, Intoxikation, Neurointoxikation, Belohnungssystem, Drogenmissbrauch, Drogenabhängigkeit
Quote paper
Robert Carlisle (Author), 2008, LSD. Neuronale Grundlagen der Pharmakodynamik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302606

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