Mit Inkrafttreten des neuen Berufsgesetzes für den Rettungsdienst im Jahre 2014 muss ein neues Curriculum für die nunmehr dreijährige Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern entwickelt werden. Eine besondere Herausforderung stellt die erstmalig in diesem Berufsfeld geforderte Handlungsorientierung der Ausbildung dar. Diese Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Schritten der Curriculumentwicklung auf Ebene der Bildungspolitik, der Bildungsträger sowie auf der Schulebene. Dabei werden verschiedenste Ansätze, vorrangig aus dem Bereich der dualen Berufsausbildung und anderer Gesundheitsfachberufe, herangezogen. Davon ausgehend wird ein Handlungsleitfaden für die Umsetzung der theoretischen, handlungsorientierten Ausbildung von Notfallsanitätern entwickelt. Dieser Leitfaden kann sowohl im Rahmen curricularer Arbeit, als auch bei der Ausbildung von Lehrkräften in diesem Berufsfeld Verwendung finden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Theoretischer Teil
1 Novelle der Berufsausbildung im Rettungsdienst
1.1 Historische Entwicklung des Berufsbildes
1.2 Berufsausbildung zum Rettungsassistenten
1.3 Novellierte Berufsausbildung- Notfallsanitätergesetz
1.4 Kritische Beurteilung der aktualisierten Berufsausbildung
2 Von der Fachsystematik zur Lernfelddidaktik
2.1 Handlungsorientierter Unterricht
2.2 Begriffe und Bestandteile des Lernfeldkonzeptes
2.3 Kritik und Erfahrungen mit dem Lernfeldkonzept
2.4 Die Bedeutung des Lernfeldkonzeptes in der Notfallsanitäterausbildung
3 Berufliche Curriculumentwicklung
3.1 Curriculumtheorie
3.2 Merkmale und Ebenen von Curricula
3.3 Curricularer Konstruktionsprozess
3.4 Entwicklungs- und Projektplan eines beruflichen Curriculums
II. Konzeptioneller Teil
4 Entwicklung eines Handlungsleitfadens
4.1 Ablaufplan des curricularen Entwicklungsprozesses
4.2 Auswahl von Ansätzen und Instrumenten
4.3 Struktur des Handlungsleitfadens
5 Makroebene des curricularen Konstruktionsprozesses
5.1 Handlungsschritt I: Analyse des Berufsbildes
5.2 Handlungsschritt II: Analyse der Rahmenbedingungen
5.3 Handlungsschritt III: Analyse von Handlungsfeldern
5.4 Handlungsschritt IV: Entwicklung von Lernfeldern
6 Beispiel: Rahmenrichtline für Baden- Württemberg
6.1 Curriculare Umsetzung der Novellierten Berufsausbildung
6.2 Kritische Beurteilung der Richtlinie
6.3 Fazit zur Richtlinie
7 Mesoebene des curricularen Entwicklungsprozesses
7.1 Entwicklungsarbeit auf der Mesoebene
7.2 Handlungsschritt V: Lernsituationen planen und entwickeln
8 Mikroebene des curricularen Entwicklungsprozesses
8.1 Handlungsschritt VI: Eine Unterrichtsreihe planen
8.2 Handlungsschritt VI: Unterrichtseinheiten planen
9 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen theoretisch fundierten Handlungsleitfaden für die Umsetzung der handlungsorientierten Berufsausbildung zum Notfallsanitäter zu entwickeln, um damit eine praxisnahe curriculare Planung auf verschiedenen Ebenen zu unterstützen.
