Zeitbewusstsein in der Postmoderne. Entwicklung von Gesellschaft, Institution und Individuum


Hausarbeit, 2015

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zeit als ein soziales Konstrukt eines Systems

2. Zeitbewusstseins auf der Makroebene – das einheitliche System

3. Das deutsche Bildungssystem - Beispiel eines ökonomischen Zeitbewusstseins in einer zukunftsorientierten Leistungsgesellschaft

4. Zeitbewusstsein auf der Mikroebene – das gespaltene Individuum

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Zeit ist eine der wertvollsten Ressourcen des Menschen. Der Umgang und die Nutzung von Zeit haben sich jedoch im Verlaufe der gesellschaftlichen Entwicklung verändert. Diese Arbeit legt einen Fokus auf das gesellschaftliche Zeitbewusstsein in der Postmoderne.

Um dieses breite Thema einzugrenzen wird der Frage nachgegangen, wie gesellschaftliche Strukturen eines Systems, im Rahmen eines kollektiven Zeitbewusstseins, Einfluss auf dem System zugehörige Individuen ausüben und welche Konsequenzen daraus folgen.

Zunächst werden die Wahrnehmung und der Umgang mit Zeit im gesamtgesellschaftlichen Kontext auf der Makroebene beleuchtet. Anschließend wird der Fokus auf die Mikroebene gelenkt und der Einfluss gesellschaftlicher zeitlicher Anforderungen auf das Individuum beschrieben. Ein Fazit rundet diese Arbeit ab.

1. Zeit als ein soziales Konstrukt eines Systems

In der heutigen modernen Gesellschaft und dem entstandenen sozialen Wandel, haben sich neue gesellschaftliche Sozialstrukturen gebildet. Diese Strukturen sind wiederum in Systemen bzw. Gesellschaftsformen eingebunden und auf drei verschiedenen Ebenen beobachtbar: Auf der Makroebene der Zivilisation und Kultur, auf der Mesoebene der Institutionen und Netzwerke und auf der Mirkoebene des Individuums und dessen Interaktionen.

Die folgende Abbildung von Lena Groß (2014, S. 61) veranschaulicht die Makro-, Meso- und Mikroebene unter Einbeziehung des Themas „Umgang mit Zeit“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der spezifischen Betrachtung auf den einzelnen Ebenen, kann die komplexe Thematik von Zeitbewusstsein strukturiert erläutert und der wechselseitige Einfluss von Gesellschaft, Institution und Individuum beschrieben werden.

2. Zeitbewusstseins auf der Makroebene – das einheitliche System

Der Umgang und die Nutzung von Zeit haben sich im Verlauf gesellschaftlicher Entwicklungen verändert. Während noch bis zum Spätmittelalter das Prinzip der Langsamkeit herrschte, sind moderne Gesellschaften durch Beschleunigungsprozesse gekennzeichnet, welche als Folge der Industrialisierung bzw. Technisierung angesehen werden können.

Zeit gilt in der modernen Gesellschaft als ein kostbarer Faktor, welcher besonders aus ökonomischer Sicht effizient genutzt werden möchte. Die effiziente Nutzung der Zeit und ihre einhergehende Beschleunigung wird häufig als Hauptmerkmal der Moderne beschrieben (vgl. Herrmann 2005). Hartmut Rosa beleuchtet an dieser Stelle den paradoxen Effekt, dass trotz technischer Beschleunigung die Gesellschaft unter Zeitknappheit und Entfremdung leide. Die Beschleunigung des sozialen Wandels bringe, so Rosa, zugleich eine rasante Veränderung von Werten, Lebensstilen und Beziehungen mit sich (vgl. Rosa 2013). Dadurch entstehen stets neue Anforderungen an Gesellschaftsformen, Institutionen sowie an den einzelnen Bürger, um sich diesen Veränderungen an zu passen und im System funktionieren zu können.

