Angststörungen


Hausarbeit, 2002

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Angstdefinition

3. Angststörungen
3.1. Agoraphobie
3.2. Panikstörung
3.3. Generalisierte Angststörung
3.3. Spezifische Angststörung
3.4. Soziale Phobie
3.5. Zwangsstörungen
3.6. Posttraumatische Belastungsstörung
3.7. Substanzinduzierte Angststörung

4. Der Begriff „Verhaltenstherapie“

5. Grundprinzipien verhaltenstherapeutischer Angstbehandlung

6. Verhaltenstherapie von phobischen Ängsten
6.1. Expositionsverfahren
6.2. Systematische Desensibilisierung
6.3. Konfrontationstherapie (Flooding)
6.4. In-vivo-Exposition
6.5. Kognitive Therapie
6.6. Verbessersung der verhaltenstherapeutischen

Angstbewältigungstherapie

7. Literaturliste

1. Einleitung

Angsthaben war ein vielen Menschen wohl bekanntes Gefühl, lange bevor dieses Phänomen zum Thema des wissenschaftlichen Forschens wurde. Das unbehagliche bedrohliche Gefühl der Angst in bestimmten Situationen, an bestimmten Orten oder in Gegenwart bestimmter Personen ist jedem Menschen aus eigenem Erleben bekannt. Menschen können sich in bestimmten Situationen gehemmt und beklemmt fühlen, tun manches mit Vorsicht oder „schlechtem Gewissen“ oder tun dies gar nicht aus Angst vor bösen Folgen. Sie verteidigen sich gegen Angriffe und Vorwürfe, weil sie sich bedroht fühlen, sie gehorchen vielen kulturellen und sozialen Zwängen, streben nach Ansehen, Besitz und Macht – alle aus Sicherheitsbedürfnis -> Unsicherheit -> Angst.

Dieses Gefühl der Angst treibt die Menschen dazu ihren Mitmenschen Angst zu machen, sie zu bedrohen, zu entmutigen, zu vertreiben, sie einzuschüchtern, gefügig zu machen, ihre Macht zu demonstrieren. Die Hauptfunktion hochentwickelter machtvoller Institutionen, wie Militär, Kirche und Gerichtsbarkeit ist es, den Menschen Angst zu machen und mit Hilfe der Angst zu kontrollieren, d.h. unerwünschtes Verhalten zu verhindern und erwünschtes zu erzwingen.

(vgl. Fürntratt, E. 1974, S. 12)

Es gibt Ängste, die unvermeidbar sind, sich auf reale Gefahren beziehen und eine positive Warnfunktion haben. Diese Ängste können sehr stark motivierend, aktivierend und als Ansporn für außergewöhnliche Leistungen wirken.

(vgl. Krohne, H. W. 1975, S. 9)

Ängste, die vermeidbar wären, werden nicht selten durch das Verhalten von Eltern, Erziehern oder Lehrpersonen ausgelöst, „z.T. aus bloßer Unwissenheit, z.T. auch ganz bewusst, um die Kinder zu disziplinieren, sie einzuschüchtern, um Gehorsam zu erreichen und ihren Widerstand zu brechen“.

(Heiliger, A. 1972, S. 10)

Sie drohen mit für Kinder unheimlichen Folgen z.B. mit dem „schwarzen Mann“, mit der „Hölle“, mit Krankheit, wenn es nicht aufisst, etc..

Je nach ihrem Ausmaß und ihren Ursachen können unheimliche und destruktive Ängste entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeit des Kindes oder Jugendlichen haben. Neugier, Aktivität, Initiative und Lern- und Leistungsfähigkeit können dadurch gehemmt werden, den Einzelnen apathisch und handlungsunfähig machen oder zu „blinder Aktivität“ führen. Destruktive Ängste zerstören die Vertrauenshaltung eines Individuums zu sich selbst und zum Anderen, machen ihn misstrauisch und verhindern eine freie Begegnung mit Anderen.

(vgl. Fürntratt, E. 1974, S. 14; Krone, H. W. 1975, S. 9; Heiliger, A. 1972, S. 11)

Zusammenfassend kann man festhalten:

Angst ist eine Variable, die menschliches Verhalten und Erleben entscheidend mitbedingen, motivieren, modifizieren oder auch hemmen kann. Folglich kann menschliches Verhalten besser verstanden werden, wenn Angst, ihre Mechanismen und Effekte gesehen und verstanden werden.

(vgl. Fürntratt, E. 1974, S. 14)

2. Angstdefinitionen

Wie die Verhaltens- und Erlebnisbereiche, Sexualität, Hunger und Aggressionen gehört auch die Angst zu den Grundbedingungen menschlicher Existenz. Angst ist nicht direkt unmittelbar beobachtbar, und die „Zuordnung des Wortes Angst zum Erlebnis der Angst ist immer individuell, d.h. nicht kontrollierbar, privat, daher das Gefühl nur jeweils der Person, die die Angst erlebt, zugänglich ist“.

(Lazarus/Mainka, G. 1976, S. 19 ff)

Angst ist nicht unmittelbar beobachtbar, um sie dennoch wissenschaftlich exakt erfassen und messen zu können, führten Wissenschaftler hypothetische Konstrukte ein. Ein hypothetisches Konstrukt ist der Erklärungsversuch über einen Sachverhalt, der der unmittelbaren Beobachtung nicht zugänglich ist.

(vgl. Levitt, E.E. 1976, S. 12)

Solche hypothetischen Konstrukte müssen operational definiert werden, d.h. es müssen Operationen angegeben werden, die das Gemeinte in irgendeiner Weise sichtbar machen und genauer umschreiben. (vgl. Fürntratt, E. 1974, S. 21)

Das Phänomen Angst kann durch eine Vielzahl beobachtbarer Sachverhalte operationalisiert werden, z.B. dass sich Personen vor Prüfungen in unterschiedlichem Maße aufregen, durch physiologische Veränderungen, wie Herzklopfen, Schwitzen, Zittern etc.. Vor allem Vertreter der Psychologie innerhalb der wissenschaftlichen Angstforschung bemühten sich um eine theoretische Erklärung und Analyse von Angstverhalten, genau so wie die unterschiedlichen Richtungen psychologischer Forschung:

1. Die Psychoanalytiker

Im System der Psychoanalyse wird die Angst als ein Sachverhalt angesehen, der das aktuelle neurotische Verhalten von Erwachsenen mit den Erfahrungen ihrer frühen Kindheit verbinden soll.

Zentrale Frage: Welches der Inhalt dieser frühkindlichen Ängste ist, und wie dieser Inhalt das Verhalten des Erwachsenen steuert?

2. Die behavioristischen Reiz-Reaktions-Theoretiker (Lerntheoretiker)

Der Angst wird ein Triebcharakter zuerkannt. Durch die Angst sollen die Unterschiede im Ablauf von Leistungs- und Lernprozessen erklärt werden.

Zentrale Frage: Wie diese variable Triebstärke mit verschiedenen Reiz-Reaktions-Verbindungen bei der Verhaltensmanifestation interagiert?

3. Die Kognitionspsychologen

In diesem Modell wird Angst als eine Emotion angesehen, die bestimmte Prozesse der Informationsverarbeitung begleitet -> physiologischer Erregungszustand.

Zentrale Frage: Wie kognitive und physiologische Prozesse miteinander verbunden sind, bzw. sich wechselseitig

beeinflussen?

(vgl Krohne, H. W. 1975, S. 9)

Die drei theoretischen Systeme setzen zwar unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb der Angstforschung und kommen so zu unterschiedlichen Definitionen von Angst, aber in allen drei Modellen wird Angst als ein durch die Wahrnehmung oder Vorstellung einer komplexen Gefahrensituation ausgelöster Erregungszustand definiert (durch Konfrontation mit einer bedrohlichen Situation bzw. mit einem bedrohlichen Reiz wird Angstverhalten ausgelöst).

Dieser Erregungszustand wird subjektiv als hochgradig unangenehm erlebt und von physiologischen Veränderungen und Verhaltensänderungen begleitet.

In der Angstforschung trennt man die akute oder Zustandsangst begrifflich und operational von der chronischen oder Eigenschaftsangst (Ängstlichkeit). Akute Angst ist ein zeitlich relativ kurzfristiger, schnell vorübergehender, emotionaler Zustand. Ängstlichkeit dagegen bezeichnet eine relativ überdauernde Persönlichkeitseigenschaft, die einen ständigen Einfluss auf das Verhalten Ängstlicher ausübt.

(vgl Krohne, H. W. 1975, S. 9)

3. Angststörungen

Ängste, Sorgen und Befürchtungen ...

Jeder Mensch macht sich manchmal Sorgen, bei Familienproblemen, Krankheiten oder Spannungen am Arbeitsplatz ist es etwas ganz normales, sich zu sorgen, zu grübeln und über die quälenden Probleme nachzudenken. Jeder Mensch hat auch manchmal Angst: Kinder fürchten sich im Dunkeln, manche Menschen verspüren große Angst vor Prüfungen, oder bei anderen bricht vor einem Zahnarztbesuch der Angstschweiß aus.

