Die Zuwanderung von Migranten ist aktuell eines der politischen und sozial meist diskutierten Themen in ganz Europa. Leider wird dieses Thema gerade in Deutschland u.a. durch einseitige, mediale Berichterstattung immer wieder ins schlechte Licht gerückt. Mit Migranten assoziieren die meisten lediglich Lärm, Müll und Kriminalität.
Ähnlich verhält es sich mit dem Thema über die nationalen Minderheiten in Deutschland, zu denen die deutschen Sinti und Roma zählen. Viele Deutsche verwenden die Bezeichnung „Zigeuner“ – ein Begriff, der eine negative Konnotation aufweist und von 93,1 % der deutschen Sinti und Roma als diskriminierend empfunden wird. Mit „Zigeunern“ verbinden die meisten Deutschen Eigenschaften wie: „Nicht sesshaft“, „unhygienisch“, „unmoralisch“, „diebisch“, etc.
Bis 1997 gab es in der Rechtsgrundlage keinen speziellen Schutz für nationale Minderheiten. Mittlerweile dienen das Rahmenübereinkommen, die Charta und insbesondere das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz dem Schutz nationaler Minderheiten.
Doch welchen Einfluss hat die rechtliche Entwicklung auf die Lebenssituation der deutschen Sinti und Roma tatsächlich eingenommen?
In der nachfolgenden Arbeit soll untersucht werden, wie deutsche Sinti und Roma den Alltag in Deutschland erleben; werden sie von der Mehrheitsbevölkerung diskriminiert und ausgeschlossen oder in den deutschen Sozialstaat integriert und akzeptiert?
Es geht hierbei nicht nur um die Alltagssituation und das soziale Miteinander zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen, sondern insbesondere auch die Wohn-, Bildungs- und Arbeitsmarktsituation soll untersucht werden.
Die heutige Lebenssituation eines deutschen Sinti und Roma steht somit im Fokus dieser Arbeit, um die Frage: „Inwiefern lebt ein deutscher Sinti oder Roma zwischen Antiziganismus und Integration?“ beantworten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Allgemeines
2.1.1 Sinti und Roma
2.2. Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
2.3. Rechtliche Grundlagen der Sinti und Roma
2.3.1 Charta der Grundrechte
2.3.2 Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
2.3.3 Deutsches Grundgesetz
2.3.4 Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
2.3.5 Bundeswahlgesetz (BWG)
2.3.6 Resümee
2.4 Aktuelle Lebenssituation
2.4.1 Alltag
2.4.2 Wohnen
2.4.3 Bildung
2.4.4 Beschäftigung/Arbeitsmarkt
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Lebenssituation deutscher Sinti und Roma im Spannungsfeld zwischen staatlicher Integration und fortbestehendem Antiziganismus. Dabei wird analysiert, inwieweit bestehende rechtliche Rahmenbedingungen tatsächlich Schutz im Alltag, im Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie im Bildungswesen gewährleisten.
- Analyse der rechtlichen Grundlagen zum Schutz nationaler Minderheiten in Deutschland
- Untersuchung der alltäglichen Lebensrealität und Diskriminierungserfahrungen
- Bewertung der Bildungs- und Arbeitsmarktsituation für Sinti und Roma
- Einordnung von Antiziganismus in Medien, Politik und Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Bildung
Nicht nur als Lehramtsstudentin werde ich regelmäßig mit Bildungsdiskussionen zum Thema Schule konfrontiert, sondern es ist allgemein bekannt, welchen Stellenwert die Bildung besonders in der heutigen Gesellschaft einnimmt.
Strauß hat in Bezug auf die Bildungssituation der deutschen Sinti und Roma zwischen 2007 und 2011 eine Studie erstellt, in der 275 Interviews mit Sinti und Roma in 35 Städten und Orten durchgeführt wurden. Strauß erklärt, dass man – soziologisch gesprochen – nicht die genauen Daten für die „Grundmasse“ der Sini und Roma in Deutschland kennt und somit im strengen Sinne nicht von einer repräsentativen Befragung sprechen kann. „Allerdings sind die Interviews nach sozialer Lage, Geschlecht, Alter, Wohngegend und Bildungssituation so breit gestreut und vielfältig, dass man mit hoher Plausibilität davon ausgehen kann, dass hier ein Bild von dieser Minderheit gezeichnet werden kann, das auch bei repräsentativer Befragung nur geringfügige Veränderungen erfahren würde.“ (Vgl. 4.3.2.: Strauß)
Aufgrund des hohen Misstrauens seitens der Sinti und Roma gegenüber Deutschen, wurden 14 Sinti und Roma als Interviewerinnen und Interviewer ausgebildet, sodass diese die Befragungen durchführen konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Relevanz des Themas Antiziganismus und stellt die Forschungsfrage nach der Lebenswirklichkeit deutscher Sinti und Roma zwischen Diskriminierung und Integration.
2. Hauptteil: Der Hauptteil umfasst die historische Einordnung, eine detaillierte Analyse der rechtlichen Grundlagen sowie eine Untersuchung der aktuellen Lebenssituation in den Bereichen Alltag, Wohnen, Bildung und Arbeitsmarkt.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von mehr Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft sowie die Forderung nach einer effektiven Umsetzung gesetzlicher Schutzmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Sinti, Roma, Antiziganismus, Integration, Diskriminierung, Minderheitenschutz, Grundgesetz, Bildungsbenachteiligung, Arbeitsmarkt, Vorurteile, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, gesellschaftliche Teilhabe, Rassismus, Lebenssituation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Lebensrealität deutscher Sinti und Roma im Kontext von Antiziganismus und der Frage, inwiefern sie in die deutsche Gesellschaft integriert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf rechtliche Schutzmechanismen, die Alltagssituation, die Wohnverhältnisse, die Bildungslage sowie die Beschäftigungssituation der Minderheit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis von Studien und Experteninterviews zu bewerten, ob die rechtliche Gleichstellung von Sinti und Roma auch zu einer tatsächlichen gesellschaftlichen Akzeptanz und Chancengleichheit geführt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse unter Einbeziehung empirischer Studien sowie qualitativer Experteninterviews mit Vertretern der Landesverbände.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung, eine detaillierte Prüfung gesetzlicher Grundlagen (wie AGG, Charta und Grundgesetz) sowie eine detaillierte Auswertung der Bildungs-, Wohn- und Arbeitssituation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Antiziganismus, Integration, Minderheitenschutz und gesellschaftliche Diskriminierung beschreiben.
Welche Rolle spielt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) für die Minderheit?
Das AGG dient als rechtliche Grundlage zum Schutz vor Benachteiligung im Alltag und Arbeitsmarkt, weist jedoch in der Praxis (insbesondere bei der Wohnungssuche) erhebliche Lücken auf.
Wie bewerten die Landesverbände die aktuelle Situation in den Medien und der Politik?
Die Verbände kritisieren eine zunehmende Verschlechterung und Rückschritte, da Medien und Politiker Begriffe wie „Sinti und Roma“ zunehmend im Kontext von Armutszuwanderung und negativen Vorurteilen instrumentalisieren.
- Arbeit zitieren
- Jessica Krüger (Autor:in), 2014, Sinti und Roma in Deutschland. Inwiefern leben diese zwischen Antiziganismus und Integration?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302678