Smart City. Kritische Analyse des Konzepts


Hausarbeit, 2013

21 Seiten, Note: 1


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Ausganglage
1.2. Forschungsfragen und Methode

2. Begriffsdefinition

3. Abgrenzung zu anderen nachhaltigen Konzepten

4. Umgang mit dem Konzept
4.1 "Smart City" und seine Verwendung
4.2 Ansätze und Rankings
4.3 Grenzen und Probleme des Begriffs

5. Inhaltliche Mängel

6. Fazit: Relevanz für die Raumplanung

7. Quellenverzeichnis

8. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Seminars "Trends in der Stadtentwicklung" im Sommersemester 2013 auf der Technischen Universität Wien und wurde von Univ.Prof. Mag. Dr. Rudolf Giffinger und Univ.Prof. Dipl.-Ing. Sibylla Zech betreut und organisiert. Die Lehrveranstaltung ist Bestandteil des Wahl-Modul 1 Stadtentwicklung, Stadterneuerung und Stadtmarketing und beschäftigte sich im speziellen mit dem "Smart-City" Ansatz. Ziel dieser Lehrveranstaltung war es, sich kritisch mit diesem Konzept in Bezug zu aktuellen Problemen der Stadtentwicklung, Umweltqualität und Energieverbrauchs auseinander zu setzen.

Folgende Arbeit beginnt mit einer kurzen Einleitung, welche die Ausgangslage für das Aufkommen des Begriffes und Konzeptes "Smart City" kurz erläutert und die für diese Arbeit relevanten Forschungsfragen und die angewendete Methode beschreibt. Anschließend werden verschiedene Begriffsdefinitionen von "Smart City" genauer analysiert und versucht, zu anderen nachhaltigen Konzepten abzugrenzen. Weiters folgt eine aktuelle Darstellung, wie Städte aber auch verschiedene Rankings weltweit mit dem Konzept "Smart City" umgehen. Daraufhin werden diverse inhaltliche Mängel kritisch betrachtet und hinterfragt, wie "smart" eine smart City wirklich ist. Abschließend werden im Fazit die Aufgabe und die Verantwortung der Raumplanung in Bezug zu diesem Konzept näher erläutert.

1.1. Ausganglage

Bereits heute lebt rund die Hälfte der weltweiten Bevölkerung in Städten. Prognosen zu Folge wird dieser Anteil künftig weiter steigen und damit weiter zur einer starken Verstädterung und Urbanisierung von Regionen beitragen (vgl. SmartCitiesNet 2011: 12). Die Urbanisierung fordert eine intensive Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen der Stadtentwicklung sowie der Umweltqualität und des Energieverbrauchs.

Zusätzlich sehen sich die Städte durch die Globalisierung und Liberalisierung der Weltwirtschaft, sowie durch die schnelle technologische Veränderungen der letzten Jahrzehnte mit zusätzlich geänderten Rahmenbedingungen konfrontiert. Diese beeinflussen nicht nur die Produktion von Gütern, sondern auch die Verteilung und die Konsumation. Aufgrund der Verbindung zwischen wirtschaftlicher Aktivitäten und Raumnutzung wirken sich diese Veränderungen stark auf die städtischen Entwicklungen aus (vgl. Giffinger et al. 2007: 5) und müssen daher von der Stadtplanung aufgegriffen werden. Vor allem die erhöhte Faktormobilität von Kapital und Wissen spielt eine große Rolle bei der Veränderung des Raums. Durch den Abbau von nationalen Barrieren können Firmen ihre Entscheidungen bezüglich Standort und Produktionsbedingungen flexibler wählen. Es ist mittlerweile unkompliziert möglich, die Produktion in verschiedensten Ländern zu realisieren. Globale Entscheidungen, die nunmehr ohne Berücksichtigung von administrativen Grenzen getroffen werden können (vgl. ebd.), schaffen eine zunehmende Wettbewerbssituation zwischen den Städten (vgl. ebd.: 18). Der entstehende Wettbewerb lässt neue Herausforderungen für die Stadt entstehen. Der erhöhter Ressourcenverbrauch (vgl. SmartCitiesNet 2011: 12), der in unter Wettbewerb stehenden Städten kaum vermeidbar ist, sowie der Klimawandel (vgl. ebd.) sind zentrale Themen für Städte von heute. Aufgrund der zunehmenden globalen Erwärmung und der zukünftig weiter steigenden CO2-Emissionen müssen die Städte eine wesentliche Rolle einnehmen (vgl. SmartCitiesNet 2011: 12). Das Smart Cities Konzept ist eine Idee, die diesen Gedanken und Aufgaben aufnimmt (vgl. ebd.).