Eine weitere Theorie von Zeitbewusstsein auf der Makroebene beschreibt Anthony Giddens in seinem Werk „ Strukturation und Sozialer Wandel“. Nach Giddens (1995) entwickeln moderne Gesellschaften ein eigenständiges Bewusstsein von der Zeit, indem sie ein lineares Zeitbewusstsein und damit die Idee des individuellen und gesellschaftlichen Fortschritts entwickeln. Häder (1996) vertieft diesen Gedanken und unterscheidet zwei verschiedene Formen des linearen Zeitbewusstseins innerhalb einer Gesellschaft: das linear offene und das linear geschlossene Zeitbewusstsein.

Das linear offene Zeitbewusstsein legt den Fokus auf die Gegenwart: “Was die Zukunft für mich bringt, hängt davon ab, was ich heute mache. Wie die Zukunft aber genau aussieht, weiß ich nicht“ (Häder 1996, S. 21). Das linear geschlossene Zeitbewusstsein handelt von der Gegenwart aus, mit dem Ziel in der Zukunft etwas Bestimmtes erreichen zu können. Es ist daher zukunfts- bzw. zielorientiert geprägt: “In meiner Entwicklung bewege ich mich auf ein Ziel zu, dessen Erreichen ich durch mein Handeln beeinflussen kann“ (Häder 1996, S. 21).

Angesichts der Komplexitätssteigerung von Gesellschaften in der Moderne formuliert Luhmann (1980) die Hypothese, dass in der Moderne der Zukunftshorizont von Gesellschaften gegenüber ihren Vergangenheiten an Bedeutung gewinnt und die Zukunft zunehmend zum Medium gesellschaftlicher Selbstbeschreibung wird.

Vom heutigen Standpunkt aus, kann Luhmanns Hypothese insofern bestätigt werden, dass wir in einer zukunftsorientierten Leistungsgesellschaft leben, die bestrebt ist, viel Kraft und Zeit in ihren Zukunftshorizont zu investieren.

Besonders im Bildungswesen und seinen regelmäßigen Reformen ist das Phänomen der zukunftsorientierten Leistungsgesellschaft erkennbar. Aufgrund des hohen Wachstums im Dienstleistungssektor, sind Politik und Wirtschaft gefordert, Fachkräftebedarf zu fördern. Dieser Wandel hat zugleich Auswirkungen auf Bildungssysteme und Arbeitsmärkte. Mehr Bildung und Qualifizierung sind notwenig, um den steigenden Fachkräftebedarf zu sättigen (vgl. Innovationskreis berufliche Bildung, 2007).

3. Das deutsche Bildungssystem - Beispiel eines ökonomischen Zeitbewusstseins in einer zukunftsorientierten Leistungsgesellschaft

In Deutschland gibt das System bzw. der Staat durch Gesetze vor, dass jedes Kind in der Regel 9-10 Jahre zur Schule gehen muss. Das Schulpflichtgesetz ist in den Landesverfassungen der einzelnen Bundesländer verankert (vgl. Grundstruktur des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland, 2014). Der Staat fördert Schulbildung unter anderem mit dem Ziel, eine Beschäftigungsfähigkeit (employability) deutscher Bürger zu schaffen, damit diese nachhaltig wirtschaftliche Beiträge auf dem Arbeitsmarkt liefern können. Das deutsche Bildungssystem beschreibt somit ein linear geschlossenes Zeitbewusstsein mit ökonomischer Zielsetzung, da in der Gegenwart gehandelt wird (Bildungserwerb) und auf die Zukunft gerichtet ist (ökonomischer Beitrag).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Zeitbewusstsein in der Postmoderne. Entwicklung von Gesellschaft, Institution und Individuum
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Fakultät 01)
Veranstaltung
Forschung über Zeittheorien in der Postmoderne
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V302715
ISBN (eBook)
9783668009677
ISBN (Buch)
9783668009684
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitempfinden, Zeitbewusstsein, Zeit, Soziologie, Zeitkonzepte, zeittheorien
Arbeit zitieren
Katrin Edler (Autor), 2015, Zeitbewusstsein in der Postmoderne. Entwicklung von Gesellschaft, Institution und Individuum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302715

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zeitbewusstsein in der Postmoderne. Entwicklung von Gesellschaft, Institution und Individuum



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden