Biblische Motive im Film "Dogville" von Lars von Trier. Eine Gegenüberstellung verschiedener Filminterpretationen


Hausarbeit, 2013
9 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Biblische Motive in Dogville
2.1. Grace als Christusfigur
2.2. Der Sündenfall
2.3. Die Gerechtigkeitsvorstellungen des alten und neuen Testaments

3. Die Intention von Dogville

4. Resümee

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Filmverzeichnis

1. Einführung

Dogville[1] ist ein Spielfilm des dänischen Regisseurs Lars von Trier. In dieser Arbeit soll eine vergleichende Gegenüberstellung fünf verschiedener Interpretationsversuche von Dogville unternommen werden. Die Autoren der dafür ausgewählten Artikel folgen alle einer theologischen Herangehensweise und erkennen in Dogville biblische Motive, setzen bei ihrer Interpretation jedoch unterschiedliche Schwerpunkte und unterscheiden sich somit auch in ihren Schlussfolgerungen. Im zweiten Kapitel soll geklärt werden, inwiefern und aus welchen Gründen die verschiedenen Autoren Dogville mit der Bibel und mit Religion im Allgemeinen in Beziehung setzen. Dazu werden die von den Autoren erkannten biblischen Motive und ihre vermeintlichen Bedeutungen genauer betrachtet, während im dritten Kapitel dargelegt werden soll, welche Aussageabsicht die Autoren hinter Dogville vermuten.

2. Biblische Motive in Dogville

Reinhold Zwick untersucht in seinem Text „Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour) - Eine intertextuelle Lektüre von Dogville“[2] welche biblischen Motive in Dogville Vorkommen und ist der Ansicht, dass diese Motive wesentlich für die Sinnkonstitution des Films seien.[3]

Auch Stefan Orth behauptet in seinem Text „Gnade, wem Gnade gebührt? Dogville aus der Perspektive theologischer Anthropologie“[4] es könne nicht daran gezweifelt werden, dass „vielfältige religiöse Hintergründe“ in Dogville von Bedeutung seien und Lars von Trier damit „theologisches Denken“ provoziere.[5]

Willibald Sandler hält es laut seinem Text „Der Sündenfall von Dogville. Interpretation von Lars von Triers Film aus einer dramatisch-theologischen Perspektive“[6] ebenfalls für unabstreitbar, dass Trier mit Dogville „christlich­religiöse Themen“[7] aufgreift.

Auch in den Texten „Dogville - Jesus schlägt zurück“[8] von Andreas Thomas sowie „Deus ex mafia. Poetische Gerechtigkeit in Lars von Triers Dogville“[9] von Susanne Kaul wird die Handlung von Dogville mit biblischen Motiven in Verbindung gebracht.[10]

2.1. Grace als Christusfigur

In allen für diese Arbeit herangezogenen Texten wird unter anderem die Frage untersucht, ob die Protagonistin Grace als Christusfigur angesehen werden kann. Kaul bejaht diese Frage. In ihrem Text interpretiert sie Grace als eine „Imitatio Christi“[11], da sie den Menschen im Dörfchen Dogville diene und sich ihnen letztendlich auch opfere.[12] Grace könne außerdem deshalb als Imitatio Christi gesehen werden, weil sie an eine mit einem Gewicht beschwerte Kette festgemacht werde und diese Kette als eine „Anspielung auf den Kreuzweg“[13] gedeutet werden könne.

Thomas sieht Grace ebenfalls aufgrund ihrer Opferrolle als „weiblichen Christus“.[14]

Orth interpretiert die Handlungen der Protagonistin sehr ähnlich. Er benutzt jedoch statt „Imitatio Christi“ oder „weiblicher Christus“ den Begriff „Christus inkognito“.[15] Auch er begründet diese Bezeichnung mit der Gütigkeit und Opferbereitschaft von Grace.[16] Der bereits angesprochene „Kreuzweg“ findet sich ebenfalls in seiner Interpretation wieder. Hier wird dieser Weg als „grausame Passionsgeschichte“[17] bezeichnet. Orth geht allerdings ein Stück weiter als Kaul und zeigt auch Grenzen für die Bezeichnung von Grace als Christusfigur auf. Da es am Ende des Films eine Wendung gebe und auf den Kreuzweg von Grace keine Kreuzigung und Auferstehung folgen würden, könne Grace hier nicht mehr als Christus inkognito bezeichnet werden.[18]

