Der Begriff Manufacturing Execution System (MES), der Mitte der 1990er Jahre aus den USA herüber kam, wird heute unglücklicherweise mit „Fertigungsmanagementsystem“ übersetzt. Unglücklicherweise deshalb, weil Fertigungsmanagementsystem (FMS) etwas Umfassendes bezeichnet, Execution (Durchführung) aber nur ein Teil des Managements ist. Im Sinne des Umfassenden sollte ein IT-System, das als Fertigungsmanagementsystem bezeichnet werden kann, funktional zuallererst alle Bereiche der Fertigung vollständig abdecken und dann auch wie ein „echtes“ Managementsystem ausgestattet sein.
Das Arbeitspapier entwickelt auf der Basis anerkannter Referenzmodelle für Industriebetriebe (Y-CIM, SCOR, SCM und ISA 95) ein kongruentes Aufgabenmodell, welches den Funktionsumfang für ein FMS im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts umreisst und beschreibt. Zum Ende des Artikel wird erläutert wie sich diese Aufgaben im Kontext von Industrie 4.0 ändern und was das Ziel von Industrie 4.0 ist.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Realität und DIN 62264
- Referenzmodell für FMS-Systeme
- Pyramidenmodelle
- FMS der Zukunft - Industrie 4.0
- Literaturhinweise
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieses Arbeitspapier befasst sich mit dem Funktionsumfang von Fertigungsmanagementsystemen (FMS) im Kontext von Industrie 4.0. Es analysiert die aktuelle Situation, in der die Bezeichnung „MES“ (Manufacturing Execution System) oft zu eng gefasst wird und die Bedeutung von umfassenden FMS-Systemen, die alle Bereiche der Fertigung abdecken, verdeutlicht wird.
- Die Bedeutung der DIN 62264 und ANSIISA-95.00.04-20054-Draft 3 für den Funktionsumfang von FMS-Systemen
- Die Notwendigkeit einer umfassenden Integration von Funktionen für Produktion, Instandhaltung, Qualitätssicherung und Logistik in FMS-Systemen
- Die Unterscheidung zwischen Produktionsmanagement und dem umfassenderen Konzept des Fertigungsmanagements
- Der Unterschied zwischen herkömmlichen Patchwork-Systemen und dem Ansatz der multifunktionalen Funktionscluster
- Die Rolle von Informationsströmen und Geschäftsprozesssequenzen im Fertigungsbereich
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Der Text beleuchtet die Missinterpretation des Begriffs „MES“ und betont die Bedeutung von umfassenden Fertigungsmanagementsystemen (FMS), die alle Bereiche der Fertigung abdecken, einschließlich Planung, Steuerung, Durchführung, Dokumentation und Analyse.
- Realität und DIN 62264: Der Text kritisiert die unzureichende Unterstützung der heutigen MES-Systeme für alle Bereiche der Fertigung. Er betont die Bedeutung von Normen wie DIN 62264, die einen umfassenden Funktionsumfang für FMS-Systeme definieren.
- Referenzmodell für FMS-Systeme: Dieses Kapitel behandelt die Integration von Funktionen für Instandhaltung, Qualitätssicherung und Logistik in FMS-Systeme. Es argumentiert gegen die Verwendung von herkömmlichen Patchwork-Systemen und befürwortet multifunktionale Funktionscluster.
Schlüsselwörter
Fertigungsmanagementsysteme, MES, Industrie 4.0, DIN 62264, ANSIISA-95.00.04-20054-Draft 3, Funktionsumfang, Produktion, Instandhaltung, Qualitätssicherung, Logistik, Patchwork-Systeme, multifunktionale Funktionscluster, Informationsströme, Geschäftsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen MES und FMS?
MES (Manufacturing Execution System) bezieht sich oft nur auf die Durchführung, während ein FMS (Fertigungsmanagementsystem) alle Bereiche der Fertigung vollständig und umfassend abdeckt.
Welche Rolle spielt die DIN 62264 für Fertigungssysteme?
Die DIN 62264 definiert einen umfassenden Funktionsumfang für FMS-Systeme und dient als anerkannter Standard für die Integration von Produktion und Unternehmensleitung.
Was ändert sich für FMS im Kontext von Industrie 4.0?
In Industrie 4.0 wandeln sich die Aufgaben hin zu einer stärkeren Vernetzung, Echtzeit-Kommunikation und der Integration von Instandhaltung, Logistik und Qualitätssicherung in multifunktionale Cluster.
Warum wird der Begriff "Patchwork-System" kritisiert?
Patchwork-Systeme bestehen aus isolierten Einzellösungen, die Informationsflüsse behindern. Die Arbeit befürwortet stattdessen integrierte, multifunktionale Funktionscluster.
Welche Referenzmodelle werden zur Aufgabenmodellierung genutzt?
Die Arbeit nutzt anerkannte Modelle wie Y-CIM, SCOR, SCM und ISA 95, um ein kongruentes Aufgabenmodell für moderne Industriebetriebe zu entwickeln.
- Citar trabajo
- Dr. Heinrich Kehl (Autor), 2015, Zum Funktionsumfang von Fertigungsmanagementsystemen Industrie 4.0, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302717