Die ersten Ansätze des Konzeptes kamen in den 1990er Jahren im Zusammenhang mit den "Smart Homes" Konzept auf (vgl. SmartCitiesNet 2011: 11). Das Konzept stand im Allgemeinen für die Erhöhung der Benutzerfreundlichkeit von High-Tech Gebäuden durch Gebäudeautomationssystemen sowie durch Informations- und Kommunikationstechnologien. Zurzeit wird der Begriff jedoch immer mehr von den städtischen Verwaltungen für verschiedenste städteräumliche Maßnahmen eingesetzt. Besonders häufig wird der Begriff in Verbindung mit Aktivitäten zur Erhöhung der Lebensqualität und zur Senkung der CO2- Emissionen verwendet (vgl. ebd.). Durch das Smart City Konzept soll ein "smarter" Umgang mit den heutigen Herausforderungen erreicht werden und zu einer "zukunftsfähige städtische postfossile Gesellschaft" (vgl. ebd.: 14) führen.

1.2. Forschungsfragen und Methode

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einer kritischen Diskussion des Konzeptes "Smart City" und möchte etwas genauer hinter diesen Begriff und den verschiedenen Maßnahmen die aus städtischer Sicht damit verbunden werden Blicken. Aufgrund dessen lauten die zu beantwortenden Forschungsfragen dieser Arbeit wie folgt:

- Was ist eine „Smart City“ und wie wird dieser Begriff definiert?
- Wer darf sich als „Smart City“ bezeichne bzw. wie erhält eine Stadt die Bezeichnung "Smart City"?
- Wie smart ist das Konzept „Smart City“ wirklich?

Für die Beantwortung dieser Forschungsfragen wurde eine ausführliche Literaturrecherche in einschlägigen Fachzeitschriften, wissenschaftlichen Berichten und in Medienbeiträgen durchgeführt. Zudem wurde versucht, Beispiele aus den Abschlusspräsentationen (vom 28.06.2013 an der Universität Wien) der StudentInnen dieser Lehrveranstaltung einzubauen und kritisch bezüglich dessen Effizienz und "smartness" zu betrachten.

2. Begriffsdefinition

Städtenamen werden oft in Verbindung mit Beinamen genannt. Unter ihnen finden sich beispielsweise Kombinationen mit "Kulturhauptstadt", "UNESCO Weltkulturerbe", "Hansestadt". Diese Beifügungen werden aus den unterschiedlichsten Kontexten heraus gebildet.

Die Beifügung "Hansestadt" ist durch die Geschichte der Stadt begründet und bezeugt die Dazugehörigkeit zu einem Städtebund. Der Titel "Kulturhauptstadt Europas" entsteht aufgrund einer europäischen Initiative. Die Stadt muss den elf vorgeschriebenen Evaluierungskriterien entsprechen, um den Titel auf ein Jahr begrenzt verliehen zu bekommen. Die Betitelung als "UNESCO Weltkulturerbe" wird von offizieller Seite vergeben. Es müssen die zehn UNESCO-Kriterien erfüllt werden, um den Titel verliehen zu bekommen. Mit diesem geht eine Verpflichtung einher, das Welterbe zu schützen.

In jüngster Zeit findet sich immer wieder der Begriff "Smart City", der im Kontext mit Städten verwendet wird. Handelt es sich dabei um einen Titel, der verpflichtend und an bestimme Kriterien geknüpft ist? Oder ist "Smart City" ein Beiname oder Spitzname, der die Charakterisierung einer Stadt wiedergeben soll?

