In der vorliegenden Bachelorarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema der Theodizeefrage unter der Fragestellung, ob und wie diese im Religionsunterricht der Grundschule behandelt werden kann. Dies werde ich am Beispiel der Bibelstelle Johannes 9, 1-7 „Die Heilung des Blindgeborenen“ diskutieren, und einen Unterrichtsentwurf zu diesem Thema vorstellen.
Für eine Beantwortung der Frage, wie und ob Kinder eine Verbindung zwischen Gott und Leid sehen, halte ich eine Auseinandersetzung mit dem dazugehörigen Bild der heutigen Gesellschaft für elementar. Daher beschäftige ich mich zunächst mit Leiderfahrungen von Kindern und der Frage nach ihrem Empfinden in Bezug auf Gott und Leid, um den pädagogischen Einstieg in die Thematik herzustellen.
Nur wenn man sich bewusst ist, dass dem Thema des Leidens in der heutigen Gesellschaft aufgrund von Verdrängung und Veralltäglichung eine nicht ausreichende Aufmerksamkeit zukommt, wird einem die Bedeutung der Thematik und die damit verbundene Wichtigkeit über diese bereits in der Grundschulzeit zu sprechen, bewusst.
Anschließend werde ich die Theodizeefrage in der Bibel und der Theologie darstellen um daraufhin die Frage nach Gottes Allmacht zu klären. Außerdem werde ich versuchen eine Antwort auf die Frage zu finden, warum Gott Leid zulässt und persönlich Stellung zu diesem Thema beziehen. Das Wissen über die christlichen Vorstellungen zur Theodizeefrage ist gleichzeitig unerlässlich, wenn man diese im Religionsunterricht bearbeiten möchte.
Um der Bachelorarbeit einen Rahmen zu geben, behandle ich das Thema an dem biblischen Text einer Wundererzählung. „Die Heilung eines Blindgeborenen“ (Joh 9, 1-7) erschien mir geeignet, um die Frage nach dem Ursprung des Unglücks zu beantworten und diesbezüglich zu erklären, wie man trotzdem von einem ‚guten Gott‘ sprechen kann. Als abschließenden Punkt der Hausarbeit gestalte ich einen Unterrichtsentwurf zum genannten Bibeltext. In dem anschließenden Fazit nehme ich Stellung zu den Schwierigkeiten während der Erstellung der Bachelorarbeit, welche persönlichen Antworten ich dabei gefunden habe und wie ich selber zu der Thematik der Hausarbeit stehe.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Persönliche Motivation
3. Warum ist es wichtig mit Kindern über Leid in Bezug auf Gott zu sprechen?
4. Was denken Kinder über Leid und Gott?
5. Was ist die Theodizeefrage?
6. Die Allmacht Gottes
6. 1 Warum lässt Gott das Leid zu?
7. Die Bibelstelle oh 9, 1-7
7. 1 Relevanz des Themas für die Schülerinnen und Schüler
7. 2 Bezug zum Lehrplan
8. Kompetenzerwartungen und Ziele der Unterrichtseinheit
8. 1 Thema der Unterrichtsstunde (Inhalt und Intention)
8. 2 Fachwissenschaftliche Analyse zum Lerninhalt der Unterrichtsstunde
8. 3 Fachdidaktische und methodische Begründung
8. 3. 1 Schwerpunktziel
8. 3. 2 Fachbezogene Einzelziele
8. 4 Verlaufsplanung
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und wie die Theodizeefrage (die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids) im Religionsunterricht der Grundschule behandelt werden kann. Am Beispiel der Heilung eines Blindgeborenen (Johannes 9, 1-7) wird ein pädagogischer Ansatz entwickelt, der Kindern einen Zugang zu einem mitfühlenden Gottesbild eröffnet.
- Leiderfahrungen von Kindern und ihre Gottesbilder
- Grundlagen der Theodizeefrage in Theologie und Bibel
- Die christliche Vorstellung von Gottes Allmacht und Liebe
- Didaktische Umsetzung der Wundererzählung im Grundschulunterricht
- Förderung eines vertrauensvollen Gottesverhältnisses trotz Leid
Auszug aus dem Buch
6. Die Allmacht Gottes
Zunächst stellt sich die zentrale Frage nach Gottes Allmacht. Um diese zu beantworten, werde ich die verschiedenen Meinungen aus der Literatur zusammenfügen und in Anbetracht der Fülle an Theorien, zu einem harmonischen Bild Gottes schließen.
Um herauszufinden, inwiefern der Begriff der „Allmacht“ auf Gott zutrifft, werde ich vor allem die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers untersuchen und mich auf „Wer ist Gott?“ von K. Erlemann (2008), „Wie kann Gott Leid und Katastrophe zulassen?“ von K. Berger (2005), „Dunkle Seiten Gottes“ von C. Link, W. Dietrich (2000) und „Der Allmächtige“ von W. H. Ritter, R. Feldmeier, W. Schoberth und G. Altner (1997) beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Arbeit führt in die Theodizeefrage im Grundschulkontext ein und stellt das methodische Vorgehen anhand der Bibelstelle Johannes 9, 1-7 vor.
2. Persönliche Motivation: Die Autorin legt ihre biografischen Hintergründe dar, die ihr Interesse an der Frage nach dem Warum des Leids und der Rolle Gottes begründen.
