Schwerpunkt dieser Hausarbeit ist die komische Dichtung im Poetry Slam und im Zuge dessen wird dem dafür charakteristischen Wortspiel ein besonderer Platz eingeräumt. Wortspiele tragen entscheidend zur Publikumsbegeisterung bei – nicht zuletzt in Anbetracht der ihnen anhaftenden humoristischen Note – und machen einen Text attraktiv und qualitätvoll. Anhand von komischer Lyrik im Poetry Slam soll veranschaulicht werden, wie eng Sprachreflexion und Literatur miteinander verflochten sein können. Diese Abhandlung will zeigen, dass sich Sprach- und Literaturunterricht nicht ausschließen müssen, sondern auch gepaart auftreten können. Zunächst erfolgt eine einführende Darstellung theoretischer Begriffe, bevor im zweiten Teil ein Unterrichtsvorschlag vorgestellt wird, der das Wortspiel im Kontext komischer Slamtexte behandelt.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
I. Theoretische Vorbemerkungen
1 Von der Wortbedeutung zum Wortspiel
1.1 Sprachreflexion: Bewusstsein für Sprache entwickeln
1.2 Wortsemantik
1.2.1 Polysemie und Homonymie
1.3 Wortspiel
2 Inkongruenztheorie: Vom Wortspiel zur komischen Dichtung
II. Unterrichtsvorschlag
1 Integrativer Unterricht – Wortspiele im Poetry Slam
2 Wortspiele in der komischen Lyrik des Poetry Slams
2.1 Das Thema und seine Intention(en)
2.2 Zur Textauswahl
2.3 Realisierung
a) Begegnung mit dem Text „Glasaugenstern“
b) Gruppenarbeit: Begegnung mit weiteren Textbeispielen
c) Textpräsentationen durch die Kleingruppen
d) Optional: Ergänzendes Unterrichtsgespräch
e) Schreibübungen zur komischen Lyrik
f) Präsentation und anschließende Reflexion
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Integration von Sprachreflexion und Literaturunterricht am Beispiel der komischen Dichtung im Poetry Slam, um das Interesse an Lyrik durch kreative, wortspielbasierte Methoden zu fördern.
- Poetry Slam als zeitgemäßes literarisches Format für den Unterricht
- Analyse und Verwendung von Wortspielen als sprachliche Gestaltungsmittel
- Theoretische Fundierung durch die Inkongruenztheorie
- Didaktische Umsetzung durch einen integrativen Unterrichtsvorschlag
- Förderung kreativer Schreibkompetenz durch produktiven Umgang mit Literatur
Auszug aus dem Buch
1.3 Wortspiel
Nachdem der vorangegangene Punkt die Wortsemantik behandelt hat, soll nun dieselbige in der Pragmatik – anhand von Wortspielen – betrachtet werden.
Davon [von Wortspielen] kann immer dann die Rede sein, wenn aufgrund identischer, gleicher, oder ähnlicher Lautungen wenigstens zwei fern stehende Denotate unerwartet und überraschend miteinander verbunden werden.
Käge, der im Rahmen seiner Dissertation über Motivation und persuasiven Sprachgebrauch Komposita-Wortspiele einer genaueren Betrachtung unterzieht, gliedert diese ihrer semantischen Innenstruktur entsprechend in drei Kategorien: Remotivation, Transmotivation und Pseudomotivation.
Re- und Transmotivation basieren auf dem Austausch üblicher Motivationsbedeutungen mit komischen und neuen durch Konstituentendistanzierung. Laut Käge könne eine solche Distanzierung per Bindestrich, morphologische Eingriffe oder kontextuelle Steuerung herbeigeführt werden.
Bei der Remotivation geht es darum, die ursprüngliche Inhaltsebene eines Kompositums freizulegen. Dies kann, gemäß Heibert, durch eine Aktualisierung des ursprünglichen Inhalts junge Frau bei Jungfrau erfolgen: Diese Jungfrau ist schon etwas älter. Als Beispiel zur Konstituentendistanzierung mit Hilfe eines Bindestrichs führt Heibert Augen-Blick an. Eine weitere Variante um zu veranschaulichen, dass sich ein Kompositum von seiner ursprünglichen Motivationsstruktur entfernt hat, bietet das morphologische Verändern einer Konstituente, etwa durch Pluralbildung: Nächtewandler.