Was ist eine Smart City?

Definitionen um eine „Smart City“ zu beschreiben finden sich sowohl im Internet auch als in zahlreichen Literaturquellen wieder: In allgemeinen Diktionärs im Internet, auf Webseiten einzelner Städte, welche sich als Smart City behaupten, und auf Seiten von Unternehmen wie Siemens und IBM, die ihre eigenen „Smart City" Konzepte anwerben. So umfangreich wie das Angebot an Definitionen ist, so umfangreich und verschieden sind auch die einzelnen Begriffsbestimmungen. Theoretisch wird fast überall der gleiche Begriff und ein ähnlicher Ansatz gefunden, der ein intelligentes und zukunftsorientiertes Handeln für „Smart Cities“ bestimmt. Analysiert man die einzelnen Konzepte genauer, so finden sich jedoch viele Wiedersprüche.

Die folgenden Erklärungen sollen einige Beispiele für die Nutzung des Begriffes „Smart City“ aufzeigen. Sie verdeutlichen, wie groß die Unterschiede der Schwerpunkte dieses Konzeptes sind. Dazu wurde zum einen die Online-Enzyklopädie „WIKIPED “ genutzt, da sie für viele der erste Zugangspunkt ist, um unbekannte Begriffe zu bestimmen. Desweiteren wurden die zwei Stadtentwicklungskonzepte der Städte Wien und Graz auf den Begriff hin untersucht und zuletzt noch das Konzept von „IBM“ über Smart Cities überprüft.

Laut Wikipedia ist eine „Smart City“ eine Stadt, die intelligent mit „Investitionen in Human- und Sozialkapital und traditionelle (Transport) und moderne? (IKT) Kommunikationsinfrastruktur“ (Wikipedia 2013: online) umgeht. Desweiteren werden „nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“ (Wikipedia 2013: online) und eine hohe Lebensqualität mit einem klugen Management natürlicher Ressourcen, durch partizipative Aktionen und Engagement erreicht.

In der „Smart City“ Graz werden Handlungsfelder im Rahmen des Strategieprojektes „ I live Graz“ für die Bereiche Ökonomie, Gesellschaft, Ökologie, Mobilität, Energie, Ver-/ Entsorgung erstellt, welche für die zukünftige Stadtentwicklung von Graz in Richtung einer „Zero Emission" Stadt erforderlich sind (vgl. Stadtentwicklung Graz 2013 : online).

Die Stadt Wien definiert den Begriff „Smart City“ wie folgt: Eine Stadt die Informations- und Kommunikationstechnologien sowie ressourcenschonende Technologien einsetzt, um den Weg zu einer postfossilen Gesellschaft zu beschreiten. Durch das Senken des Verbrauchs von Ressourcen und Erhöhung der Lebensqualität und der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft soll sich die Stadt zu einer zukunftsorientierten „Smart City“ entwickeln (vgl. WSTW 2001: 5f).

Unternehmen wie IBM entwickeln ihre eigenen Konzepte von Smart Cities und natürlich die dazu benötigten Produkte und Systeme. In den drei Bereichen Planung und Management, Infrastruktur und Soziales finden sich zwölf Unterkategorien und die nötigen Systeme von IBM um diese Bereiche zu einer „Smart City“ umzuwandeln (vgl. IBM 2013: online ). (siehe Abbildung1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Smart City Konzept IBM. Quelle: IBM 2001: http://www.ibm.com/smarterplanet/global/images/us__en_us__cities__smarter_cities_eco_chart__460x350.gif

Der Begriff „Smart City“ wird zahlreich und gerne verwendet. Er ist sowohl in wissenschaftlichen Arbeiten, Literatur, Unternehmen oder in den Stadtentwicklungskonzepten der Städte selbst zu finden. Es bestehen jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Verwendungsbereichen. Während Städte gerne den Begriff mit nachhaltiger Stadtentwicklung in Beziehung bringen, sehen Unternehmen wie IBM oder SIEMENS den Bezug eher zur Technologie und somit zu ihren eigenen Systemen und Produkten. Auch in der Literatur selbst ist der Begriff nicht einheitlich definiert. Vielmehr wird er in Zusammenhang mit anderen Konzepten wie "Green City", "Sustainable City" oder "Ubiquituous City" genannt. Daher sorgt der Begriff "Smart City" für terminologische Verwirrungen und Unklarheiten.

Als der Begriff Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal aufgegriffen wurde, bestand ein starker Bezug zu Informations- und Kommunikationstechnologien in modernen Städten. Heutzutage ist die Bedeutung von "Smart" viel breiter gestreut und kann verschiedenste Bereiche wie E-Governance, soziales Lernen, Urbanisierung und städtisches Wachstum, soziale und umweltbedingte Nachhaltigkeit, Creative Industries uvm. beinhalten (Holland 2008: 3ff). Dies impliziert auch eine schwindende Abgrenzung zu anderen städtischen Begriffen.

3. Abgrenzung zu anderen nachhaltigen Konzepten Vergleich mit anderen Konzepten

Im Zusammenhang mit dem „Smart City“ Konzept tauchen weitere Konzepte auf, die eine ähnliche Ausrichtung der Stadt suggerieren. Im Folgenden wird das Konzept der „Smart City“ mit anderen bekannten Konzepten wie "Sustainable City", "Green City", "Ecocity" und " Climate neutral City" verglichen.

Nachhaltige Städte (Sustainable Cities)

Die Nachhaltige Stadt (Sustainable Cities) oder auch die Nachhaltige Stadtentwicklung wurde in der „Charta der Europäischen Städte und Gemeinden auf dem Weg zur Zukunftsbeständigkeit - Charter of European Cities Θ Towns Towards Sustainability“ am 27͘ Mai 1994 festgeschrieben͘ Die unterzeichnenden TeilnehmerInnen verpflichten sich ihre Weiterentwicklung in zehn Bereiche zu priorisieren. Der Bereich Stadtplanung und Stadtentwicklung konkretisiert die Entwicklung in Hinblick auf ein ökologisches, soziales und wirtschaftliches Handeln (vgl. Charta von Aalborg: 1994).

Die Hautpunkte sind:

- „Reduzierung des Anstiegs an bebauten Siedlungsflächen“
- „Wiedernutzung von städtebaulichen Brachen und Leerständen“
- „Verringerung der Bodenversiegelung“
- „Stärkung von Stoffkreisläufen“
- „Energieeinsparung sowie Erweiterung des Anteils regenerativer Energien“
- „Anbindung von Wohngebieten und Arbeitsstätten an öffentliche Verkehrsmittel Ressourcenschonender, kostenreduzierter Wohnungsbau“
- „Sicherung innerstädtischer Wirtschaftsstandorte“
- „Schaffung wohngebietsverträglicher Arbeitsplätze und Stärkung und Entwicklung innerstädtischer“ (vgl. Walcha o.J.: .8ff)

Grüne Städte (Green Cities)

Bei dem Begriff „Grünen Städte“ handelt es sich in dem Sinne um kein Konzept. Dieser Begriff wird sowohl in Verbindung mit Nachhaltigen Städten als auch mit Ökostädten erwähnt. Im Internet finden sich in diesem Zusammenhang auch zahlreiche Stadtbegrünungs-, Dach- oder Fassadenbegrünungsprojekte, die sich mit dem Begriff schmücken. (QUELLE?)

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Smart City. Kritische Analyse des Konzepts
Hochschule
Technische Universität Wien
Note
1
Autoren
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V302971
ISBN (eBook)
9783668014268
ISBN (Buch)
9783668014275
Dateigröße
1268 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
smart, city, kritische, analyse, konzepts
Arbeit zitieren
DI Manuela Stögerer (Autor:in)Jaroslaw Müller (Autor:in)Katharina Jutz (Autor:in), 2013, Smart City. Kritische Analyse des Konzepts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302971

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