- Historische und rechtliche Entwicklung der rettungsdienstlichen Berufsausbildung
- Grundlagen und Didaktik des Lernfeldkonzepts
- Prozess der beruflichen Curriculumentwicklung
- Methoden zur Analyse von Handlungsfeldern und Arbeitsaufgaben
- Konzeption und Strukturierung eines praktischen Handlungsleitfadens für die Notfallsanitäterausbildung
Auszug aus dem Buch
Handlungsschritt I: Analyse des Berufsbildes
Zu Beginn des curricularen Entwicklungsprozesses muss das auszubildende Berufsbild unter Beweis stellen, dass es den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird. Dabei sollen nicht nur die gegenwärtigen, sondern auch die künftigen beruflichen Anforderungen in Betracht gezogen werden. Ziel dieses Handlungsschrittes sollte somit ein differenziertes Berufsprofil sein, aus dem sich ein neues Berufsbild ergibt. (Schneider u. a., 2005, S. 48) Im Falle der Berufsausbildung zum Notfallsanitäter ist dieser Schritt auf der Ebene der Gesetzgebung bereits durchlaufen. Im Rahmen dieser Ausbildung muss daher festgestellt werden, ob die Ausbildung auch künftigen Tätigkeitsfeldern dieser Berufsgruppe gerecht wird. Dieser Handlungsschritt des curricularen Konstruktionsprozesses ist essentiell für die Entwicklung eines Curriculums. Das Ergebnis dieses Handlungsschrittes, das Berufsprofil, dient als Grundlage der nachfolgenden Schritte. Beginnt man den curricularen Konstruktionsprozess an dieser Stelle, so eröffnet sich ein Spannungsfeld zwischen den theoretischen Anforderungen an einen curricularen Konstruktionsprozess und den Realitäten beruflicher Bildung und Bildungspolitik: Der Beruf des Notfallsanitäters stellt keinen gänzlich neuen Beruf dar. Dennoch ergibt sich schon die Notwendigkeit, einen solchen Beruf zu schaffen, aus den Anforderungen und der Geschichte des beruflichen Feldes (s. Kapitel 1). Somit ergibt sich mit Blick auf den Gegenwartsbezug dieses historisch gewachsenen Berufes eine gesellschaftliche Legitimation des neuen Berufsbildes schon aus dem Umstand, aufgrund der Notwendigkeit eines neuen Berufsbildes den Entwicklungsprozess dieses Berufes angestoßen zu haben. Diese zugegebenermaßen abstrakte Kreisargumentation zum Gegenwartsbezug des Notfallsanitäterberufes macht den ersten Handlungsschritt jedoch keineswegs überflüssig. Eine differenzierte Betrachtung des Gegenwartsbezuges eines neu geschaffenen Berufsbildes liefert wertvolle Anhaltspunkte für dessen Umsetzung auf allen Ebenen des curricularen Konstruktionsprozesses. Desweiteren liefert eine fortlaufende Analyse des Zukunftsbezuges eines Berufsbildes Erkenntnisse zur Überarbeitung und Erweiterung curricularer Dokumente. Diese Erkenntnisse sind auch im Rahmen einer umfassenden didaktischen Analyse bei der Umsetzung der Berufsausbildung auf der Mikroebene unerlässlich.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die gesetzliche Neuordnung der Notfallsanitäterausbildung und begründet die Notwendigkeit, diese in handlungsorientierte, curriculare Lernfelder zu überführen.
1 Novelle der Berufsausbildung im Rettungsdienst: Dieses Kapitel stellt die historische Entwicklung der rettungsdienstlichen Qualifikationen sowie die kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Rettungsassistentenausbildung dar.
2 Von der Fachsystematik zur Lernfelddidaktik: Hier wird der theoretische Wandel vom fächerorientierten Unterricht hin zum handlungsorientierten Lernfeldkonzept erläutert.
3 Berufliche Curriculumentwicklung: Das Kapitel führt in Curriculumtheorien ein und beschreibt den Konstruktionsprozess für berufliche Curricula im Gesundheitswesen.
4 Entwicklung eines Handlungsleitfadens: Dieses Kapitel legt die Struktur für den zu entwickelnden Leitfaden fest und definiert den Ablaufplan des Entwicklungsprozesses.