Doch was ist, wenn diese Ängste krank machen?

Pathologische Ängste finden sich bei fast allen psychischen Störungen, man spricht dann von Angststörungen. Angststörungen, die das Leben beeinträchtigen, im Sinne einer Krankheit (pathologische Ängste) sind dann gegeben, wenn diese Ängste

- ohne jeden realen Grund auftreten und zu lange andauern,
- auch nach Beseitigung einer realen Bedrohung andauern,
- zu stark, unangemessen und zu häufig auftreten,
- mit belastenden körperlichen Symptomen verbunden sind,
- keine Erklärungskonzepte zur Beruhigung vorhanden sind,
- starke Einschränkungen im Leben bewirken,
- ein starkes Leiden verursachen.

(vgl. Reinecker, H., 1993, S. 4)

Die Diagnostizierung von Angststörungen durch Psychotherapeuten und Psychologen erfolgt nach dem ICD (International Codex of Diseases), dem weltweit anerkannten Diagnoseschema der Weltgesundheitsorganisation. Dabei erfolgte in dem letzten ICD-10 die folgende Einteilung der Angststörungen:

Phobische Störungen

Agoraphobie ohne Panikstörung/mit Panikstörung

Soziale Phobien

Spezifische (isolierte) Phobien

Sonstige Angststörungen

Panikstörung

Generalisierte Angststörung

Angst und depressive Störung, gemischt

Sonstige gemischte Angststörungen, wie dissoziative Störungen und Zwangsstörungen

(vgl. Dilling, H., et.al.,1993, S. 155)

Im Diagnoseschema der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung, dem DSM- IV wird folgende Unterteilung der Angststörungen vorgenommen:

Panikstörung ohne Agoraphobie

Panikstörung mit Agoraphobie

Agoraphobie ohne Panikstörung in der Vorgeschichte

Spezifische Phobie

Soziale Phobie

Generalisierte Angststörung

Zwangsstörung

Posttraumatische Belastungsstörung

Akute Belastungsstörung

Angststörung auf Grund eines medizinischen Krankheitsfaktors

Substanzinduzierte Angststörung

(vgl. American Psychiatric Association, 1996)

3.1. Agoraphobie

Agoraphobie wird auch als die Angst vor der Angst bezeichnet, d.h. Erwartungsangst. Sie stellt das zentrale Merkmal der Agoraphobie dar. Bei agoraphobischen Zuständen handelt es sich oft um plötzlich auftretende Angstzustände mit Herzklopfen, Schwindel, Ohnmachtgefühlen, Todesangst und der Angst die Kontrolle zu verlieren. Es wird somit bereits die Agoraphobie mit Panikstörung beschrieben. „Die Angst ist da, wie von selbst ein plötzlich auftretendes Etwas“. Die Auslöser von Agoraphobien sind in der Regel langandauernde, belastende traumatische Stresszustände, die oft zu ersten Panikattacken führen und in deren Folge häufig eine Agoraphobie auftritt.

(vgl. Markraf, J. u. Schneider S., 1996, S. 5)

Als Agoraphobie bezeichnet man nicht nur die Angst vor offenen Plätzen, sondern auch alle Ängste vor öffentlichen Orten, Situationen und Menschenansammlungen, wo bei dem plötzlichen Auftreten einer unerwarteten Panikattacke oder ähnlichen Symptomen eine Flucht schwierig oder keine Hilfe verfügbar wäre. Besonders angsterzeugend ist dabei die Vorstellung darüber, die Kontrolle über sich und seinen Körper zu verlieren, plötzlich in der Öffentlichkeit umzufallen und hilflos liegen zu bleiben, oder durchzudrehen und verrückt zu werden. (vgl. Dilling, H., et.al.,1993, S. 156)

Phobische Situationen werden gemieden oder nur mit Unbehagen ertragen. Solche Situationen sind beispielsweise der Aufenthalt im Freien unter vielen Menschen oder bei fehlender Fluchtmöglichkeit, bei außerhäuslichen Aktivitäten jeder Art, bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, beim Aufenthalt in öffentlichen bzw. halböffentlichen Räumen, beim Aufenthalt in engen, hohen, geschlossenen oder dunklen Räumen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Angststörungen
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V30291
ISBN (eBook)
9783638315791
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angststörungen
Arbeit zitieren
Andreas Reineck (Autor), 2002, Angststörungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30291

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