3. Warum ist es wichtig mit Kindern über Leid in Bezug auf Gott zu sprechen?: Es wird die psychologische und theologische Notwendigkeit erläutert, Leid im Unterricht zu thematisieren, da Kinder bereits früh mit Ängsten und Leid konfrontiert sind.
4. Was denken Kinder über Leid und Gott?: Dieses Kapitel analysiert das kindliche Gottesbild und wie Kinder versuchen, Leid und Gerechtigkeit in Beziehung zu setzen.
5. Was ist die Theodizeefrage?: Hier werden die philosophischen und theologischen Grundlagen des Begriffs der „Rechtfertigung Gottes“ gegenüber dem Übel in der Welt skizziert.
6. Die Allmacht Gottes: Die Autorin hinterfragt den Begriff der Allmacht kritisch und sucht nach einem Bild Gottes, das nicht als düstere Hoheit, sondern als Liebesmacht verstanden wird.
6. 1 Warum lässt Gott das Leid zu?: Dieses Kapitel erörtert biblische Lösungsansätze und betont das Vertrauen in Gott sowie die Bedeutung von menschlicher Freiheit.
7. Die Bibelstelle oh 9, 1-7: Der biblische Text der Wundererzählung wird präsentiert und dessen Bedeutung für Schülerinnen und Schüler sowie der Bezug zum Lehrplan hergestellt.
8. Kompetenzerwartungen und Ziele der Unterrichtseinheit: Die Lernziele der geplanten Unterrichtseinheit werden konkret definiert, insbesondere der Fokus auf Identifikation und Empathie.
8. 1 Thema der Unterrichtsstunde (Inhalt und Intention): Dieses Kapitel beschreibt die emotionale Auseinandersetzung der Kinder mit dem Leid und das Erkennen eines barmherzigen Gottes.
8. 2 Fachwissenschaftliche Analyse zum Lerninhalt der Unterrichtsstunde: Eine theologische Einordnung der Wundererzählung, insbesondere im Hinblick auf das Johannesevangelium und die Bedeutung des Lichts.
8. 3 Fachdidaktische und methodische Begründung: Es wird begründet, warum die gewählten Methoden, wie das Bodenbild und der Stuhlkreis, kindgerecht und didaktisch sinnvoll sind.
8. 3. 1 Schwerpunktziel: Zusammenfassung des primären pädagogischen Ziels, Gottes Liebe und Güte durch das biblische Beispiel erfahrbar zu machen.
8. 3. 2 Fachbezogene Einzelziele: Auflistung spezifischer Lernschritte, die die SuS im Rahmen der Unterrichtsstunde vollziehen sollen.
8. 4 Verlaufsplanung: Ein detaillierter Ablaufplan der Doppelstunde mit Zeitangaben, Methoden und Materialien.
9. Fazit: Die Autorin reflektiert ihre eigenen Erkenntnisse aus dem Schreibprozess und betont das neu gefestigte, vertrauensvolle Gottesverhältnis.
Schlüsselwörter
Theodizeefrage, Religionsunterricht, Grundschule, Leid, Gott, Allmacht, Johannesevangelium, Kinder, Gottesbild, Wundererzählung, Glaubensvertrauen, Religionspädagogik, Seelsorge, Hoffnung, Empathie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Theodizeefrage – also die Frage, warum ein guter Gott Leid zulässt – kindgerecht im Religionsunterricht der Grundschule thematisiert werden kann.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Felder sind die Bedeutung von Leid im Leben von Kindern, das theologische Verständnis von Gottes Allmacht und die didaktische Aufarbeitung biblischer Wundergeschichten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung eines Unterrichtsentwurfs basierend auf Johannes 9, 1-7, um Kindern ein liebevolles und begleitendes Gottesbild statt eines strafenden Gottes zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine theologische und fachdidaktische Analyse, die Fachliteratur mit religionspädagogischen Entwicklungsmodellen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen zur Theodizee und Allmacht diskutiert als auch die spezifische Auslegung der Bibelstelle für den Unterricht vorbereitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Theodizee, Gottesbild, Kindheit, Leidenserfahrung, Religionsunterricht und Hoffnung.
Wie gehen Kinder laut der Autorin mit dem Thema Leid um?
Kinder fragen intensiv nach der Gerechtigkeit Gottes, wobei sie oft dazu neigen, Gott in Schutz zu nehmen und die Schuld nicht bei ihm suchen, sondern nach einem Sinn oder Trost in schwierigen Lagen suchen.
Warum wird die biblische Wundergeschichte von Johannes 9, 1-7 als Beispiel gewählt?
Der Text bietet eine ideale Identifikationsfigur durch den Blindgeborenen und ermöglicht es, das Thema "Wozu dient das Leid?" statt "Warum ist es geschehen?" pädagogisch konstruktiv zu bearbeiten.
Welche Rolle spielt die Allmacht Gottes in der Arbeit?
Die Autorin plädiert dafür, Allmacht nicht als abstrakte Macht, sondern als "Liebesmacht" zu verstehen, die im Handeln Jesu konkret wird und den Menschen nicht als Marionette betrachtet.
Wie wirkt sich das Schreiben der Arbeit auf die Autorin aus?
Die Autorin berichtet, dass sie durch die wissenschaftliche Auseinandersetzung ein gefestigtes, zweifelloses Vertrauensverhältnis zu Gott gewonnen hat.
- Citation du texte
- Romy Beyer (Auteur), 2014, Die Theodizeefrage im Religionsunterricht der Grundschule am Beispiel von Joh 9, 1-7, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302642