Der Aufbau und die Handlung der „Toten Seelen“ sind um eine einzige zentrale Figur komponiert - dem Helden Cicikow. Die Figur zieht sich als Leitfaden durch alle elf Kapitel des ersten Teils, wobei der Autor erst im letzten Kapitel eine zusammenhängende und verbindliche Darstellung über Herkunft und Vorleben Cicikows einschiebt. Vorliegende Arbeit untersucht die Eigenschaften des Protagonisten, versucht seine Beziehung zu anderen Figuren zu beleuchten. Weitere Figuren, die im Werk auftauchen, sind weiniger als Persönlichkeit zu werten, sondern eher als Typus, der für eine bestimmte Schicht, für einen bestimmten Charakter steht: Gutsbesitzer, Bauern, Beamte, rechtschaffen, empfindsam, aktiv.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Typisierung der Figuren zur Unterstützung der Charakterisierung
3. Figur und Figurenreihe - Čičikov und die Gutsbesitzer
4. Pavel Ivanovic Čičikov - die Ausnahme unter Gogols Romanfiguren
4.1. Das äußere Erscheinungsbild
4.2. Darstellung und Selbstdarstellung - Čičikovs Innenleben
4.2.1 Čičikovs Anpassungsfähigkeit
4.2.2 Čičikovs Eitelkeit
4.2.3 Čičikovs Moral
5. Die Beziehung Autor und Čičikov
6. Schlussbemerkung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Figur des Protagonisten Pawel Ivanovič Čičikov in Nikolaj Gogols Hauptwerk „Die Toten Seelen“. Ziel ist es, die Charakterisierung Čičikovs durch eine Analyse seiner äußeren Erscheinung, seines Verhaltens in der Interaktion mit anderen Romanfiguren sowie seiner Beziehung zum Autor zu entschlüsseln und seine Rolle als dynamischen Gegenpol zur statischen Typisierung der Gutsbesitzer herauszuarbeiten.
- Die Analyse der Typisierung bei Gogol als kompositorisches Mittel.
- Die Gegenüberstellung von Čičikov und der Reihe der Gutsbesitzer.
- Untersuchung von Čičikovs Anpassungsfähigkeit, Eitelkeit und Moral.
- Die Reflexion der ambivalenten Beziehung zwischen dem Autor und seiner Hauptfigur.
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Čičikovs Anpassungsfähigkeit
Čičikov hat während seine Reise fünf Operationen durchzuführen, fünf Operationen bei fünf verschiedenen Gutsbesitzern. Die unterschiedlichen Typen der Gutsbesitzer erfordern eine große Flexibilität. Die Enthüllung seiner Absichten, die verstorbenen Bauer kaufen zu wollen ruft unterschiedliche Reaktionen bei den Gutsbesitzern hervor, auf die Čičikov jedesmal anders eingehen muß. Die daraus notwendigen Reaktionsweisen zeigen Čičikovs Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit, die sich vorrangig in den Dialogen mit den einzelnen Gutsbesitzern äußert.
Neben der direkten Charakteristik, die sich in der Beschreibung des Äußeren und der äußeren Merkmale erschöpft, mißt Gogol der indirekten Charakteristik von Čičikov mehr Bedeutung bei. Im Dialog mit den Gutsbesitzern werden Eigenschaften wie z.B. die Anpassungsfähigkeit präzisiert. Ähnlich dem Chamäleon kann sich Čičikov der Umgebung und den Verhältnissen einordnen. Jeder Veränderung, die um Čičikov geschieht, bedeutet für ihn eine Herausforderung.
Hier sind die u.a. die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei den Verhandlungen Čičikovs mit den Gutsbesitzern Manilov und Sobakevič zu nennen. Beim Treffen mit dem Gutsbesitzer Manilov fällt Čičikov in das umständliche und höfliche Gebaren Manilovs ein und es entwickelt sich ein umständlicher Dialog um den Vortritt in das Gastzimmer. In dem darauffolgenden Gespräch paßt sich Čičikov der weitschweifigen Sprache Manilovs an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Protagonistenanalyse in „Die Toten Seelen“ ein und begründet die Konzentration auf den ersten Teil des Werkes.
2. Typisierung der Figuren zur Unterstützung der Charakterisierung: Dieses Kapitel erläutert, wie Gogol durch die Typisierung von Nebenfiguren wie Gutsbesitzern und Beamten einen Kontrast zu seinem Protagonisten schafft.
3. Figur und Figurenreihe - Čičikov und die Gutsbesitzer: Hier wird das Spannungsverhältnis zwischen der statischen Figurenreihe der Gutsbesitzer und dem dynamisch gezeichneten Čičikov analysiert.
4. Pavel Ivanovic Čičikov - die Ausnahme unter Gogols Romanfiguren: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert die äußere Erscheinung, das Innenleben sowie moralische Aspekte der Hauptfigur.
5. Die Beziehung Autor und Čičikov: Dieses Kapitel erörtert die distanzierte, aber dennoch subjektiv geprägte Haltung Gogols gegenüber seiner Schöpfung.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Čičikovs Charakterisierung in den Kontext literaturwissenschaftlicher Interpretationsansätze ein.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Nikolaj Gogol, Die Toten Seelen, Pawel Iwanowitsch Tschitschikow, Literaturanalyse, Charakterisierung, Gutsbesitzer, Typisierung, Anpassungsfähigkeit, Eitelkeit, Moral, Russisches Literatur des 19. Jahrhunderts, Erzählform, Romanfigur, Psychologische Analyse, Autorendistanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Figur des Pawel Iwanowitsch Tschitschikow in Nikolaj Gogols Roman „Die Toten Seelen“ und untersucht seine Funktion als zentraler Protagonist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die literarische Typisierung, das Zusammenspiel zwischen Figur und Handlung, Čičikovs innere und äußere Charakteristik sowie die Beziehung des Autors zu seinem Helden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die spezifische Konstruktion des Helden Čičikov zu verstehen und aufzuzeigen, wie er sich durch Dynamik und Anpassungsfähigkeit von den statischen Gutsbesitzer-Typen unterscheidet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zur Gogol-Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die äußere Erscheinung, Čičikovs Anpassungsfähigkeit in Dialogen, seine Eitelkeit, sein moralisches Verständnis und die Erzählweise des Autors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Čičikov, Typisierung, Anpassungsfähigkeit, Moral, Gogols Romanstruktur und die Charakterentwicklung des Protagonisten.
Wie verhält sich Čičikov gegenüber den verschiedenen Gutsbesitzern?
Er erweist sich als chamäleonartig und passt sein sprachliches Gebaren und sein Verhalten flexibel an den jeweiligen Charakter des Gegenübers an, um seine Ziele zu erreichen.
Warum ist die „Mahagonischatulle“ für die Charakterisierung wichtig?
Sie dient als Symbol für Čičikovs verborgenes Innenleben und unterstreicht die Geheimhaltung seiner wahren Absichten.
- Quote paper
- Teresa Wanczura (Author), 1997, Der Held in Gogols "Die toten Seelen": Pavel Ivanovi Cicikov, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30268