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Unzuverlässiges Erzählen in Christoph Heins "Der fremde Freund / Drachenblut"

Titel: Unzuverlässiges Erzählen in Christoph Heins "Der fremde Freund / Drachenblut"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 23 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Steffen Kutzner (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit weißt nach, dass es sich bei der Ich-Erzählerin in Christoph Heins Novelle "Der fremde Freund / Drachenblut" um eine unzuverlässige Erzählerin nach den Kriterien von Martinez und Scheffel handelt. Darüber hinaus wird die Ich-Erzählerin anhand zweier psychoanalytischer Theorien untersucht, um eine eventuell vorliegende Geisteskrankheit festzustellen, die die These vom unzuverlässigen Erzähler untermauert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arten unzuverlässigen Erzählens – und welche zutrifft

3. Merkmale unzuverlässigen Erzählens in Der fremde Freund / Drachenblut

3.1 - Autodiegetisches Erzählen

3.2 - Häufung von subjektiv gefärbten Kommentaren

3.3 - Zwanghaftes Monologisieren

3.4 – Linguistische Signale für Subjektivität und hohe Involviertheit

3.5 – Eingestandene Erinnerungslücken und kognitive Beschränkungen

3.6 – Explizite Widersprüchlichkeiten und andere Unstimmigkeiten

3.6.1 – Karlas Glück und Claudias Unglück

3.6.2 – Die Birke in der Windmühle

3.6.3 – Mutter, Vater, „Kriegskind“

3.6.4 – Henry, seine Frau und Claudias Exmann

3.6.5 – Katharina, die ewig Reine

3.6.6 – Drachenblut

4. Eine flog übers Kuckucksnest – Ist Claudia geisteskrank?

4.1 – Erwerb von sozialen Einstellungen und deren Änderung

4.2 – Carl Rogers und das Selbstkonzept

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Christoph Heins Novelle "Der fremde Freund / Drachenblut" unter erzähltheoretischen und psychologischen Gesichtspunkten. Das zentrale Ziel ist es, die Rolle der Ich-Erzählerin Claudia als unzuverlässige Erzählerin zu analysieren und zu klären, inwieweit ihre psychische Verfassung und ihr soziales Umfeld diesen Erzählstil prägen und bedingen.

  • Analyse des unzuverlässigen Erzählens nach Nünning.
  • Untersuchung von Claudias Beziehungsstrukturen und Selbstverleugnung.
  • Anwendung psychologischer Theorien zur Einstellungsänderung und zum Selbstkonzept.
  • Erforschung der Verbindung zwischen literarischer Fiktion und psychologischer Symptomatik.
  • Bewertung der psychischen Stabilität der Hauptfigur.

Auszug aus dem Buch

3.6.4 – Henry, seine Frau und Claudias Exmann

Henry ist neben Claudia selbst, die Figur, die am deutlichsten macht, wie ausgeprägt Claudias Selbstverleugnung ist. Eine der wichtigsten Szenen der ganzen Novelle, die Apel >Claudias Zusammenbruch< nennt, wird durch Henrys Geständnis, er sei verheiratet ausgelöst: „Die Antwort nahm mir für Augenblicke den Atem. Ich war unfähig, einen Gedanken zu fassen. Mein Gehirn kreiste taumelnd um diese Worte. […] Vor Wut hätte ich laut aufheulen können.“ 52

Claudias rationales Konzept, die so vehement abgestrittene Vertrautheit der Beiden, löst sich an dieser Stelle für Momente auf und dem Leser wird ein kurzer Blick auf Claudias tatsächlichen Gefühlzustand gewährt. Die Tatsache, dass sie sich ob des Geständnisses „gedemütigt, hintergangen“ 53 und „maßlos gekränkt“ 54 fühlt, und für einen Moment von einem Gefühlssturm überwältigt wird, beweist, dass Claudia sich und Henry und dem Leser beständig etwas vorgemacht hat.