Zwick stellt in seinem Text fest, dass Grace schon aufgrund ihres Namens auf die Bibel verweise und wie ein „Gnadengeschenk“ nach Dogville gekommen sei.[19] Er sieht Grace außerdem ebenso deshalb als Christusfigur an, weil sie sich immer mehr entäußere und so immer „christusförmiger“ werde.[20] Auch die Beschreibung ihres Weges als „Passionsgeschichte“ findet sich in seiner Interpretation.[21] Allerdings kann auch er Grace nicht uneingeschränkt als Christusfigur bezeichnen, da die Auslöschung von Dogville am Ende des Films, welche auch von Orth als die entscheidende Wendung bezeichnet wird, ein „zutiefst gottwidriges Rachehandeln“ sei.[22]

Sandler schreibt in seinem Text, dass das Schicksal von Grace zwar an Jesus erinnere[23], sie aber dennoch „einen authentischen Christus-Typus“[24] verfehle und widerspricht damit den vier bisher behandelten Interpretationen. Er ist der Ansicht, dass die Duldsamkeit von Grace gegenüber den Angriffen der Bewohner von Dogville, wie beispielsweise der Vergewaltigung durch Chuck, problematisch sei.[25] Nach „christologischen Maßstäben“ hätte sie ihm demnach „widersprechen müssen [...] um ihn vor den fatalen Konsequenzen seiner gewaltsamen Gier für ihn selber zu warnen“[26]. Grace habe also grundsätzlich anders gehandelt, als es für eine Christusfigur typisch sei. Sie habe sich von dem Verhalten der Einwohner von Dogville zu wenig distanziert und sei so „zu einer Komplizin geworden“.[27]

2.2. Der Sündenfall

Ein weiteres biblisches Motiv, welches in zumindest drei der fünf ausgewählten Interpretationen behandelt wird, ist der Apfel. In einer Aussage des Off-Erzählers wird Grace mit dem Apfel im Garten Eden verglichen, da sie sich verletzlich und zugänglich dargeboten habe.[28]

Nach Ansicht von Zwick stelle die „Eintragung des Garten Edens in den Filmtext [...] die gesamte Dogville-Handlung unter das Vorzeichen von Sündenfall“ und damit auch „vor einen [...] biblischen Deutungshorizont“[29].

Auch Orth ist der Ansicht das DorfDogville werde „ausdrücklich mit den Insignien der sündigen Welt dargestellt“. Der Apfel ist seiner Meinung nach ein „Sinnbild für die Versuchung des Menschen durch das Böse“ und so sei auch Grace als Gnadengeschenk eine Versuchung, welcher die Menschen in Dogville erliegen und somit sündigen. Daher tauche der Apfel auch oft in Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen auf Grace auf, beispielsweise als sie zwischen Apfelkisten vergewaltigt wird.[30]

Sandler bezeichnet Grace in seinem Text ebenfalls als „verbotene Frucht“[31]. Der Sündenfall bestehe seiner Meinung nach darin, dass die Menschen das, was sie als Geschenk oder Gabe bekommen haben dennoch gewaltsam an sich reißen.[32]

2.3. Die Gerechtigkeitsvorstellungen des alten und neuen Testaments

Da die Menschen in Dogville am Ende des Films getötet werden, ist Kaul der Meinung, dass die strafende Gerechtigkeit, welche der Gerechtigkeitsvorstellung des alten Testaments entspreche, gegen die Gnade, welche für die Gerechtigkeitsvorstellung des neuen Testaments stehe, ausgespielt werde. Grace stehe dabei, wie bereits dargelegt, für die Gnade und ihr Vater, welcher ihr erst die Macht gibt die Bewohner zu töten, für das Weltgericht.[33] Als Grace und ihr Vater darüber reden wie mit den Bewohnern von Dogville umgegangen werden soll verkörpern sie nach

[...]


[1] Dogville, Regie: Lars von Trier, DK/SE/FR/NO/NL/FI/DE/US/GB 2003.