Bei der Remotivation geht es um die Anhebung einer ursprünglich existenten – mittlerweile verblassten – Motivationsbedeutung. Bei der Transmotivation hingegen gehe es darum, die Motivationsbedeutung durch eine überraschende okkasionelle zu ersetzen, so Käge. Das Zustandekommen eines transmotivierten Wortspieles ist der – nach Möglichkeit vorhandenen – lexikalischen Mehrdeutigkeit der beteiligten sprachlichen Einheiten zu verdanken.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Poetry Slam als motivierendes Element im Lyrikunterricht und steckt das Ziel der Arbeit ab: die Verknüpfung von Wortspiel und komischer Dichtung.
I. Theoretische Vorbemerkungen: Dieses Kapitel liefert die linguistische Basis zu Wortbedeutung, Semantik, Mehrdeutigkeit (Polysemie/Homonymie) und Wortspiel sowie die Humortheorie.
II. Unterrichtsvorschlag: Hier wird ein konkretes Konzept für den Deutschunterricht der Klassen 9/10 vorgestellt, das auf der funktionalen Integration von sprachanalytischen und produktiven Elementen basiert.
3 Schluss: Das Fazit resümiert, dass der vorgestellte Ansatz den Schülerinnen und Schülern durch die spielerische Arbeit mit Sprache den Zugang zu Lyrik erleichtert und kreative Freiräume schafft.
Schlüsselwörter
Poetry Slam, Wortspiel, Komische Lyrik, Sprachreflexion, Integrativer Unterricht, Wortsemantik, Inkongruenztheorie, Mehrdeutigkeit, Komposita, Literaturunterricht, Produktives Schreiben, Didaktik, Humorforschung, Sekundarstufe, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz komischer Lyrik aus dem Bereich Poetry Slam im schulischen Deutschunterricht der Sekundarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Linguistik der Wortspiele, Humortheorien sowie die didaktische Konzeption eines integrativen Literaturunterrichts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Sprach- und Literaturunterricht sinnvoll miteinander verknüpft werden können, um Lyrik für Schüler attraktiver zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche zu linguistischen Fachbegriffen und Humortheorien, kombiniert mit einer unterrichtspraktischen methodischen Ausarbeitung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Semantik, Wortspielkategorien, Inkongruenztheorie) dargelegt und anschließend in einen schulpraktischen Unterrichtsvorschlag übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Poetry Slam, Wortspiel, komische Lyrik, Inkongruenztheorie und integrative Didaktik.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Wortspielarten?
Die Arbeit orientiert sich an der Kategorisierung von Otmar Käge und unterscheidet zwischen Remotivation, Transmotivation und Pseudomotivation.
Warum wird speziell der Poetry Slam für den Unterricht gewählt?
Der Poetry Slam gilt als lebendige, zeitgemäße Form der Lyrik, die durch ihre Kürze, Mündlichkeit und den spielerischen Umgang mit Sprache Schülerinnen und Schüler stärker motiviert als traditionelle Texte.
Welche Rolle spielt die Inkongruenztheorie?
Sie dient zur Erklärung des humoristischen Effekts, da Komik entsteht, wenn Erwartungen durch inkongruente (widersprüchliche) Elemente innerhalb eines Textes oder einer Situation gebrochen werden.
Was ist das Ergebnis der Schreibübungen für die Schüler?
Die Schüler sollen durch den produktiven Umgang mit ambiguen Wörtern eigene humoristische Texte entwickeln und so ein tieferes Verständnis für sprachliche Mehrdeutigkeit erlangen.
- Arbeit zitieren
- Anselm Stifel (Autor:in), 2009, Wortspiele in der komischen Lyrik des Poetry Slams, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302653