„Nur allzu deutlich wird hier, dass sie für Henry mehr empfindet als die von ihr angeblich bevorzugte distanzierte Nähe.“ 55 „Claudias uneingestandene Hoffungen zerbrechen in diesem Moment, einmal die Hoffung auf eine Partnerschaft, zum Zweiten aber auch jene auf Unversehrtheit gegenüber seelischem Schmerz.“ 56

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit stellt Christoph Heins Novelle vor und definiert das Forschungsziel, Claudia als unzuverlässige Erzählerin im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und psychischen Verfassung zu untersuchen.

2. Arten unzuverlässigen Erzählens – und welche zutrifft: Dieses Kapitel differenziert auf Basis der Theorie von Martinez und Scheffel zwischen verschiedenen Formen der Unzuverlässigkeit und begründet, warum bei Claudia theoretisch unzuverlässiges Erzählen vorliegt.

3. Merkmale unzuverlässigen Erzählens in Der fremde Freund / Drachenblut: Anhand verschiedener Kriterien wie dem autodiegetischen Erzählen, Monologisieren und expliziten Widersprüchen wird die Unzuverlässigkeit der Erzählerin detailliert belegt.

4. Eine flog übers Kuckucksnest – Ist Claudia geisteskrank?: Mit psychologischen Theorien zu sozialen Einstellungen und dem Selbstkonzept nach Rogers wird untersucht, inwieweit Claudias Verhalten auf eine psychische Störung hinweist.

5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Analyse die Unzuverlässigkeit der Erzählerin durch literarische und psychologische Belege stützt und Claudias dissoziative Tendenzen verdeutlicht.

Schlüsselwörter

Unzuverlässiges Erzählen, Claudia, Christoph Hein, Der fremde Freund / Drachenblut, Selbstkonzept, psychische Erkrankung, soziale Einstellung, Inkongruenz, Verdrängung, Erzähltheorie, Selbstverleugnung, kognitive Dissonanz, Identität, Literaturanalyse, Fiktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Christoph Heins Novelle "Der fremde Freund / Drachenblut" mit dem Ziel, die Ich-Erzählerin Claudia als unzuverlässige Erzählerin zu identifizieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Erzähltheorie, der Analyse sozialer Beziehungsstrukturen sowie der psychologischen Untersuchung der Hauptfigur.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, inwiefern und woran festgemacht sich das Phänomen des unzuverlässigen Erzählens in der Novelle zeigt und ob Claudias Verhalten als psychisch krank einzustufen ist.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Autorin kombiniert erzähltheoretische Modelle, insbesondere nach Nünning sowie Martinez und Scheffel, mit psychologischen Ansätzen wie der funktionalen Einstellungstheorie und Carl Rogers’ personenzentrierter Theorie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst formale Merkmale des unzuverlässigen Erzählens im Text belegt, gefolgt von einer psychologischen Analyse, die Claudias Selbstkonzept und ihre Abwehrmechanismen betrachtet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie unzuverlässiges Erzählen, Selbstverleugnung, Inkongruenz, Identität und psychische Stabilität stehen im Mittelpunkt der Untersuchung.

Warum ist Claudia laut dieser Analyse eine unzuverlässige Erzählerin?

Claudia zeigt eine ständige Verfälschung, ein ununterbrochenes Verleugnen und eine Versäumnis ihrer eigenen Gefühle, was sie als glaubwürdige Instanz infrage stellt.

Welche Rolle spielt der "Schutzpanzer" für die Erzählerin?

Der "Schutzpanzer" dient Claudia als Schutzmechanismus, um sich vor emotionalen Enttäuschungen zu bewahren, was jedoch zu einer tiefen Entfremdung von sich selbst und anderen führt.

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Details

Titel
Unzuverlässiges Erzählen in Christoph Heins "Der fremde Freund / Drachenblut"
Hochschule
Universität Leipzig  (Germanistik)
Note
2,0
Autor
Steffen Kutzner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V302696
ISBN (eBook)
9783668017429
ISBN (Buch)
9783668017436
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturwissenschaft Christoph Hein Drachenblut Der fremde Freund Ich-Erzähler DDR-Literatur Unzuverlässiges Erzählen Neuere deutsche Literatur Psychologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Steffen Kutzner (Autor:in), 2009, Unzuverlässiges Erzählen in Christoph Heins "Der fremde Freund / Drachenblut", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302696
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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