[2] Zwick, Reinhold, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour). Eine intertextuelle Lektüre von Dogville", in: Dogville - Godville.Methodische Zugänge zu einem Film Lars von Triers, Hg. Stefan Orth/Michael Staiger/Joachim Valentin, Marburg: Schüren 2008, S. 159-178.

[3] Vgl. Zwick, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour)", S. 160.

[4] Orth, Stefan, "Gnade, wem Gnade gebührt?. Dogville aus der Perspektive theologischer Anthropologie", in: Dogville - Godville.Methodische Zugänge zu einem Film Lars von Triers, Hg. Stefan Orth/Michael Staiger/Joachim Valentin, Marburg: Schüren 2008, S. 179-194.

[5] Vgl. Orth, "Gnade, wem Gnade gebührt?", S.180.

[6] Sandler, Willibald, "Der Sündenfall von Dogville. Interpretation von Lars von Triers Film aus einer dramatisch-theologischen Perspektive", Der Innsbrucker Theologische Leseraum - Universitätinnsbruck, 12.02.2008, www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/735.html, Zugriff: 23.08.2013.

[7] Sandler,"DerSündenfall vonDogville", Absatz 1.

[8] Thomas, Andreas, "Dogville. Jesus schlägt zurück",filmzentrale. gesammelte filmkritiken, o.J., http://www.filmzentrale.com/rezis/dogvilleat.htm, Zugriff: 23.08.2013.

[9] Kaul, Susanne, "Deus ex mafia. Poetische Gerechtigkeit in Lars von Triers Dogville", in: Fiktionen der Gerechtigkeit. Literatur - Film - Philosophie - Recht, Hg. Susanne Kaul/RüdigerBittner, Baden-Baden: Nomos 2005, S. 83-91.

[10] Vgl. Thomas, "Dogville"; Kaul, "Deus ex mafia", S.84.

[11] Kaul, "Deus ex mafia", S.84.

[12] Vgl. Kaul, "Deus ex mafia", S.84.

[13] Kaul, "Deus ex mafia", S.84.

[14] Vgl. Thomas, "Dogville".

[15] Vgl. Orth, "Gnade, wem Gnade gebührt?", S.188.

[16] Vgl. Orth, "Gnade, wem Gnade gebührt?", S.188.

[17] Orth, "Gnade, wem Gnade gebührt?", S.188.

[18] Vgl. Orth, "Gnade, wem Gnade gebührt?", S.188.

[19] Vgl. Zwick, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour)", S.168.

[20] Vgl. Zwick, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour)", S.170.

[21] Vgl. Zwick, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour)", S.170.

[22] Vgl. Zwick, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour)", S.176.

[23] Vgl. Sandler, "DerSündenfallvonDogville", Absatz 1.

[24] Sandler,"DerSündenfall vonDogville", Absatz 65.

[25] Vgl. Sandler, "Der Sündenfall von Dogville", Absatz 66.

[26] Sandler,"DerSündenfall vonDogville", Absatz 66.

[27] Vgl. Sandler, "Der Sündenfall von Dogville", Absatz 69.

[28] Dogville, Regie: Lars von Trier, DK/SE/FR/NO/NL/FI/DE/US/GB 2003; DVD-Video, München: Concorde Home Entertainment 2004, lh28'.

[29] Zwick, "Befreiung aus dem Sklavenhaus (und retour)", S.165.

[30] Vgl. Orth, "Gnade, wem Gnade gebührt?", S.192.

[31] Sandler,"DerSündenfall vonDogville", Absatz 9.

[32] Vgl. Sandler, "Der Sündenfall von Dogville", Absatz 9.

[33] Vgl. Kaul, "Deus ex mafia", S.84.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Biblische Motive im Film "Dogville" von Lars von Trier. Eine Gegenüberstellung verschiedener Filminterpretationen
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V302796
ISBN (eBook)
9783668012035
ISBN (Buch)
9783668012042
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
biblische, motive, film, dogville, lars, trier, eine, gegenüberstellung, filminterpretationen
Arbeit zitieren
Annika Pech (Autor), 2013, Biblische Motive im Film "Dogville" von Lars von Trier. Eine Gegenüberstellung verschiedener Filminterpretationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302796

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