5 Makroebene des curricularen Konstruktionsprozesses: Es werden die ersten Schritte der curricularen Planung beschrieben, insbesondere die Analyse des Berufsbildes, der Rahmenbedingungen und der Handlungsfelder.
6 Beispiel: Rahmenrichtline für Baden- Württemberg: Die erstellte Richtlinie wird als praktisches Beispiel vorgestellt, kritisch beurteilt und bewertet.
7 Mesoebene des curricularen Entwicklungsprozesses: Dieses Kapitel befasst sich mit der Konkretisierung von Lernfeldern zu planbaren Lernsituationen auf Ebene der Bildungseinrichtung.
8 Mikroebene des curricularen Entwicklungsprozesses: Der letzte Teil des Curriculums beschreibt die konkrete Unterrichtsplanung sowie die Gestaltung von Unterrichtsreihen und Einheiten.
9 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Notfallsanitäterausbildung sowie die Weiterentwicklung der Fachdidaktik.
Schlüsselwörter
Notfallsanitäter, Berufsausbildung, Rettungsdienst, Lernfeldkonzept, Curriculumentwicklung, Handlungskompetenz, Lernsituationen, Handlungsorientierung, Rahmenrichtlinie, Berufspädagogik, Didaktik, Berufsbild, Rettungsassistent, NotSanG, Bildungsgangplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der curricularen Umsetzung der neuen dreijährigen Berufsausbildung zum Notfallsanitäter. Ziel ist die Entwicklung eines Handlungsleitfadens, der eine handlungsorientierte Ausbildung auf Basis des Lernfeldkonzepts ermöglicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Rettungsdienstausbildung, die theoretischen Grundlagen des Lernfeldkonzepts, Modelle zur Curriculumentwicklung sowie die praktische Umsetzungshilfe für Lehrkräfte und Bildungsplaner im Rettungsdienst.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erstellung eines praxisorientierten Handlungsleitfadens, der verantwortliche Personen bei der Planung und Gestaltung der Notfallsanitäterausbildung auf Makro-, Meso- und Mikroebene unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deduktiven Ansatz, indem sie bestehende curriculare Modelle (wie den Entwicklungs- und Projektplan von Schneider et al.) analysiert, kritisch auf das Berufsfeld Rettungsdienst überträgt und durch Instrumente wie die Experten-Facharbeiter-Workshops und die BAG-Analyse ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist in einen theoretischen Teil (Grundlagen, Lernfelddidaktik, Curriculumtheorie) und einen konzeptionellen Teil (Entwicklung des Handlungsleitfadens, Analyse der Makro-, Meso- und Mikroebene sowie ein Praxisbeispiel aus Baden-Württemberg) gegliedert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Notfallsanitäter, Lernfeldkonzept, Curriculumentwicklung, berufliche Handlungskompetenz und didaktische Jahresplanung charakterisieren.
Warum reicht der bisherige Unterricht im Rettungsdienst nach Ansicht des Autors nicht mehr aus?
Der bisherige Unterricht war zu stark fachsystematisch an einzelnen Disziplinen orientiert und bot kaum Bezüge zur beruflichen Praxis. Das NotSanG erfordert nun eine Kompetenzorientierung, die nur durch handlungsorientierte Lernsituationen erreicht werden kann.
Welchen Stellenwert nimmt die Rahmenrichtlinie für Baden-Württemberg ein?
Sie dient in der Arbeit als exemplarisches Praxisbeispiel für eine landesweit lernfeldstrukturierte Richtlinie, die trotz einiger Optimierungsmöglichkeiten eine Vorreiterrolle einnimmt und als Arbeitsvorlage für andere Bundesländer dienen kann.
- Arbeit zitieren
- Jan Stolzewski (Autor:in), 2014, Entwicklung eines Handlungsleitfadens zur Umsetzung der Berufsausbildung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302797